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Veröffentlicht am 11.02.2026

Was? Du hier und nicht in Hollywood?

The Reappearance of Rachel Price (deutsche Ausgabe)
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Rachel Price ist wieder da. Das wäre an und für sich keine große Sensation, wenn diese Person nicht vor 16 Jahren von der einen auf die andere Sekunde wie vom Erdboden verschluckt worden wäre. Der Fall ...

Rachel Price ist wieder da. Das wäre an und für sich keine große Sensation, wenn diese Person nicht vor 16 Jahren von der einen auf die andere Sekunde wie vom Erdboden verschluckt worden wäre. Der Fall ihres Verschwindens hatte damals eine riesiges, mediales Echo nach sich gezogen und auch all die Jahre später sind Tochter Bel, Vater Charlie und alle anderen Familienmitglieder Teil einer Doku, die gerade gedreht wird, um dem Fall "Rachel Price" wieder mehr Aufmerksamkeit und der Familie ein paar Dollar zu verschaffen. Perfektes Timing, als Mom dann plötzlich wieder vor der Türe steht und erklärt, sie wäre damals entführt und die kleine Bel im Auto zurückgelassen worden. Nur, wie geht man jetzt mit einer Frau um, die für Bel eine völlig Fremde ist? Richtig, es wird erstmal eine gewissen Distanz, ob des neuen Hausbewohners aufgebaut. Rückkehrfreude sieht definitv anders aus und auch Papa Price kann sich anfangs schwer mit der neuen Situation arrangieren. Aber noch etwas nagt an Bel, als sich ihre Mom ab und zu in Widersprüche verstrickt. Ist das überhaupt Rachel Price? Und wenn nein, wer ist sie dann? Bel möchte es herausfinden und zusammen mit dem Assistenten des Dokumteams, Ash, macht sie sich auf die Suche nach Antworten.

Von Holly Jackson habe ich die drei "Good Girls Guide to Murder" Bücher gelesen und fand sie fantastisch. Diese Geschichte, die sie später geschrieben hat, kommt allerdings schwer in Schwung. Es wird sich viel Zeit für die Dokudreharbeiten genommen, die Geschichte von Rachel sehr detailliert beschrieben wie auch das jetzige Leben, das die Protagonistin führt. Das ändert sich aber schlagartig, als das Entführungsopfer wieder auftaucht. Denn wie Bel zweifeln wir Leser an der Authentizität von Rachel Price. Sie benimmt sich auffällig, verwechselt Dinge, die sie wissen müssten, weiß Dinge, die sie eigentlich wiederum nicht wissen kann. Das baut sehr clever einen großen Spannungsbogen auf. Ist die Fremde im Haus wirklich eine Fremde? Und wie kann man das beweisen? Bei Jacksons Romanen gibt es nie Ungereimtheiten, nie Logiklöcher. Und das ist eine Kunst, denn die Geschichten sind oft ziemlich verschachtelt und wenn die Geheimnisse Stück für Stück offengelegt und entworren werden, darf man als Autorin nicht den Überblick verlieren. Tut sie auch hier nicht. Die Storyentwicklung ist sehr gelungen und wirklich voll von Überraschungen. Wie ein Ü-Ei, bei dem man denkt, wenn man es schüttelt, dass wieder was zum Zusammenbauen mit 7 Teilen drin ist, aber dann ist es doch eine Sammelfigur.

Wäre der Beginn nicht so zäh, dann hätten wir hier einen astreinen Thriller, der mit interessanten Figuren, einem hervorragenden Setting und einer wirklich guten Übersetzung punktet. Denn man sollte nie vergessen, dass ein übersetztes Buch nur so gut ist wie die Übersetzung.

Fazit: Holly Jackson hat's einfach drauf.

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Wenn man sein Glück in anderen sucht

Half His Age
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Waldo. Was bitte ist das denn für ein Name? Das klingt nach einem Hund. Vielleicht noch nach einem Mann (Waldo war z. B. der Name eines brasilianischen Fußballspielers). Hier aber ist Waldo eine Siebzehnjährige ...

