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Veröffentlicht am 17.02.2026

Agentengeschichte mit Schwächen

Die Reise ans Ende der Geschichte
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Ich liebe Spionageromane und die ungewöhnliche Figurenkonstellation sowie die zeitliche Verortung kurz nach Ende des Kalten Krieges sprachen mich an: Dieter Germeshausen, ein alternder Spion, der sich ...

Ich liebe Spionageromane und die ungewöhnliche Figurenkonstellation sowie die zeitliche Verortung kurz nach Ende des Kalten Krieges sprachen mich an: Dieter Germeshausen, ein alternder Spion, der sich in der neuen Zeit seiner Berufsgrundlage beraubt sieht und einen letzten Coup plant, spannt einen jungen gefeierten Dichter für seine Zwecke ein. Während Germeshausen Konversation wenig abgewinnen kann und desillusioniert in die Zukunft schaut, ist der Dichter Jakob Dreiser ein Meister des Small Talks und voller Abenteuerlust und Zuversicht. Ergänzt wird das kuriose Gespann um eine alternde Italienischlehrerin und eine ehemalige Diplomatengattin, die deutlich mehr trinkt, als ihr guttut.

Der prägnante Schreibstil glänzt immer wieder mit feinem, punktgenauem Humor und tollen Dialogen. Mit den Figuren wurde ich allerdings nicht recht warm. Germeshausen wirkt auf mich wenig authentisch, für einen Doppelagenten mit 27 Dienstjahren agiert er geradezu stümperhaft. Jakobs Unbekümmertheit und moralische Bedenkenlosigkeit waren für mich schwer nachvollziehbar, trotz seines jugendlichen Alters. Das passte für mich nicht recht zu einem angeblichen Intellektuellen. Leider machten auf mich auch die weiteren Charaktere einen überzeichneten, wenig glaubwürdigen und eindimensionalen Eindruck. Möglicherweise bin ich mit den falschen Erwartungen an das Buch herangegangen, indem ich mir einen sorgfältig recherchierten und spannenden Spionageroman a la Ben Mayintyre erhofft hatte. Bei Kristof Magnusson scheint der Fokus eher auf einer absurden, teils komischen Abenteuergeschichte zu liegen, weniger auf Authentizität. Damit hätte ich auch durchaus mein Vergnügen haben können, wenn mich letztlich der abrupte Schluss nicht so sehr enttäuscht hätte.

Da ich Kristof Magnussons Stil grundsätzlich mochte, werde ich sicher noch einen weiteren Roman von ihm lesen, aber die „Reise ans Ende der Geschichte“ konnte mich nicht überzeugen.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

ganz nett, aber nicht mehr

Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat
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„Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat“ ist der fünfte Teil der „Trubel um Tiffany“-Reihe. Da Großtante Ilse aus Wuppertal zum vierten Mal heiratet, macht sich Tiffanys gesamte Familie im Auto ...

„Der Tag, an dem Max dreimal ins Auto gekotzt hat“ ist der fünfte Teil der „Trubel um Tiffany“-Reihe. Da Großtante Ilse aus Wuppertal zum vierten Mal heiratet, macht sich Tiffanys gesamte Familie im Auto auf den Weg. Neben Tiffany sind das ihre Geschwister Luisa und Max, ihre Eltern und die Großeltern. Die Fahrt steht unter keinem guten Stern, denn Mama ist genervt vom Packen, Papa hat beim Parken die Mülltonne erwischt, Max hat einen Kater, Oma sucht ihr Handy und Opa wäre sowieso viel lieber mit dem Zug gefahren…

Das Hörbuch wurde vom Autor Marc-Uwe Kling selbst eingelesen, wobei zu beachten ist, dass sich die Lauflänge von 54 Minuten aus zwei Lesungen zusammensetzt: Einmal eine inszenierte Studiolesung mit Geräuschen und eine Livelesung mit Publikumsreaktionen. Die Geschichte an sich dauert also lediglich gute 25 Minuten. Mir hat die Studiolesung etwas besser gefallen, auch wenn ich die Geräusche gelegentlich als unangenehm empfand. Eine reine Studiolesung nur mit Sprecherstimme wäre mir am liebsten gewesen.

