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Veröffentlicht am 14.03.2026

Nur kurz glücklich

Happy Head
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Danke an Vorablesen und den Magellan Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

Das Konzept von Happy Head klang richtig spannend. ...

Danke an Vorablesen und den Magellan Verlag, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

Das Konzept von Happy Head klang richtig spannend. Ein bisschen so wie die Dystopien, die ich vor ~10 Jahren gerne gelesen habe – Divergent/Die Bestimmung, Cassia & Ky, Maze Runner, Hunger Games, Pretties… ich liebe solche Bücher. Und ich kann zum Glück sagen, dass Happy Head genau diesen „sweet spot“ voll Nostalgie getroffen hat und mich komplett aus einer Leseflaute rausgeholt hat – ich habe nicht nur Band 1 in unter 24 Stunden durchgelesen, ich habe mir auch direkt nach dem Beenden Band 2 als (englisches) eBook zugelegt, und es auch noch am selben Wochenende durchgesuchtet.

Aber worum geht es eigentlich?

Protagonist Seb wird in ein experimentelles Mental Health Programm aufgenommen, dass die nationale Krise voller „depressiver Teenager“ lösen soll. In Gruppen werden die Jugendlichen Aufgaben lösen müssen, abseits der Ablenkungen der Außenwelt. Aber irgendetwas stimmt dort ganz und gar nicht…

Als Leser*in merkt man auch wirklich schnell, dass irgendwas an diesem Programm suspekt ist. Es herrscht die ganze Zeit eine düstere Atmosphäre vor, und die Glücklichkeit von gewissen Personen wirkt sehr vorgespielt. Das mit den Challenges und den Gruppen erinnert in gewisser Weise an Squid Game – natürlich angemessen für ein Jugendbuch. Aber auch hier gibt es „einfache“ Spiele, deren Sinn nicht ganz klar ist, und einen Preis, der nur wenigen in Aussicht gestellt ist.

So muss die Gruppe um Seb z.B. Kunsttherapie machen, die Nacht in der Wildnis verbringen oder Quizfragen über die anderen Personen lösen. In der Gruppe von Seb befinden sich noch Ashley, Eleanor und Finn, die alle unterschiedlicher nicht sein könnten. Besonders der rebellische Finn löst in Seb gewisse Gefühle aus, die seine ganze Situation nur noch komplizierter machen.

„Ich habe mir geschworen, nie wieder einen Jungen zu küssen, weil das anscheinend bloß in einer Katastrophe enden konnte.“

Denn bei diesem Buch handelt es sich um eine queere Story, und das bringt dem Ganzen in meinen Augen nochmal eine ganz neue Dimension hinzu. Die Geschichte wirft viele moralische Fragen auf, z.B. was Glück überhaupt ist, ob es für alle gleich aussieht und ob uns jemand anders sagen kann, was „Glücklich sein“ konkret bedeutet. Auch das Phänomen von Vertrauen in Systemen in der Wellness-/Gesundheitskultur mit abstrakten Belohnungen wie Gefühlen – allen voran die Psychotherapie – wird hier kritisch beleuchtet.

Das Tempo ist hoch, der Schreibstil echt gut und flüssig, und es war mir kaum möglich, das Buch aus den Händen zu legen. Das Ende ist wahrlich fies und ich bin sehr froh, direkt mit Band 2 weitergelesen zu haben (auch wenn in meinem Kopf jetzt ein paar Handlungselemente von Band 1 und 2 verschwimmen).

An Band 1 habe ich kaum etwas kritisch auszusetzen. Ja, wenn man zu lange zu doll drüber nachdenkt, findet man bestimmt eine Logiklücke im System. Aber ich fand es schon echt perfide und nicht allzu abwegig in der heutigen Zeit. Und das ist einfach das Debüt des Autors – einfach wow.

Von mir gibt es 4.5 von 5 Sternen und eine absolute Leseempfehlung. Ich hoffe auch, dass Band 2 ganz bald auf Deutsch übersetzt wird! Die deutschen Cover sind meiner Meinung nach auch viel schöner und passender als diese neongrün-gelben Originale.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

A Good Boy’s Guide to Seducing a Murderer

Firewatch
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Danke an NetGalley, die mir ein Hörbuch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

Nachdem ich das Debüt von Colin Hadler, Ancora, 2022 echt gut fand, ...

