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Veröffentlicht am 05.02.2026

Als das Nichtwissen ein Segen war

Die Verlorene
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Das Leben zeigt es: Oft liegen Glück und Unglück ganz nah beieinander. Während Laura gerade erfährt, dass sie nach vielen Jahren des Hoffens endlich schwanger ist, landet ihre Großmutter Änne nach einem ...

Das Leben zeigt es: Oft liegen Glück und Unglück ganz nah beieinander. Während Laura gerade erfährt, dass sie nach vielen Jahren des Hoffens endlich schwanger ist, landet ihre Großmutter Änne nach einem tragischen Sturz im Koma.

Plötzlich müssen Laura und ihre Mutter Ellen sich um alles kümmern und alles regeln und stoßen dabei auf Ungereimtheiten, die sie sich nicht erklären können. Während Änne nicht mehr ansprechbar ist, kommen Fragen ans Tageslicht, die niemals gestellt wurden. So bricht Laura zu einer Reise auf. Nach Schlesien. In eine Vergangenheit, die niemals aufgedeckt werden sollte.

Das Zusammenspiel der Generationen von Frauen war faszinierend zu betrachten in all den feinen Nuancen und Spiegelungen. Überhaupt packte mich die Erzählung von Beginn an, denn es mag eine persönliche Geschichte sein, doch diese steht exemplarisch für ein kollektives Erleben ganz vieler. Letztendlich müssen wir alle uns doch die Frage stellen, was unsere Großeltern uns vielleicht nie erzählt haben und warum.

Zur tiefen Wirkung des Romans trägt dessen wunderbar kluger Aufbau bei. Die Autorin versteht es meisterhaft, Fragen aufzuwerfen und zum genau richtigen Zeitpunkt zu beantworten. Manche Motive wie zwei besondere Porzellanpferde ziehen sich durch die gesamte Erzählung und werden zum bedeutenden Symbol. Dazu wirken die Charaktere plastisch und authentisch. Ständige Perspektivwechsel ermöglichen uns, sich in wirklich jede Figur hineinzufühlen, ihre Gefühle und Motivationen vollständig zu erfassen. Dadurch konnte ich tief ins Geschehen eintauchen und wurde emotional dermaßen eingebunden, dass ich mitgelitten und es mich bei manchen Passagen beinahe innerlich zerrissen hätte.
Eine Geschichte über Wissen und Nichtwissen und die Frage, welche Geschichte erzählt werden soll. Vor allem aber ein wichtiges Stück Historie, das auf zutiefst emotionale und packende Weise vermittelt wird.

Ganz große Leseempfehlung für diesen wertvollen Roman.

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Veröffentlicht am 02.02.2026

Hello New York

KUNTH Hello New York
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Wegträumen in ferne Städte und Länder. Das geht nicht nur in Romanen, sondern auch bei Blättern durch Fotobände.

Ich liebe die wunderbaren Bildbände von Kunth mit ihren hochwertigen Fotografien und bin ...

Wegträumen in ferne Städte und Länder. Das geht nicht nur in Romanen, sondern auch bei Blättern durch Fotobände.

Ich liebe die wunderbaren Bildbände von Kunth mit ihren hochwertigen Fotografien und bin glückliche Besitzerin des großformatigen Werkes „New York. Das Buch“, das ich um nichts in der Welt wieder hergeben würde.

Allerdings muss ehrlich gesagt werden, dass dieses Coffeetable Book auch den Rahmen jedes Bücherregals sprengt, und da kommt „Hello New York“ wie gerufen. Der ganz neue Bildband aus dem Hause Kunth überzeugt in gewohnter Weise mit dem perfekten Verhältnis zwischen hochwertigen Bildern und informativen Texten, dies aber in einem wunderschön handlichen Format. Dazu ist der Band auf dem top aktuellen Stand und zeigt auch neuere Bauten und Anlagen aus der Stadt, die niemals schläft. Übersichtliche und modern farbig gestaltete Karten sorgen für einen guten Durchblick.

Ich liebe den hohen Wiedererkennungswert vieler Motive, aber dass auch unbekanntere Ecken gezeigt werden. Und – psssst – ein kleiner Geheimtipp: Am Ende ist noch das Rezept für New York Cheesecake versteckt!

Ein wunderschöner, kompakter Bildband, der zum Schmökern und Wegträumen einlädt.

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Veröffentlicht am 30.01.2026

Der kalte Fluss in meinen Adern

9 Grad
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Es war wahrlich nicht Josies Idee, als sie ihrer kranken Freundin zuliebe in einen eisigen Fluss steigt. Es ist auch nur ein kurzer Besuch im kalten Wasser, doch die Erfahrung lässt sie nicht los. Und ...

Es war wahrlich nicht Josies Idee, als sie ihrer kranken Freundin zuliebe in einen eisigen Fluss steigt. Es ist auch nur ein kurzer Besuch im kalten Wasser, doch die Erfahrung lässt sie nicht los. Und während sich in diesem Jahr die Probleme, denen sie sich stellen muss, und die Menschen um sie herum verändern, bleibt der kalte Fluss in ihren Adern ihre einzige Konstante. Das Winterschwimmen wird gleichermaßen Sucht und Befreiung.

