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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.03.2026

Mysteriöse Scifi

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Die Hauptcharakterin des Buches lebt mit 39 anderen Frauen unter der Erde. Sie wissen nicht, warum sie dort sind, ob sie jemals wieder freikommen werden oder was mit der Welt oberhalb ihres Raumes passiert ...

Die Hauptcharakterin des Buches lebt mit 39 anderen Frauen unter der Erde. Sie wissen nicht, warum sie dort sind, ob sie jemals wieder freikommen werden oder was mit der Welt oberhalb ihres Raumes passiert ist. Als jedoch eines Tages ein Alarm ertönt und ihre Wächter fliehen, bekommen sie die Chance, Antworten auf ihre Fragen zu finden.

Das Konzept des Buches fand ich fesselnd. Wir lernen unsere Hauptcharakterin kennen und sehen diese unbekannte Welt durch ihre Perspektive. Da sie im unterirdischen Gefängnis aufgewachsen ist, hat sie keinerlei Vorstellung davon, wie die Welt früher war. Das ist faszinierend, da uns dadurch Informationen entgehen, die wir vielleicht hätten wissen können, denen aber die Hauptcharakterin kein Gewicht hat zukommen lassen.
Die Welt, die sie außerhalb finden, ist deutlich Scifi-mäßiger, als ich anfangs gedacht hätte. Die ganze Exploration ist unheimlich spannend und man fühlt sich wie ein Teil dieser Frauengruppe.
Die Motivation der Hauptcharakterin ist gut nachvollziehbar durch ihr ungewöhnliches Aufwachsen.
Dieses Buch wurde zum Teil mit Report der Magd verglichen, was ich nicht ganz nachvollziehen kann. Die Frauen denken über einige spannende feministische Gedanken nach, aber das ist dann auch schon das Ausmaß des Feminismus im Buch. Das zu erwähnen, ist mir wichtig, damit keine falschen Erwartungen bestehen.

Das Buch war ein faszinierendes Scifi Buch, in dem wir den interessanten und ungewöhnlichen Gedanken der Protagonistin lauschen durften. Ich kann es nur empfehlen.

Veröffentlicht am 07.03.2026

Bezaubernd

The Empress of Salt and Fortune: (Die Chroniken von Chih)
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Chih sammelt Geschichten. Dafür wurde dey ausgebildet und wird von deren Begleiter Nahezu Brillant unterstützt. Auf dem Weg in die Hauptstadt kommt dey am scharlachroten See vorbei, wo dey Kaninchen trifft. ...

Chih sammelt Geschichten. Dafür wurde dey ausgebildet und wird von deren Begleiter Nahezu Brillant unterstützt. Auf dem Weg in die Hauptstadt kommt dey am scharlachroten See vorbei, wo dey Kaninchen trifft. Diese hat lange Jahre der verstorbenen Kaiserin gedient und erzählt Chih deren Geschichte. Umso mehr Chih erfährt, umso klarer wird, dass Kaninchen ein Geheimnis hütet.

Die Welt, die Nghi Vo aufbaut, ist sehr magisch. Die Magie und Kreaturen werden oft ganz subtil im Nebensatz erwähnt, sodass man ein ganz ausgezeichnetes Bild der Welt bekommt, ohne groß viele Erklärungen bekommen zu müssen.
Ich liebe, wie viel Herz in dieser kurzen Geschichte alleine schon enthalten ist. Innerhalb weniger Seiten sind wir unheimlich vertraut mit Kaninchens Leben und wie es der Kaiserin ging. Die Art und Weise, wie Nghi Vo schreibt, ist dabei meisterhaft.
Mir gefällt die Art und Weise, wie die Geschichte aufgemacht ist. Also, dass wir dabei sind, wie jemand Chih die Geschichte erzählt. Dadurch fühlt man sich selbst stark in deren Perspektive versetzt und es ist fast, als bekomme man die Geschichte selbst erzählt.
Ich glaube, dass dieses Format wirklich ausgezeichnet gewählt ist und ich freue mich darauf, die Folgebände zu sehen, wo wir wahrscheinlich einfach eine neue Geschichte durch Chih miterleben können.

Das Buch hat mir sehr gefallen und ich kann es jedem empfehlen, der eine bezaubernde Novelle lesen möchte.