Danke an NetGalley, die mir ein Hörbuch als Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

Nachdem ich das Debüt von Colin Hadler, Ancora, 2022 echt gut fand, war ich auch auf weitere Geschichten von ihm gespannt.

Firewatch kann man wahrscheinlich am besten als Romantic Suspense beschreiben. Oder auch mein Alternativtitel: A Good Boy’s Guide to Seducing a Murderer.

Worum geht es? Letzen Sommer übernimmt Aaron einen Ferienjob im nahen Nationalpark, als sogennante „Firewatch“ hält er auf einem der beiden Wachtürme Ausschau nach möglichen Waldbränden. Auf dem anderen Turm im Park ist der mysteriöse Kian stationiert, und die beiden kommen sich über Funksprüche gegen die Langeweile immer näher. Eines Tages entscheiden Aaron, seinen Posten zu verlassen und Kian aufzusuchen – er wird nie wieder in seinem Turm ankommen.

In der Gegenwart ist Robin, Aarons bester Freund, überzeugt, dass Kian der Mörder von Aaron ist und will ihm auf die Schliche kommen. Sein Plan? Kian dazu bringen, sich in ihn zu verlieben und ihn zu einem Geständnis zu bewegen.

Das Buch wechselt zwischen Robins Ich-Perspektive in der Gegenwart und Aarons Perspektive in der 3. Person in der Vergangenheit, sodass beide Zeitebenen erkundet werden. Der Anfang des Buches ist eher seicht, wir kriegen den Rahmen gesteckt für Aaron, Robin und ihre Freunde, ihre Hobbies, ihren Alltag. Es geht immer mal wieder ums Theater, was Robins Passion ist – sie spielen Herr der Fliegen. Ein bisschen mehr Charakterisierung hätte ich glaube ich noch gebraucht, um den perfekten Start zu haben; aber an sich mochte ich die überschaubare Menge an handlungsrelevanten Personen (Kammerspiel-Style).

Ab 30% wird dieses Buch dann auch unfassbar spannend. Und zwar „atemraubend-ich-muss-immer-wieder-pausieren-weil-es-so-nervenaufreibend-ist“-spannend. Sowohl Robin als auch Aaron sind in gefährlichen Situationen unterwegs, und es sind wirkliche high stakes; also man kauft der Geschichte ab, das in jedem Moment etwas schreckliches passieren könnte.

„Ich bin kein Mörder“, sagte der Mörder.

Während des Lesens gibt es immer mehr Hinweise und irgendwann hat man so eine leise Ahnung, was damals mit Aaron im Park passiert ist. Aber auf die finale Auflösung wäre ich wirklich NIEMALS gekommen. Das war echt ein Schock.

Ohne das Ende zu spoilern möchte ich hier nur sagen, dass ich es schön fand, dass wir zu Aaron wirklich komplette Closure bekommen und eine entscheidende Szene kurz vor knapp auch aus seiner Perspektive vorkommt. Und dass wir mit Feuer enden, ist ja auch sehr symbolisch (mit dem Titel und so). Generell ist da auch etwas Metaphorik in dem Buch, mit Herr der Fliegen und der Parabel vom Igel und Flughörnchen (vom Autor selber erfunden). Das mochte ich gerne. Es ist jetzt nicht unbedingt das Buch mit dem größten Zitat-Potential, aber das sind Thriller eh selten, von daher ist das auch okay so.

Zudem werden überraschend wichtige Themen angesprochen, die der Autor sensibel behandelt, die Familie und Freunde von Robin und Kian betreffen. Und es ist ein queeres Buch. Aaron ist bisexuell, Robin ist schwul, und da es Romantic Suspense ist, gibt es dementsprechend auch Liebesbeziehungen und die ein oder andere spicy Szene. Das Ende war mir dann etwas zu kitschig (und überstürzt) in der Hinsicht, aber ansonsten? Ein absoluter Pageturner.

