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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 04.03.2026

Doppeltes Spiel

The Exes
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Direkt im ersten Kapitel lässt ein Satz tief blicken „Ich darf meinem glühenden Zorn nicht nachgeben. Nicht noch einmal.“ Mit solchen Andeutungen versucht die Autorin eine Atmosphäre von Ungewissheit, ...

Direkt im ersten Kapitel lässt ein Satz tief blicken „Ich darf meinem glühenden Zorn nicht nachgeben. Nicht noch einmal.“ Mit solchen Andeutungen versucht die Autorin eine Atmosphäre von Ungewissheit, Zweifel und leiser Unruhe zu schaffen. Zu Beginn funktionierte dies gut, auch weil die Geschichte von Natalie zwischen verschiedenen Zeitebenen wechselt und so zusätzliche Spannung erzeugt wird.

Das Buch startet im „Jetzt“ mit einem Streit zwischen Natalie und James. Was genau vorgefallen ist und warum es dermaßen eskaliert ist, erfährt man erst später. Eingeschobene Kapitel von „Damals“ erzählen, wie sich die beiden kennengelernt haben. Und auch die früheren Beziehungen von Natalie und deren Scheitern werden thematisiert. Doch danach wurde es zäh und ich habe mich gefragt, wohin mich die Story führt und was jetzt noch kommen soll. Lediglich die Andeutungen, dass James nicht alles von Natalie weiß, haben mich bei der Stange gehalten.

Obwohl man einiges über Natalie erfährt, ergibt sich nie ein vollständiges Bild. Die Erzählung aus ihrer Perspektive sorgt dafür, dass es immer eine einseitige und subjektiv geprägte Wahrnehmung ist. Ist Natalie nun also diejenige, für die sie sich selbst hält?

Der anhaltende Zustand des Nicht-Wissens und der Uneindeutigkeit führte bei mir jedoch dazu, dass die Twists nicht den Überraschungseffekt entfalten konnten, den sich die Autorin vielleicht davon versprochen hat. Obwohl sie clever eingebaut waren und zum Teil extrem kurz ausfielen, manchmal kaum mehr als ein einzelner Satz, haben sie mich in diesen Momenten nicht vollständig mitgerissen. Und dass, obwohl sie vermeintliches Wissen auf den Kopf stellten und völlig neue Erklärungsansätze eröffneten. Zu diesem Zeitpunkt wirkte es eher wie eine zusätzliche Möglichkeit als eine wirklich tragfähige Auflösung.

Auch wenn die zweite Hälfte wieder an Fahrt gewinnt und einige der zuvor aufgebauten Aspekte aufgreift, verliert sich die Auflösung letztlich in einer Fülle an Geheimnissen und Verwicklungen die zunehmend unglaubwürdig wirken und das Gesamtbild überladen erscheinen lassen.

Trotzdem hat mich der zweite Teil wieder abgeholt und dafür gesorgt, dass ich das Buch gerne beendet habe, auch wenn ich abschließend leider keine wirkliche Empfehlung aussprechen kann.

Veröffentlicht am 23.02.2026

Den Boden unter den Füßen verloren

Die Liebe, später
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Ich schreibe dies äußerst selten, aber tatsächlich hat mich das Buch auf den ersten Seiten in den Bann gezogen. Es war so voller Leichtigkeit und doch melancholisch. Einfach schön und doch nachdenklich. ...

Ich schreibe dies äußerst selten, aber tatsächlich hat mich das Buch auf den ersten Seiten in den Bann gezogen. Es war so voller Leichtigkeit und doch melancholisch. Einfach schön und doch nachdenklich. Voller Liebe für Anselm und das gemeinsame Leben mit ihm und trotzdem voller Sehnsucht und Zweifel.

Und wie sich zeigte, sind diese Zweifel von Kora grundsätzlich absolut nachvollziehbar. Hat doch jeder mal im Leben einen Punkt, an dem man die Weichen noch mal komplett neu stellen könnte.
Kora, die Protagonistin in diesem Buch ist Anfang 60 und nach einer erfolgreich verlaufenen Herz-OP befindet sie sich genau an diesem Punkt. Hinzu kommt, dass ihr Arbeitgeber ihr einen Aufhebungsvertrag hat zukommen lassen und sich das Leben mit ihrem Ehemann Anselm durch seine Frührente komplett ändert. Aus einer Wochenendbeziehung wird plötzlich ein dauerhaft gemeinsames Leben.

