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Veröffentlicht am 08.02.2026

Wenn dich die Vergangenheit einholt

Hinter mir
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Gemma lebt glücklich mit Mann und kleinem Sohn in Chicago, sie liebt ihren Job als Kosmetikerin und ist bei ihren Kollegen und Kundinnen beliebt. Über ihre Vergangenheit spricht sie nicht viel, am liebsten ...

Gemma lebt glücklich mit Mann und kleinem Sohn in Chicago, sie liebt ihren Job als Kosmetikerin und ist bei ihren Kollegen und Kundinnen beliebt. Über ihre Vergangenheit spricht sie nicht viel, am liebsten würde sie sie vergessen. Gerade jetzt an Halloween, an dem Tag im Jahr, an dem die Erinnerungen nur schwer zu verdrängen sind, würde sich Gemma am liebsten in ihrem Haus verstecken und niemandem die Tür öffnen, geschweige denn mit ihrem Sohn auf Süßes oder Saures Tour gehen.

Direkt im Prolog lernt der Leser Gemma kennen, die zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht Gemma ist. Ein junges Mädchen, das große Angst hat und als letzten Ausweg die Flucht aus ihrem Zuhause und ihrer Heimatstadt sieht. Ein junges Mädchen, das alles zurücklässt, sogar ihre eigene Identität. In dieser Nacht wird Gemma geboren, Gemma, die man dann Jahre später wieder trifft, die sich ein neues Leben aufgebaut hat, ein Leben, wie es ihre tote Freundin nie haben wird.

Mike Omer schafft mit Hauptfigur Gemma quasi eine Figur ohne Basis, ohne wirkliche Tiefe, denn Gemma ist eine Person ohne Vergangenheit. Als Leser spürt man das trotz der vielen Andeutungen und Flashbacks, die einen kurzen Blick in Gemmas Jugendzeit ermöglichen. Gemma bleibt dem Leser über weite Stecken fremd, ihre Figur ist irgendwie nicht greifbar, man hat wenig Empathie ihr gegenüber, schließlich bleibt unklar, was damals geschehen ist und welche Rolle Gemma bei den Ereignissen spielte. Auch durch ihre ganze Art, ihre übertriebene Fürsorge ihrem Sohn gegenüber macht sie es mir als Leser nicht wirklich leicht sie zu mögen. Erst als die Figur des Schattenmanns, wie sie die Person nennt die auf so drastische Weise in ihr Leben eindringt, ins Spiel kommt, fängt man als Leser langsam an Gemma zu mögen, denn sie verändert sich hier, hört auf sich zu verstecken, ihre Vergangenheit zu leugnen, Angst zu haben. Mit dem Auftreten des Schattenmannes wird Gemma endlich "echt" und somit zu einer Figur, mit der ich als Leser endlich mitfühlen kann und der ich es plötzlich gönne, dass sie ihr Leben zurückbekommt.

In Gemmas Geschichte erzählt der Autor von Ausgrenzung, vom Andersein, von der Identitätsuche, von Mobbing in der Schule und dessen dramatischen Folgen, erzählt von Missbrauch und von Stalking. Stalking ist an sich schon übel für die Betroffenen, aber hier wird es auf eine überaus perfide Art und Weise dazu verwendet Macht über Andere zu erlangen, Informationen aus dem Netz werden dazu verwendet Betroffene zu erpressen und letztlich zu Taten zu veranlassen, die dem eigentlichen Täter nutzen und zuarbeiten. Es entsteht ein beängstigend höriges Netzwerk, dessen sich der Stalker nach Belieben bedienen kann, um seine Vorteile daraus zu ziehen. Mich hat dieses Szenario schon etwas verstört, gerade wenn man liest wie leicht die späteren Opfer hier in die Falle getappt sind und wie schnell sie bereit waren Dinge zu tun, die eigentlich undenkbar für sie wären, nur um zu verhindern, dass der Partner von einer Affaire erfährt, der Chef von Nacktfotos, oder die Nachbarn von der sexuellen Orientierung. Es heißt nicht umsonst - das Netz vergisst nicht - und ich denke die meisten von uns sind sich gar nicht bewusst, welche Informationen über einen selbst hier zu finden sind. Wie gesagt, verstörend und beängstigend.

