Zwischen Freiheit und Fürsorge - eine Mutter - Tochter Geschichte
HalbinselDie Vorstellung, dass die erwachsene Tochter , die längst ausgezogen ist und ein erfolgreiches Leben jenseits ihres Elternhauses führt, plötzlich wieder zu Hause einzieht und ihren Lebensweg komplett in ...
Die Vorstellung, dass die erwachsene Tochter , die längst ausgezogen ist und ein erfolgreiches Leben jenseits ihres Elternhauses führt, plötzlich wieder zu Hause einzieht und ihren Lebensweg komplett in Frage stellt, ist krass.
Genau das passiert Annett, nachdem ihre Tochter Linn während eines Vortrages einen Zusammenbruch erleidet.
Linn möchte sich zunächst ein paar Wochen bei ihrer Mutter an der Nordsee erholen, doch dann löst sie ihren Hausstand auf , renoviert ihr altes Kinderzimmer und nimmt eine Hilfstätigkeit in einer Bäckerei an.
Annett macht sich Sorgen und die Spannungen zwischen Mutter und Tochter nehmen zu. Sie müssen sich aussprechen, doch das ist nicht einfach. Linn hat sich seit dem Abitur mit dem Klimawandel befasst, ihr Studium und ihr weiterer Werdegang, alles war darauf ausgerichtet etwas zu bewirken. Jetzt ist sie in der Realität angekommen, frustriert und desillusioniert. Hat sie überhaupt noch eine Zukunft?
Warum sind an die Wünsche ihrer Mutter immer Erwartungen geknüpft?
Auf der anderen Seite wird Linn jetzt, wo sie wieder Zuhause wohnt erst die Leistung ihrer Mutter bewusst, sie alleine großgezogen zu haben.
Die Trauer über ihren Mann, der so plötzlich in jungen Jahren verstorben ist, musste diese konsequent an die Seite schieben, denn sie hatte ein Kind zu versorgen.
Die Geschichte beinhaltet viele innere Monologe von Annett, wobei sich auch immer wieder ihrer toter Mann in ihre Gedanken schleicht und sie überlegt, was er jetzt wohl gesagt hätte. Linn‘s Gedanken fallen etwas in den Hintergrund und werden hauptsächlich indirekt von Annett wiedergegeben. Ich hätte Linn‘s Sicht gerne noch etwas näher beleuchtet gesehen.
Mir gefiel Kristine Bilkau‘s ruhiger Erzählstil aber gut und ich konnte mich besonders gut in Annett hineinversetzen.
Das Ende ist offen und lässt Platz für einen eigenen Schluß. Das mag ich nicht immer, aber zu dieser Geschichte passt es gut.