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Veröffentlicht am 06.02.2026

berührende coming-of-Age-Geschichte

Sommer auf Perigo Island
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Der zwölfjährige Pierce wohnt zusammen mit seiner Mutter auf Perigo Island, einer (fiktiven) Insel vor der Küste Neufundlands, deren Bewohner nahezu ausschließlich vom Fischfang leben. Auch der Vater von ...

Der zwölfjährige Pierce wohnt zusammen mit seiner Mutter auf Perigo Island, einer (fiktiven) Insel vor der Küste Neufundlands, deren Bewohner nahezu ausschließlich vom Fischfang leben. Auch der Vater von Pierce war Fischer, bis er vor drei Jahren nicht mehr vom Meer zurückkehrte. Pierce leidet noch immer unter dem Verlust des Vaters. Die einige Jahre ältere Anna stand Pierce damals zur Seite, als er Hilfe am dringendsten brauchte, und Pierce ist ihr dadurch tief verbunden, auch wenn sie sich nur selten sehen. Im Sommer 1991 verschwindet Anna eines Tages spurlos, und bei Pierce reißen alte Wunden auf. Zusammen mit seinen Freunden Bennie und Thomas sowie Emily, Bennies Cousine aus New York, macht sich Pierce auf die Suche nach Anna. Was hat der eigenbrötlerische und etwas unheimlich wirkende Solomon Vickers mit Annas Verschwinden zu tun? Und welche Rolle spielen der jugendliche Schläger Ross und seine Bande?

Perry Chafe gelingt es, eine berührende Coming-of-Age-Geschichte vor beeindruckender Naturkulisse mit Spannung zu verbinden. Auch Umweltprobleme wie die Überfischung der Meere und die Schäden durch Schleppnetzfischerei werden angesprochen. Auf berührende, leise und einfühlsame Weise erzählt das Buch von tiefer Freundschaft, erster Liebe, Vorurteilen und zweiten Chancen. Es zeigt eindrücklich, dass vorschnelle Urteile selten richtig liegen und tiefes Verständnis und Nähe manchmal dort zu finden sind, wo man es am wenigsten erwartet. Wahre Freundschaft braucht nicht viele Worte, sondern Beistand zur richtigen Zeit. Das Buch macht Mut, auch nach Trauer und Verlusten langsam wieder nach vorne zu blicken.

Nachdem mich letztes Jahr „Das Geschenk des Meeres“ aus dem mare Verlag sehr berührt hat, ist auch „Sommer auf Perigo Island“ wieder ein Highlight für mich gewesen.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Herrlich humorvoll und kurzweilig

Wir Freitagsmänner
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Henri ist Mitte Fünfzig, geschieden, der Beruf ist Routine, beim Dating ist eher zweite Wahl und dann kommt auch noch Barthaarausfall dazu. Der Hausarzt diagnostiziert Wechseljahre, und Henri beginnt sich ...

Henri ist Mitte Fünfzig, geschieden, der Beruf ist Routine, beim Dating ist eher zweite Wahl und dann kommt auch noch Barthaarausfall dazu. Der Hausarzt diagnostiziert Wechseljahre, und Henri beginnt sich zu fragen, was er sich vom Leben erwartet und welche Veränderungen er vornehmen sollte. Da kommt es wie gerufen, dass seine Traumfrau, der er zufällig über den Weg läuft, als Mental Coach arbeitet. Allerdings scheint sie ein Faible für deutlich jüngere Männer zu haben. Henri wittert dennoch eine Chance…

Vom ersten Moment an habe ich mich bei „Wir Freitagsmänner“ köstlich amüsiert. Hans-Gerd Raeth entwirft Szenen mit viel Situationskomik und herrlich pointierten Dialogen, so dass ich mehrmals laut lachen musste, was mir beim Lesen nur höchst selten passiert. Henri ist ein sympathischer Protagonist: schlagfertig, humorvoll, reflektiert und dabei aber nicht frei von Fehlern. Einer davon hat vor Jahren seine Ehe ruiniert, und dennoch begegnen er und seine Exfrau sich wertschätzend und auf Augenhöhe. Auch das Verhältnis zu seinen inzwischen erwachsenen Kindern ist liebevoll. In Felix hat Henri einen wahren besten Freund, der um seine Ehe und gegen die körperlichen Verfallserscheinungen des Alters kämpft und auf den sich Henri in allen Lebenslagen verlassen kann.

