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Veröffentlicht am 01.02.2026

"Berchtesgaden" von Carolin Otto - Perspektivenreich, doch oberflächlich

Berchtesgaden
3

Worum geht's?
Berchtesgaden, in den letzten Kriegstagen 1945. Sophie und Magda, zwei junge Frauen, setzen sich jede auf ihre eigene Weise mit der Tatsache auseinander, dass der Krieg vorbei ist und ungewisse ...

Worum geht's?
Berchtesgaden, in den letzten Kriegstagen 1945. Sophie und Magda, zwei junge Frauen, setzen sich jede auf ihre eigene Weise mit der Tatsache auseinander, dass der Krieg vorbei ist und ungewisse Zeiten anbrechen. Während Sophie sich als Sekretärin beim Military Government bewirbt und dort mit den Verbrechen des NS-Staats konfrontiert wird, hat Magda nur Sophies Bruder Max, einen überzeugten SS-Mann, der sich in den Bergen versteckt und in den Magda seit langem (unerwidert) verliebt ist, im Sinn.
Zur Truppe in Berchtesgaden gehört auch Frank Rosenzweig, aufgewachsen in München, in den 30er Jahren in die USA emigriert und nun US-Militärangehöriger mit der Verfolgung und dem Verhören von Nazi-Funktionären beauftragt. Ihn begleitet unter anderem Meg Taylor, Pressefotografin, sowie Sam Cork, Sergeant, den eine beginnende Liebesgeschichte mit Sophie verbindet.
Außerdem werden die Perspektiven von Kriegsheimkehrern geschildert, deren Erfahrungen an der Front, in der Haft und im KZ. Sie alle versuchen nun, sich ein neues Leben aufzubauen.

Mein Leseeindruck
Alles in allem handelt es sich bei "Berchtesgaden" um ein interessantes Buch, das keine Angst vor den wirklich harten Aspekten dieser Zeit hat und die Gesamterzählung dadurch sehr realitätsnah wirken lässt. Durch das Episodenhafte der Kapitel fehlt jedoch ein roter Faden, es ist eher ein gleichberechtigtes Nebeneinander verschiedener Erzählstränge, die unterschiedliche Aspekte auf das Jahr 1945 in Berchtesgaden beleuchten. Das ermöglicht einen interessanten multiperspektivischen Blick auf die Zeit; wobei die Vielzahl der Themen, die Otto in dem Roman verarbeitet, dazu führt, dass diese nur angerissen werden, was mich stellenweise den nötigen Tiefgang vermissen lässt. Hinzu kommt, dass mich die vielen Charaktere gerade in den ersten Kapiteln ein wenig überfordert haben. Das wurde im Verlauf des Buches, als sich die Erzählungen kreuzten, besser; eine echte Bindung zu einzelnen Figuren konnte ich jedoch nicht aufbauen. Das ist um so bedauerlicher, da die Figuren interessante und größtenteils tragische Hintergründe haben, die zwar geschildert werden, aber keine Auswirkungen auf die erzählte Jetzt-Zeit haben:
Meg erfuhr als Kind traumatische physische und psychische Gewalt. Jetzt ist sie eine starke selbstbewusste Frau, die ihren eigenen Weg geht.
Frank emigrierte in den 30ern mit seiner Familie aus Deutschland in die USA und kehrt nun in die Heimat zurück, erinnert sich dort aber vor allem nostalgisch an seine Jugendliebe und Brez'n.
Die Erfahrungen von Rudolph Kriss und Pina Thanner nehmen deutlicheren Einfluss auf ihre Handlungen und ihren Blick in die (neue) Welt, die Erzählung bleibt aber auch hier leider an der Oberfläche.

