Zu Unrecht verurteilt oder ist doch etwas dran, an der grausamen Geschichte?
Kleine SchwächenWie ein zehnjähriges Mädchen aufgrund ihrer Herkunft zum Monster benannt wird. Fesselt mich und regt an, die Wahrheit herauszufinden.
Die zehnjährige Lucy wird des Mordes an einem dreijährigen Mädchen ...
Wie ein zehnjähriges Mädchen aufgrund ihrer Herkunft zum Monster benannt wird. Fesselt mich und regt an, die Wahrheit herauszufinden.
Die zehnjährige Lucy wird des Mordes an einem dreijährigen Mädchen aus der Nachbarschaft verdächtigt. Beim gemeinsamen Spielen draußen war Lucy die Letzte, die mit dem ermordeten Kleinkind gesehen wurde. Lucy stammt aus einer sozial schwachen Familie, die vor Jahren aus Irland hergezogen ist und in London eine neue Heimat suchte. Leider scheinen sie bis heute nicht richtig angekommen zu sein, denn die Nachbarn haben, noch während der Suche nach dem kleinen Mädchen, kein gutes Wort für Lucy und ihre Mutter über. Der Journalist Tom Hargeaves wittert genau darin seine Chance für eine gute Story und schleust sich in die Familie ein. Nach und nach werden die Familienmitglieder unter die Lupe genommen und ein Geheimnis nach dem anderen wird aufgedeckt.
Als ich das Buch entdeckt habe, war ich sofort gefangen von dieser Geschichte. Hier wird auf Kosten der sozial schwachen Familie von Lucy Profit gemacht. Die Familie hatte nie eine Chance richtig Fuß zu fassen und nun wird sie, durch den Verdacht am Mord, noch tiefer in den Abgrund gezogen. Ich war mir von Anfang an nicht sicher, was ich von diesem Verdacht halten sollte. Da Lucy schon im Vorfeld Auffälligkeiten zeigte und auch der Rest der Familie in ihrem Umfeld nicht gerade den besten Eindruck hinterlassen hat, sind sie gleich die ersten Verdächtigen einer solch monströsen Tat. Ist wirklich etwas dran an diesem Verdacht, oder sind sie nur die erst Besten, die dafür in Frage kommen? Wenn man dann etwas weiter in die Familiengeschichte von Lucy, ihrer Mutter, dessen Bruder und den Großeltern eintaucht, wird schnell klar, dass Lucy niemals ein Wunschkind war und dementsprechend auch nicht genug Liebe abbekommen hat. Macht sie das gleich zu einer Mörderin? Steckt etwas Böses in ihr, weil sie besonders von ihrer Mutter, als Fehler des Lebens angesehen wird? Während ich die Menschen in Lucys Familie im Verlauf der Geschichte immer besser kennenlernte, erkannte ich auch, wie sich alles zusammensetzte. Warum der Bruder von Lucys Mutter zum Alkoholiker wurde, warum der Großvater in seiner eigenen Welt lebte und kaum etwas vom Familienleben mitbekam, warum Lucys Mutter ihr Kind nicht akzeptieren konnte und warum alles nach dem Tod der Großmutter immer weiter den Bach herunterlief. Die dramatischen Geheimnisse der Familienmitglieder haben mich sehr gefesselt und ich war gespannt auf den Ausgang der Geschichte, der mir überraschenderweise ausgesprochen gut gefallen hat. Mehr dazu möchte ich aber nicht verraten. Es lohnt sich, es selbst zu lesen.
Ich durfte hier eine interessante und spannende Familientragödie erleben, die ich gern weiterempfehle. Zudem möchte ich die hochwertige, umweltbewusste Aufmachung des Buches noch einmal erwähnen. Ich liebe es, ein Buch vom Kjona Verlag in den Händen zu halten. Die Seiten sind ausgesprochen glatt und weich, die Gestaltung ist besonders, die Qualität hochwertig und der Inhalt tief mitreißend und gesellschaftskritisch.