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Veröffentlicht am 12.02.2026

Fesselndes, wendungsreiches Familiendrama mit überraschenden Enthüllungen und tödlichen Geheimnissen

DIE TOCHTER. Du dachtest, niemand würde es je erfahren
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Nach der Beisetzung ihres Vaters erfährt Hazel überraschend, dass er ihr sein Haus am See vermacht hat, obwohl sie der Kleinstadt Mirror Lake im Gegensatz zu ihren beiden Brüdern, die beruflich in die ...

Nach der Beisetzung ihres Vaters erfährt Hazel überraschend, dass er ihr sein Haus am See vermacht hat, obwohl sie der Kleinstadt Mirror Lake im Gegensatz zu ihren beiden Brüdern, die beruflich in die Fußstapfen des angesehenen Detectives getreten sind, den Rücken gekehrt hatte.
Es ist Mai und hat seit Wochen nicht mehr geregnet. Der See verdunstet allmählich und offenbart, was unter der Oberfläche liegt. So werden kurz hintereinander zwei Fahrzeuge gefunden, die offenbar vor Jahren darin versenkt wurden.
Hazel wird mit Erinnerungen konfrontiert und sieht das Erbe als Aufforderung ihres Vaters herauszufinden, was mit ihrer Mutter geschah, die vor 13 Jahren ohne ein Wort mit dem Barvermögen der Familie verschwand.

Der Roman ist aus der Ich-Perspektive von Hazel geschrieben, die an den Ort ihrer Kindheit und Jugend zurückkehrt, wo ihre Mutter sie einst zurückgelassen hatte. Als Alleinerbin des Hauses zieht sie den Unmut ihrer Brüder auf sich und auch darüber hinaus fühlt sich Hazel als Tochter einer Kriminellen in der Kleinstadt nicht willkommen.
Doch Hazel bleibt, denn immer mehr erhält sie das Gefühl, dass es eine andere Wahrheit über das Verschwinden ihrer Mutter gibt. Zudem ereignen sich merkwürdige Dinge, so dass sich Hazel in ihrem Elternhaus nicht sicher fühlt. In der Kleinstadt wird in Häusern eingebrochen und weitere Menschen verschwinden.

Die Geschichte ist von Misstrauen, Geheimnissen und einer lauernden Gefahr geprägt. Hazel findet Dinge heraus, die sie beunruhigen, forscht weiter nach und stößt auf Widerstand. Dazu kommt das Gefühl des Beobachtetseins und einer Warnung, die Vergangenheit ruhen zu lassen. Auch die Situation in einer Kleinstadt, in der jeder jeden kennt und in der ausgerechnet im Umfeld der Polizistenfamilie Menschen verschwinden, trägt zu einer beklemmenden Atmosphäre bei.

Wie die Loyalitäten verteilt sind und wie die aktuellen Geschehnisse mit vergangenen Taten in einem Zusammenhang stehen, sorgt für anhaltende Spannung, wobei diese in einem weiten Bogen sehr langsam aufgebaut wird. Es ist kein temporeicher Thriller, der Nervenkitzel verursacht, aber ein fesselndes, wendungsreiches Familiendrama mit überraschenden Enthüllungen und tödlichen Geheimnissen.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

Unblutiger Thriller, der zeigt, dass die Vergangenheit niemals ruht und Schuld nicht verjährt - mit bösem Ende

Sturmmeer
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Die 22-jährige Ella ist frisch verliebt und wird von ihrem Freund Jan zu einem Segelausflug auf der Nordsee eingeladen. Nach einem weinseligen Picknick an Bord ist Jan verschwunden und Ella allein auf ...

Die 22-jährige Ella ist frisch verliebt und wird von ihrem Freund Jan zu einem Segelausflug auf der Nordsee eingeladen. Nach einem weinseligen Picknick an Bord ist Jan verschwunden und Ella allein auf dem Meer. Sie wird von Kameras überwacht und darüber informiert, dass sie entführt wurde. Ein Sturm zieht auf und Ella weiß sich nicht zu helfen, da alle Geräte an Bord ausgefallen sind.
Währenddessen wird ihr Vater, der sich ohnehin schon immer Sorgen um seine älteste Tochter gemacht hat, die als junges Mädchen an Diabetes erkrankt ist, um eine halbe Million Euro erpresst.

