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Veröffentlicht am 07.02.2026

Sehr gelungen

Symbole der Macht - Band 1 : Das gestohlene Königreich
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Gute Steampunk-Geschichten sind eher selten, zumindest begegnen sie mir nicht so oft. Umso schöner, wenn einem dann eine wirklich gelungene über den Weg läuft. Genau so ging es mir mit Symbole der Macht. ...

Gute Steampunk-Geschichten sind eher selten, zumindest begegnen sie mir nicht so oft. Umso schöner, wenn einem dann eine wirklich gelungene über den Weg läuft. Genau so ging es mir mit Symbole der Macht. Diese Geschichte durfte ich schon vor langer Zeit als Testleser begleiten, und bereits damals mochte ich sie sehr. Jetzt zeigt sich: Das Gefühl von damals hat sich bestätigt.

Die Welt steht am Abgrund. Nach der Abdankung von Königin Victoria droht England unter den Einfluss der mächtigen Windasia Corporation zu geraten. In all dem politischen Trubel begleiten wir Captain John Harrison, der ehrlich gesagt schon bessere Tage erlebt hat. Sein Schiff ist marode, sein erster Offizier plant eine Meuterei und vor allem: seine Tochter ist verschwunden.

Die Suche nach ihr wird jäh unterbrochen, als ein Adliger John einen Deal anbietet. Hilfe bei der Suche nach seiner Tochter, im Gegenzug soll John einen mysteriösen Gegenstand stehlen, der die Windasia Corporation nachhaltig schwächen könnte. Notgedrungen sagt er zu, ohne zu ahnen, dass diese Mission alles andere als einfach wird.

Besonders überzeugt hat mich die Steampunk-Welt selbst: Luftschiffe, politische Intrigen, Verschwörungen und ein starkes, stimmiges Worldbuilding. Hier hat der Autor aus den Vollen geschöpft. Alles fühlt sich durchdacht an und macht einfach Spaß. Dazu kommt ein sehr angenehmer Schreibstil und Figuren, die Tiefe besitzen, glaubwürdig handeln und mehr sind als nur „Gut“ oder „Böse“.

Unterm Strich: Eine Steampunk-Geschichte, die mich absolut überzeugt hat: atmosphärisch, spannend und mit einer Welt, in der man sich gerne verliert.

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Veröffentlicht am 19.12.2025

Toller zweiter Band

Winterwölfe
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Meinen Fan Status zu Dan Jones kennt ihr ja inzwischen schon, kurz vorm Jahreswechsel habe ich aber noch ein Highlight aus dem Hause C.H. Beck. Mit „Winterwölfe“, dem zweiten Band der Essex-Dogs-Trilogie, ...

Meinen Fan Status zu Dan Jones kennt ihr ja inzwischen schon, kurz vorm Jahreswechsel habe ich aber noch ein Highlight aus dem Hause C.H. Beck. Mit „Winterwölfe“, dem zweiten Band der Essex-Dogs-Trilogie, geht es nach der Schlacht von Crécy direkt weiter. Die Engländer haben gesiegt, der Boden ist noch klatschnass vom Blut und trotzdem ist das Schlimmste noch lange nicht vorbei. Die erschöpften Söldner werden nicht nach Hause geschickt, sondern weiter nach Norden. Ziel: die reiche Hafenstadt Calais. Was folgt, ist kein schneller Feldzug, sondern monatelanges Ausharren im Dreck, im Hunger und in der Kälte.

„Winterwölfe“, erzählt den Hundertjährigen Krieg erneut konsequent aus der Sicht der einfachen Soldaten. Es gibt dabei keine Helden: Die Essex Dogs sind kaputt, körperlich wie seelisch. Süchtig, abgestumpft, teilweise einfach nur widerlich. Krieg macht hier niemanden edel, sondern frisst jeden Menschen auf. Jones verzichtet komplett auf Romantisierung und zeigt Männer, die durch ihre ganz persönliche Hölle gehen.

Im Vergleich zum ersten Band ist „Winterwölfe“ weniger actionreich, dafür deutlich intensiver. Der Fokus liegt stärker auf den Figuren und dem, was der Krieg aus ihnen macht. Die Belagerung von Calais ist dabei das bedrückende Zentrum des Romans: Hunger, Krankheit, Kanonenfeuer, sinnlose Befehle und das Leid der Zivilbevölkerung. Das Elend kennt keine Seiten und keine Grenzen.

Historisch ist das Ganze hervorragend erzählt. Die Kluft zwischen Adel und einfachem Soldaten, die völlige Austauschbarkeit menschlichen Lebens und das Ausgeliefertsein gegenüber absolut sinnlosen Befehlen ziehen sich durch das gesamte Buch.