Waldo. Was bitte ist das denn für ein Name? Das klingt nach einem Hund. Vielleicht noch nach einem Mann (Waldo war z. B. der Name eines brasilianischen Fußballspielers). Hier aber ist Waldo eine Siebzehnjährige aus der amerikanischen Unterschicht. Aufgewachsen im Trailerpark mit einer Mutter, die sich an ihre permant wechselnden Partner hängt wie die neueste Gucci Tasche an Kylie Jenner. Waldo wird schon früh vorgelebt, dass man nur dann was wert ist, wenn man geliebt wird. Und so sucht Waldo dieses Gefühl. Zwischen High School, dem Nebenjob bei Victoria's Secret, dem völlig außer Kontrolle geratenen Online-Shopping für Dinge, die sie nicht braucht, eigentlich nicht mal will, das Geld nicht dafür hat und das ganze Zeug wieder zurückschickt. Meisten. Doch dann ist da ihr Lehrer für kreatives Schreiben, Mr. Korgy. Er sieht Talent in ihr. Endlich ist da jemand, der überhaupt irgendetwas in ihr sieht. Und das weckt in Waldo das obsessive Verlangen, Mr. Korgy haben zu müssen. Somit startet sie ihren Eroberungsfeldzug, um diesen mehr als doppelt so alten, mit lichtem Haar, wachsendem Bäuchlein und fragwürdigem Klamottengeschmack, Mann ganz für sich zu haben. Was sich Waldo aber nie gefragt hat: Was mache ich mit ihm, wenn ich ihn habe? Und will ich ihn dann noch?

Jennette McCurdy macht keine Gefangenen. Hier wird nichts beschönigt. Alle Gedanken Waldos werden ungefiltert an die Leserschaft weitergegeben. Und das ist teilweise schon ziemlich eklig. Da ist der Sex roh wie ein ungebratenes Stück Steak. Und um Sex geht es in diesem Buch ziemlich viel. Das ist aber nicht die Art von romantischem Bridgerton Sex, sondern der, der als Zuflucht vor allen Problemen gilt. Und als ultimativer Liebesbeweis. Und Waldo will diese Art von Beziehung. Sie will etwas spüren. Das muss nicht mal etwas Gutes oder Positives sein. Sie will es einfach spüren. Und Mr. Korgy ist der vom Schicksal, Gott oder was auch immer auserwählte Erfüllungsgehilfe. Der, der zuhause Frau und Kind sitzen hat, wehrt sich mit Händen und Füßen gegen Waldos sehr plakative Annährungsversuche. Und Waldo konzentriert ihre ganze Energie und ihre ganze Zeit auf das Projekt Korgy. Er soll ihr zu dem verhelfen, was sie am dringendsten im Leben braucht. Liebe. Aufrichtige Liebe. Dass sie gesehen wird. Und das Einzige, was Sinn macht, nämlich das Ganze nicht zu romantisieren, schafft dieser Roman. Denn nach jedem Rausch, egal wie exzessiv er war, kommt dann das meist böse Erwachen. Und auch diese Entwicklung beschreibt McCurdy ohne Rücksicht auf Verluste. Da muss man als Leser schon ein bisschen was aushalten können. Und das sollte man auch. Denn sonst entgeht einem ein etwas anderer Coming-of-Age Roman. Man muss dieses Buch nicht mögen und auch Waldo nicht. Mir tat sie leid, dann hab ich sie wieder gehasst, weil sie sich so gehasst hat, dann war sie wieder bemitleidenswert, um irgendwann verständlich unverständlich zu werden. Klingt komisch, aber genauso war es.

Das Ende fand ich herausragend. Aber das ist ja immer so, wenn eine Geschichte endet, wie man es sich im Laufe des Lesens vorgestellt hat. Sagen wir mal so, die Autorin ist sich bis zu Ende selbst treu geblieben. Und so viel Stringenz sollte gelobt und bejubelt werden, da sie nicht selbstverständlich ist. Ich habe Waldo auf diesem kurzen Stück ihres Lebensweges gerne begleitet. Aber ich kann auch Menschen verstehen, die sagen, nein, die war mir viel zu viel von Allem. Aber so ist das im Leben. Muss halt passen.