Natürlich gibt es irgendwann einen Punkt, an dem man beginnt aus den Flashbacks und Erinnerungsfragmenten Gemmas die Ereignisse zu erahnen, die zu ihrer Flucht aus ihrem alten Leben führten. Trotzdem schafft es der Autor einen dann doch mit den brutalen Einzelheiten zu überraschen. Ich glaubte eigentlich ich hätte das ganze durchschaut, den Schattenmann enttarnt, aber ich lag knapp daneben. Obwohl ich zu Beginn des Buches wirklich gehadert habe, mir vieles zu plump und wenig raffiniert, sogar offensichtlich durchschaubar vorgekommen ist, hat es der Autor letztlich doch geschafft Spannung aufzubauen, psychologisch Ängste zu schüren und mich der Hauptfigur näher zu bringen.

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Veröffentlicht am 29.01.2026

Wer tötete Mrs McGinty?

Vier Frauen und ein Mord
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Hercule Poirot langweilt sich und so kommt es ihm gerade recht, dass sein alter Bekannter Kommissar Spence mit einem Anliegen bei ihm vorspricht. Spence hat gerade den Fall um die Ermordung einer älteren ...

Hercule Poirot langweilt sich und so kommt es ihm gerade recht, dass sein alter Bekannter Kommissar Spence mit einem Anliegen bei ihm vorspricht. Spence hat gerade den Fall um die Ermordung einer älteren Dame abgeschlossen, verurteilt dafür ihr mittelloser Untermieter. Aber irgendetwas lässt Spence zweifeln und so bittet er Poirot sich den Fall noch einmal anzusehen.

Viele werden "Vier Frauen und ein Mord" eher durch die Verfilmung mit Margaret Rutherford in der Rolle der Miss Marple kennen. Wie man aber an der Tatsache, dass im Film Miss Marple ermittelt und nicht, wie im Buch Poirot, schon erahnen kann, sind sich Buch und Verfilmung nur bedingt ähnlich. Wer also Angst hat, den Täter zu früh zu entlarven, dem sei gesagt, das ist gar nicht so einfach.

In gewohnter Manier steigt man in die vermeintliche Idylle eines britischen Dörfchens ein, es wird geklatscht und getratscht als gebe es kein Morgen, jeder kennt irgendwie jeden und natürlich weiß auch jeder irgendwas über seine Nachbarn zu berichten. Das Buch strotzt nur so vor amüsanten Figuren, die sich natürlich auch alle im Verlauf der Geschichte mal verdächtig machen, einfach weil sie Poirot etwas verschweigen, sich merkwürdig benehmen, oder durch ihre Vergangenheit gut ins Profil passen würden. Es gibt AC typisch wieder zig Hinweise, Andeutungen und Nebenhandlungen, von denen man nie weiß, ob sie am Ende wichtig sein werden.

Ein wirkliches Miträtseln ist in diesem Gewirr nicht wirklich möglich und auch, wenn man durch den Film eigentlich in eine gewisse Richtung denkt, kommt die Auflösung dann doch eher überraschend. Trotzdem hat mir das Buch gefallen, es zeigt sehr eindringlich, wie stark Drehbuchautoren die Vorlage oft verändern und mit der Darstellung der etwas nervigen Schriftstellerin Ariadne Oliver hat Agatha Christie ihre Meinung zu diesem Thema auf humorvolle Art und Weise eingebracht. Das Buch fordert eine gewisse Aufmerksamkeit vom Leser, um den Faden nicht zu verlieren, zum Glück gibt es am Ende wieder Poirots typische detailreiche Auflösung und plötzlich ergibt alles einen Sinn.

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Was fürs Herz

Der kleine Lord
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Der kleine Cedric lebt mit seiner Mutter in einfachen Verhältnissen in New York und bemüht sich rührend um sie, seit der Vater verstorben ist. Die Nachricht, dass sein Vater ein Lord und der einzige verbliebene ...

