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Veröffentlicht am 03.02.2026

Packend, spannend, überraschend und sehr unterhaltsam

Die Witwe
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DS Washington Poe will die Gerichtsverhandlung um den verlangten Rückbau seiner Schäferhütte im Lake District National Park genießen, diesmal als Beschuldigter, nicht als Zeuge, und mit der brillanten ...

DS Washington Poe will die Gerichtsverhandlung um den verlangten Rückbau seiner Schäferhütte im Lake District National Park genießen, diesmal als Beschuldigter, nicht als Zeuge, und mit der brillanten Analytikerin Tilly Bradshaw an seiner Seite als Verteidigerin, doch unvermittelt werden beide abgerufen, um den Tod eines Hubschrauberpiloten in einem verlassenen Bordell in Carlisle aufzuklären. Da in Carlisle ein Wirtschaftsgipfel mit hochrangigen Teilnehmern bevorsteht, sind auch der MI5 und das FBI, vertreten durch Agent Melody Lee, beteiligt. Lee hat Poe als Ermittler angefordert, weiß sie doch vom vorhergehenden Fall um den Kurator, dass Poe keine Angst hat, jemandem auf die Füße zu treten, Politik ihn nicht kümmert und er sich von niemandem aufhalten lässt, wenn er sich in eine Ermittlung verbissen hat.

M. W. Craven schreibt aus Poes Perspektive lebendig, bildhaft und mit trockenem Humor, Poes Dialoge, besonders seine Gespräche mit der bei Aufregung immer noch sozial unbeholfenen Tilly, sind oft witzig und sehr unterhaltsam. Alle Charaktere werden authentisch und vielschichtig dargestellt, ihre Motive sind psychologisch glaubhaft.

Poes Hintergrund und Tillys Entwicklung, sein abgelegenes Heim in Cumbria, seine befreundete, noch krankgeschriebene Vorgesetzte DI Flynn werden angesprochen, das rekapituliert den Stand der Dinge für Leser, die bereits Bücher der Reihe kennen und macht Neueinsteiger neugierig auf die Vorgängerbände.

Die unerschütterliche Freundschaft und grandiose Zusammenarbeit von Poe und Bradshaw hat mir viel Spaß gemacht, Tilly gleicht Poes fehlendes technisches Wissen aus und beschafft Informationen schnell und fraglos, er kann sich hundertprozentig auf sie verlassen. Und Poe stärkt Tillys soziale Kompetenz und ihr Selbstvertrauen.
Ich habe die spannenden Ermittlungen und ihre oft überraschenden Ergebnisse fasziniert verfolgt, Poes unerschrockene Hartnäckigkeit und Akribie bewundert, mit der er jeder noch so kleinen Spur nachgeht, obsessiv alle Fragen beantwortet haben will. Craven hat einen clever konzipierten und gut recherchierten Thriller geschrieben, der mich mit seiner Komplexität und vielen unerwarteten Wendungen gefesselt und bis zum Schluss bestens unterhalten hat.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

Packend, spannend und schockierend

Tödliche Tiefen
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Damon droht im Meer zu ertrinken und sieht im Sterben Bilder seines Lebens vor seinen Augen ablaufen, darunter ist auch ein toter Junge. Damon wird im letzten Moment wiederbelebt und fragt sich fortan, ...

Damon droht im Meer zu ertrinken und sieht im Sterben Bilder seines Lebens vor seinen Augen ablaufen, darunter ist auch ein toter Junge. Damon wird im letzten Moment wiederbelebt und fragt sich fortan, wer der Tote war. Er entwickelt eine seinen Alltag überlagernde Obsession und geht mehr als einmal bis zum Äußersten, um die Wahrheit über den toten Jungen herauszufinden, der ihm auch in Halluzinationen erscheint.

Erzählt wird aus Damons Ich-Perspektive und von einem personalen Erzähler aus Sicht von Melissa, Helena und Laura: die eine seine geschiedene Frau, die ihm freundschaftlich verbunden ist, die andere seine kurzzeitige Pflegemutter als Jugendlicher und Laura ist eine verstörende Figur aus einen früheren Buch John Marrs, die er hier wieder auftauchen lässt. Melissa und Helena bittet Damon um Hilfe und je mehr er unternimmt, um seine Erinnerungslücken hinsichtlich seiner Kindheit zu füllen, je mehr er herausfindet, desto spannender wird die Geschichte, dazu tragen auch häufige Cliffhanger am Kapitelende und Perspektivwechsel bei. Bis zum Ende schwanke ich zwischen Mitgefühl und Entsetzen.