Aber Kora steckt fest und weiß nicht, was sie will. Alles wird infrage gestellt. Soll sie ihren Freund bei der Suche nach seiner verschwundenen Frau aktiv helfen oder nicht? Soll sie Anselm mit seinem Teichprojekt unterstützen oder nicht? Soll sie die Wohnung in Berlin verkaufen oder nicht? Soll sie den Aufhebungsvertrag unterschreiben oder nicht? Nirgends wird eine klare Entscheidung getroffen. Und so kreisen und kreisen ihre Gedanken. Alles wird gedanklich durchgekaut und mehrmals hin und her gedreht. Alte Freunde und Weggefährten werden getroffen. Die Frage nach dem, was hätte sein können, wird gestellt.

Die Erzählweise ist langsam und introspektiv. Dieses Buch lebt weniger von der Handlung als vielmehr von Koras innerer Welt. So nah man ihr durch diese Innenschau und die ehrlichen Gedanken kommt, so anstrengend wird es mit der Zeit. Und irgendwann ist es ermüdend. Man möchte sagen „Kora, entscheide dich doch langsam“.

Fazit: so sehr ich es schätzte, dass eine Frau um die 60 mit ihren Zweifeln und ihrer Suche in den Mittelpunkt gestellt wird, empfand ich die Geschichte mit zunehmendem Verlauf als immer mühsamer. Die Leichtigkeit der ersten Seiten ging verloren und übrig blieb die Melancholie. Insgesamt habe ich das Buch als zu grüblerisch, ernst und schwermütig empfunden.

Veröffentlicht am 30.01.2026

Werden Sie Theo gehen lassen?

Eisnebel
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Nach den vielen positiven Rezensionen hatte ich eine recht hohe Erwartung an das Buch. Dies konnte aber leider bereits zu Beginn nicht erfüllt werden.

Schon auf den ersten Seiten wurde sehr bemüht versucht, ...

Nach den vielen positiven Rezensionen hatte ich eine recht hohe Erwartung an das Buch. Dies konnte aber leider bereits zu Beginn nicht erfüllt werden.

Schon auf den ersten Seiten wurde sehr bemüht versucht, Theo(dora) in einem möglichst mysteriösen Licht dastehen zu lassen. Immer wieder wurde eingeflochten, dass sie Nachrichten erhalten hat, von denen ihr Verlobter Connor nichts weiß, dass sie über ihre Kindheit und ihre Eltern schweigt und dass sie Geheimnisse vor Connor und seiner Familie hat, die nicht aufgedeckt werden dürfen.
Bei mir hat dies zu einem recht aufgesetzten Gefühl von Spannung geführt. Es wurde so oft und in verschiedenen Variationen wiederholt, bis auch der letzte Leser versteht, dass Theo etwas Entscheidendes verschweigt. Diese ganzen Andeutungen haben mich zunehmend genervt, sodass dies auf die Protagonistin abgefärbt hat und sie völlig überspannt wirkte.

Im weiteren Verlauf habe ich vergeblich auf überraschende Wendungen gewartet. Stattdessen setzte die Autorin darauf, nach und nach einzelne Puzzleteile zusammenzuführen und so ein Gesamtbild entstehen zu lassen. Da vieles jedoch auf unsicheren oder vermeintlichen Erinnerungen basiert, bleibt man als Leser ständig im Unklaren, ob die Schlussfolgerungen stimmen oder ob wichtige Informationen noch fehlen.

Das Ende ist durchaus spannend. Aber wenn man als Leser bis hierhergekommen ist, ist auch klar, dass man wissen möchte, wie es sich damals tatsächlich zugetragen hat und welche Rolle die einzelnen Familienmitglieder gespielt haben.

Fazit: das Buch lässt sich gut lesen und man kann entspannte Stunden damit verbringen. Das Setting war gut gewählt, aber nicht besonders originell. Und leider gibt es Bücher, die mir mit gleichem Setting mehr Gänsehaut und Unbehagen verursacht haben. Und je länger ich über das Buch nachdenke, umso mehr empfinde ich den Hergang der Aufklärung als unrealistisch. Es stört mich, an wie viel sich Theo auf einmal erinnern kann, obwohl sie es im Alter von 3 - 4 Jahren erlebt hat. Auch, dass entscheidende Hinweise nach zwanzig Jahren noch in Hütten oder Koffern auftauchen, wirkt wenig glaubwürdig.