Veröffentlicht am 01.03.2026

Politische Intrigen und Streben nach Macht

The Poet Empress
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Yin Wei hat gerade erst ihre kleine Schwester begraben. Um zu vermeiden, dass sie auch ihren Bruder oder ihre Eltern begraben muss, lässt sie sich in die Hauptstadt bringen, um Konkubine des zweiten Prinzen ...

Yin Wei hat gerade erst ihre kleine Schwester begraben. Um zu vermeiden, dass sie auch ihren Bruder oder ihre Eltern begraben muss, lässt sie sich in die Hauptstadt bringen, um Konkubine des zweiten Prinzen zu werden. Dieser wurde gerade zum Erben ernannt und muss nun seinen Hofstaat füllen. Trotz der Tatsache, dass er als grausam und schrecklich gilt, reisen tausende Frauen an, um seine Konkubine oder noch besser seine Kaiserin zu werden. Wei wird überraschenderweise als Gemahlin ausgewählt, wodurch sie plötzlich Machtspiele, Manipulation und Gewalt aushalten muss.

Ich weiß gar nicht genau, wie ich diese Rezension anfangen soll. Das Buch ist sehr emotional und aufreibend. Es war ein sehr einzigartiges Konzept, da Wei versucht, sich in einen grausamen Herrscher zu verlieben, um ihn dann umzubringen. Die Art und Weise, wie sie selbst immer besser darin wird, die Intrigen des Hofstaats mitzuspielen und die Menschen in ihrer Umgebung zu manipulieren, war faszinierend.
Die Charaktere sind wahrlich facettenreich. Wei muss furchtbare Dinge tun, um sich zu verteidigen und ihre Macht zu halten. Wir können sehen, wie sie lernt, dass Macht wertvoll ist und sie diese braucht, um die Welt zu beeinflussen.
Terren ist ein differenzierter Herrscher. Er ist grausam und tut sowohl Wei als auch anderen ganz furchtbare Dinge an, aber umso mehr man über sein früheres Leben und auch sein jetziges erfährt, umso ambivalenter wird die eigene Meinung ihm gegenüber. Es ist unverzeihlich, was er tut, aber man kann es auch nachvollziehen.
Das Finale war dann einfach hochspannend und unfassbar gut geschrieben.

Das Buch ist ganz herrlich geschrieben und strotzt vor politischen Intrigen und ich kann es wirklich nur empfehlen. Und keine Sorge: Dieses Buch ist keine Liebesgeschichte.

Veröffentlicht am 01.02.2026

Schockierend aber auch unfassbar befreiend

Starfish
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Ellie engagiert sich für Hunde, ist eine Dichterin, geht jeden Tag schwimmen und kann ganz fantastisch mit ihrer besten Freundin Viv tanzen. Leider begeistert das ihre MitschülerInnen, ihre Mutter und ...

Ellie engagiert sich für Hunde, ist eine Dichterin, geht jeden Tag schwimmen und kann ganz fantastisch mit ihrer besten Freundin Viv tanzen. Leider begeistert das ihre MitschülerInnen, ihre Mutter und viele wildfremde Leute nicht. Ellie ist nämlich dick und aus irgendeinem Grund interessieren sich die Leute oft mehr dafür als für den Fakt, dass sie auf dem Weg ist, die beste Dichterin ihrer Generation zu sein.
Als ihre Familie Ellie zu einer Therapeutin schickt, denkt sie, dass ihre Mutter dahintersteckt, um sie zum Abnehmen zu bewegen. Doch langsam aber sicher kann sie sich ihrer Therapeutin öffnen und geht damit den ersten Schritt, sich gegen ihre Mobber zu wehren.