John Marrs schreibt bildhaft, lebendig und fesselnd, seine Figurenzeichnung überzeugt. Die Charaktere sind komplex und glaubhaft, ihre Dialoge erscheinen mir realistisch und geschilderte Gewissenskonflikte leuchten ein und sind nachvollziehbar, genau so wie die Gefühle der Protagonisten Damon, Melissa und Helena, die mich betroffen machen.

Die temporeiche Geschichte ist düster und bedrückend, es gibt auch schockierende Szenen, trotzdem war es schwierig für mich, eine Lesepause einzulegen. John Marrs ist ein psychologisch tiefgründiger, spannender und packender Thriller gelungen, der bis zum Ende überrascht und mir sehr gut gefallen hat.

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Veröffentlicht am 09.01.2026

Spannend und packend, zeitgeschichtlich authentischer Krimi im Hungerwinter 1946/47

Die weiße Nacht
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Im Hungerwinter 1946/47 findet die arbeitslose Fotografin Lou Faber auf ihrem täglichen Streifzug durch die Trümmer Berlins die Leiche einer Frau im Schnee. Obwohl es Lou anfangs widerstrebt, helfen ihre ...

Im Hungerwinter 1946/47 findet die arbeitslose Fotografin Lou Faber auf ihrem täglichen Streifzug durch die Trümmer Berlins die Leiche einer Frau im Schnee. Obwohl es Lou anfangs widerstrebt, helfen ihre Fotos und ihr genauer Blick Kommissar König bei seinen Ermittlungen.

Anne Stern beschreibt das in Trümmern liegende eiskalte Berlin bildhaft und sehr atmosphärisch, mir wird selber kalt bei ihrer anschaulichen Erzählung angesichts des allgemeinen Mangels auch an warmer Kleidung und Brennholz im schneereichen Winter anderthalb Jahre nach Kriegsende.

Neben Lous und Königs abwechselnde Perspektive wird auch aus der Sicht des Jugendlichen Justus erzählt, der auf dem blühenden Schwarzmarkt aktiv ist und aus der von Gregor, der Rachepläne schmiedet.
Anne Stern schreibt klar und nüchtern, dennoch eindringlich, gut gelungen ist auch die Figurenzeichnung: die Menschen sind unsicher und von ihren Erlebnissen und Verlusten im Krieg beschädigt, sie haben kein Vertrauen und bleiben für sich. Lou und König ist bewusst, dass viele Nazis unbehelligt geblieben sind und jetzt wieder Führungspositionen einnehmen. Die Vergangenheit der beiden wird zuerst nur angedeutet und durch Erinnerungen allmählich deutlicher, die Protagonisten werden dadurch greifbarer und berührender.

Die Autorin hat bereits erfolgreiche historische Romane geschrieben und hat auch diesmal gut recherchiert, 'Die weiße Nacht' ist ein zeitgeschichtlich authentischer und spannender Krimi mit glaubhaften Charakteren und schlüssiger Auflösung.
Königs Ermittlungen werden neben Obduktions-Erkenntnissen und Lous Fotos und Ideen lediglich durch Befragungen von Angehörigen, Nachbarn oder Kollegen vorangetrieben und auch der Zufall hilft. König ist ein guter Ermittler, der sich Überblick verschafft und seine Schlüsse zieht. Eine Zusammenarbeit mit anderen Abteilungen ist schwierig und langwierig durch die Aufteilung Berlins in vier Sektoren, alles ist nur provisorisch organisiert und untergebracht, der Mangel wird verwaltet...

Erwähnen möchte ich das schwarzweiße Cover, das ich sehr gelungen finde mit dem Blick durch ein Objektiv auf ein historischen Foto von Henry Ries und der abgebildeten Perforation am linken Rand, wie bei einem Rollfilm.
Mir hat Anne Sterns fesselndes neues Buch sowohl auf zeitgeschichtlicher als auch auf Krimi-Ebene sehr gut gefallen und ich freue mich auf den zweiten Fall für Lou und König.

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Veröffentlicht am 21.10.2025

Komplexer spannender Geheimdienst-Thriller, gekonnt konstruiert und fesselnd erzählt

Kälter
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Luzy Morgenroth ist 1989 seit acht Jahren Polizistin auf Amrum, sie fühlt sich wohl auf der Insel und hat dort Freunde gefunden. Als Fremde auftauchen und es Tote gibt, muss Luzy wieder zu der toughen ...

Luzy Morgenroth ist 1989 seit acht Jahren Polizistin auf Amrum, sie fühlt sich wohl auf der Insel und hat dort Freunde gefunden. Als Fremde auftauchen und es Tote gibt, muss Luzy wieder zu der toughen Agentin werden, die sie früher war.

