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Veröffentlicht am 30.01.2026

Älterwerden

Die Liebe, später
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„Die Liebe, später“ von Gisela Klönne / Verlag: Rowohlt
Was passiert, wenn das Leben plötzlich innehält, nicht freiwillig, 
sondern durch einen Eingriff, der alles verändert?
Die Liebe, später von Gisa ...


„Die Liebe, später“ von Gisela Klönne / Verlag: Rowohlt
Was passiert, wenn das Leben plötzlich innehält, nicht freiwillig, 
sondern durch einen Eingriff, der alles verändert?
Die Liebe, später von Gisa Klönne ist ein leiser, intensiver Roman über genau diesen Moment: wenn Gewissheiten brüchig werden und man sich, vielleicht zum ersten Mal seit Jahrzehnten, selbst wieder befragt.
Kora ist sechzig, erfolgreiche Journalistin, unabhängig, klar, strukturiert. Seit über zwanzig Jahren ist sie mit Anselm verheiratet. Ein Modell, das funktioniert hat: Distanz unter der Woche, Nähe am Wochenende. Köln und Berlin. Freiheit und Verlässlichkeit in einem sorgfältig austarierten Gleichgewicht.
Doch dann kommt die Herz-OP. Und mit ihr eine Zäsur.
Nach dem Krankenhausaufenthalt findet Kora nicht mehr zurück in ihr altes Leben. Ihr Beruf, ihr Alltag, ihre Ehe, alles steht plötzlich auf dem Prüfstand. Anselm, der Biologe, hat sie in dieser schweren Zeit begleitet, für sie gesorgt, war da. Und doch sagt er später: Sie hat es allein geschafft. Sie braucht mich nicht.
Ein Satz, der nachhallt. Weil er Stärke meint und gleichzeitig Distanz schafft.
Anselm reicht frühzeitig seine Rente ein, zieht ganz nach Köln und möchte einen alten Traum verwirklichen: einen großen Libellenteich im verwilderten Garten. 
Mehr Nähe. Mehr Zeit. Mehr Wir.
Aber will Kora das? Wo bleibt ihre Freiheit?
Und was sagt ihr Herz, jetzt, wo es weiterschlägt und sie zwingt, genauer hinzuhören?
Kora beginnt zu zweifeln. Nicht aus eigenem Antrieb, sondern weil ihr Arbeitgeber ihr einen Aufhebungsvertrag geschickt hat. Plötzlich steht etwas im Raum, das sie selbst noch gar nicht zu Ende gedacht hat. Soll sie unterschreiben? Ist das ein sanfter Abschied nach der Herz-OP oder eine Entscheidung, die ihr abgenommen wird?
Ihr Late-Night-Talk war gut. Sie war gut. Und doch fragt sie sich, ob jetzt der richtige Moment wäre, loszulassen. Oder ob sie gerade jetzt noch einmal etwas Neues beginnen könnte. Ein Rückzug? Oder ein Neuanfang?
Ihre Sehnsucht nach Distanz wächst. Ausgerechnet jetzt, wo Anselm täglich da ist. Kora reist immer öfter nach Berlin. Dort hat sie eine Wohnung, ein Rückzugsort? Eine Flucht? Oder ein stiller Versuch, wieder gesehen zu werden? Zu heilen? Sich selbstbezogen finden?
Zum ersten Mal hat sie Geheimnisse. Und zum ersten Mal stellt sich die Frage so deutlich: Wie viel Freiheit verträgt eine lange Liebe?
Auch Anselm bleibt nicht unberührt. Ihm fällt es schwer, mit Koras Emotionen, ihrem Rückzug und ihren offenen Fragen umzugehen. Immer nur Ich, wo bleibt das Wir?
Und auch er muss sich neu verorten: in der Beziehung, im Ruhestand, in einem Leben, das plötzlich anders verläuft als geplant.
Gisa Klönne erzählt diese Geschichte mit großer Einfühlsamkeit und Lebensklugheit. Sie schreibt über den Umbruch nach einer Krankheit, über das Älterwerden, über Nähe und Distanz, über die leisen Verschiebungen in einer langen Ehe. Abwechselnd führt sie uns in Koras Zeit im Krankenhaus, in ihren journalistischen Alltag, in ihre Erinnerungen, ihre Reisen, ihre Sehnsucht und immer wieder in diesen sicheren Hafen, der doch ins Wanken gerät.
Die Liebe, später ist ein Roman, der nachdenklich macht, ohne zu urteilen. Der Fragen stellt, statt Antworten aufzuzwingen.
Wie sieht Glück aus? Ist es für beide dasselbe?
Und wie findet man sich und eine Beziehung neu, wenn sich die Lebensumstände ändern?
Ein stilles, warmes, tief berührendes Buch über eine Liebe, die in die Jahre gekommen ist und gerade deshalb so viel über das Leben erzählt.
Ein Roman, der bleibt. Und lange nachhallt.
Eigene Meinung. Eigenes Lesen. Eigene Worte.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Highlight

Der Fluss der Zeit
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„Der Fluss der Zeit“ – Pascal Mercier /
Verlag : Hanser

Manche Bücher liest man nicht einfach, sie begleiten einen.

