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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.02.2026

gesellschaftskritischer Roman

Niemand hat es kommen sehen
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Der Kriminalroman knüpft inhaltlich an den vorigen Teil „Zwischen euch verschwinden“ an, sodass man beim Lesen das Gefühl hat, irgendetwas fehlt oder ist nicht ganz stimmig, wenn man den ersten Teil nicht ...

Der Kriminalroman knüpft inhaltlich an den vorigen Teil „Zwischen euch verschwinden“ an, sodass man beim Lesen das Gefühl hat, irgendetwas fehlt oder ist nicht ganz stimmig, wenn man den ersten Teil nicht kennt. Ich würde empfehlen, den vorigen Teil vorab zu lesen, denn ich hatte dies auch übersehen und dadurch ein paar inhaltliche Verständnisschwierigkeiten, da nicht alles wiederholt oder aufgefrischt wird. Zuerst hat man das Gefühl, es geht um eine verschwundene Frau, indem Maria ohne Erinnerung, was passiert ist, in ihr Heimatdorf zurückkehrt. Sie wird verdächtigt, beschuldigt, das gesamte Dorf spekuliert und es entstehen Gerüchte und daraus Beschuldigungen. Marias Schweigen wird zugleich als Schuldeingeständnis interpretiert und sie rutscht von der Opferrolle in die Täterinnenrolle. Ich finde es spannend zu sehen, welche gesellschaftliche Dynamik sich entwickelt und auch die unterschiedlichen Perspektiven der einzelnen Personen sind interessant zu lesen. Der Kriminalroman ist vielschichtig aufgebaut und kommt ohne große oder brutale Szenen aus, er ist vielmehr ein gesellschaftskritischer Roman.

Veröffentlicht am 05.02.2026

die Idylle trügt

Dunkle Schatten über Småland
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Der zweite Band der Reihe mit Kommissarin Luna Bofink und ihrem Team ist inhaltlich abgeschlossen und kann auch als Einzelteil gelesen werden, allerdings hat man mehr Lesespaß, wenn man den ersten Teil ...

Der zweite Band der Reihe mit Kommissarin Luna Bofink und ihrem Team ist inhaltlich abgeschlossen und kann auch als Einzelteil gelesen werden, allerdings hat man mehr Lesespaß, wenn man den ersten Teil auch schon gelesen hat. Warum haben die gefundenen Knochen komische Spuren? Dier Erzählweise ist langsam, beschreibend, mit dem typischen schwedischen Flair aus Landschaftsbeschreibungen und Krimi. Ab dem Fund der menschlichen Knochen ändert sich die Stimmung allerdings und es wird spannend, die auch weiterhin hochgehalten wird. Man hat als Leserin das Gefühl, dass jeden Moment wieder etwas passieren könnte. Der grausige Fund passt so gar nicht in die Urlaubsidylle, daher arbeitet das Ermittlungsteam auf Hochdruck, um den Fall schnell zu lösen. Man erfährt aber auch nebenbei viel über die Charaktere, sowohl über das Ermittlungsteam, aber auch über die Bewohnerinnen, das mag ich persönlich gerne, denn es gibt dem Buch eine persönliche Note.

Veröffentlicht am 05.02.2026

stürmisch und sprunghaft

Grenzfall – Ihr Grab in den Fluten
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Der aktuelle Teil ist bereits der sechste Band der Serie und nachdem ich alle vorigen Teile gelesen habe, war ich bereits mit den Ermittler*innen vertraut und konnte mich somit relativ schnell in die aktuellen ...

Der aktuelle Teil ist bereits der sechste Band der Serie und nachdem ich alle vorigen Teile gelesen habe, war ich bereits mit den Ermittler*innen vertraut und konnte mich somit relativ schnell in die aktuellen Ermittlungen einfinden. Der Teil selbst ist in sich abgeschlossen und kann theoretisch auch ohne Vorwissen gelesen werden, allerdings hat man mehr Lesespaß, wenn man über die beruflichen und privaten Angelegenheiten der Hauptcharaktere bescheid weiß. Alexa hat diesmal nicht nur mit komplexen Ermittlungen zu Todesfällen zu kämpfen, sondern auch mit einer dramatischen Unwettersituation. Dies wird sehr detailliert geschildert, an manchen Stellen vielleicht sogar etwas überstrapaziert, sodass die Todesfälle bzw. die Hintergründe dafür zu kurz kommen. Krammer ermittelt an einem eigenen Fall, aber am Ende überschneiden sich die Fälle wieder und es führt zu Überlappungen und gemeinsamen Ermittlungen. Die unterschiedlichen Fälle hatten für mich zu Beginn kaum einen Zusammenhang erkennen lassen und dies blieb auch über lange Zeit weiterhin so, erst am Ende werden die Handlungsstränge geklärt und die offenen Fragen beantwortet. Mir war der Schluss allerdings zu abrupt und zu schnell abgehandelt, vor allem, da vorher auch sehr ausführlich über die Wettersituation und dergleichen berichtet wurde. Hier hätte ich mir mehr Platz für genauere Hintergründe und Erklärungen gewünscht. Gewalt gegen Frauen ist diesmal ein wichtiges Thema, das auch mit dem nötigen Respekt behandelt wird und hier mehrfach eingeflochten wird. Alexas Freundin, Reflexionspartnerin und Psychologin Leni kommt mir in diesem Teil viel zu kurz, sie kommt nur am Rande vor. Dies finde ich schade, da mir gerade der Austausch untereinander und ihr psychologischer Input sehr gut gefallen haben in den vorigen Teilen. Ich würde im nächsten Teil gerne wieder mehr von ihr lesen, vielleicht auch in einem aktiveren Part.