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Cosy Weihnachten nach Sebi Art

Das Kalendermädchen
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Olivia Rauchs Adoptivtochter Alama ist schwer an Leukämie erkrankt. Nur eine passende Stammzellenspende kann sie retten. Bei ihren Nachforschungen zu Alamas leiblichen Eltern stolpert Olivia über die urbane ...

Olivia Rauchs Adoptivtochter Alama ist schwer an Leukämie erkrankt. Nur eine passende Stammzellenspende kann sie retten. Bei ihren Nachforschungen zu Alamas leiblichen Eltern stolpert Olivia über die urbane Legende des "Kalendermädchens", eine junge Frau, die vor vielen Jahren in einer Hütte im Frankenwald gefangen gehalten wurde, um sich dort Tag für Tag einem Adventskalender des Grauens zu stellen. Jedes Türchen verbarg einen neuen, unaussprechlichen Schrecken. Was aber, wenn diese Legende gar keine Legende ist? Auf ihrer Suche stößt Olivia auf immer wieder neue, schreckliche Details, die sie zweifeln lassen, ob sie ihre Tochter jemals wird retten können.

Pünktlich zu Vorweihnachtszeit, wenn auch 1 Jahr zu spät, habe ich mir nun Fitzeks Weihnachtsbuch gegönnt, denn ich muss jetzt nicht die x-te Geschichte lesen, wie alle um den Baum hüpfen oder nach dem Christmas Shopping noch eine Runde Schlittschuhfahren auf der Eisbahn absolvieren. Und es ist so wie immer: Wo Fitzek draufsteht, ist auch Fitzek drin. Im "Kalendermädchen" haben wir zwar permanente Zeitsprünge, die aber immer sehr verständlich am Anfang des Kapitels beschriftet werden. Da kommt auch keiner durcheinander, der beim Traumschiff mit 3 Handlungssträngen nach 30 Minuten geistig raus ist.

Ich liebe an seinen Romanen, dass man eine lange Zeit nicht weiß, worauf er denn jetzt eigentlich hinauswill. Das ist hier nicht anders. In welcher Beziehung steht das Kalendermädchen zu Alma, warum ist das überhaupt wichtig und wer fühlt sich bedroht, dass Olivia diese alte Geschichte wieder hochkochen lässt? Das ist hier wesentlich cleverer und wendungsreicher als im aktuellen "Nachbarn". Endlich wieder schön verschachtelt, rästelhaft, grausam, superspannend und tragisch. Als Leser entwickelt man schon einen soghaften Zwang, immer wieder weiterzulesen. Sozusagen die Chipspackung unter den Romanen. Und auch wenn man diese Art von Büchern schon kennt, überraschen einen die Plottwists dann doch immer wieder. Muss man auch erstmal hinbekommen.

Da wären wir dann auch gleich beim einzigen Negativpunkt. Nämlich die erwähnten Plottwists. Fitzek tendiert immer dazu, auf den letzten 20-30 Seiten alles rauszuhauen, was geht. Ein Twist jagt den nächsten. "Der isses.....nein, die.....ne, doch der". Mir würde es besser gefallen, wenn sich das etwas gleichmäßiger über die ganze Geschichte verteilen würde. Aber das ist Jammern auf hohem Niveau.

Ich war sehr froh, als ich heute Morgen mein 12. Türchen am Adventskalender aufgemacht habe und mir ein Stück Schokolade entgegengelacht hat. Obwohl.....das sieht aus wie......puuuuh, doch keine Rasierklinge. War ein Schlitten. Der Typ macht mich fertig.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Opa sieht nicht gut aus

Der mexikanische Fluch
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Mit dem Lesen dieses Buches habe ich bis zum Herbst gewartet. Die Atmo sollte passen, nicht nur im Roman, sondern auch in der realen Welt. Und nicht nur in diesem Bereich hat mich der mexikanische Fluch ...