Still, fast unauffällig, und doch bleiben sie lange nach der letzten Seite im Inneren ...

„Der Fluss der Zeit“ – Pascal Mercier /
Verlag : Hanser

Manche Bücher liest man nicht einfach, sie begleiten einen.

Still, fast unauffällig, und doch bleiben sie lange nach der letzten Seite im Inneren zurück. Der Fluss der Zeit ist für mich genau so ein Buch.

Fünf Geschichten, die vom Loslassen erzählen, von der Vergänglichkeit, von Erinnerung und von der Frage, wie wir mit unserer Zeit leben.

Es sind leise Geschichten, und gerade deshalb so eindringlich. Sie zeigen, wie das Leben vergeht; oft unbemerkt, manchmal schmerzhaft klar. Und sie lassen einen innehalten und über das eigene Leben nachdenken.

Was für ein Kleinod. Was für Weisheiten auf nur 112 Seiten.

„Ausräumen – das werden Sie machen müssen; ich will nicht mit ansehen, wie sie mein Leben hinaustragen.“ (Pos. 32)
Karl Prager liebt sein Haus. Und nun lässt er es los.Es fällt ihm nicht leicht. Mit einer gewissen Bestimmtheit möchte er sein Haus ein letztes Mal sehen, versucht dabei doch, die Vergangenheit festzuhalten. Er bemerkt es und versucht wieder loszulassen.
Es ist schmerzhaft, ihm zuzusehen. Wie er sein Leben, sein Haus, seine Erinnerungen zurücklässt. Diese Geschichte geht unter die Haut und bricht einem leise das Herz.



„Hier, genau hier in diesem Raum, ist das Zentrum meines Lebens“ (Pos. 253)
Luca Gaspari, ein angehender Pianist mit einem gebrochenen Finger, steht vor dem Verlust seiner Wohnung. Freunde kaufen sie und schenken sie ihm, damit er nur ein einziges Mal dankbar sein muss. Würde er dort kostenlos wohnen, könnte er sich verpflichtet fühlen, seine Dankbarkeit immer wieder zu zeigen. Also schenken sie ihm die Wohnung.
Sie wollten ihm Freiheit schenken.

„Generosità“, sagt Luca, jetzt versteht er dieses Wort.

Doch was diese Geste zwischen den Freunden auslöst, lässt sich nicht einfach abstellen. Dankbarkeit wird zur Last.

Für Luca, der sich verpflichtet fühlt, sie zu zeigen. Und für die Freunde, weil sie sie erwarten, obwohl sie das eigentlich nicht wollen.
Freiheit fühlt sich doch anders an oder?



„Du behandelst eine gefährliche Möglichkeit wie eine Wirklichkeit, eine Tatsache.“ (Pos. 424)

Zeit kann rasend schnell vergehen oder unerträglich langsam.
Für Jan Winter steht sie still, während er tagelang auf den Befund seines Arztes wartet. Die Angst, die Ungewissheit, das Warten auf die Laborergebnisse lassen seine Sorgen immer größer werden.
Sein Leben wird ihm bewusster. Seine begrenzte Zeit auf Erden. Und auch das Vertrauen, in den Arzt , in das Leben, seine Intuition, wird auf den Prüfstand gestellt.

Warum nicht im Jetzt leben? Annehmen. Vertrauen. Statt zu zweifeln und zu bangen.



„Ich wollte einfach nicht denken, dass vielleicht auch in ihm Schwäche sein könnte.“ (Pos. 709)
Lärm kann einen wahnsinnig machen. Ein Mann erlebt ihn als gewaltig, als unerträglich und doch erträgt er ihn.

Aus Stärke. Oder aus Schwäche.
Er hält alles aus. Bis zu einem gewissen Punkt.
Als Stille sein einziger Ausweg wird …



Ein Mann kehrt nach vierzig Jahren zurück nach Heidelberg. In seine damalige Wohnung. Zu den Anfängen seines Lebens. Er möchte alte Empfindungen wieder spüren, verstehen, was Zeit ist und wie er zu dem Mann geworden ist, der er heute ist.

