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Veröffentlicht am 05.02.2026

Zwischen Freiheit und Fürsorge - eine Mutter - Tochter Geschichte

Halbinsel
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Die Vorstellung, dass die erwachsene Tochter , die längst ausgezogen ist und ein erfolgreiches Leben jenseits ihres Elternhauses führt, plötzlich wieder zu Hause einzieht und ihren Lebensweg komplett in ...

Die Vorstellung, dass die erwachsene Tochter , die längst ausgezogen ist und ein erfolgreiches Leben jenseits ihres Elternhauses führt, plötzlich wieder zu Hause einzieht und ihren Lebensweg komplett in Frage stellt, ist krass.

Genau das passiert Annett, nachdem ihre Tochter Linn während eines Vortrages einen Zusammenbruch erleidet.

Linn möchte sich zunächst ein paar Wochen bei ihrer Mutter an der Nordsee erholen, doch dann löst sie ihren Hausstand auf , renoviert ihr altes Kinderzimmer und nimmt eine Hilfstätigkeit in einer Bäckerei an.

Annett macht sich Sorgen und die Spannungen zwischen Mutter und Tochter nehmen zu. Sie müssen sich aussprechen, doch das ist nicht einfach. Linn hat sich seit dem Abitur mit dem Klimawandel befasst, ihr Studium und ihr weiterer Werdegang, alles war darauf ausgerichtet etwas zu bewirken. Jetzt ist sie in der Realität angekommen, frustriert und desillusioniert. Hat sie überhaupt noch eine Zukunft?

Warum sind an die Wünsche ihrer Mutter immer Erwartungen geknüpft?

Auf der anderen Seite wird Linn jetzt, wo sie wieder Zuhause wohnt erst die Leistung ihrer Mutter bewusst, sie alleine großgezogen zu haben.

Die Trauer über ihren Mann, der so plötzlich in jungen Jahren verstorben ist, musste diese konsequent an die Seite schieben, denn sie hatte ein Kind zu versorgen.

Die Geschichte beinhaltet viele innere Monologe von Annett, wobei sich auch immer wieder ihrer toter Mann in ihre Gedanken schleicht und sie überlegt, was er jetzt wohl gesagt hätte. Linn‘s Gedanken fallen etwas in den Hintergrund und werden hauptsächlich indirekt von Annett wiedergegeben. Ich hätte Linn‘s Sicht gerne noch etwas näher beleuchtet gesehen.

Mir gefiel Kristine Bilkau‘s ruhiger Erzählstil aber gut und ich konnte mich besonders gut in Annett hineinversetzen.

Das Ende ist offen und lässt Platz für einen eigenen Schluß. Das mag ich nicht immer, aber zu dieser Geschichte passt es gut.

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Veröffentlicht am 10.01.2026

Berührende Migrationsgeschichte

Vatermal
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„Vatermal“ ist eine Familiengeschichte, die unter die Haut geht.

Der Sohn, Arda, liegt mit Organversagen im Krankenhaus und es ist unklar, ob er es schaffen wird. Abwechselnd wird er von seiner Mutter ...


„Vatermal“ ist eine Familiengeschichte, die unter die Haut geht.

Der Sohn, Arda, liegt mit Organversagen im Krankenhaus und es ist unklar, ob er es schaffen wird. Abwechselnd wird er von seiner Mutter und seiner Schwester besucht, die seit 10 Jahren nicht mehr miteinander gesprochen haben. Vom Krankenbett aus schreibt er Briefe an seinen abwesenden Vater, über sein Leben, seine Träume, seine Gefühle.

Schon das Wort „Papa“ oder „Baba“ aufzuschreiben klingt für Arda seltsam, denn sein Vater ist für ihn eine Leerstelle, die er nur mit Erzählungen seiner Mutter und seiner Schwester füllen kann. Sein Vater ist zurück in die Türkei gegangen und hat Ümran mit den Kindern mittellos zurückgelassen.

Arda wächst mit seiner überforderten Mutter und seiner Schwester Ayla, im Ruhrgebiet auf. Er erzählt von seinem Leben mit Schikane und Rassismus, von Perspektivlosigkeit und geplatzten Träumen, einem Leben ohne Pass und ohne Geld. Die Figuren wirken sehr authentisch und der Roman wird sehr ehrlich und kraftvoll mit Zuhilfenahme von Jugendsprache zeitweise auch grob, dann wieder zart und humorvoll erzählt.

Die Tragik dieser Geschichte hat mich sehr berührt und ich werde sicher noch eine Weile darüber nachdenken.

Unbedingt lesen!

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Veröffentlicht am 23.12.2025

Nach der Pandemie ist vor der Pandemie

All Better Now
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Ein spannendes Gedankenexperiment entwirft Neal Shusterman in diesem Buch. Eine neue Form von Corona, der man den Namen Crown Royal gegeben hat, breitet sich aus. Die Besonderheit ist, dass die Genesenen ...

Ein spannendes Gedankenexperiment entwirft Neal Shusterman in diesem Buch. Eine neue Form von Corona, der man den Namen Crown Royal gegeben hat, breitet sich aus. Die Besonderheit ist, dass die Genesenen in ihrem Wesen verändert sind. Sie sind gelassener, empathischer und glücklicher. Sie machen sich Sorgen um den Planeten und versuchen nachhaltiger zu leben.