Ein riesen Lob geht hier noch raus an den Hörbuchsprecher Nicolás Artajo, der in meinen Augen auch die perfekte Wahl war. Seine Stimme passt 100% zu den Charakteren, er kann besonders die Spannung und Angst unglaublich realistisch rüberbringen und verstellt seine Stimme (wenn nötig) sehr passend. Ich glaube auch, dass das Hörbuch deshalb nochmal intensiver und spannender war, als vielleicht die Story als Buch gewesen wäre.

Firewatch bekommt also von mir eine eindeutige Leseempfehlung, ich gebe 4.5 von 5 Sternen und bin gespannt auf alles, was Colin Hadler noch so veröffentlichen wird!

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Was dich nicht umbringt, macht dich zu einem Überlebenden

This Story Might Save Your Life
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Danke an Vorablesen und Rowohlt Polaris, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon unabhängig.

Wow, was ein Buch. Ein großartiger Genre-Mix aus Mystery/Thriller, ...

Danke an Vorablesen und Rowohlt Polaris, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon unabhängig.

Wow, was ein Buch. Ein großartiger Genre-Mix aus Mystery/Thriller, aber irgendwie auch Roman mit Rom-Com Elementen und mixed media Aspekten – ich versuche das mal aufzuschlüsseln. Es geht um Benny und Joy, die sich mit Mitte 20 kennenlernen, zu besten Freunden werden und mit einem gemeinsamen Survival-Podcast durchstarten. Wir begleiten die beiden aus zwei Perspektiven. Aus Joys Sicht können wir durch Auszüge ihres unveröffentlichten Manuskriptes alles über die Vergangenheit der beiden erfahren, vom ersten Aufeinandertreffen, ihren Beziehungen und der Weg zu ihrem Podcast-Erfolg. Diese Kapitel wechseln sich mit denen von Benny aus der heutigen Zeit ab, in der Joy und ihr Mann Xander von einen Tag auf den anderen spurlos verschwunden sind. Dadurch, dass die Kapitel fast immer in einem Cliffhanger enden, bleibt es spannend und man will immer weiterlesen. Denn sowohl in Joys Manuskript als auch bei Benny im Hier und Jetzt ergeben sich ständig neue Dinge, die einen die Charaktere in einem neuen Licht sehen lassen.

Weitere wichtige Personen für die Handlung sind Luna, Bennys Frau und Anwältin, die Producerin des Podcasts und gleichzeitig auch Xanders Schwester Mallory und ihre Frau Quinn, Joys Nachbarn Emil und Carlotta sowie Bennys Nachbar Ted sowie die beiden Detectives Keller und Price. Es ist ein sehr überschaubarer Cast und für mich genau die perfekte Menge. Alle hatten irgendwie was miteinander zu tun und waren in die Geschichte verstrickt. Und es gab noch zwei Hunde! Das ist immer ein Pluspunkt.

„Ich hatte befürchtet, uns würden irgendwann die Themen ausgehen, aber wie sich herausstellt, nehmen auf dieser Welt die Schrecken kein Ende. Dass das Überleben der gemeinsame Nenner der Menschen ist, stimmt mich demütig. Vielleicht haben wir alle überlebt, um unsere jeweilige Geschichte erzählen zu können. Wir sind alle Survivors. Das wiederum erfüllt mich mit Hoffnung.“

Was mir besonders gut gefallen hat neben den Spannungselementen waren die Szenen zum Podcast. In This Story Might Save Your Life geht es um Überlebensgeschichten und -strategien in absurden Gefahrensituationen, nach dem Motto „what doesn’t kill you makes you a survivor“. Außerdem haben Benny und Joy einfach eine sehr gute Dynamik, sodass es sehr viel Humor und Witz gibt. In der ersten Folge besprechen die beiden das Thema „Wie man einen Narkolepise-Anfall überlebt“ und der Podcast geht direkt viral.

