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Veröffentlicht am 16.02.2026

Zeitloser Literaturklassiker

Limitierte Sonderausgabe: Stolz und Vorurteil
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Seit über zweihundert Jahren bringen die Familie Bennet, Mr. Darcy, Mr. Bingley,
Mr. Collins und auch Lady de Bourgh Leser:innen zum Schmunzeln, Nachdenken, Lachen und teils auch zum Fremdschämen. Spitzzüngig, ...

Seit über zweihundert Jahren bringen die Familie Bennet, Mr. Darcy, Mr. Bingley,
Mr. Collins und auch Lady de Bourgh Leser:innen zum Schmunzeln, Nachdenken, Lachen und teils auch zum Fremdschämen. Spitzzüngig, gesellschaftskritisch und mit scharfem Verstand und Witz erzählt Jane Austen aus dem Leben besser gestellten Gesellschaften in England zur Regency Zeit. Einer Zeit in der Ehen größtenteils arrangiert und zum Vorteil beider Familien eingegangen wurden, echte Liebesheiraten selten waren und die einzigen Aufgaben und Sorgen Mütter höher gestellten Töchtern waren, die jungen Damen gut zu verheiraten.

So auch Mrs Bennet. Dabei ist sie dermaßen taktlos, engstirnig und dümmlich, dass es schon wieder lustig wird. Zum Glück hat Elizabeht Bennet den Verstand und die Weitsichtigkeit von ihrem Vater geerbt. Sie lässt sich vom Charakter ihrer Mutter weder einschüchtern noch beeinflussen. Auch Standesverhältnisse oder das männliche Geschlecht lassen sie nicht davon abhalten, ihre Meinung klar und deutlich zu äußern und mehr als einmal einen Heiratsantrag abzulehnen, sehr auf Kosten der Nerven ihrer Mutter. Ihre Offenheit und ihr unkonventionelles Wesen beeindruckt Mr. Darcy von Beginn weg. Nur hat Elizabeth Vorurteile ihm gegenüber. Sie sieht in Mr. Darcy einen großmütigen, stolzen und unnahbaren Mann, der ihr unsympathisch ist, gegen diesen sie eine Abneigung entwickelt und dies ihm direkt mitteilt. So schnell lässt sich Mr. Darcy jedoch nicht abservieren und Elizabeth sieht mehr und mehr seinen wahren Charakter, der hinter seiner stolzen Fassade steckt.

Vorurteile – auch vor über zweihundert Jahren schon ein Thema und damals wie heute nicht zielführend. Werden wir je eine Gesellschaft ohne Vorurteile werden? Wahrscheinlich nicht! Solange werden auch Geschichten wie Stolz und Vorurteil ihre Aktualität in gewissen Themen beibehalten.

Der altertümliche Schreibstil war für mich zu Beginn etwas gewöhnungsbedürftig, danach aber habe ich diesen Literaturklassiker voll und ganz genossen und bin gerne in das noble England zur Regency Zeit eingetaucht.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Schöne Liebesgeschichte ohne Eile

Slow Dance
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Die ganz große Liebe, ihr Herzensmensch, der Mensch dem Shiloh am meisten vertraut ist schon seit ihrer Schulzeit nah bei ihr, in ihrem Leben. Cary. Der Grat zwischen Freundschaft oder doch mehr ist vor ...

Die ganz große Liebe, ihr Herzensmensch, der Mensch dem Shiloh am meisten vertraut ist schon seit ihrer Schulzeit nah bei ihr, in ihrem Leben. Cary. Der Grat zwischen Freundschaft oder doch mehr ist vor allem an der Schwelle zum Erwachsen werden schmal. Anziehung und Vertrauen gegenüber der Angst vor Verlust. Und dann trotzdem Funkstille, ganze 14 Jahre lang.

Dieses Buch ist eine schöne Slow Romance mit RomCom Flair. Die Geschichte ist nicht oberflächlich und voller Spice, nein, sie ist tiefgründig und echt. Es bleibt während des Lesens genug Zeit Shiloh und Cary wirklich kennenzulernen, ihre Wesen, ihre Charaktere zu verstehen und ihre Ängste, ihre Zweifel, vor allem jedoch ihre Vertrautheit und die immer vorhanden gewesene gegenseitige Anziehung zu spüren. Die Geschichte ist echt, fern von Utopien und Wunschvorstellungen, sie könnte sich genau so im wahren Leben abspielen. Durch die Erzählungen auf zwei Zeitebenen begleitet man Shiloh und Cary durch ihr ganzes Leben und fühlt sich ihnen nah.

Neben den Charakteren mochte ich auch das amerikanische Kleinstadtsetting. Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten wo dennoch viele Menschen nie aus ihrem Dorf, ihrer Kleinstadt herauskommen.

