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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 02.04.2026

Spannend, düster und nicht immer leicht zu durchschauen

Vesselless – Mein verräterisches Herz
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Nizzara, Tochter des Königs von Zarr, wächst in einer Welt auf, die von ständigen Intrigen, Machtkämpfen und tödlichen Duellen geprägt ist. Um ihren Thron zu sichern, wird sie von ihrem Vater gezwungen, ...

Nizzara, Tochter des Königs von Zarr, wächst in einer Welt auf, die von ständigen Intrigen, Machtkämpfen und tödlichen Duellen geprägt ist. Um ihren Thron zu sichern, wird sie von ihrem Vater gezwungen, eine Vessel zu tragen, einen nicht abnehmbaren Ring, mit dem der Träger einen Geist an sich binden und dessen Macht und Fähigkeiten nutzen kann.

Die Handlung wird abwechselnd aus der Perspektive der beiden Hauptcharaktere Nizzara und Dagen erzählt. Ihre Gefühle und Gedanken wirken dabei sehr authentisch und nachvollziehbar. Vor allem Nizzaras Persönlichkeit ist stark, vielschichtig und mir äußerst sympathisch. Obwohl sie den ständigen Repressalien ihres Vaters ausgesetzt ist, versucht sie, Freiräume und Möglichkeiten zu finden, um ihr Mitgefühl und ihre Menschlichkeit zu bewahren. Dabei gerät sie immer wieder in Konflikt mit ihren Pflichten und den an sie gestellten Erwartungen.

Der Weltenbau ist äußerst innovativ und komplex. Der Leser begegnet Wesen aus unterschiedlichen Dimensionen, die bis zum Ende hin rätselhaft bleiben. Im letzten Viertel des Buches werden die Zusammenhänge jedoch zunehmend komplizierter und für mich teilweise schwer zu durchschauen. Hier hätte ich mir stellenweise etwas mehr Klarheit gewünscht.

Die Atmosphäre des Buches ist durchweg bedrohlich und düster. Die Kämpfe und Duelle sind bildhaft und grausam geschildert, was für mich gut zur finsteren Grundstimmung passt, aber möglicherweise nicht jedermanns Geschmack ist.

Der Schreibstil hat mir sehr gut gefallen. Ich fand sofort in die Handlung hinein, und die Spannung wird konstant hochgehalten, bevor sich die Ereignisse zum Ende hin regelrecht überschlagen. Die Liebesgeschichte zwischen Nizzara und dem Geist Dagen entwickelt sich sehr langsam und findet in einem fiesen Cliffhanger ein abruptes Ende.

FAZIT: Ein spannender Fantasyroman mit innovativem Weltenbau, der zum Ende hin viele Fragen offenlässt. Trotz kleinerer Schwächen spreche ich eine klare Leseempfehlung aus und freue mich bereits auf die Fortsetzung.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Faszinierend, beklemmend und deprimierend

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Ich bin ziemlich zwiegespalten aus diesem Roman gegangen.
Die auf dem Klappentext angekündigte Ausgangssituation hat mich sofort fasziniert: 39 Frauen und ein Mädchen lebt abgeschottet unter der Erde, ...

Ich bin ziemlich zwiegespalten aus diesem Roman gegangen.
Die auf dem Klappentext angekündigte Ausgangssituation hat mich sofort fasziniert: 39 Frauen und ein Mädchen lebt abgeschottet unter der Erde, ohne Erinnerung an ein Leben davor, bewacht von wenigen schweigsamen Männern. Der Grund für ihre Gefangenschaft ist unbekannt.

Was mich besonders beeindruckt hat, ist die gedankliche Tiefe. Die Geschichte wirkt wie ein philosophisches Experiment über Freiheit, Identität und das, was vom Menschsein übrig bleibt, wenn alles Vertraute wegfällt. Das Mädchen, das nie einen Namen erhält und von den anderen nur "Kind" genannt wird, führt durch diese trostlose und hoffnungslose Welt. Der Schreibstil ist wunderschön, klar und unaufgeregt.

Gleichzeitig war die Lektüre für mich anstrengend. Äußerlich passiert kaum etwas. Fast alles spielt sich in den inneren Monologen des Mädchens ab. Die zahlreichen Wiederholungen, die Stille und die kreisenden Gedanken waren für mich als Leserin teilweise wirklich ermüdend.

Die Stimmung des Romans ist durchgehend melancholisch bis depressiv. Die Atmosphäre empfand ich als sehr erdrückend. Hoffnung blitzt zwar ab und zu auf, ist aber sehr unbeständig und wird immer wieder von einer tiefen Resignation überschattet.

Ob ich es als feministischen Roman bezeichnen würde, weiß ich nicht. Für mich steht weniger ein klares politisches Statement im Vordergrund als vielmehr eine existenzielle Auseinandersetzung mit Isolation und Sinnsuche.