Der Roman wird abwechselnd aus der Perspektive der beiden Schwestern Ella und Vicky, ihrem Vater Gregor und seinem ehemaligen Studenten Leander geschildert. Leander möchte sich an dem angesehenen Universitätsprofessor rächen und ist offenbar bestens über dessen Vermögenswerte informiert. Gregor selbst hat Angst um ein Geheimnis, das der Grund der Entführung seiner Tochter sein könnte und auch Vicky plagt nach dem Tod ihrer Mutter ein schlechtes Gewissen gegenüber ihrer Familie.

Für Spannung sorgen Ellas lebensgefährliche Situation auf hoher See, aber noch viel mehr die Geheimnisse, die es innerhalb der Familie Weber schwelen und was der Entführer Ellas darüber weiß.

Die Kapitel sind kurz, die Wechsel der Perspektiven entsprechend zügig, so dass sich allmählich die einzelnen Puzzleteile zusammensetzen. Die Protagonisten sind in einem Albtraum gefangen und bangen um Ellas Leben. Während sie kaum wissen, wie ihnen geschieht, offenbaren sich schrittweise die Geheimnisse, die sie bergen.

Es ist ein unblutiger Thriller mit einem Fokus auf den Inneneinsichten der Figuren, der kurzweilig geschrieben ist. Geprägt von Angst und Schuldgefühlen gilt es, sich den Schatten der Vergangenheit zu stellen. Die Motive der Charaktere sind nachvollziehbar und das Szenario authentisch.
"Sturmmeer" zeigt, dass die Vergangenheit niemals ruht, Schuld nicht verjährt und selbst in vertrauten Personen ein Hauch Böses steckt.

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Veröffentlicht am 07.02.2026

Dramatische Geschichte über Schwesternschaft, die sich zu einem Psychothriller entwickelt

Die Insel meiner Schwester
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Mirjam hat ihre Halbschwester Nia erst im Alter von 14 Jahren kennengelernt und trotz der schwierigen familiären Konstellation sofort Freundschaft mit ihr geschlossen. Unstimmigkeiten ergaben sich nur, ...

Mirjam hat ihre Halbschwester Nia erst im Alter von 14 Jahren kennengelernt und trotz der schwierigen familiären Konstellation sofort Freundschaft mit ihr geschlossen. Unstimmigkeiten ergaben sich nur, wenn sich Nia wiederholt in die falschen Männer verliebte. Inzwischen ist Nia mit Konrad verheiratet und hat bereits mehrfach versucht, ihren Ehemann zu verlassen. Als Nia das letzte Mal zu ihm zurückgekehrt ist, kam es zum Zerwürfnis zwischen den beiden Schwestern.
Ein Jahr später meldet sich Nia bei Mirjam, die gerade frisch von ihrem langjährigen Partner getrennt ist, um sie zu ihrem 40. Geburtstag einzuladen. Sie möchte auf der Schäreninsel feiern, wo sie in ihrer Kindheit und Jugend die Sommer verbracht haben. Nia verspricht einen reinen Mädelsabend, doch Mirjam ist schon vor der Anreise skeptisch und ahnt nicht, was sie tatsächlich vor Ort erwarten wird.

Der Roman wird aus der Perspektive von Mirjam geschildert, die überraschend nach zehn Jahren Beziehung von ihrem Freund für eine andere Frau verlassen wurde. Sie ist zutiefst verletzt und deshalb froh, als sich ihr langjährige Vertraute Nia bei ihr meldet, zu der der Kontakt nach einem Streit über ihren Mann abgebrochen war. Nia steckt in einer toxischen Ehe fest und schafft es nicht, Hilfe anzunehmen.

Neben der gegenwärtigen Handlung gibt es innerhalb der Kapitel zahlreiche Rückblenden in die Jugend Mirjams mit einem Schwerpunkt auf dem Verhältnis zu Nia.
Nia hat Mirjam zu mehr Selbstvertrauen verholfen, die sich selbst als unscheinbar empfunden hatte, hat sich selbst hingegen in ihren Liebesbeziehungen ausnutzen und unterdrücken lassen.

