Gereon Raths fünfter Fall
MärzgefalleneMit „Märzgefallene" entführt Volker Kutscher seine Lesenden erneut ins Berlin der späten Weimarer Republik und somit in den politischen Beginn des Nationalsozialismus. Die Zeit, welche im Umbruch ist, ...
Mit „Märzgefallene" entführt Volker Kutscher seine Lesenden erneut ins Berlin der späten Weimarer Republik und somit in den politischen Beginn des Nationalsozialismus. Die Zeit, welche im Umbruch ist, politisch aufgeladen und von Unsicherheit geprägt, stellt Gereon Rath diesmal nicht nur vor einen komplexen Kriminalfall, sondern auch vor den immer deutlicher werdenden gesellschaftlichen Spannungen, die das Jahr 1933 mit sich bringt.
Wie auch in den Büchern zuvor, gefallt mir sehr die korrekte historische Einbettung der Handlung in Ereignisse, welche einschlägig sind sowie Wendepunkte in der deutschen Geschichte darstellen (u.a. in diesem Band der Reichtagsbrand). Mit der beginnenden NS-Zeit verändert sich ebenso das schrille und aufregende Berlin. Die Atmosphäre wirkt rau, bedrohlich und zugleich faszinierend lebendig. Die politischen Veränderungen sowie die Verunsicherung vieler Menschen sind allgegenwärtig und beeinflussen die Protagonisten glaubwürdig in ihrem Handeln.
Gereon ist kein Protagonist, welcher stets sympathisch in seinem Tun und in seinen Aussagen ist, sondern hat Ecken und Kanten, auch, wenn er sich in gewisser Weise in diesem Band weiterentwickelt. Seine innere Zerrissenheit und sein Ringen mit Moral, Loyalität und Anpassung machen ihn zu einer vielschichtigen Hauptfigur.
Auch Charly ist eine starke Charakterin, welcher der Geschichte unfassbar guttut. Ihre Moral, politische sowie feministische Einstellung tragen viel zur Tiefe der Geschichte bei und bilden ein wichtiges Gleichgewicht zu Gereon. Sie steht für ihre Überzeugungen ein und scheut auch nicht davor zurück sich selbst an die erste Stelle zu setzen.
Der Kriminalfall selbst, welcher den Fokus im Buch bildet, ist erwartungsgemäß wieder spannend dargelegt und gemeinsam mit dem historischen Kontext langsam aufgebaut, um so die Spannung aufrechtzuerhalten. Leider fand ich die Auflösung ein wenig zu hektisch und an einigen Stellen zu weit hergeholt, als dass es das finale Auflösen innerhalb von circa 20 Seiten rechtfertigt.
Insgesamt ist „Märzgefallene" ein überzeugender, kluger und atmosphärisch dichter welcher der weniger auf schnelle Action als auf historische Tiefe und Charakterentwicklung setzt. Auch als fünfter Band ist „Märzgefallene" unverzichtbar.