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Veröffentlicht am 02.02.2026

Familienbande

Wir kommen zurecht
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Philipp ist siebzehn, die Abiturprüfungen stehen vor der Tür, da sind die Ausflüge zum Friedhof, um dort zusammen mit seinem besten Freund zu kiffen, wahrscheinlich nicht die beste Idee. Zu Hause ist es ...

Philipp ist siebzehn, die Abiturprüfungen stehen vor der Tür, da sind die Ausflüge zum Friedhof, um dort zusammen mit seinem besten Freund zu kiffen, wahrscheinlich nicht die beste Idee. Zu Hause ist es schwierig, aber auszuhalten, allerdings wird es mal wieder richtig kompliziert, als sich seine Mutter meldet, die er seit Jahren nicht gesehen hat. Aus Gründen. Philipp muss sich entscheiden, ob er weiterhin nichts sagt, um es einfacher zu haben, oder es lieber einfacher hat, dafür aber den schwierigeren Weg geht, indem er den Mund aufmacht.

»Aber vielleicht ging es gar nicht darum, darüber zu reden, was einem widerfuhr. Manche Dinge erklären sich nicht, selbst dann nicht, wenn man darüber spricht. Manche Dinge weiß man einfach, wenn man hinsieht und zuschaut, wenn man ein bisschen was erlebt und erlitten hat. (Seite 261)

Nach »Nordstadt« und »Koller« ist dies der dritte Roman von Annika Büsing, auf den ich mich sehr gefreut hatte. Leicht hat es mir die Autorin diesmal aber nicht gemacht, auch nach über fünfzig Seiten kam ich nicht in die Geschichte rein, sodass ich abgebrochen und pausiert habe. Aufgeben wollte ich allerdings nicht, denn ein kleiner Teil von mir wollte unbedingt wissen, um was es da eigentlich geht. So nahm ich das Buch ein paar Tage später erneut in die Hand, ließ mich auf die ungewöhnliche Erzählweise ein, und konnte es kurz darauf kaum glauben, aber so war es: Die Geschichte packte mich und ließ mich bis zur letzten Seite nicht mehr los. Wie gut, dass ich so hartnäckig war!

Die Erzählung rührte und bewegte mich, besonders das letzte Drittel war spannend, es geschah so viel und ich war neugierig, welcher Abschluss mich erwarten würde. Ein Roman, auf den man sich einlassen muss, besonders zu Anfang kam ich mit den drogeninduzierten Passagen nicht ganz klar, wuchs aber rein und dann verstand ich, was Sache war. Lesenswert!

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Veröffentlicht am 10.12.2025

in dubio pro reo

Angeklagt! Schuldig oder nicht?
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»Jeder der hier geschilderten Fälle zeigt auf verstörende Weise, wie fragil das Konzept von Wahrheit ist - und wie trügerisch unsere Vorstellung von Gerechtigkeit sein kann. Was als Fakt gilt, ist oft ...

»Jeder der hier geschilderten Fälle zeigt auf verstörende Weise, wie fragil das Konzept von Wahrheit ist - und wie trügerisch unsere Vorstellung von Gerechtigkeit sein kann. Was als Fakt gilt, ist oft nur das Ergebnis einer Kette von Zufällen, falschen Einschätzungen oder schlichtweg der lautesten Erzählung.« (Seite 215)

Im vorliegenden Buch haben der Strafverteidiger Dr. Alexander Stevens sowie Constantin Schreiber, der frühere Nachrichtensprecher der Tagesschau, der mittlerweile als Journalist und Autor tätig ist, insgesamt sieben spektakuläre Kriminalfälle versammelt und kommentiert. Obwohl ich als True Crime-Fan alle Fälle aus Presse und/oder einschlägigen Zeitschriften sowie anderen Medien kannte, empfand ich die Sammlung perfekt zusammengestellt und die ausführlichen Erklärungen hierzu äußerst interessant, um nicht zu sagen informativ und lehrreich. Den Zusatz auf dem Cover, der »spektakuläre Fälle zum Mitermitteln« verspricht, darf man hierbei nicht zu wörtlich nehmen, denn natürlich sind die Fälle insgesamt aufgeklärt, wenn auch nicht alle juristisch abgeschlossen sind. Und damit komme ich zum einzigen Kritikpunkt des ansonsten großartigen Sachbuches: die Fragen der Autoren empfand ich stellenweise zu suggestiv und zu aufdringlich, ich hätte mir gerne eine eigene Meinung gebildet, ohne alle Fragen vorgesetzt zu bekommen. Dies ist mein persönliches Empfinden, das überwiegend dem Umstand geschuldet ist, dass ich juristisch und auch hobbytechnisch vorbelastet bin. Für Fans von True Crime insgesamt ein kleiner Leckerbissen.