Das Szenario auf der Insel, wenn der Sturm aufzieht, gleicht einem Psychothriller. Eine bedrohliche Atmosphäre ist von Anbeginn vorhanden und spürbar, dass die Situation jederzeit eskalieren könnte. Schon bei der Ankunft auf der Insel wird Mirjam vor den Kopf gestoßen und nach einer Wende läuft die Situation komplett aus dem Ruder.
Spannung wird dabei sukzessive aufgebaut, wobei es am Tag der Geburtstagsfeier bis auf die Rückblenden keine neuen Impulse gibt und der gewaltsame Showdown arg in die Länge gezogen wird.

Es ist eine dramatische Geschichte über zwei "Frestern", die innig verbunden sind, durch ungute Beziehungen aber Distanz zu einander schaffen. Das Thema häusliche Gewalt prägt die Handlung, auch wenn es durch die einseitige Perspektive hintergründig bleibt.
Im Kern geht es um Schwesternschaft, bedingungslose Liebe und welche Opfer diese fordert. Dass das Ende dann keinen Neuanfang bedeutet, ist tragisch und nach all den Anstrengungen nur bedingt nachvollziehbar.

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Veröffentlicht am 05.02.2026

Wenn ein Wunschtraum zu Manie wird - herrlich absurder Psychothriller vor dem Kontext des heiß umkämpften Immobilienmarkts

Tödliches Angebot
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Seit über einem Jahr suchen Margo und ihr Ehemann Ian nach einem Eigenheim in Washington. Bereits elf Mal sind mit ihren Geboten gescheitert und Margo, die ihre Zwei-Zimmer-Wohnung leid ist und eine Familie ...

Seit über einem Jahr suchen Margo und ihr Ehemann Ian nach einem Eigenheim in Washington. Bereits elf Mal sind mit ihren Geboten gescheitert und Margo, die ihre Zwei-Zimmer-Wohnung leid ist und eine Familie gründen möchte, ist zunehmend frustriert. Als sie von einem Haus in ihrer bevorzugten Wohngegend erfährt, das verkauft werden soll, aber noch nicht auf dem Markt ist, beschließt sie zu handeln. Margo macht die Eigentümer ausfindig und versucht sie mit unorthodoxen Methoden davon zu überzeugen, dass sie die optimalen Käufer für das Traumhaus sind. Doch ein dummer Fehler macht Margos schöne Pläne zunichte. Besessen von dem Haus vernachlässigt Margo ihren Job, streitet mit ihrem Mann und ist bereit, alles zu riskieren, um ihren Traum vom Eigenheim und dem damit verbundenen perfekten Leben zu erfüllen.

Wie in Deutschland, ist auch der Immobilienmarkt in den Großstädten Amerikas heiß umkämpft. Die Autorin greift damit ein aktuelles, gesellschaftlich relevantes und emotionsgeladenes Thema auf, das sie zu einer abgefahrenen Story entwickelt.

Margo ist eine Frau mit beiden Beinen im Leben, aber die erfolglose Haussuche hat sie mürbe gemacht. Für das Traumhaus aus den 1940er-Jahren in der ruhigen, familiären Wohngegend, rechnet sie sich allerdings echte Chancen aus, da es noch nicht offiziell zum Verkauf steht. Sie entwickelt kreative Methoden, um das Haus vor allen anderen Bietern zu erlangen und lässt dabei bald jeglichen moralischen Kompass vermissen und zunehmend Grenzen jeglichen Anstands überschreiten. Aus einem Wunschtraum wird blutiger Ernst.

Der Strudel aus Verzweiflung und Wut, in den Margo gelangt ist, ist nachvollziehbar geschildert, rechtfertigt aber nicht ihr überzogenes, manisches Verhalten. Ihr zunehmende Verrücktheit zieht jedoch in den Bann und man beobachtet mit ungläubiger Faszination jede neue Aktion, um dem Traumhaus einen Schritt näher zu kommen.