Vielleicht wäre das Buch auch mit 100 Seiten weniger (es hat 470 Seiten) ausgekommen, am Schluss jedoch hat es für mich genau so gepasst wie es geschrieben ist. Dank dem leichten und immer wieder witzigen Schreibstil kommt keine Langeweile auf.

«Aber jedes Mal, wenn du mir erklärst, was wir alles für Probleme in der Zukunft haben werden, denke ich immer nur daran, was für ein Glück ich habe, dass wir überhaupt eine Zukunft zusammen haben. Endlich.»

Und ja, am Schluss wartet ein Happy End. So schön!

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Veröffentlicht am 15.01.2026

Macht nachdenklich aber auch dankbar

Das Jahr ohne Sonne
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Als Kind hat sie einfach so in den Tag hineingelebt, die Sonne ging auf, die Sonne ging unter, die Jahreszeiten kamen und gingen. Im vergangenen Jahr hat sie erfahren, dass nichts selbstverständlich ist. ...

Als Kind hat sie einfach so in den Tag hineingelebt, die Sonne ging auf, die Sonne ging unter, die Jahreszeiten kamen und gingen. Im vergangenen Jahr hat sie erfahren, dass nichts selbstverständlich ist. – aus «Das Jahr ohne Sonne»-

In Indonesien brach im Frühjahr 1815 der Vulkan Tambora aus. Seine heftigen Eruptionen hatten eine globale Klimaveränderung zur Folge. Das Jahr 1816 ging als das Jahr ohne Sonne in die Geschichte ein. Es regnete, stürmte, schneite bis in den Hochsommer hinein. Ernten waren unterdurchschnittlich oder fielen ganz aus, die Teuerung hielt bald Einzug und die Leute, allen voran die einfachen Arbeiter und Arbeiterinnen, hungerten von Monat zu Monat mehr. Die Menschen konnten dieses Ereignis nicht einordnen, glaubten es liege an Gott oder den Himmelsgestirnen die ihnen nicht mehr gut gesinnt waren. Die Geschichte begleitet die junge Anna Kathrin Diem aus dem Appenzellerland, die Pfarrfrau Elisabeth Kuhn im Emmental und die Engländerin Mary Shelley. Die junge Appenzellerin Anna Kathrin und ihre Familie spürten als Bauers- und Webersleute die Hungersnot mit voller Wucht während die Pfarrerfamilie Kuhn im Emmental zwar die Not der Leute mitbekam, selber jedoch nicht hungern mussten und Mary Shelley verbrachte den dunklen, kühlen und verregneten Sommer 1816 zusammen mit ihrem Geliebten Percy Shelley und dem Dichter Lord Byron am Genfersee und wurde vom neblig-verhangenen Wetter zur Geschichte von «Frankenstein» inspiriert.

In der heutigen digitalen, modernen, überwachten und wissenschaftlich aufgeklärten Welt können wir uns ein solches Ereignis kaum vorstellen, bei welchem die Leute keinen blassen Schimmer hatten, warum auf einmal der Sommer und damit die Ernten ausblieben. Mit diesem Buch hat die Autorin eine beeindruckende Geschichte auf wahren Begebenheiten geschrieben. Sehr gut gefallen haben mir neben den Hauptcharakteren die eingebundenen Chroniken aus diesem Jahr ohne Sonne. Da die Hauptfiguren aus drei unterschiedlichen Gesellschaftsschichten stammen, wird deutlich, wie die gesellschaftliche Stellung darüber entschieden hat, wer Elend und Not erleben musste und wer dank seiner Stellung dennoch immer genug zum Leben hatte. Die Verflechtung von Wahrheit und Fiktion ergeben ein imponierendes Zeitdokument aus diesen beiden Jahren im 19. Jahrhundert voller Not, Hunger und Elend. Mich hat dieses Buch nachdenklich zurückgelassen, wie wir heute alles für selbstverständlich nehmen, aber auch sehr dankbar darüber, in unserer heutigen modernen Zeit leben zu können.

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Veröffentlicht am 12.01.2026

Ein besonderes Buch

Eden
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Ein Stück Land, eine renovationsbedürftige Hütte, ein Flüchtlingsjunge, die Sprachwissenschaftlerin Alba und die Liebe zur Linguistik, der isländischen Sprache und Island.

Warum genau Alba das Leben in ...

Ein Stück Land, eine renovationsbedürftige Hütte, ein Flüchtlingsjunge, die Sprachwissenschaftlerin Alba und die Liebe zur Linguistik, der isländischen Sprache und Island.