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Veröffentlicht am 25.11.2025

Gute Unterhaltung

Bärnauer Schatten
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Auf dem berühmten Mittelalterfest in der Bärnauer Altstadt wird die Erbin der bekannten Knopfdynastie tot aufgefunden, Hauptkommissar Johann Kranzfelder und seine Kollegin Klara Stern übernehmen die ...

Auf dem berühmten Mittelalterfest in der Bärnauer Altstadt wird die Erbin der bekannten Knopfdynastie tot aufgefunden, Hauptkommissar Johann Kranzfelder und seine Kollegin Klara Stern übernehmen die Ermittlungen. Bald ist klar, dass es sich um Mord handelt, die junge Frau wurde erschlagen. An Tatverdächtigen mangelt es nicht, wie die Kommissare bald feststellen müssen, denn die Erbin der Knopffabrik scheint keine umgängliche und nette Person gewesen zu sein.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den dritten Teil der Cosy Crime-Reihe von Yvette Eckstein mit dem sympathischen Kriminalhauptkommissar Johann Kranzfelder und seiner Kollegin Klara Stern. Man muss die ersten beiden Teile nicht zwingend gelesen haben zum besseren Verständnis, sollte aber zumindest die ersten zwei Bücher unbedingt in der richtigen Reihenfolge lesen, da im mittleren Band Einzelheiten aus dem Reihenauftakt verraten werden, was den gelösten Mord angeht. Im aktuellen Teil passiert dies nicht.

Hatte ich nach dem großartigen Start der Heimatkrimi-Reihe nach dem Lesen des zweiten Teils überwiegend kritische Worte gefunden, kann ich hier bereits zu Beginn verraten, dass die Autorin vieles besser gemacht hat, zumindest was meinen Geschmack angeht. Eine abwechslungsreiche Ermittlung, interessante Verdächtige, genau das richtige Maß an Humor - besser geht es eigentlich fast nicht. Die Informationen zur Gegend, zum Mittelalterfest sowie insbesondere der Knopfproduktion fand ich faszinierend, man merkte der Geschichte die akribische Recherche sowie Kenntnis an.

Eigentlich gäbe es nicht viel zu bemängeln, lediglich eine Sache irritierte mich diesmal leider sehr. Der hier und da eingestreute Dialekt wurde gezielt eingesetzt, aber auf den letzten Metern gingen die Pferde mit der Autorin durch und ganze Gespräche wurden so geführt. Bedauerlicherweise genau an der Stelle, die ich wichtig und spannend fand, bevor es zur Auflösung geht. Ich bin mir nicht sicher, ob ich alles richtig verstanden habe, weiß aber, dass mir dadurch sicherlich einiges entgangen ist. Dies ist schade, denn bis dahin war ich restlos begeistert, was die Handlung angeht. So aber hatte ich das Gefühl, dass mir etwas entgeht. Davon abgesehen war dies ein toller Kriminalroman, der mir riesige Lust auf eine Fortsetzung macht.

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Veröffentlicht am 23.10.2025

Der Tod ist nicht das Ende

Die Toten von nebenan
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Frau Löffler hat einen Fahrradunfall und kehrt nach diesem Schreck heim, wo sie alles verändert vorfindet. Nicht nur trifft sie längst verstorbene Nachbarn wieder, sondern auch ihre tote Großmutter, die ...