Der kleine Cedric lebt mit seiner Mutter in einfachen Verhältnissen in New York und bemüht sich rührend um sie, seit der Vater verstorben ist. Die Nachricht, dass sein Vater ein Lord und der einzige verbliebene Erbe des englischen Familienbesitzes war, bringt das Leben der kleinen Familie gehörig durcheinander, schließlich war Cedrics Großvater bisher nicht begeistert von der wenig standesgemäßen Heirat seines Sohnes, muss nun aber, aus der Not heraus einen Erben zu bestimmen, Kontakt aufnehmen.

Jeder kennt wahrscheinlich die bekannte Verfilmung des Stoffes mit Alec Guinness als kaltherzigen englischen Adligen, der den Enkel als Erben nach England kommen lässt und dabei die Mutter des Jungen so absolut und vollkommen ignoriert, wie es nur irgend geht und wie dieser kleine Junge, engelsgleich das Herz des Alten erobert und diesen zu einem besseren Menschen macht. Reichlich rührselig, aber so ans Herz gehend, dass der Film natürlich perfekt in die Weihnachtszeit passt und daher im deutschen Fernsehen ebenso Tradition ist, wie die Verfilmung von "Drei Haselnüsse für Aschenbrödel". Ich muss gestehen, dass ich mich dem Film lange verweigert habe, das war mir zu viel offenkundiger Kitsch und zu viel Herzschmerz und überhaupt zu viel von allem. Nachdem ich ihn dann aber doch gesehen habe, konnte ich die Anziehungskraft dahinter durchaus nachvollziehen, stillt die Geschichte doch in unvergleichlicher Art das Bedürfnis nach Harmonie und heile Welt.

Die ursprüngliche Geschichte hat jetzt zwar gar nichts mir Weihnachten zu tun, das tut dem Leseerlebnis allerdings keinen Abbruch. Natürlich merkt man der Geschichte ihr Alter in Stil und Sprache sehr an, stellenweise kann sie sogar etwas anstrengend werden, aber das ist bei Jane Austen auch manchmal der Fall. Was mich allerdings doch mehr als einmal hat stocken lassen ist einfach die doch sehr plakative Darstellung von Gut und Böse, der engelsgleiche blonde Cedric, seine ebenso engelsgleiche, gütige, hilfsbereite, aufopfernde Mutter, die ihr Wohl absolut und uneingeschränkt dem ihres Kindes unterordnet und dem gegenüber der kaltherzige Großvater, blind gegenüber den Nöten und Bedürfnissen seiner Pächter, unversöhnlich was die Lebensentscheidungen seiner verstorbenen Kinder angeht, selbst nie in der Lage ihnen gegenüber Liebe zu empfinden und später im Buch auch noch die vermeintliche Witwe seines anderen Sohnes, die Ansprüche für ihr eigenes Kind anmeldet und als absolut verdorben dargestellt wird. Sicher entspricht all dies dem Empfinden der Zeit, kann aber auch leicht zu viel werden aus moderner Sicht.

Das Buch ist unbestreitbar ein Klassiker, den man nicht nur zur Weihnachtszeit lesen kann und auch sollte. Natürlich muss man ein bisschen auf Kitsch und dieses heile Welt Gefühl stehen, aber letztlich tut ein bisschen Kitsch keinem weh und was fürs Herz ist der kleine Lord Fauntleroy allemal.

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Veröffentlicht am 07.01.2026

Eigenwillige Ermittlerin

Rostiges Grab
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Vor zehn Jahren wurde die junge Elena ermordet in der verlassenen Torffabrik ihrer Familie gefunden, Hauptverdächtiger ihr Ehemann. Bis heute fehlt von diesem aber jede Spur und der Fall liegt als Cold ...

Vor zehn Jahren wurde die junge Elena ermordet in der verlassenen Torffabrik ihrer Familie gefunden, Hauptverdächtiger ihr Ehemann. Bis heute fehlt von diesem aber jede Spur und der Fall liegt als Cold Case bei den Akten. Als zwei Influencer den Ort besuchen um Content für ihren Podcast zu filmen werden sie nicht nur von einem Unwetter überrascht, sondern auch von einer offensichtlich geistig verwirrten Frau, die zu allem Überfluss auch noch einen abgetrennten Finger bei sich hat. Einen Finger, der eindeutig zu Elena gehört.