Auch das Ende ließ mich etwas ratlos und auch frustriert zurück, denn eigentlich bleiben alle Fragen offen und die depressive Stimmung hält sich.

FAZIT: Ein ungewöhnliches, intensives Buch, das zum Nachdenken anregt, das ich aber nicht uneingeschränkt empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 01.03.2026

Die ungezähmte Wölfin

Rabid
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Seneca soll sich in einem Ritual mit ihrer Wölfin verbinden, darauf hat sie sich schon ihr Leben lang vorbereitet. Doch während des Prozesses wird sie brutal angegriffen und die Verbindung ist infolgedessen ...

Seneca soll sich in einem Ritual mit ihrer Wölfin verbinden, darauf hat sie sich schon ihr Leben lang vorbereitet. Doch während des Prozesses wird sie brutal angegriffen und die Verbindung ist infolgedessen nicht vollständig. Von ihrem Rudel wird sie daraufhin erniedrigt und im Revier eines angeblich brutalen anderen Alphawolfes ausgesetzt.

Wenn man dieses Buch liest, sollte einem klar sein, dass es hier beinahe durchweg um sexualisierte Inhalte geht. Von Anfang an wird Seneca vom Alpha ihres Rudels bedrängt und später beinahe vergewaltigt. Die Triggerwarnung auf den ersten Seiten des Buches verweist auf eine Internetseite, da hätte der Verlag durchaus deutlicher sein können.

Die Handlung ist insgesamt sehr spannend und es zieht mich sofort in die Geschichte. Die Erzählung wird in Ich-Form aus Sicht von Seneca erzählt, wobei sie in Verbindung mit ihrer Wölfin teilweise auch zur Wir-Form übergeht, was am Anfang etwas gewöhnungsbedürftig ist. Senecas Verletzlichkeit, Verzweiflung, innere Zerrissenheit und Wut ist gut nachzuvollziehen und spürbar. Das macht sie authentisch.
Die romantisch-spicy Szenen haben für mich in die Handlung gepasst, sind jedoch sehr ausführlich. Einige Szenen empfinde ich als gewaltverherrlichend, was sicherlich in das Wolfsrudel-Thema passt, für mich aber trotzdem moralisch fragwürdig bleibt.

Die Welt, die hier erschaffen wird, greift das bekannte Werwolf-Motiv auf, entwickelt es aber auf eigene und interessante Weise weiter. Dabei bleibt alles in sich stimmig und nachvollziehbar.

Besonders deutlich wird der innere Konflikt von Seneca: Auf der einen Seite steht ihre Verletzlichkeit, geprägt von ihrem Trauma und der Trauer um den Verlust ihrer Mutter und ihres alten Lebens. Auf der anderen Seite erwartet die Wolfswelt Stärke und Härte. Auch die Werte des Rudels, geprägt von Loyalität und unbedingter Unterwerfung, geraten immer wieder in Konflikt mit Senecas Wunsch nach Freiheit und Selbstbestimmung. Im Verlauf der Geschichte ringt sie darum, ihren eigenen Platz innerhalb der Wolfsgesellschaft zu finden.

Der Schreibstil ist angenehm flüssig und sehr zugänglich, sodass man mühelos durch die Seiten gleitet. Die Handlung entwickelt schnell einen Sog, der es leicht macht, immer weiterlesen zu wollen. Weniger zugesagt hat mir jedoch die stellenweise sehr derbe Ausdrucksweise, die für meinen Geschmack manchmal etwas zu stark im Vordergrund stand.

Fazit: Eine fesselnde Geschichte mit viel Spannung und Tempo. Allerdings enthält das Buch zahlreiche brutale und gewalttätige Szenen, die nicht für alle Leserinnen und Leser geeignet sind.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

High Fantasy mit Wikinger-Vibes

Flut aus schwarzem Stahl
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Bereits das Cover mit der roten Axt lässt erahnen, dass dieses Buch von zahlreichen Kämpfen geprägt ist, in denen es alles andere als zimperlich zugeht. Schon das erste Kapitel bestätigt diesen Eindruck ...

Bereits das Cover mit der roten Axt lässt erahnen, dass dieses Buch von zahlreichen Kämpfen geprägt ist, in denen es alles andere als zimperlich zugeht. Schon das erste Kapitel bestätigt diesen Eindruck und auch in den darauffolgenden Kapiteln wird unablässig gekämpft, Krieg geführt und schonungslos gemetzelt.

Die Geschichte wird abwechselnd aus der Perspektive der vier Hauptfiguren erzählt, jeweils in eigenen Kapiteln. Auf den ersten rund 200 Seiten verlaufen diese Handlungsstränge jedoch nahezu unabhängig voneinander. Abgesehen davon, dass sie in derselben Welt angesiedelt sind, gibt es kaum Verbindungen. Dadurch entstand bei mir zunächst der Eindruck, nicht einen zusammenhängenden Roman, sondern vier separate Geschichten zu lesen.