Das Narkolepsie-Thema kommt nicht von irgendwo her, sondern von der eigenen Erfahrung von Joy, die unter dieser Krankheit leidet. Auch das fand ich sehr gut und realistisch umgesetzt, besonders im Memoir die Kapitel zu ihrer Teenagerzeit, die zeigen, wie chronisch kranke Jugendliche mit alltäglichen Dingen struggeln und was so eine Diagnose eigentlich für den Lebensentwurf heißt.

Ich bin ehrlich: das Mystery-Element ist ab einem gewissen Punkt nicht mehr überraschend. Ab ca. der Hälfte habe ich geahnt, worauf es hinauslaufen wird. Das Buch behandelt definitiv einige Triggerthemen, die gleichzeitig riesige Spoiler für die Lösung des Rätsels sind, sodass ich die hier in der Rezension nicht explizit nennen will – aber wer auf Themen sensibel reagiert, sollte da vielleicht reingucken. Die letzten 30 Seiten habe ich mit einem leichten Augenrollen gelesen, weil da wirklich nochmal alles bis ins kleinste Detail erklärt wurde, und ein kitschiger „1 Jahr später“ Epilog folgt. Für mich hätte das gar nicht mal noch so glatt auslaufen müssen, ich hätte gerne zum Ende hin ein mini bisschen mehr What the Fuck Momente gehabt.

Trotzdem: den Großteil der Story, also über 400 Seiten lang, war ich gefesselt, konnte das Buch kaum aus der Hand legen und habe mit Benny und Joy mitgefiebert. Und so gibt es von mir 4,5 Sterne und ich empfehle allen dieses Buch, die auf spannende Romane und Thriller stehen. Das deutsche Cover sieht schon extrem doll nach Thriller aus, und es ist definitiv auch ein Thriller. Aber gleichzeitig geht es halt auch viel um den Podcast und die Freundschaft und Liebe und Familie, und zwar mehr als ich das sonst von Thrillern kenne. Irgendwie lustig, dass das englische Cover so ganz anders aussieht; das zeigt nämlich eine Häusersiedlung in den Hollywood Hills und wirkt viel mehr nach dramatischem Roman.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

Die Hölle sind die anderen

Katabasis
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Danke an den Eichborn Verlag und NetGalley, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

Ich bin ein großer Fan von R.F. Kuang und mochte Babel ...

Danke an den Eichborn Verlag und NetGalley, die mir ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt haben. Meine Meinung ist davon jedoch unabhängig.

Ich bin ein großer Fan von R.F. Kuang und mochte Babel und Yellowface sehr gerne, aber ich hatte etwas Respekt vor Katabasis, da ich viele kritische Stimmen gehört hatte – auch von Leuten, die sonst Fans ihrer Werke sind.

Zum Glück waren all meine Sorgen jedoch unbegründet und ich hatte eine echt gute Zeit mit der Geschichte. Der Plot lässt sich knapp zusammenfassen: Alice und Peter machen sich gemeinsam auf in die Hölle, um ihren Doktorvater zurückzuholen, der bei einem Unfall ums Leben gekommen ist. Es ist ein spannendes Academia Setting kombiniert mit einer Version der Hölle, die auf Vorstellungen aus klassischer Literatur (z.B. Dantes Inferno oder Orpheus) basiert.

Das Buch ist schon sehr komplex. Alice und Peter promovieren in Analytischer Magie und es gibt sehr viel wissenschaftliche Sprachen, logische Probleme etc. Ich bin ehrlich: man muss nicht alles davon verstehen, um Spaß an dem Buch zu haben. Ja, vielleicht hatte ich sogar mehr Spaß am Buch, weil ich versucht habe, nicht alles 100% durchleuchten zu können. Ich habe einfach akzeptiert, dass die Autorin und Protagonisten schlauer sind als ich!