Frau Löffler hat einen Fahrradunfall und kehrt nach diesem Schreck heim, wo sie alles verändert vorfindet. Nicht nur trifft sie längst verstorbene Nachbarn wieder, sondern auch ihre tote Großmutter, die sie darüber aufklärt, dass sie gestorben sei und nun im Jenseits existiert. Hier sind die Toten in ihrem alten Zuhause ansässig, unsichtbar für die Lebenden. So könnte es friedlich und ruhig weitergehen, wenn es Herrn Tober nicht gäbe, der neu ins Viertel kommt und den Toten das Paradies auf Erden verspricht. Natürlich nicht ohne eine Gegenleistung, versteht sich.

»Jetzt musste Frau Löffler mit Erschrecken feststellen, dass sie erneut mittendrin im Sumpf des Lebens stand, wieder Neid, Hass, Rachsucht, Enttäuschung, Angst, Sehnsucht nach Anerkennung, in jeder Hinsicht nach mehr empfand. Sie war gekränkt und gierig.« (Seite 137)

Fast nichts beschäftigt die Menschen mehr, als die Frage danach, ob es ein Leben nach dem Tod gibt. Und wenn es das gibt, wie sieht es dann aus? Das Szenario, das die Autorin sich hier hat einfallen lassen, fand ich super, denn auch wenn die Versuchungen und Verführungen der Menschen durch unerklärliche Kreaturen nichts Neues sind, war die Geschichte sehr unterhaltsam und die Darstellung, wie es sein könnte, einfach großartig. Abgesehen von ein paar Längen konnte mich die Erzählung durchgehend überzeugen, sodass ich gerne eine Leseempfehlung aussprechen möchte. Wer Lust hat auf eine etwas andere Story mit viel Humor, der sollte zugreifen.

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Veröffentlicht am 24.09.2025

Trügerische Erinnerungen

Before we were innocent
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Bess hat Joni seit langer Zeit nicht mehr gesehen, nicht seit die gemeinsame Freundin Evangeline vor zehn Jahren im Urlaub auf der griechischen Insel Mykonos tödlich verunglückt ist. Damals standen Bess ...

Bess hat Joni seit langer Zeit nicht mehr gesehen, nicht seit die gemeinsame Freundin Evangeline vor zehn Jahren im Urlaub auf der griechischen Insel Mykonos tödlich verunglückt ist. Damals standen Bess und Joni unter Verdacht, wurden allerdings von jeder Schuld freigesprochen. Nun fordert Joni bei Bess einen Gefallen ein, sie soll ihr ein Alibi geben, ohne zu erfahren, um was genau es geht. Denn Bess steht in Jonis Schuld seit der Tragödie vor einem Jahrzehnt, als beide einen Pakt geschlossen und gelogen haben.

»Wir sind wieder da, wo wir so unbedarft und schamlos und lebendig sein konnten, wie wir wollten, keinen Gedanken daran zu verschwenden, uns zu zügeln oder dass irgendetwas davon uns je wieder einholen könnte.« (Seite 331)

Die Übersetzung des englischen Titels lautet »Bevor wir unschuldig wurden« und genau darum handelt das Buch. Drei Freundinnen fahren in den Urlaub, nur zwei von ihnen kehren zurück. Was dort passiert, erfahren wir auf zwei Zeitebenen und aus der Sicht von Bess, die sich quälend langsam daran erinnert und uns daran teilhaben lässt. Für mich war der langsame Aufbau des Buches noch knapp im Rahmen, man muss aber schon mögen, dass der Weg zur Auflösung schwierig und langwierig ist. Wer durchhält, erhält eine großartige Story über das Älterwerden, die Freundschaft und darüber, was passiert, wenn ein ungleiches Verhältnis herrscht zwischen drei Personen, die befreundet, aber eigentlich ziemlich unterschiedlich sind. In der zweiten Hälfte zieht das Tempo dramatisch an, Geheimnisse kommen ans Licht und meine Vermutungen lösen sich im Nichts auf. Einige großartige Wendungen später komme ich ans Ziel und lege das Buch zufrieden und beglückt zur Seite.

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