Die Geschichte selbst ist kurzweilig und lustig, mit feiner Situationskomik. Was mich allerdings sehr gestört hat ist, dass der 14-jährige Max bereits einen Kater hat, weil er am Vorabend zu viel „Kleiner Feigling“ getrunken hat. Das ist für mich ein Grund, dieses Hörbuch nicht mit meinem Kind anzuhören, weil ich der Verharmlosung von Alkoholkonsum nichts abgewinnen kann. Ebenfalls unangenehm fiel mir auf, dass der Autor in der Geschichte explizit Eigenwerbung macht und seine Werke „Känguru-Chroniken“ und „Das Klugscheißerchen“ erwähnt.

Insgesamt ist dieses Hörbuch ganz nett, aber nicht mehr.

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Veröffentlicht am 03.02.2026

makaber und skurril

Ehrlich & Söhne
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Von Ewald Arenz habe ich bereits mit großen Vergnügen einige Romane gelesen, so dass ich mir sehr auf „Ehrlich & Söhne“ gefreut habe. Die Familienchronik einer Bestatterfamilie – das versprach ungewöhnliche ...

Von Ewald Arenz habe ich bereits mit großen Vergnügen einige Romane gelesen, so dass ich mir sehr auf „Ehrlich & Söhne“ gefreut habe. Die Familienchronik einer Bestatterfamilie – das versprach ungewöhnliche und abwechslungsreiche Unterhaltung.

Friedrich Ehrlich ist der Vater von vier erwachsenen Kindern: Samuel und Johannes sind leiblich, Dorothea und Maria wurden adoptiert. Seine Ehefrau Gesine hat mit Klaus einen schürzenjagenden RAF-Sympathisanten als Bruder. Hinzu kommen diverse Halbgeschwister, die das Verwandtschaftsgeflecht nicht eben übersichtlicher machen. Auch wenn inzwischen jeder sein eigenes Leben führt, halten alle zusammen, wenn es hart auf hart kommt; angeheiratete Partner und Partnerinnen haben es schwer. Als eines Tages eine Leiche auftaucht, die Friedrich arg in die Bredouille bringen könnte, ist das Familienclan gefragt…

Arenz erzählt abwechselnd aus verschiedenen Perspektiven und springt immer wieder zwischen den Zeitebenen hin und her, so dass manchmal nicht sofort klar ist, in welchem Jahrzehnt man sich gerade befindet. Den größten Anteil an der Geschichte haben Samuel und Johannes.

Der Humor ist nicht immer politisch korrekt, aber messerscharf, schräg und staubtrocken. Da aber nahezu jeder Dialog in einem scherzhaften Schlagabtausch endet, wirken die Figuren allesamt oberflächlich, sehr von sich selbst überzeugt und wenig einnehmend. Das erschwerte es mir, mit ihnen warm zu werden und ich merkte, dass mir ihr Schicksal mehr oder weniger egal war. Lediglich Vera, die Außenseiterin und (Noch-)Ehefrau von Samuel, die stets außen vor blieb, hatte meine Sympathie. Die Handlung selbst entwickelte sich zunehmend unglaubwürdig, so dass ich letztendlich froh war, als ich am Ende angelangte.

Fazit: Erstmals konnte mich Ewald Arenz mit seinem Roman nicht erreichen. Zu unsympathisch, schräg und überheblich erschienen mir die Charaktere, zu abstrus und skurill die Handlung. Diesmal leider nur knapp 3 Sterne.

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Veröffentlicht am 15.01.2026

schräge Story mit lustigem Alpaka

Little Miss Frankenstein - Alpaka oder Lama, Hauptsache Drama!
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Nelly Frankenstein ist zwölf Jahre alt und lebt zusammen mit ihren Eltern im alten Spukschloss der Familie. Ihr Urururgroßvater ist der allseits bekannte Dr. Frankenstein, und angesichts dieser Bürde halten ...