Doch zu seinem Entsetzen erkennt er, dass das Verfließen der Zeit unumkehrbar war.

„Schade, das mit der Entzauberung“ (Pos. 1011).

Vielleicht sollte man die Vergangenheit ruhen lassen. Erinnerungen einfach sein lassen und sie abheften wie ein wichtiges Dokument. #

Zart, poetisch und in wundervollen Episoden erzählt Pascal Mercier vom Fluss der Zeit.

Dieses Buch drängt sich nicht auf. Es lädt ein. Es flüstert Gedanken, statt Antworten zu geben.

Ein Buch, das mich als Leserin nachdenklich zurücklässt.
Was für ein Schatz. Was für ein Geschenk.

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Veröffentlicht am 30.12.2025

Was für ein Highlight!

Perhaps 1
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„Perhaps 1“ von Emma F. Jaeger 

Verlag: ihleo

Was für eine Novelle! 

Was für ein Buch! 

Absolute Leseempfehlung!

Emma F. Jaeger nimmt eines der berühmtesten Ereignisse des 20. Jahrhunderts - das ...

„Perhaps 1“ von Emma F. Jaeger 

Verlag: ihleo

Was für eine Novelle! 

Was für ein Buch! 

Absolute Leseempfehlung!

Emma F. Jaeger nimmt eines der berühmtesten Ereignisse des 20. Jahrhunderts - das Attentat auf John F. Kennedy - und erzählt es auf eine völlig neue, spektakuläre Weise. Schon beim Lesen spürt man, dass hier jede Zeile sorgfältig durchdacht ist. Spannend, eindringlich und unglaublich fesselnd.

Die Geschichte nimmt uns mitten hinein in das Jahr 1963, in das Leben eines charismatischen, erfolgreichen Mannes, dessen Schicksal allen bekannt ist, dessen Gedanken und Gefühle wir hier aber auf eine völlig neue, intime Weise erleben dürfen.

Ohne je einen Namen zu nennen, weiß man sofort, wer gemeint ist und dennoch überrascht die Autorin mit einer Perspektive, die man so noch nicht gelesen hat.

Ich habe mitgefiebert, mitgelitten, gebangt, obwohl das Ende längst feststand. Die Mischung aus Realität und fiktiver Interpretation macht das Buch atemberaubend spannend.
J.s Leben, seine Entscheidungen, seine Beziehungen zu Frau, Kindern, Bruder und Vater werden greifbar, seine äußeren Erfolge und inneren Konflikte werden eindrucksvoll dargestellt. Und ja, seine Fehler, seine außerehelichen Affären werden nicht verschwiegen, alles wirkt glaubwürdig und authentisch.

Emma F. Jaeger schafft das Kunststück, das Unvorstellbare vorstellbar zu machen. Ihre Theorie, warum J. erschossen wurde, ist so schlüssig und spannend erzählt, dass man sie fast als Wahrheit akzeptieren möchte. Realität und Fiktion halten sich die Waage, reduziert aufs Wesentliche, und doch so viel mehr, als man vermuten würde.

Dieses Buch ist ein Crescendo an Spannung, eine packende Story und eine absolute Bereicherung. Egal, ob man sich für JFK, Jackie, politische Geschichte oder einfach großartig erzählte, intelligente Spannung begeistert.

Dieses Buch ist ein echtes Highlight und eine Bereicherung für jedes Bücherregal.

„Es gelingt wohl, alle Menschen einige Zeit und einige Menschen alle Zeit, aber niemals alle Menschen alle Zeit zum Narren zu halten.“ – Abraham Lincoln (Seite 5)

Ein riesiges Dankeschön an Emma F. Jaeger für dieses Highlight und die unglaubliche Leseerfahrung!

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Veröffentlicht am 05.11.2025

Voller Genuss ohne Verzicht

Weihnachtlich vegan
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„Weihnachtlich vegan“ von Anja Sagon
Verlag: ZS / Edel Verlagsgruppe

Voller Genuss ohne Verzicht, das ist das Motto für das neue Koch- und Backbuchs von Anja Sagon.

Entspannt durch die Weihnachtszeit ...

„Weihnachtlich vegan“ von Anja Sagon
Verlag: ZS / Edel Verlagsgruppe

Voller Genuss ohne Verzicht, das ist das Motto für das neue Koch- und Backbuchs von Anja Sagon.

Entspannt durch die Weihnachtszeit - so stellt uns die Autorin 60 festliche, vegane Rezepte vor. Durch rechtzeitige Planung und praktische Tipps zeigt sie, wie man die Herausforderungen einer veganen Weihnacht mühelos meistert.