Düster, brutal und stellenweise schwer auszuhalten, aber genau deshalb so beeindruckend. „Winterwölfe“ ist für mich eine konsequente Weiterentwicklung zum ersten Band und macht sehr neugierig auf das Finale der Reihe, „Löwenherz“ der im Frühjahr 2026 beim Verlag erscheinen wird.

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Veröffentlicht am 22.11.2025

Toller historischer Roman

Der Zauber der Edelsteine
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Man hat bei historischen Romanen ja oft sofort die üblichen Bilder im Kopf: alte Berufe, ein bisschen Herzschmerz, ein bisschen Drama, weite Landschaften. Aber Johanna von Wild zeigt, dass da noch viel ...

Man hat bei historischen Romanen ja oft sofort die üblichen Bilder im Kopf: alte Berufe, ein bisschen Herzschmerz, ein bisschen Drama, weite Landschaften. Aber Johanna von Wild zeigt, dass da noch viel mehr geht. Sie nimmt einen in „Der Zauber der Edelsteine“ mit in eine Welt, die so detailreich und lebendig erzählt ist, dass man sich selbst dabei erwischt, wie man gern mal einen Blick in die Werkstatt eines Edelsteinschleifers werfen würde.

Im Mittelpunkt steht Emilia, Tochter eines Edelsteinschleifers aus Waldkirch. Verliebt in Elias, den Lehrjungen ihres Vaters, aber gefangen in den Plänen der Erwachsenen. Der Vater steckt in Geldnöten und verspricht sie kurzerhand Paul Gabler. Als Elias das erfährt, bricht er auf, weil er spürt, dass er seinen eigenen Weg gehen muss. Seine Reise führt ihn bis nach Antwerpen, wo er bei einem jüdischen Diamantschleifer lernt, eine Welt, die ganz anders funktioniert als die Heimat, in der sich inzwischen politisch und handwerklich vieles verändert. Der Zusammenschluss der Steinschleiferbruderschaft mit den Freiburger Meistern sorgt für neue Spannungen und Umbrüche.

Auch Emilia erlebt Schicksalsschläge, trifft Entscheidungen, die sie nie treffen wollte, und heiratet schließlich Pauls Bruder. Während sie versucht, ihr Leben in neue Bahnen zu lenken, holt sie die Vergangenheit wieder ein, als Elias und Paul zurückkehren.

Was mich besonders überzeugt hat: Die Figuren wirken absolut authentisch. Die Orte sind atmosphärisch beschrieben und die Einblicke in die Welt der Edelsteinschleiferei sind nicht nur gut recherchiert, sondern auch spannend erzählt. Der Schreibstil ist locker und leicht, genau so mag ich es.

Im Nachwort zeigt die Autorin außerdem, welche Figuren und Ereignisse historisch belegt sind und wo die Fiktion beginnt. Solche Einordnungen geben dem Ganzen noch einmal richtiges Gewicht und zeigen, wie viel Arbeit und Recherche hinter dem Roman steckt.

Besonders gelungen fand ich, wie vielschichtig die Geschichte von Emilia und Elias erzählt wird. Neben den persönlichen Wegen bekommt man auch politische Entwicklungen, soziale Spannungen und die Bedeutung des Handwerks mit. Sogar die Käserei, ein Thema, das man hier vielleicht nicht erwartet hätte, fügt sich erstaunlich gut ein.

Am Ende bleibt für mich vor allem eins: ein Roman, der historische Atmosphäre, menschliche Schicksale und faszinierendes Handwerkswissen zu einer stimmigen und faszinierenden Geschichte verbindet. „Der Zauber der Edelsteine“ ist für mich eine klare Empfehlung für alle, die historische Romane mögen.

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Veröffentlicht am 17.10.2025

Starkes Debüt

Tod unter Wacholdern
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Ein Krimi, der uns direkt in die wunderschöne, aber auch geheimnisvolle Vulkaneifel entführt: das ist Tod unter Wacholdern, das Debüt von Jo Ann Martin. Auf den ersten Blick wirkt das kleine Dorf Loogh ...

Ein Krimi, der uns direkt in die wunderschöne, aber auch geheimnisvolle Vulkaneifel entführt: das ist Tod unter Wacholdern, das Debüt von Jo Ann Martin. Auf den ersten Blick wirkt das kleine Dorf Loogh friedlich, doch schon bald wird klar: Hinter den hübschen Fachwerkhäusern lauern dunkle Geheimnisse.