“Starfish” beschäftigt sich mit Fatshaming und dem daraus resultierenden Mobbing, dem Ellie aber auch viele Kinder und Erwachsene im echten Leben ausgesetzt sind. Auch wenn das Buch eine fiktive Geschichte ist, sind alle Gegebenheiten, denen Ellie ausgesetzt ist, leider realistisch.
Es ist schockierend zu sehen, wie andere Menschen mit Ellie umgehen, nur weil sie dick ist. Was wildfremde Menschen ihr ins Gesicht sagen und auch, wie sich ihre MitschülerInnen ihr gegenüber verhalten, ist grausam. Am furchtbarsten jedoch fand ich die Art und Weise, wie Ellies Mutter sich verhalten hat. Sie schreibt die schlimmen Dinge, die Ellie passieren, ihrem Gewicht zu und besteht ständig darauf, dass sie abnimmt. Dabei verbietet sie Ellie nicht nur normal zu essen, sondern geht auch so weit, dass sie ihre eigene Tochter einer OP zur Magenverkleinerung aussetzen will. Das Schockierende daran ist, dass diese Dinge auch im echten Leben geschehen.
Das Mobbing und Ellies Gefühle dazu sind unheimlich realistisch und haben öfter dafür gesorgt, dass ich Tränen in den Augen hatte. Mobbing ist besonders niederträchtig, weil die betroffene Person das zumeist internalisiert und die Schuld bei sich sucht.
Trotz all dieser erschreckenden Dinge ist das Buch letztendlich überaus hoffnungsvoll. Wir sehen, wie Ellie Therapieerfolge durchlebt und sich mit ihren eigenen Gefühlen und mit ihren Mobbern auseinandersetzt. Die Hauptcharakterin ist ein unfassbar wundervolles und starkes Mädchen und ich habe es genossen, sie auf diesem Weg begleiten zu dürfen.
Auch wenn das Buch teils bedrückend ist, gibt es viele hoffnungsfrohe und berührende Momente.

Ich kann dieses wundervolle Buch nur jedem ans Herz legen, der gemobbt wird oder wurde. Sei es nun Fatshaming oder etwas anderes, ich glaube, dass alle irgendwie von Ellies wunderbarem Mut profitieren können.

Veröffentlicht am 20.10.2025

Alles für das Wir

Die Spur der Vertrauten
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“Ich ist nichts, Wir ist alles.” Jeder Mensch wird mit einem Instinkt geboren und egal welcher Instinkt es ist, er ist wichtig für die Gesellschaft. Claire ist eine Vertraute, die bald ihren Abschluss ...

“Ich ist nichts, Wir ist alles.” Jeder Mensch wird mit einem Instinkt geboren und egal welcher Instinkt es ist, er ist wichtig für die Gesellschaft. Claire ist eine Vertraute, die bald ihren Abschluss machen wird, als sich das mysteriöse Verschwinden mehrerer Schüler häuft. Auch Goliath fällt das auf. Er muss noch ein Leben retten, um ein Tugendhafter zu werden, so kommen ihm einige Vermisste gerade recht. Die beiden tun sich zusammen, um die Verschwundenen zu finden, und decken dabei nach und nach immer dunklere Machenschaften auf.

Als ich damals “Die Spiegelreisende” von der gleichen Autorin gelesen habe, war ich vollkommen begeistert, weshalb ich mich unheimlich auf diesen neuen Release gefreut habe.
Das Buch hat mich nicht enttäuscht. Christelle Dabos hat einen ganz einzigartigen Schreibstil, der vielleicht nicht jedermanns Sache ist, aber ich finde ihn ganz fantastisch. Ihre Welt ist wirklich kreativ, spannend und ausführlich durchdacht.
In der Welt des Buches haben alle Menschen einen Instinkt, der eine spezielle Reichweite hat und den sie ausüben müssen, um gesund zu bleiben. Diesen Instinkt sollen sie für das “Wir” einsetzen. In dieser Gesellschaft wird gesagt, dass alle Instinkte gleich viel wert sind. Trotzdem gibt es Menschen mit Instinkten, die hervorgehoben werden und besondere Privilegien erhalten.
Alle Personen waren komplett unterschiedlich charakterisiert und sehr unverwechselbar und ich fand sie alle charmant. Auch Charaktere, die nur kurz vorkommen, sind so klar definiert, dass ich am Ende des Buches in alle Charaktere ein bisschen verliebt war.

Das Buch hat mir ganz hervorragend gefallen. Wer “Die Spiegelreisende” mochte, wird auch hier wieder ein ausgezeichnetes Buch finden. Der Schreibstil ist etwas speziell, sodass jeder selbst entscheiden muss, ob man das als lesende Person mag, aber ich habe das Buch so sehr genossen, dass ich es ganz ausdrücklich empfehlen kann.