Auch wenn der Autor im Kleinen mit Klischees spielt – zB bei Dating-Pannen oder Felix, der midlife-kriselnd im hautengen Lycradress durch die Gegend rennradelt – ist die Handlung angenehm frei von erwartbaren Stereotypen. So bietet das Buch nicht nur wunderbare Unterhaltung und viel Humor, sondern auch nachdenkliche und melancholische Momente in einer perfekten Mischung.

Mich hat dieses Buch so gut unterhalten, dass ich es gar nicht mehr weglegen wollte und bis spät nachts weitergelesen habe. Von mir eine große Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 01.02.2026

schonungslos und eindrücklich

Bambino
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Mattia, geboren 1900 in Triest als Sohn eines Uhrmachers, ist schon früh ein Außenseiter. Er schwänzt die Schule und kann wenig mit anderen Menschen anfangen. Als seine Mutter ihm kurz vor ihrem Tod eröffnet, ...

Mattia, geboren 1900 in Triest als Sohn eines Uhrmachers, ist schon früh ein Außenseiter. Er schwänzt die Schule und kann wenig mit anderen Menschen anfangen. Als seine Mutter ihm kurz vor ihrem Tod eröffnet, dass er nicht ihr leiblicher Sohn ist, sein Vater ihm aber nicht verraten möchte, wer ihn geboren hat, entwickelt sich die Suche nach seiner Mutter zu einer Obsession. Er ist gekränkt, entwickelt eine immer größer werdende Wut auf seine Mitmenschen und lebt diese in Gewaltexzessen aus. Bald schließt Mattia sich den faschistischen Schwarzhemden an und verbreitet mit ihnen Angst und Schrecken unter der Bevölkerung. Später zieht er freiwillig gegen Griechenland in den Krieg und wird im Kriegswinter in den Bergen zermürbt. Langsam bröckeln seine Überzeugungen, doch zu viel ist bereits passiert, als dass Mattia das Geschehene hinter sich lassen könnte.

Marco Balzano erzählt aus Mattias Perspektive, in nüchternem, beinahe sachlichem Stil. Man kann Mattia nicht mögen, und auch die Ungewissheit bezüglich seiner Herkunft, die Weigerung des Vaters, ihm mehr über seine Mutter zu offenbaren, dient glücklicherweise niemals als Entschuldigung für seine zügellose Gewalt, seine Bindungsunfähigkeit und seine tiefe Abneigung gegen Menschen. „Bambino“ wird er wegen seines glatten, bartlosen Gesichts von den Faschisten genannt, und ein Kind bleibt Mattia in gewisser Weise sein Leben lang. Er wirkt unreif, nicht fähig zu Verantwortung und Reflexion, seine tiefe Verunsicherung lässt ihn umso stärker zuschlagen und begründet seine Faszination für die Faschisten, die für ihn Stärke verkörpern. Einzig sein Vater hält sein Leben lang zu ihm, ist jedoch auch nicht in der Lage, eine tiefgehende Beziehung zu ihm aufzubauen, ihn emotional zu stützen und mit ihm zu kommunizieren. Wenn die beiden reden, reden sie aneinander vorbei.

Nebenbei erzählt der Roman die leid- und wechselvolle Geschichte von Triest und Julisch Venetien und thematisiert die nationalistisch motivierten Angriffe auf slowenische und kroatische Minderheiten. Der Autor hat reale historische Figuren und Ereignisse wie die Stürmung des Narodni dom oder den Angriff paramilitärischer faschistischer Horden auf eine Gruppe von Eltern, die auf die Rückkehr ihrer 1500 Kinder aus einem Ferienlager der Arbeitergenossenschaft warteten, in den Roman verwoben. Im Anhang finden sich hierzu nähere Erläuterungen.

Ein eindrücklicher, schonungsloser und sehr lesenswerter Roman.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

wundervoll illustriert und sehr lustig!

Meisterdetektiv Mausebart – Wo ist Gustav Giftzahn? Ein Mäusekrimi (Band 1)
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„Meisterdetektiv Mausebart – Wo ist Gustav Giftzahn?“ ist der erste Band um den Mäusedetektiv Monsieur Mausebart und seinen Gehilfen Mopsi. Die beiden machen sich auf die Suche nach dem Restaurantbesitzer ...

„Meisterdetektiv Mausebart – Wo ist Gustav Giftzahn?“ ist der erste Band um den Mäusedetektiv Monsieur Mausebart und seinen Gehilfen Mopsi. Die beiden machen sich auf die Suche nach dem Restaurantbesitzer Gustav Giftzahn, der wie vom Erdboden verschluckt ist. Dabei erleben sie einige Abenteuer, brenzlige Situationen und chaotische Momente.