Veröffentlicht am 12.11.2025

Gratwanderung zwischen fragwürdiger Skurrilität und Spannung

Schwüre, die wir brechen
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Allein aufgrund des Klappentextes hätte ich dieses Buch nicht gelesen. Ausschlaggebend war vielmehr die Kenntnis von Band 1 und dass ich diesen sehr gut fand. Das, was man im Klappentext liest, bekommt ...

Allein aufgrund des Klappentextes hätte ich dieses Buch nicht gelesen. Ausschlaggebend war vielmehr die Kenntnis von Band 1 und dass ich diesen sehr gut fand. Das, was man im Klappentext liest, bekommt man dann auch. Inszenierte und zur Schau gestellt Opfer. Jon Nordh prophezeit zu Beginn der Ermittlungen, dass dieser Fall toxisch ist und die Ermittler auffressen wird.

Bei der Beschreibung der Entstellungen muss man hart im Nehmen sein. Spannend fand ich dies nicht. Eher makaber, unmenschlich und unnötig grausam. Will man so aufseiten der Autoren einen möglichst großen Effekt erreichen? Wenn das die Kulisse für spannende Unterhaltung ist, bin ich mittlerweile raus.

Die Idee, die Morde mit der Götterwelt Ägyptens zu verbinden, mag originell sein, aber ist es stimmig? Diese Ungewöhnlichkeit betont für mich eher die Skurrilität und Abscheulichkeit der Morde. Realistische Darstellungen liegen mir da deutlich mehr.

So war es dann auch weniger die Ermittlung des Täters, welche mich angesprochen hat, sondern die zentrale Fragestellung nach dessen Motivation. Hier werden unterschiedlichste Varianten und Überlegungen ins Spiel gebracht und beleuchtet.

Gefallen hat mir auch das Zusammenspiel zwischen Jon North und Svea Karhuu. Sie sind zu einem echten Team geworden, verfolgen das gleiche Ziel und ziehen an einem Strang. Auch wenn man Band 1 nicht kennt, hatte ich das Gefühl, dass man problemlos einsteigen kann. Alle wichtigen Hintergründe werden gekonnt vermittelt.

Beide Ermittler haben private Sorgen, werden bedroht bzw. trauern um den Tod des Ehepartners. Diese zusätzlichen Einblicke in das Privatleben machen die Ermittler für mich erst interessant und ehrlich gesagt bin ich gespannt, was bei deren privaten Ermittlungen noch an Licht kommt. Diese Nebenschauplätze sind nun auch für mich der Hauptgrund, das nächste Buch zu lesen.

Veröffentlicht am 10.11.2025

Konkurrenz im Provokationsbusiness

Aufsteiger
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Ich bin zwiegespalten, was dieses Buch betrifft. Hat mich doch sowohl der Verlauf als auch das Ende der Geschichte zunächst ratlos zurückgelassen. Es ist kein Buch, was sich einfach so weglegen und zum ...

Ich bin zwiegespalten, was dieses Buch betrifft. Hat mich doch sowohl der Verlauf als auch das Ende der Geschichte zunächst ratlos zurückgelassen. Es ist kein Buch, was sich einfach so weglegen und zum nächsten übergehen lässt.
Mit etwas Abstand lassen sich jedoch so einige interessante Themen und Fragestellungen finden. Die Rolle der Medien. Die Bedeutung von beruflichem Erfolg und die Frage, ob man sein Leben ausschließlich darauf ausrichten sollte. Wie damit umgehen, wenn man beruflich alles auf eine Karte setzt und scheitert. Kann man mit aktuellen positiven Taten frühere Fehler ausgleichen. Identifikation Mann und Frau im Kontext aktuelle Genderdiskussion. Und so ließe sich diese Liste noch weiter fortsetzen.

Trotz der Vielzahl an Themen fand ich es nicht überfrachtet, da kein Thema ausführlich behandelt wird und im Mittelpunkt steht. Eher ist dies ein Indiz für die Aktualität des Buches und das sich der Autor wirklich Gedanken gemacht hat.

Aber. Und jetzt kommt das Aber. Der Weg ist steinig und zäh. Den Schreibstil würde ich als nüchtern und sachlich beschreiben. Lesefreude wollte da nicht aufkommen. Erschwerend kommt hinzu, dass keiner der Protagonisten sympathisch ist. Lediglich der Prolog im Hinterkopf sorgt dafür, dass man wissen will, wie sich die Ereignisse dermaßen zuspitzen konnten. Allerdings muss man dafür wirklich lange durchhalten.

Fazit: ich wünschte ich könnte behaupten, dass sich das Durchhalten lohnt