Nelly Frankenstein ist zwölf Jahre alt und lebt zusammen mit ihren Eltern im alten Spukschloss der Familie. Ihr Urururgroßvater ist der allseits bekannte Dr. Frankenstein, und angesichts dieser Bürde halten sich Nellys Eltern von jeglichem Erfindertum fern und führen ein möglichst biederes Leben. Nelly hingegen möchte so gerne Erfinderin werden und probiert heimlich allerhand aus – was meistens in die Hose geht. Als sie eines Tages bei Gewitter ein totes Alpaka durch Blitzeinschlag wieder zum Leben erweckt und dieses anschließend sogar sprechen kann, gehen die Turbulenzen erst so richtig los, denn auch der Schloss-Geist mischt sich ein…

Die Geschichte ist in der Ich-Form aus Nellys Perspektive geschrieben, wobei immer wieder mehrseitige Tagebucheinträge eingestreut werden, in denen Nelly ihre (stets missglückten) Erfindungen beschreibt. Der locker-leichte, humorvolle Ton ist äußerst unterhaltsam, und besonders das reanimierte Alpaka Monserrat sorgt mit seinem schlagfertigen, etwas exaltierten Wesen für viele lustige Szenen, die meinem Sohn (11) sehr gut gefallen haben.

Als Mutter haben mich einige Punkte leider gestört. Zum einen finde ich es riskant, wenn sich Nelly bei einem starken Gewitter direkt unter einer Eiche aufhält, um das vermeintlich tote Alpaka für einen Blitzschlag passend zu „platzieren“. Zum anderen stochert Nelly bei einer ihrer Erfindungen mit einem Füller in der Steckdose herum, wodurch Rauch aus der Steckdose aufsteigt und ein Kurzschluss auftritt. Solche lebensgefährlichen Experimente haben meiner Meinung nach in einem Kinderbuch nichts verloren, und die Folgen könnten im echten Leben tödlich sein. Da Nelly nicht einmal einen elektrischen Schlag abbekommt, wird die Aktion auch noch verharmlost. Gegen Ende wird die Handlung zudem sehr schräg und teilweise absurd, was ich sehr schade fand. Insgesamt würde ich die Zielgruppe eher bei 8 Jahren aufwärts sehen, da die Geschichte für ältere Kinder schon zu einfach aufgebaut sein könnte.

Wer skurrile Figuren und Geschichten mag, wird an „Little Miss Frankenstein“ sicher seine Freude haben. Wir werden die Reihe aber eher nicht weiter verfolgen.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Vorwissen empfehlenswert

Rainer Maria Rilke. 100 Seiten
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Ich kannte bisher weder ein Buch aus der 100-Seiten-Reihe noch habe ich mich eingehender mit Rilkes Werk beschäftigt. Mein Wissen zu Rilke beschränkte sich auf das Wenige, das mir noch aus dem GK Deutsch ...

Ich kannte bisher weder ein Buch aus der 100-Seiten-Reihe noch habe ich mich eingehender mit Rilkes Werk beschäftigt. Mein Wissen zu Rilke beschränkte sich auf das Wenige, das mir noch aus dem GK Deutsch am Gymnasium bekannt ist. Die damals gelesenen Gedichte hatte ich in sehr positiver Erinnerung, und so wollte ich gerne mehr über Rilke erfahren. Allerdings wurde mir sehr schnell klar, dass ich nicht Zielgruppe dieses Büchleins bin. Auch wenn Clemens J. Setz erstaunlich humorvoll und lebendig schreibt, sollte man doch bereits über ein größeres Vorwissen zu Rilkes Leben und Werk verfügen, um seine Ausführungen zur Gänze verstehen zu können. An einigen Stellen kann ich auch die Argumentation des Autors nicht nachvollziehen, insbesondere, was die These betrifft, dass Puppen und Kuscheltiere viel Liebe empfangen, aber nichts zurückgeben würden, und Puppen für Kinder gar „etwas wie Drogen [sind], von deren Wirkung sie nie mehr ganz genesen“. Das erscheint mir doch etwas arg weit hergeholt und obendrein auch als These fragwürdig.
Insgesamt habe ich durch Clemens J. Setz‘ Werk einen interessanten Blick auf Rilke als Mensch bekommen, auch wenn er mich dadurch nun deutlich unsympathischer ist als zuvor.
Fazit: In erster Linie für Rilke-Kenner eine interessante Lektüre.

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