Rostiges Grab ist bereits der dritte Band rund um die eigenwillige Ermittlerin Leo Asker. Ich kannte die ersten Bücher nicht und habe auch nicht wirklich etwas an Vorkenntnissen vermisst beim Lesen. Natürlich gibt es einige Hinweise auf Leos bisheriges Leben, die schwierige Beziehung zu ihrem Vater, der hier und auch in den vorigen Büchern eine wichtige Rolle spielt, die Hintergründe für ihre Versetzung in die "Abteilung für verlorene Seelen", ein Sammelbecken für Beamte, die aus den verschiedensten Gründen nicht mehr an vorderster Front ermitteln und hier, im Kellergeschoss, nun an Akten arbeiten, für die sich kein anderes Resort zuständig fühlt und natürlich ihre Beziehung zu Martin Hill, ihrem Jugendfreund. Was für den aktuellen Fall wichtig ist war für mich gut aus den enthaltenden Informationen herauszulesen und letztlich macht mich das, was ich noch nicht wirklich weiss, neugierig auf die anderen Bücher und da das Buch mit einem ziemlichen Cliffhanger im Bezug auf Leos Vater endet, deshalb denke ich, es wäre an diesem Punkt aber wirklich besser erst die Vorgänger zu lesen.

Andreas De La Motte schreibt fesselnd und schafft es gut Spannung aufzubauen, auch wenn mir dabei manchmal etwas Tempo gefehlt hat, das dann an anderer Stelle wieder zu flott ging. Die Geschichte läuft auf mehreren Ebenen, so folgt der Leser abwechselnd Asker und Hill bei ihren Ermittlungen und Alleingängen und taucht zusätzlich dazu durch die Gedanken des "Graumädchens" noch in die mysteriöse und bedrohliche Atmosphäre des Rostkogen ein, jenem düsteren, unheilbringenden Wald, in dem die Torffabrik steht. Der Autor verbindet hier geschickt verschiedene Elemente, den Cold Case um den Mord an Elena, den Aberglauben rund um heidnische Opferrituale, Korruption bei den Behörden, Vertuschung von Straftaten, Erpressung, Missbrauch, Gewalt, Bestechung und nicht zuletzt Askers komplizierte Familie. Vielleicht manchmal etwas viel, aber in der Gesamtheit passt es halt gut, weil viele dieser Themen sich aus den vorigen Büchern ableiten und auch in den folgenden noch eine Rolle spielen werden.

Der Einstieg in das Buch ist mir sehr leichtgefallen, Schwierigkeiten hatte ich kurz mit der Tatsache, das Leo und Martin meist mit ihrem Nachnamen betitelt werden und auch die einzelnen Kapitel so überschrieben sind, zu dem bin ich mir der Beziehung, die die Beiden zueinander haben nicht ganz warm geworden. Die ständigen Alleingänge wegen fehlender Kommunikation und verletztem Ego waren nervig und haben die Handlung natürlich unnötig, aber für den Spannungsbogen wichtig, verkompliziert. Hier war ich manchmal schon etwas genervt, verstehe aber, dass der Autor dieses Stilmittel bewusst gewählt hat und es numal auch zum Charakter seiner Figuren passt.

Mir hat die Lektüre gut gefallen und ich werde mir auf jeden Fall die anderen Bücher vornehmen, bevor ich die Reihe weiterverfolge.

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Veröffentlicht am 20.11.2025

Fünf vor zwölf?

Am Kipppunkt
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Wann wirds mal wieder richtig Sommer heißt es in einem Schlager, ein Sommer wie er früher einmal war? Wenn man sich die aktuelle Entwicklung einmal ansieht wahrscheinlich nie wieder, haben wir es doch ...