Warum genau Alba das Leben in Reykiavik hinter sich lässt, aufs Land zieht und dort vorhat, mehr oder weniger Selbstversorgerin zu werden, wird im Buch nicht deutlich beantwortet. Ist es wegen ihrer Affäre zu einem jungen Lyriker? Ist es um ihren klimatischen Fußabdruck zu verringern? Oder ist Alba einfach an einem Punkt in ihrem Leben angekommen, in welchem sie noch einmal eine andere Richtung in ihrem Leben einschlagen will? Das naturnahe, etwas abgeschiedene Leben in einer Dorfgemeinschaft in welcher getratscht wird, wo jeder und jede über jeden und jede Bescheid zu wissen glaubt, sagt Alba zu. Danyel, der wissbegierige Flüchtlingsjunge, der trotz des isländischen Wetters nicht mehr von der Insel wegziehen will, erobert sich in kurzer Zeit einen Platz in Albas Leben. Alba arbeitet freiberuflich weiterhin als Korrekturleserin, unterrichtet Flüchtlinge in der isländischen Sprache, will ihr Stück Land aufforsten und beginnt Gemüse anzubauen (was im rauen isländischen Klima nicht einfach ist). Es scheint, Alba ist mit ihrem genügsamen, bescheidenen Leben glücklich und bei sich angekommen.

An den gewöhnungsbedürftigen Schreibstil, der in kurzen Kapiteln gehalten wird und bruchstückhaft aus Albas Leben erzählt, musste ich mich erst gewöhnen. Er verkörpert für mich jedoch perfekt die raue, karge Landschaft Islands und auch die Mentalität der Isländer. Rau. Stark. Freundlich. Hilfsbereit. Das Buch ist eine Liebeserklärung an die isländische Sprache, an aussterbende Sprachen und an die Linguistik. Ausgewählte sprachliche Anekdoten bereichern dieses Buch. So habe ich gelernt, dass es im Isländischen keinen Z gibt, dass es in China eine Sprache gab, die nur Frauen verstanden und dass heimili im Isländischen für Zuhause steht. Schön oder? Das Buch lädt auch ein, sich über unser oft hektisches Leben, einen Alltag voller Termine Gedanken zu machen und ist nicht zuletzt eine Hommage an die Natur Islands. Ein Buch, das in mir noch eine Zeit lang nachhallen wird.

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Veröffentlicht am 08.12.2025

Schöner Abschluss der Buchtrilogie

Der Eispalast - Entscheidung aus Liebe
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Nach ihrer Zeit und der erfolglosen Suche nach ihrer Mutter in London kehrt Julianna nach über einem Jahr nach Wien zurück. Sofort ist sie wieder in das Leben, den Freundeskreis und an der Seite ihres ...

Nach ihrer Zeit und der erfolglosen Suche nach ihrer Mutter in London kehrt Julianna nach über einem Jahr nach Wien zurück. Sofort ist sie wieder in das Leben, den Freundeskreis und an der Seite ihres Verlobten Leo integriert. Zusammen mit Leo setzt sie alles daran, den Eispalast – die erste indoor Kunsteis-Eisbahn in Wien – fertigzustellen. Das Geld ist knapp und die Zeit drängt. Um Leo auch finanziell ein wenig unterstützen zu können, arbeitet Julianna in einer Ziegelfabrik und kämpft schon bald gegen die dort herrschenden menschenverachtenden Arbeitsbedingungen. Juliannas Freundin Nikolett schafft es, sich als höhere Tochter von den Fesseln und Erwartungen ihrer Mutter zu lösen. Sie entscheidet sich für ein einfaches Leben an der Seite ihrer Liebe Janós, auch wenn dies bedeutet mit ihrer Familie zu brechen. Zu Juliannas missfallen hat sich Leo in ihrer Abwesenheit mit Katalina angefreundet, die durch wiederholtes intrigantes Verhalten in Kauf nimmt, das Leben von zwei Menschen zu zerstören. Und Julianna findet heraus, dass ihre Wurzeln näher liegen als sie sich je hätte vorstellen können.

Auch der dritte und letzte Band der Eispalast-Trilogie konnte mich überzeugen. All den Protagonist:innen aus dem ersten und zweiten Band noch einmal zu begegnen hat mir sehr gefallen. Wie die beiden vorgängigen Bände handelt auch der dieser in weiten Teilen von den gesellschaftlichen Unterschieden, vom Beginn des langen Weges der Gleichberechtigung sowie dem Kampf für fairere Arbeitsbedingungen. Dass sich der Freundeskreis rund um Julianna und Nikolett aus Menschen aller Gesellschaftsschichten zusammenstellen, hat mir in dieser Trilogie besonders gut gefallen. Zu Beginn fehlte mir der Eiskunstlauf, der in den beiden vorgängigen Büchern sehr zentral ist, ein wenig. Die Erzählperspektiven aus Sicht der drei Hauptprotagonist:innen machen das Lesen kurzweilig und abwechslungsreich. Das Buch ist ein schöner Abschluss der Buchtrilogie über gesellschaftliche Unterschiede, starke Frauen, die für ihre Rechte kämpfen, über Freundschaft, mit einer wundervollen Liebesgeschichte auf Augenhöhe sowie den Einblick in die schillernde, glitzernde Welt des Eiskunstlaufs Anfang des 20. Jahrhunderts.

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