Die Geschichte ist herrlich absurd, schwarzhumorig und weiß damit bestens zu unterhalten. "Tödliches Angebot" schildert wie ein Wunsch zu Manie wird, wobei die Handlung komplett an die Spitze getrieben wird. Das ist bitterböse und stimmig für einen Psychothriller, aber am Ende nicht unbedingt realistisch, wie leicht es Margo gemacht wird.

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Empathisch geschilderte Geschichte über zwei Außenseiter und ihr Weg heraus aus der sozialen Isolation

Der andere Arthur
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Der ehemalige Literaturprofessor Dr. Arthur Opp führt ein zurückgezogenes Leben in seinem Haus in Brooklyn. Er verlässt es nur noch, um den Müll hinauszubringen, denn er ist stark übergewichtig und ist ...

Der ehemalige Literaturprofessor Dr. Arthur Opp führt ein zurückgezogenes Leben in seinem Haus in Brooklyn. Er verlässt es nur noch, um den Müll hinauszubringen, denn er ist stark übergewichtig und ist durch Lieferdienste gut versorgt. Als ihn eine frühere Studentin kontaktiert, mit der er noch vor Jahren in einem engen Briefkontakt gestanden hat, erfährt er überraschend, dass sie einen Sohn hat. Charlene bittet Arthur um Unterstützung, da der sportbegeisterte 18-jährige Kel aufs College gehen soll. Arthur möchte helfen, schämt sich jedoch für die Lügen, die er Charlene aus Schaum erzählt hat. Doch auch sie hat Geheimnisse, die für ihren Sohn zunehmend zu einer Belastung werden.

"Der andere Arthur" ist nach "Long Bride River" und "Der Gott des Waldes" ein älteres Buch der Autorin, das ins Deutsche übersetzt wurde und als eines ihrer Erstlingswerke nicht so stark wie die beiden Bestseller.
Der Roman wird abwechselnd, zunächst in längeren Abschnitten, dann in kürzeren Kapiteln aus den Perspektiven von Arthur und Kel erzählt. Beide befinden sich in unterschiedlichen Lebenssituationen, sind jedoch beide auf ihre Art Außenseiter und allein.
Arthur ist gut situiert, versteckt sich aufgrund seines Übergewichts jedoch in seinem Haus. Die Reinigungskraft Yolanda ist die erste, die er nach einem Jahrzehnt wieder hineinlässt, um sein Haus vorzeigbar zu machen, als er mit einem Besuch von Charlene rechnet.
Kel ist ein mittelmäßiger Schüler, aber ein talentierter Baseballspieler und hofft, dass er eine Profi-Karriere einschlagen kann. Freunde kann er nicht zu sich nach Hause lassen, denn er schämt sich für seine Lebensverhältnisse und das Verhalten seiner Mutter. Wie schlimm es tatsächlich um sie steht, wird Kel erst bewusst, als Charlene ins Krankenhaus kommt und er ganz auf sich gestellt ist.

Die Geschichte wird warmherzig und lebendig erzählt und es ist bildhaft vorstellbar, wie Arthur und Kel leben. Es sind tragische Situationen, die realitätsnah erscheinen und deshalb so schmerzhaft sind. Arthur und Kel haben beide Verluste erlitten und sind gesellschaftlich isoliert. Beide verstecken sich und kommen zurecht, solange nichts Unerwartetes passiert. Charlenes Hilflosigkeit bringt beide dazu zu handeln.

Der Roman ist mit seiner Zielrichtung vorhersehbar, entwickelt sich aber dennoch etwas anders als erwartet. Beide Erzählstränge bleiben trotz der Verbindung über Charlene überraschend isoliert, was beide Charaktere unabhängig voneinander in Szene setzt.

"Der andere Arthur" schildert auf empathische Art und Weise Wege aus der sozialen Isolation zurück in die Gesellschaft und zeigt gleichzeitig, wie leicht es ist, aus ihr herauszufallen und abgeschottet in einer Großstadt verloren zu sein. Neben vielen Widrigkeiten und Rückschlägen ist die Geschichte dennoch niemals deprimierend, denn Fürsorge und Hilfsangebote bleiben nicht aus, müssen nur angenommen werden. Sie endet deshalb hoffnungsvoll, auch wenn Fragen offen bleiben.

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