„Mir fehlte die Freiheit des Flusses, die sich auf natürliche Weise mit der Kälte verband und sie sinnvoll machte.“

Dieser Roman ist mir als das Buch übers Eisbaden angepriesen worden, dabei ist er doch ganz anders und zugleich sehr viel mehr. Denn tatsächlich ist das Winterschwimmen lange Zeit nur eine Randerscheinung, während sich Heldin Josie vor allem an ihrer Selbstwahrnehmung und ihren körperlichen Grenzen abarbeitet. Denn Josie hatte früher mit ihrer Ernährung zu kämpfen und hat dabei nicht nur Gewicht, sondern auch sich selbst verloren, und ist nun ständig auf der Suche, sich und ihren Körper zu fühlen. In diesem Zusammenhang ist auch Lee zu sehen, den sie kennenlernt, der aber ganz eigene Kämpfe mit seiner mentalen Gesundheit kämpft.

Das eisige Wasser ist daher für Josie so viel mehr als nur ein Element, sondern auch Strömung, körperliche Umhüllung und Widerstand. Und ja, auch Schmerz.

In diesem Sinne hat mich die Beschreibung aufs Glatteis geführt, denn wir bekommen keine Anleitung zum Winterschwimmen, sondern eine tiefgründige Geschichte über mentale und körperliche Gesundheit und vor allem über Menschen auf der Suche nach dieser.

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Veröffentlicht am 25.01.2026

Marnie, das Chamäleon

Crushing
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Marnie ist frisch getrennt. Oh nein, das stimmt so nicht: Sie wurde verlassen. Sie IST verlassen und vor allem völlig verloren. Zeit für einen Neuanfang, aber bitte nicht mit den alten Mustern und dem ...

Marnie ist frisch getrennt. Oh nein, das stimmt so nicht: Sie wurde verlassen. Sie IST verlassen und vor allem völlig verloren. Zeit für einen Neuanfang, aber bitte nicht mit den alten Mustern und dem immer gleichen Elend. Daher streicht sie die eine verderbenbringende Variable aus ihrem Leben: Männer!

Doch gerade als Marnie es schafft, sich wohlig in ihrem neuen Dasein in einer WG mit ihrer neuen besten Freundin Claud einzurichten, funken genau die wieder dazwischen. Zum einen hat Claud einen neuen Partner – und der hasst Marnie. Zum anderen entwickelt sich zwischen Marnie und Zufallsbekanntschaft Isaac ein so witziger und freundschaftlicher Austausch per Handy, dass Marnie ins Straucheln gerät.

Marnie als Protagonistin trägt diese ganze Geschichte. Sie hat nie gelernt, sich selbst zu definieren, sondern hat dies immer nur wie ein Chamäleon über ihre jeweiligen Partner getan. Nun plötzlich allein mit sich selbst, fragt sie sich, wer sie im Kern eigentlich ist und wer sie wirklich sein möchte. Ich mochte es sehr, dass Marnies Selbstfindung in so schlingernden Kursen verläuft, denn nichts anderes würde zu ihr passen: Einen Schritt nach vorne, drei Schritte zurück, einen Hüpfer nach vorne und ein Stolperer zwischendurch. Das machte mir einfach viel Spaß beim Lesen. Vor allem ist die Erzählung gespickt mit frechen Sprüchen und Einsichten wie „Die unterschätzteste menschliche Stärke war Albernheit.“ Es ist durchaus eine Geschichte vieler einsamer Menschen, aber durch den eingewobenen trockenen Humor und genau diese wunderbaren Albernheiten gewinnt der Roman an Herzenswärme.

Ich habe ihn gerne gelesen und gebe eine Leseempfehlung ab.

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Veröffentlicht am 20.01.2026

Der entscheidende Kick

Neustart Ernährung
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Ich leide seit Jahren an stillen und manchmal gar nicht so stillen Entzündungen in meinem Körper. Jule Klein hat mit „Neustart Ernährung“ eine frische Sammlung von Backgroundwissen, Tipps und Rezepten ...

Ich leide seit Jahren an stillen und manchmal gar nicht so stillen Entzündungen in meinem Körper. Jule Klein hat mit „Neustart Ernährung“ eine frische Sammlung von Backgroundwissen, Tipps und Rezepten aufgelegt. Es ist keine wissenschaftliche Abhandlung, aber enthält fundierte Infos über die Auswirkungen von Energieräubern und wie man diesen auch mit einer bewussten Ernährung entgegenwirken kann. Mich persönlich interessierten primär die antientzündlichen Lebensmittel und Rezepte, aber auch alle anderen Kapitel liefern frische Impulse.

Die Ausführungen fand ich schön vereinfacht und übersichtlich dargestellt. Die Rezepte sind grundsätzlich vegan. Ihre Stärke ist für mich, dass man einiges auch ersetzen oder verändern kann, was wir zum Beispiel bei den köstlichen Frühstücksbowls auch munter gemacht haben. Auch die Hauptgerichte waren problemlos umzusetzen und einfach lecker. Besonders gut gefiel mir auch, dass ich die meisten Zutaten ohnehin zuhause habe und so etwa auch unsere eingelagerten Äpfel von unserem Apfelbaum wunderbar einsetzen konnte.

Inspirierend, lecker, easy!

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