Besonders gut gefällt mir ihr Hinweis auf den Backformenumrechner, schließlich hat man nicht immer die im Rezept angegebenen Backformgrößen zu Hause!

Mein persönliches Highlight sind die Plätzchen und das Gebäck. Ich liebe Süßes und war begeistert, dass man aus einem Grundteig gleich vier verschiedene Plätzchensorten zubereiten kann.

Anja Sagon gibt bei jedem Rezept die Vorbereitungszeit, die Backzeit sowie die Anzahl der Portionen an. Die Zutatenlisten sind übersichtlich, und vieles davon hat man ohnehin schon als Basiszutaten im Haus. Oft findet man am Ende eines Rezepts hilfreiche Tipps, z. B. welche Alternativen man verwenden kann.

Auch für die Festtage bietet das Buch komplette Menüs; beginnend mit leckeren Suppen, über beliebte Beilagen bis hin zu Hauptspeisen und Desserts. Hier finden sich viele Ideen für ein veganes, festliches Weihnachtsmenü.
Klassische Weihnachtsgerichte werden modern und pflanzlich interpretiert, ohne komplizierte Zutaten, aber mit viel Liebe zum Detail.

Praktisch ist auch, dass einige Rezepte gut vorzubereiten sind oder sich für größere Runden eignen. Schön finde ich außerdem, dass die Autorin ihre polnischen Wurzeln einfließen lässt und uns mit einem passenden Menü daran teilhaben lässt.

Zu jedem Menü gibt es einen genauen Ablaufplan mit exakten Zeitangaben, eine große Hilfe in der oft hektischen Weihnachtszeit.

Das Register ist übersichtlich gestaltet, und am Ende erfährt man noch einige interessante Eckdaten über die Autorin und den Verlag.

Einziger Kritikpunkt: Ich vermisse Nährwert- und Kalorienangaben.

Dieses Buch verbindet die Magie der Weihnacht mit bewusster, pflanzlicher Küche. Die Rezepte erinnern an vertraute Düfte und Geschmäcker aus der Kindheit, nur eben modern, tierfreundlich und nachhaltig interpretiert.

So wird Weihnachten nicht nur genussvoll, sondern auch achtsam gefeiert.

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Veröffentlicht am 02.11.2025

Berührendes und wertvolles Kinderbuch

Aurora – Eine Eintagsfliege und der schönste Tag ihres Lebens
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„Aurora - eine Eintagsfliege und der schönste Tag ihres Lebens“ von Uwe Krauser
mit Illustrationen von Franziska Frey
Kinderbuchverlag: Farbfux

Das Cover ist mit seiner liebevoll gestalteten Eintagsfliege ...

„Aurora - eine Eintagsfliege und der schönste Tag ihres Lebens“ von Uwe Krauser
mit Illustrationen von Franziska Frey
Kinderbuchverlag: Farbfux

Das Cover ist mit seiner liebevoll gestalteten Eintagsfliege Aurora und der schimmernden Goldprägung ist ein wahrer Hingucker.

Uwe Krauser zeigt mit wunderschönen Worten, wie wichtig es ist im Augenblick zu leben.
Er schreibt kindgerechte Sätze und seine gefühlvolle Wortwahl berührt nicht nur die Kleinen.

Aurora erwacht und weiß, als Eintagsfliege hat sie nur einen Tag auf dieser Welt. Fröhlich und voller Tatendrang möchte die kleine Eintagsfliege ihren Tag zu etwas Besonderem machen.
Sie verweilt im Augenblick und genießt; nimmt das Leben, wie es kommt und zieht das Positive aus ihren Erfahrungen. Sie ist offen und dankbar, für jede neue Erfahrung.

Der Autor erklärt mit behutsamen, zarten Worten die Vergänglichkeit und zugleich lenkt er den Blick auf das Glück in alltäglichen Dingen. Aurora vermittelt Zuversicht und Lebensfreude.

Die Illustrationen sind perfekt ausgearbeitet, die Liebe steckt im Detail. Uwe Krauser und Franziska Frey harmonieren perfekt in Text und Illustration.

Ein unglaublich bezauberndes und pädagogisch wertvolles Buch über das Hier und Jetzt. Es sollte den Weg in jedes Bücherregal finden, um das Herz der Kleinen und Großen zu berühren, sowie das Augenmerk auf die Schönheit, unseres Lebens zu lenken.

Ideal als Geschenk für jeden Anlass - zum Vorlesen oder selber lesen.

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