Schon das herrliche Cover mit der Ausstanzung sticht sofort ins Auge, und der liebevolle, aufwändige Illustrationsstil setzt sich im Buchinneren fort. Textpassagen wechseln sich mit Comicsequenzen, Sprechblasen und ausdrucksstarken Zeichnungen ab, so dass viel Abwechslung geboten ist und auch kleine Lesemuffel bei der Stange bleiben. Sehr gut gefällt mir die Farbwahl, die sich neben Schwarz auf Gelbtöne beschränkt, so dass die Gestaltung nicht zu unruhig wird. Und natürlich könnte zu Mäusen keine Farbe besser passen als Käsegelb! Einzig das Schriftbild dürfte für mein Empfinden gerne einheitlicher sein, da die verschiedenen Schriftarten und -größen sowie der gelegentliche Fett- oder Kursivdruck doch etwas ablenken.

Durch den Comic-Stil und viele lautmalerische Ausdrücke wie SCHLÜRF, WUUSCH, GU-GAAK, KLACK, KNALL ist das Vorlesen manchmal etwas herausfordernd, aber auch sehr lustig und unterhaltsam. Für Selbstleser:innen ab ca. 8 Jahren ist dieses abwechslungsreich gestaltete Buch ideal. Gelegentlich kommen kleine französische Sätze oder Ausrufe vor, die Leseanfängern nicht geläufig sind. Da die deutsche Bedeutung jedoch auch erklärt wird, ist das Verständnis kein Problem, und so wird auch gleich Interesse an einer Fremdsprache geweckt!

Dank des sehr wortgewandten, lebendigen Schreibstils fliegt man nur so durch die Seiten und amüsiert sich köstlich über die vielen lustigen Einfälle, und der Kriminalfall ist spannend, actionreich.

Mein einziger Kritikpunkt sind die vielen Pupswitze, auf die ich gut hätte verzichten können. Allerdings kommen diese bei der Alterszielgruppe gut an.

Insgesamt ein vielversprechender Auftakt, der Lust auf mehr macht!

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Veröffentlicht am 27.01.2026

Ein faszinierendes Nachschlagewerk für die ganze Familie!

National Geographic Kids - Lexikon des Weltalls; ein visuell spektakuläres Nachschlagewerk zu Astronomie und Raumfahrt für Kinder ab 8
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Nachdem meinen Sohn und mich letztes Jahr aus der Reihe „National Geographic Kids“ von Ravensburger schon „Jenseits der Unendlichkeit“ über das James-Webb-Weltraumteleskop begeistert hat, war das „Das ...

Nachdem meinen Sohn und mich letztes Jahr aus der Reihe „National Geographic Kids“ von Ravensburger schon „Jenseits der Unendlichkeit“ über das James-Webb-Weltraumteleskop begeistert hat, war das „Das Lexikon des Weltalls“ natürlich ein Muss.

Das Lexikon ist sehr übersichtlich aufgebaut, und ein Farbcode am Seitenrand verweist auf die Kapitel „Was wir wissen“, „Reise durchs Sonnensystem“, „Zu den Sternen und weiter“, „Sind wir allein“ und „Träume für die Zukunft“. Abgerundet wird das Buch durch ein ausführliches Glossar.

Jede Doppelseite widmet sich einem bestimmten Thema, etwa dem Weltraumwetter, der Geschichte der Astronomie, der Raumfahrttechnik, Sonnenzyklen oder Kometen. Die Seiten sind großflächig bebildert, wobei sowohl Aufnahmen von Satelliten und Weltraumteleskopen als auch computergenierte Illustrationen zum Einsatz kommen. Letztere immer dann, wenn reale Aufnahmen nicht existieren, etwa weil die Objekte zu weit entfernt liegen oder bestimmte Perspektiven nicht fotografiert werden können.

Die Texte sind gut verständlich, sehr informativ und übersichtlich angeordnet. Das Buch richtet sich an Kinder ab 8 Jahren, doch einige Kapitel dürften für diese Altersgruppe noch zu anspruchsvoll sein. Darin sehe ich allerdings kein Problem, bleibt das Lexikon so doch für eine längere Zeit spannend, und jüngere Kinder sind schon allein von den spektakulären Bildern fasziniert. Auch ältere Weltraumfans und Erwachsene können hier noch viel Neues entdecken, so dass das Lexikon ein Nachschlagewerk für die ganze Familie ist und zum gemeinsamen Blättern, Lernen und Staunen einlädt.

Von uns eine ganz große Leseempfehlung!

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