Wann wirds mal wieder richtig Sommer heißt es in einem Schlager, ein Sommer wie er früher einmal war? Wenn man sich die aktuelle Entwicklung einmal ansieht wahrscheinlich nie wieder, haben wir es doch in den letzten Jahren recht erfolgreich geschafft unser Klima negativ zu beeinflussen. Da werden Kinder ohne schlechtes Gewissen im SUV die 500m bis zur Schule gefahren, Kreuzfahrten mit dieselfressenden Megaschiffen in die letzten intakten Ökosysteme der Welt unternommen, Regenwälder abgeholzt um Platz für Sojaplantagen zu schaffen, oder Monokulturen angepflanzt um ausreichend Futtermittel für Nutztiere zu bekommen, die letztlich als Schnitzel auf unserem Teller landen. Schon heute sind die Auswirkungen unseres Raubbaus an der Natur überall zu spüren, schmelzende Polkappen, Überschwemmungen, Stürme, Dürreperioden hier, sintflutartige Regenfälle dort, Waldbrände, sterbende Korallen, auftauender Permafrostboden, die Liste ist lang und beängstigend.

"Am Kippunkt" geht nun der Frage nach, ob die Menschheit sich schon ihr eigenes Grab geschaufelt hat und es quasi eigentlich egal ist, was wir noch versuchen, hilft eh nichts mehr, oder, ob all diese Bemühungen das Ruder vielleicht doch noch herumreißen können. Die Autoren nähern sich der Thematik von mehreren Seiten und haben zu den verschiedenen Punkten unglaublich detailliert recherchiert. Das Wissen, das so im Buch vermittelt wird, ist unglaublich umfangreich und interessant, liest sich dabei aber sehr anschaulich und verständlich. So erfährt man zb mehr über die Entstehung von Gletschern und den Faktoren, die ihren Rückgang bedingen, über das Zusammenspiel der Meeresströmungen, ihre Bedeutung für die Temperaturen in den verschiedensten Regionen, über die Prozesse, die das Eis in der Polarregion schmelzen lassen, oder wie empfindlich Korallen auf die kleinsten Temperaturschwankungen reagieren. Es werden aktuelle Forschungsergebnisse analysiert, die beteiligten Wissenschaftler kommen zu Wort, auch, wenn sie mit ihrer Forschung nicht unbedingt zu einheitlichen Ergebnissen kommen.

Einheitliche Ergebnisse, bzw konkrete Aussagen liefert das Buch nicht, es wird schnell klar, dass es diese eine Lösung des Problems, dieses eine Parameter, das wir ändern müssen, diese exakte Obergrenze bei der Erderwärmung, die es zu halten gilt, eben nicht gibt. Wir haben unwiderruflich Prozesse in Gang gesetzt, die nun nicht mehr umkehrbar sind, die aber deshalb nicht gleich den Untergang der Menschheit bedeuten. Fest steht, dass sich unser Leben grundlegend verändern wird, für unsere Generation nicht unbedingt mehr so radikal spürbar, für folgende dagegen sehr.

In dieser Beziehung macht das Buch ein klein wenig Hoffnung, denn auch wen ich beim Lesen ständig das Szenario von Roland Emmerichs "The Day after Tomorrow" vor Augen hatte, das sich an einigen sehr realen Problemen orientiert, sind wir hiervor erstmal sicher. Trotzdem kein Grund um aufzuatmen, oder den Klimawandel gar zu leugnen, im Grunde ist es nicht fünf vor zwölf, sondern eher fünf nach. Sehr interessant war es für mich zu lesen, wie andere Länder mit der Problematik umgehen, denn auch wenn Deutschland unter Angela Merkel schon recht früh Klimaziele definiert hat, sind wir in der Umsetzung ganz weit hinten und über den Boom bei Photovoltaik leider nicht hinausgekommen. Lernen können wir hier von den skandinavischen Ländern, von sogenannte Dritte Welt Ländern wie Äthiopien, oder der ungeliebten Weltmacht China.

Ich müsste lügen, würde ich sagen, dass sich das Buch nicht manchmal auch etwas gezogen hätte. Die Autoren schaffen es aber immer wieder mich mit ihren Erkenntnissen und der Gegenüberstellung positiver und negativer Möglichkeiten zurück ins Geschehen zu holen. Das Buch vermittelt viel Wissen, gibt unzählige Denkanstöße, unterstreicht die Dringlichkeit, ohne dabei aber die ganze Zeit mit dem erhobenen Zeigefinger zu drohen. Für alle Interessierten definitiv zu empfehlen und wenn man mitreden können will sowieso.

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