Dieses Verhalten ist zwar lobenswert, für eine Konsumgesellschaft aber Gift.

Die Superreichen fühlen sich bedroht und das wiederum führt ganz zwangsläufig zu Konflikten.

Ich fand es wirklich spannend und nachvollziehbar wie der Autor aus dieser Grundidee eine Geschichte gestrickt hat. Die jugendlichen Protagonisten wirkten für mich allerdings deutlich älter als die 17 Jahre, mit denen sie vorgestellt wurden.



Ich will zum Inhalt gar nicht mehr verraten, denn es lohnt sich wirklich die Zusammenhänge selbst zu entdecken.

Der Hörbuchsprecher Julian Mehne spricht sehr ruhig und langsam, was zu dem Buch aber gut gepasst hat.

Das Ende ist überraschend, mit dem Wissen, dass es noch eine Fortsetzung geben soll aber schlüssig.

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Veröffentlicht am 29.09.2025

Toller Dorfroman

Hier draußen
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„Hier draußen“ ist ein warmherziger , gut erzählter Dorfroman, der das Leben auf dem Land im fiktiven, norddeutschen Fehrdorf für mein Empfinden sehr authentisch darstellt.

Als Einstieg in die Geschichte ...

„Hier draußen“ ist ein warmherziger , gut erzählter Dorfroman, der das Leben auf dem Land im fiktiven, norddeutschen Fehrdorf für mein Empfinden sehr authentisch darstellt.

Als Einstieg in die Geschichte erzählt die Autorin von einem Wildunfall. Ingo, Zugezogener und Pendler fährt auf dem Weg nach Hause ausgerechnet eine weiße Hirschkuh an. Der Jäger, Uwe, der herbeigerufen wird, will das Tier auf keinen Fall alleine erschießen. Aberglaube hin oder her, das bringt Unglück heißt es im Dorf, und der Schütze hätte nur noch ein Jahr zu leben. Also drücken sie gemeinsam ab, was nicht ohne Folgen bleibt.

Nach und nach lernt man viele der Dorfbewohner kennen. Die einen mag man mehr, die anderen weniger. Lara und Ingo hatten sich ein Idyll vorgestellt, als sie mit ihren Kindern aus Hamburg hier herzogen, aber der Alltag ist dann doch nicht so einfach. Der Wildunfall verändert Ingo und das Ehepaar entfremdet sich immer mehr. Auch andere Dorfbewohner bekommen in dem Roman eine Stimme z. B. Tove, die an ihrer unglücklichen Ehe festhält, weil man nicht geht als Landfrau oder Jutta und Armin, die aus der ursprünglichen Wohngemeinschaft übrig geblieben sind, zusammenwohnen, aber nicht zusammen sind . Es sind kleine Geschichten über eine vielfältige Dorfgemeinschaft, die wenn es dicke kommt zusammenhält.

Ich mochte den ruhigen, humorvollen Erzählton der Autorin sehr und habe das Hörbuch, wunderbar gelesen von Julia Nachtmann, sehr genossen.

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Veröffentlicht am 13.08.2025

Elefantös

Das Geschenk
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Als gäbe es nicht schon genug Probleme , etwa die Klimakrise, oder das Erstarken der Rechten, sowie die schlechten Umfragewerte des Kanzlers, da tauchen mitten in Berlin plötzlich jede Menge Elefanten ...

Als gäbe es nicht schon genug Probleme , etwa die Klimakrise, oder das Erstarken der Rechten, sowie die schlechten Umfragewerte des Kanzlers, da tauchen mitten in Berlin plötzlich jede Menge Elefanten auf. Als Reaktion auf ein Gesetz, dass die Einfuhr von Jagdtrophäen verbietet, hat der Präsident von Botswana der Bundesregierung 20000 dieser Großtiere geschenkt. „Viel Spaß damit“!
Diese plantschen jetzt in der Spree, sorgen hier und da für ein Verkehrschaos und produzieren Tonnen von Elefantenhaufen.

Nach dem großen Erfolg ihres Roman‘s „Trophäe“ hat Gaea Schoeters jetzt eine bitter- böse Politsatire nachgelegt, die amüsant zu lesen ist und das politische Tagesgeschäft sehr gut widerspiegelt. Machtspielchen statt konstruktive Lösungen und eine populistische , rechte Opposition, die die Krise gnadenlos für ihre Zwecke ausnutzt, verhindern einige gute Ansätze mit dem Elefantenproblem umzugehen und vielleicht sogar einen Nutzen für Mensch und Natur daraus zu gewinnen.
Genüßlich denkt die Autorin die kuriose Situation bis zum Ende durch.
Die Elefanten sind natürlich auch eine Metapher für unseren Umgang mit Flüchtlingen . Nimmt man die Fremden (Elefanten) als Bedrohung war oder sind sie vielleicht doch auch eine Bereicherung für unsere Gesellschaft?

Mir hat das Buch gut gefallen, auch wenn ich „Trophäe“ noch etwas eindringlicher und spannender fand. Mit seinen 144 Seiten ist die Geschichte ein interessanter Lesesnack für zwischendurch und auch als Hörbuch sehr zu empfehlen.

4,5 Sterne

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