Mein Fazit
Insgesamt fand ich das Thema des Romans sehr interessant. Auch der Ansatz, aus verschiedenen Perspektiven zu erzählen, hat mir grundsätzlich gut gefallen und passte zum zeitlichen Kontext, in dem ja verschiedene Wertvorstellungen, Weltsichten und Erfahrungen aufeinander getroffen sind. Meiner Meinung nach stellt der Roman einen guten Ansatzpunkt dar, um sich der spannenden "Stunde Null" überblicksartig zu nähern. Wer eine tiefer gehende Auseinandersetzung mit diesem Kapitel deutscher Geschichte sucht, wird hier jedoch leider nicht fündig.

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Veröffentlicht am 10.03.2025

"Die Herde" von Thilo Winter - starke Botschaft, wenig Thrill

Die Herde
4

Kurzzusammenfassung:
Peter Danielsson ist Biologie und Umweltaktivist aus Schweden, der sich dem Schutz der Zwerggänse verschrieben hat. Sui Dayan ist eine chinesische Ingenieurin und mit dem Bau eines ...

Kurzzusammenfassung:
Peter Danielsson ist Biologie und Umweltaktivist aus Schweden, der sich dem Schutz der Zwerggänse verschrieben hat. Sui Dayan ist eine chinesische Ingenieurin und mit dem Bau eines Staudamms beauftragt, der sich im Brutgebiet der Vögel befindet. Entsprechend unterkühlt verläuft das erste Aufeinandertreffen der beiden. Doch dann lässt eine Herde Elefanten, die sich ohne nachvollziehbaren Grund auf eine Wanderung durch die chinesische Provinz Kunming macht, die beiden zu Zwangsverbündeten werden. Während Peter und Sui dem rätselhaften Verhalten der Tiere auf den Grund gehen, häufen sich auch in anderen Teilen der Welt auffällige Begegnungen zwischen Mensch und Tier. Als die chinesische Regierung beschließt, die Elefanten dem Abschuss freizugeben, beginnt für Sui und Peter ein Wettlauf gegen die Zeit...

Mein Leseeindruck:
Der Roman beginnt vielversprechend und zieht die Lesenden mit einer faszinierenden Prämisse in seinen Bann. Thilo Winters Schreibstil ist unterhaltsam und lebendig. Die parallel geschilderten Handlungsstränge an verschiedenen Orten der Welt tragen dazu bei, eine gewisse Spannung aufzubauen.
Im weiteren Verlauf der Geschichte empfand ich jedoch die Vielzahl an Charakteren und die häufigen Szenenwechsel als zunehmend störend für den Lesefluss. Anstatt die Spannung aufrechtzuerhalten, führten die ständigen Wechsel dazu, dass ich mich aus dem Geschehen gerissen fühlte. Dadurch wirkten manche Entscheidungen, die die Hauptfiguren trafen, für mich nicht nachvollziehbar und teilweise widersprüchlich. Insgesamt blieben mir die vielen eingeführten Charaktere, trotz ihrer bisweilen komplexen Hintergrundgeschichten, zu blass. Zudem empfand ich den zunehmend durchdrehenden Gegenspieler als äußerst nervig, sodass es mir schwer fiel, mich auf den sehr actiongeladenen Showdown gegen Ende einzulassen. Die nachfolgende Erklärung für das Verhalten der Tiere war zwar inhaltlich schlüssig, wirkte jedoch wie ein uninspirierter Nachklang, der dem szenisch starken Auftakt des Buches meiner Meinung nach nicht gerecht wurde.

Mein Fazit:
Insgesamt präsentiert sich "Die Herde" als solider Roman, der facettenreiche Themen wie das Verhältnis zwischen Mensch und Tier sowie die gesellschaftliche Verantwortung gegenüber der Natur behandelt. Die ersten Kapitel sind packend und fesselnd, doch nach einem vielversprechenden Einstieg vermag das Buch die Spannung nicht bis zum Ende aufrechtzuerhalten und endet schließlich mit einer eher enttäuschenden Auflösung. Die Botschaft des Buches ist wichtig, aber die Umsetzung hätte an einigen Stellen straffer und spannender und die Protagonist/innen ausdifferenzierter gestaltet sein können, um dem Thriller-Genre gerechter zu werden.

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