Frei nach dem Motto „die Hölle sind die anderen“ durchleben die beiden Protagonisten alle Ebenen der Hölle und verstehen immer mehr, wie toxisch ihr Verhalten während der Promotion eigentlich war. Das gegenseitige Ausspielen, die hohe Arbeitsbelastung, die Gerüchte und Missgunst (v.a. gegenüber anderen Frauen) – und wofür? Für Anerkennung und Lob über gute akademische Leistungen. Die beiden nähern sich immer mehr an und merken, dass sie eventuell andere Gefühle als Hass für die andere Person empfinden, wenn kein akademischer Wettstreit zwischen ihnen steht. Das Buch zeigt auf, welche Bedeutung das Leben eigentlich hat und das wissenschaftlicher Erfolg nicht das einzig Wahre ist und man sich nicht ausschließlich der Arbeit widmen sollte, sondern auch das Leben leben.

„Voll Erleichterung hatte sie sich schlafen gelegt, voller Enttäuschung war sie aufgewacht. Damals war ihr jede Stunde, die vorüberzog, wie ein kleiner Sieg vorgekommen. Doch warum hatte sie so danach gegiert, dass die Zeit forttickte? Auf welches Ereignis hatte sie gewartet?“

Aber: dieses Buch ist teilweise auch echt explizit. Es geht um Gewalt (physisch und psychisch). Es geht um chronische Krankheit und das Überschreiten von Grenzen bei Personen. Und ja, es gibt auch Szenen mit Tierquälerei (die hätte man ehrlich gesagt auch weglassen können, die hatten in meinen Augen nicht ganz so viel Sinn).

„Wie sollte sie das erklären? Das Vernichtende war nicht die körperliche Berührung – er hatte ja kaum Gewalt angewendet. Nein, in erster Linie schmerzte sie, wie mühelos er sie auf ein Objekt reduzierte. Sie war nicht länger eine Studentin, ein Verstand, ein wissbegieriges Wesen, das unter seiner Aufsicht wuchs und lernte und sich entwickelte – sondern nur noch die simple Identität, vor der sie sich immer gefürchtet hatte, nämlich bloß eine Frau.“

Insgesamt ist Katabasis in meinen Augen das beste Werk der Autorin. Eine Systemkritik, verwoben mit einer Heldenreise in der Hölle, die durch Worldbuilding imponiert. Ja, man versteht nicht immer alles, und ich hätte mir ehrlich gesagt gewünscht, dass ich das Ende eeeetwas besser hätte nachvollziehen können. Aber ansonsten? Ein riesiges Highlight für mich. Definitiv kein einfaches Buch, aber wenn man bereit ist, sich darauf einzulassen und über die Geschichte nachzudenken, dann kommt man hier eindeutig auf seine Kosten.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Schmerzlich nah an der Realität

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"Diese Mutter beschützt ihr Kind vor den Blicken zweier Menschen. Wieso haben meine Eltern mich nicht auch beschützt? Wieso dachte ich als Kind, sie tun das alles, weil sie mich lieben, nur um mich dann ...

"Diese Mutter beschützt ihr Kind vor den Blicken zweier Menschen. Wieso haben meine Eltern mich nicht auch beschützt? Wieso dachte ich als Kind, sie tun das alles, weil sie mich lieben, nur um mich dann wieder und wieder dieser Welt auszuliefern. Wieso haben sie mich nicht abgeschirmt?"

Einfach nur wow. Dieses Buch... sollten alle lesen. Ich bin mir sicher, dass Geschichten wie die von Sherry uns in der Realität bald vermehrt erreichen werden. So viele Menschen posten ihre Kinder einfach im Internet und denen scheint nicht bewusst zu sein, welche Gefahren damit einhergehen. Alle Szenen aus der Vergangenheit, in denen Sherry ihren Alltag und ihre Präsenz auf dem Familien-Kanal beschreibt, sind SO unfassbar schmerzhaft und haben mich richtig sauer gemacht. Die Mutter heißt übrigens Merle - so wie ich - und vielleicht waren die Aggressionen gegenüber meinem Namenszwilling dadurch noch stärker. Puh.

Zum Glück kommt Sherry an einen neuen Ort, der voller Found Family und neuen Möglichkeiten ist. Eine Zeit, in der Sherry sich ihren Ängsten stellen muss und rausfinden darf, wer sie selbst sein will und wie viel sie mit anderen Menschen teilen will.

Eine absolute Leseempfehlung <3.

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