Hinzu kommt, dass die einzelnen Kapitel recht umfangreich sind und inhaltlich sehr dicht. Es geschieht so viel, dass ich immer wieder zurückblättern musste, weil mir nach einigen Kapiteln nicht mehr präsent war, an welchem Punkt die Handlung einer Figur zuvor geendet hatte. Einmal bemerkte ich sogar erst ca. 50 Seiten später, dass ich ein Kapitel versehentlich übersprungen habe. Die Vielzahl an Figuren, darunter einige mit ähnlichen Namen, verstärkt die Verwirrung zusätzlich.

Am Ende des Buches findet sich zwar ein Personenregister, doch leider ist es weder alphabetisch geordnet noch besonders ausführlich. Gerade bei der Vielzahl an Figuren hätte ich mir hier deutlich mehr Übersicht gewünscht. Auch die Karte des Reiches von Ascarlia zu Beginn des Buches blieb für meinen Geschmack etwas zu grob und wenig detailliert. Ein paar zusätzliche Orientierungspunkte wären hilfreich gewesen

Die Welt, die Anthony Ryan hier erschaffen hat, ist beeindruckend vielschichtig und unglaublich atmosphärisch. Beim Lesen fühlte ich mich immer wieder an nordische Sagen erinnert. Es kamen regelrechte Wikinger-Vibes auf: eine raue, kalte und von Gewalt geprägte Welt, die nichts beschönigt.
Je weiter ich im Buch vorankam, desto besser fand ich mich in dieser Welt zurecht. Sie zog mich zunehmend in ihren Bann, bis ich schließlich vollkommen in ihr versank.

Besonders begeistert haben mich auch die vier außergewöhnlichen Hauptcharaktere: Sie sind vielschichtig, glaubwürdig und deutlich voneinander abgegrenzt. Dadurch ist es mir leicht gefallen, mich in sie hineinzuversetzen und mit ihnen mitzufühlen.

Das Finale hält einige unerwartete Wendungen bereit, die mich noch einmal richtig überraschen konnten. Der Schluss bleibt bewusst offen und hinterlässt mehrere lose Fäden. So hoffe ich gespannt auf eine baldige Fortsetzung.

FAZIT: Trotz eines nicht ganz einfachen Einstiegs ist dies ein vielversprechender Auftakt zu einer neuen High-Fantasy-Reihe, die definitiv Lust auf mehr macht.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Tödliche Prüfungen und düsteres Setting

The Ordeals
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Sophia de Winter ist seit frühester Kindheit durch einen magisches Schwur an ihren Onkel gebunden, dadurch ist sie gezwungen für ihn zwielichtige Aufträge auszuführen. Um sich von dieser Bindung zu befreien, ...

Sophia de Winter ist seit frühester Kindheit durch einen magisches Schwur an ihren Onkel gebunden, dadurch ist sie gezwungen für ihn zwielichtige Aufträge auszuführen. Um sich von dieser Bindung zu befreien, bewirbt sie sich als Studentin an der Killmarth Academy. Doch bevor sie aufgenommen wird, muss sie mehrerer tendenziell tödliche Prüfungen, die sogenannten Ordeals, bestehen.

Am Anfang hatte ich Schwierigkeiten in die Geschichte zu finden, aber nach den ersten Kapiteln hat mich die Erzählung dann doch gepackt. Einige unerwartete Plot-Twists halten die Spannung beständig hoch. Die Atmosphäre ist durch das gesamte Buch hindurch bedrohlich und düster. Verstärkt wird die Grundstimmung durch die Ordeals, die die Anzahl der Studienanwärter schnell minimieren.

Sophia ist eine mutige junge Frau, die sich nicht schnell einschüchtern lässt und für ihre Ziele kämpft. Ihr Charakter ist am tiefgründigsten beschrieben und sympathisch. In sie kann ich mich gut einfühlen. Die anderen Protagonisten hingegen bleiben für mich eher oberflächlich. Auch die Liebesgeschichte packt mich leider nicht wirklich.

Die magische Welt ist faszinierend, wenn auch nicht neu. Die Ordeals werden sehr bildhaft beschreiben und ihre grausame Natur lässt den Leser mitfiebern. Allerdings frage ich mich, warum diese Prüfungen tödlich sein müssen, da Magiebegabte doch so selten sind und daher wertvoll sein müssten. Im letzten Kapitel überrascht das Buch mit einem völlig unerwarteten Showdown, der Lust auf die Fortsetzung macht.

Die Sprecherin des Hörbuchs Sarah Dorsel hat eine sehr angenehme Stimme. Ihre Lesung ist gut verständlich und von de Schnelligkeit genau richtig. Die verschiedenen Charaktere werden unterschiedlich intoniert, so dass ich sie gut auseinander halten kann.

FAZIT: Spannender Fantasy-Roman mit ein paar Mängeln, aber durchaus lesenswert.

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