Veröffentlicht am 02.02.2026

Gibt es das Serienkiller-Gen?

Die Tochter des Serienkillers
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Der Thriller ist der zweite Teil der Serie „Die Familie des Serienkillers“, ist aber in sich abgeschlossen und kann auch unabhängig von den restlichen Büchern der Serie gelesen werden. Mir gefällt der ...

Der Thriller ist der zweite Teil der Serie „Die Familie des Serienkillers“, ist aber in sich abgeschlossen und kann auch unabhängig von den restlichen Büchern der Serie gelesen werden. Mir gefällt der geradlinige Schreibstil, der viel Raum für Zweifel und Spekulationen lässt sehr gut. Es entsteht eine Sogwirkung, sodass man das Buch kaum weglegen kann und weiterhin erfahren möchte, wie Jennys Kindheit sie einholt und sie an sich selbst zu zweifeln beginnt. Als Tochter eines Serienkillers und aufgrund ihrer nächtlichen Blackouts und Schlafwandelphasen durch Stress, beginnt Jenny sich zu sorgen, was sie in ihren nächtlichen Streifzügen angestellt haben könnte. Plötzlich beginnt auch ihr Familienleben zu bröckeln, ihr Mann distanziert sich und sie gerät in den Verdacht, die Nachbarin und ehemalige Geliebte ihres Mannes entführt oder gar getötet zu haben. Kein Wunder, dass dadurch ihre Schlafstörungen noch mehr befeuert werden. Gibt es das Serienkiller-Gen? Diese Frage beschäftigt Jenny gleichermaßen, wie die Frage, wem sie aus ihrem Umfeld vertrauen kann. Die kurzen Auszüge aus dem Briefwechsel zwischen Jenny und ihrem Vater aus der Kindheit sind eine Bereicherung zur Veranschaulichung, wie innig ihre Bindung damals gewesen ist und wie sehr die damals achtjährige Jenny zu ihrem Vater aufgeschaut und ihn vergöttert hat. Ich freue mich schon auf den dritten Teil der Serie und hoffe wieder auf spannende Lesestunden.

Veröffentlicht am 26.01.2026

Besessenheit

Half His Age
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Der Roman ist keine leicht zu lesende Lektüre für nebenbei, sondern eine berührende, ehrliche und ungeschönte Beschreibung aus der Sicht der 17jährigen Waldo über ihr Alltagsleben und ihre Gefühlslagen. ...

Der Roman ist keine leicht zu lesende Lektüre für nebenbei, sondern eine berührende, ehrliche und ungeschönte Beschreibung aus der Sicht der 17jährigen Waldo über ihr Alltagsleben und ihre Gefühlslagen. Waldo wächst in einem Trailerpark ohne Vater, mit einer kaum anwesenden Mutter auf und schlägt sich so gut sie es kann durchs Leben. Aus ihrer Verliebtheit in einen Lehrer, der mehr als doppelt so alt ist und Familie hat, wird eine Besessenheit, sodass sie ihn unbedingt für sich erobern möchte und von jemanden wahrgenommen und geliebt werden möchte. Dafür gibt sie sich selbst auf und passt sich dem älteren Mann und seinen Wünschen an, sie bettelt um Aufmerksamkeit und kompensiert ihre negativen Gefühle mit einer unkontrollierten Kaufsucht. In den ersten zwei, drei Kapiteln hat mich die vulgäre Sprache, die zu Beginn übertrieben eingesetzt wird, abgestoßen und dem Roman einen abwertenden Touch gegeben, aber durchhalten lohnt sich. Mit der Zeit kommen wichtigere Themen zur Sprache, von Machtmissbrauch durch Lehrpersonen, sexueller Ausbeutung, emotionale Abhängigkeit, süchtiges Kaufverhalten über Kindheitstraumata und fehlende Identität bzw. verschobene Selbstwahrnehmung. Die Mutter-Tochter-Dynamik finde ich gut beschrieben und auf der einen Seite weiß Waldo, dass es falsch ist sich von einem Mann in eine emotionale Abhängigkeit drängen zu lassen, sie sieht die gleichen Muster auch bei ihrer Mutter, aber dennoch kann sie selbst nicht aus diesem Muster ausbrechen. Die Beziehung zwischen dem über 40jährigen Lehrer mit einer 17jährigen Schülerin finde ich äußerst problematisch und unausgeglichen und es werden die emotionalen Achterbahnfahren aus beiden Sichtweisen geschildert. Traurig ist, dass sich Waldo niemandem anvertrauen kann, ihre Mutter ist ständig abwesend und mit ihren eigenen Problemen beschäftigt, ihre Freundin ist streng religiös und kann nicht nachvollziehen, was Waldo durchlebt, und so lässt sie sich emotional in die ungünstige, ausbeutende Beziehung mit ihrem Lehrer ein, der ihr zuerst Verständnis suggeriert und Aufmerksamkeit und Lob schenkt.
Ich glaube, dass der Roman stark polarisieren wird, aber gerade dadurch die Diskussion über unbequeme Themen anregen wird und viele Gedankenanstöße liefert.