Ein Mann wird in einem Wacholderschutzgebiet tot aufgefunden, grotesk drapiert auf einer Bank. Kommissar Leo Werner aus Daun übernimmt die Ermittlungen, obwohl der Fall eigentlich nicht in seinen Zuständigkeitsbereich fällt. Doch irgendetwas an diesem Mord lässt ihn nicht mehr los. Der Tote war wohlhabend, besaß eine Villa in Südfrankreich und eine Geliebte. Nur: warum musste er sterben?

Während die Polizei noch im Dunkeln tappt, mischt sich Biologin Alex Cameron ein. Eigentlich wollte sie mit Freunden nur entspannte Wochenenden in der Eifel verbringen, doch als eine Nachbarin Opfer eines Stalkers wird, kann sie nicht länger tatenlos zusehen. Bald merkt sie, dass die Gefahr viel näher ist, als alle denken.

Was mich sofort überzeugt hat, war die Atmosphäre. Jo Ann Martin fängt das Leben in der Eifel wunderbar ein: mit Dialekt, Eigenheiten und dieser Mischung aus Herzlichkeit und Verschwiegenheit, die man in kleinen Dörfern so gut kennt. Dazu kommt ein Schreibstil, der flüssig, klar und spannend ist. Die Kapitel sind kurz, die Perspektiven wechseln regelmäßig, das sorgt für einen tollen Lesefluss.

Besonders stark fand ich, wie realistisch die Autorin das Thema Stalking aufgreift. Sie zeigt, wie hilflos Betroffene oft sind, wenn Behörden nicht handeln, und wie schwer es ist, sich zu wehren. Und trotz der ernsten Themen kommt der Humor nicht zu kurz. Immer wieder gibt es kleine Szenen oder Dialoge, die auflockern. Dieser Balanceakt ist gut gelungen. Tod unter Wacholdern ist ein richtig gelungenes Krimidebüt, das mich sowohl durch die Story als auch durch das Setting begeistert hat. Es gibt viel Spannung, glaubwürdige Figuren und einen Hauch schwarzen Humor. Absolut lesenswert.

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Veröffentlicht am 14.10.2025

Richtig gut

KRYONIUM
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Was, wenn du eines Tages in einem Schloss aufwachst: ohne Erinnerung und ohne Vergangenheit? Genau hier beginnt KRYONIUM. Der (noch) namenlose Erzähler erwacht in einem Schloss, das sich verändert wie ...

Was, wenn du eines Tages in einem Schloss aufwachst: ohne Erinnerung und ohne Vergangenheit? Genau hier beginnt KRYONIUM. Der (noch) namenlose Erzähler erwacht in einem Schloss, das sich verändert wie ein lebendiges Wesen. Räume verschieben sich, Türen verschwinden wieder und außerhalb des Schlosses wartet ebenfalls nichts Gutes. Das Schloss scheint ein eigenes Bewusstsein zu haben, als würde es mit ihm spielen, ihn prüfen, ihn festhalten wollen.

Der Einstieg war für mich noch etwas holprig, fast märchenhaft, aber dann hat mich die Geschichte gepackt und nicht mehr losgelassen. KRYONIUM ist kein Thriller, kein Science-Fiction-Abenteuer, sondern etwas Drittes: ein philosophisches Kammerspiel über Erinnerung, Identität und die Frage, was uns zu dem macht, was wir sind.

Der Weltenbau ist unglaublich atmosphärisch. Zimmermann erschafft eine Welt, die gleichzeitig märchenhaft und technisch wirkt, als würde man zwischen Vergangenheit und Zukunft festhängen. Besonders beeindruckend fand ich die Sprache. Mal feierlich und altmodisch, dann wieder präzise. Ich musste mich anfangs einlesen, aber danach floss der Text ganz natürlich. Man streift mit dem Erzähler durch das endlose Schloss, sucht nach einem Hinweis, einer Tür, einem Ausweg, oder vielleicht nach sich selbst.

Das Cover möchte ich an dieser Stelle wirklich loben: die Schneekugel, das Schloss, der Schlüssel mit der Nummer 1001, alles passt perfekt zur Geschichte.

KRYONIUM ist ein modernes Märchen, aber kein verträumtes. Es ist kühl, klar, manchmal beängstigend, aber immer auch faszinierend. Es spielt mit Wahrnehmung, Virtualität und der Frage, was Erinnerung eigentlich bedeutet. Nichts ist so, wie es scheint und jedes Mal, wenn man glaubt, etwas verstanden zu haben, entgleitet einem die Geschichte wieder. Großartig.

Wer beim Lesen gerne denkt, wer Sprache liebt und sich auf etwas Experimentelles einlässt, sollte hier unbedingt zugreifen.

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