Mit dem Lesen dieses Buches habe ich bis zum Herbst gewartet. Die Atmo sollte passen, nicht nur im Roman, sondern auch in der realen Welt. Und nicht nur in diesem Bereich hat mich der mexikanische Fluch nicht enttäuscht.

Die Geschichte war gar nicht mal so spooky, wie ich gedacht habe. Denn Moreno-Garcia ist die oben schon genannte Atmophäre sehr wichtig. Und die gelingt ihr brilliant. Ich war auf diesem Berg, ich war in diesem Haus, streifte mit der Protagonistin Noemi umher und war genauso ratlos, was in High Place vor sich geht. Denn die Bewohner scheinen nicht nur sehr viel Wert auf Ruhe (als Wellnesshotel würde ich aber trotzdem nur 1 Stern vergeben), sondern auch auf den (finanziellen) Fortbestand ihrer Familie zu legen. Denn die zwischenzeitlich verblasste Silberdynastie soll wieder eine wortwörtlich glänzende Zukunft erhalten. Und eine Frau aus einem betuchten Hause, Catalina, kam da gerade recht. Dumm nur, wenn die ihrer Cousine Noemi schreibt, dass sie dann doch etwas Hilfe benötigt, denn sie steht offentlich vor einer großen Depression und auch köperlich geht es ihr nicht gut. Die Familie Doyle, in die sie eingeheiratet hat, ist aber nicht sehr motiviert, an diesem Zustand etwas zu ändern. Am liebsten haben sie sie schlafend.......und ruhig.

Noemi, ein Partywirbelwind der mexikanischen Gesellschaft, lässt dies selbstverständlich nicht auf sich beruhen, obwohl die Doyles am Anfang alles daran setzen, sie so schnell wieder möglich wieder loszuwerden. Aber da haben sie die Rechnung ohne Noemi gemacht, denn die ist viel zu neugierig und stößt bald auf ein dunkles Familiengeheimnis.

Schauerroman trifft es wohl am besten, denn Horror ist dies nicht und ein wenig mehr als Grusel dann doch. Da es sich im Buch viel um Pilze, Schimmel und andere Widerwärtigkeiten dreht (das Familienoberhaupt vegetiert, optisch verbesserungswürdig, meist im Bett vor sich hin), kann das dem einen oder anderen Leser etwas auf den Magen schlagen, gerade, wenn man dazu neigt, Gelesenes intensiv zu visualisieren.

"Der mexikanische Fluch" ist das perfekte Buch für die trübe Herbstzeit. Nebelschwaden, Friedhöfe, gruselige Häuser, perfekt detailliert beschrieben, lassen das richtige Feeling aufkommen. Leider hat mich das Ende nicht überzeugt. Ich habe ständig auf den Plottwist gewartet, der sich soooo angeboten hat. Kam leider nicht. Trotzdem sehr empfehlenswert.

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Veröffentlicht am 30.06.2025

Fast ein besserer Autor als Fußballer ;)

Das Leben fing im Sommer an
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Ein Profifußballer als Schriftsteller. Ist klar, denkt man, der hat das safe schreiben lassen. Wenn man dann aber das Buch gelesen hat wird einem klar, dass kein Dritter die Geschichte so erzählen hätte ...

Ein Profifußballer als Schriftsteller. Ist klar, denkt man, der hat das safe schreiben lassen. Wenn man dann aber das Buch gelesen hat wird einem klar, dass kein Dritter die Geschichte so erzählen hätte können wie Christoph Kramer selbst. Der Horrorsommer von 2006, dessen einziges Highlight die Fußball WM in Deutschland war (ansonsten war brutzeln im eigenen Saft angesagt), wird für den fünfzehnjährigen Chris ein Sommer der Liebe, der Enttäuschungen und der Abenteuer. Chris liebt Debbie, das schönste Mädchen der Schule und Debbie liebt auch. Ihn? Sich mehr? Nein, kein Spoiler, aber wenn Kramer diesen Sommer wirklich (oder nur zu 50%) so erlebt hat, dann beneide ich ihn darum. Denn er schreibt alles so anschaulich, dass man sich wünscht, man wäre dabei gewesen und hätte ihn auf seiner Sommerreise begleiten können.

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