Andreas Pflüger hat nach 'Wie sterben geht' mit 'Kälter' einen weiteren Geheimdienst-Thriller geschrieben, auch die Cover sind farblich gleich entworfen, wobei mich das aktuelle Cover sehr neugierig macht und ich den Blick von unten auf das Wiener Riesenrad beunruhigend finde.

'Kälter' ist fesselnd und spannend, mit cineastisch beschriebenen Actionszenen und atmosphärisch eingeflochtenem Zeitgeschehen, etwa als ich mit Luzy die Nacht des Mauerfalls in Berlin erlebe. In Rückblenden wird von Luzys erstem Zusammentreffen mit dem Terroristen Babel vor acht Jahren erzählt, was ihr Leben verändert hat.

Kälter ist ein komplexer Thriller mit verschiedenen Schauplätzen, der Pflügers umfangreiches Wissen um Geheimdienste unterschiedlichster Couleur und die Personenschutz-Branche zeigt. Die vielen Zitate bzw. Anspielungen auf Musik, Literatur und Filme der Zeit tragen zur Authentizität bei und machen Spaß. Beeindruckend finde ich, wie es dem Autor gelingt, Luzys durch Adrenalinüberflutung veränderte Zeitwahrnehmung bei den mitreißenden Kampfhandlungen zu schildern oder das heftige Unwetter auf Amrum zu Beginn.

Pflüger schafft intensive, starke Bilder, die mich in die Geschichte hinein ziehen, er nennt die Dinge beim Namen, schreibt sprachgewaltig, beherrscht aber ebenso die leisen Töne. Auch Humor blitzt in Luzys Gesprächen auf.
Die Figurenzeichnung ist gelungen, Luzys Entwicklung glaubhaft. Luzy und der männlichen Protagonist Nika werden durch Rückblenden und Begegnungen mit anderen nahbar, und besonders gefreut hat mich, dass der Autor Hauptfiguren aus 'Wie sterben geht' auftauchen und eine Rolle spielen lässt.
Andreas Pflügers neuer, rasanter Thriller hat mir sehr gut gefallen und mich bestens unterhalten, ich kann 'Kälter' jedem Leser des Genres empfehlen.

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Veröffentlicht am 06.10.2025

Was wirklich wichtig ist

Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code (Die Mordclub-Serie 5)
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Nach einem ruhigen Jahr für den Donnerstagsmordclub wird die Hochzeit von Joyce' Tochter Joanna mit Paul gefeiert. Elizabeth ist in ihrer Trauer um Stephen versunken, aber als Pauls Trauzeuge sie um Hilfe ...

Nach einem ruhigen Jahr für den Donnerstagsmordclub wird die Hochzeit von Joyce' Tochter Joanna mit Paul gefeiert. Elizabeth ist in ihrer Trauer um Stephen versunken, aber als Pauls Trauzeuge sie um Hilfe bittet, weil er eine Bombe unter seinem Wagen entdeckt hat, ist ihr Interesse geweckt und es scheint sich ein Weg aus der Trauer anzudeuten. Langsam nimmt sie wieder am Leben teil und ermittelt mit Ron, Ibrahim und Joyce zum geheimnisvollen Code, der ein riesiges Bitcoinvermögen schützt.

Der komplexe Fall dreht sich um ein aktuelles Thema und es sind viele Personen involviert, aus deren Perspektive auch erzählt wird und die im Verlauf der Handlung immer mehr Kontur und Glaubwürdigkeit gewinnen. Kapitelweise wechselnde Perspektiven sorgen für Spannung und machen mich anhaltend neugierig darauf, wie es weiter geht.
Donna und Chris treten diesmal etwas in den Hintergrund, dafür spielen Rons Enkel Kendrick und Joanna eine größere Rolle. In diesem fünften Band finden sich mehrere Protagonisten mit Familienbeziehungen und damit verbundenen Herausforderungen konfrontiert und auch die Bedeutung von Freundschaft wird thematisiert. Trotz einer gewissen ernsten Note schreibt Richard Osman wie gewohnt humorvoll, so sind Joyce' ausschweifende Tagebucheinträge, in denen sie erzählt und alles mögliche kommentiert, wieder sehr unterhaltsam oder auch Ibrahims Missverstehen von Connies Mentorenschaft für Tia hat mich sehr amüsiert. Warmherzig und einfühlsam beschreibt Osman auch die lästigen Begleiterscheinungen des Alters, von denen die liebenswerten Senioren in Coopers Chase nicht verschont bleiben, und vermittelt Tiefgründiges und Wahres fast beiläufig, er beherrscht auch die leisen Töne.

Mir hat 'Der Donnerstagsmordclub und der unlösbare Code' mit dem zur Reihe passenden charakteristischen Cover wieder sehr gut gefallen und ich freue mich, dass der Autor im Nachwort eine Fortsetzung in Aussicht stellt.

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