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Veröffentlicht am 28.12.2024

Immer noch eine interessante Fortsetzung, aber doch schwächer als der erste Teil

Kings of Cypress Pointe - Bitter Regrets
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Obwohl ich der Zielgruppe längst entwachsen bin, lese ich Geschichten, die für junge Erwachsene geschrieben sind, hin und wieder sehr gern. Nachdem ich dieses Jahr bereits den Auftakt der Reihe um die ...

Obwohl ich der Zielgruppe längst entwachsen bin, lese ich Geschichten, die für junge Erwachsene geschrieben sind, hin und wieder sehr gern. Nachdem ich dieses Jahr bereits den Auftakt der Reihe um die Golden Boys, von der im Original bereits 6 Bände erschienen sind, in deutscher Übersetzung gelesen hatte und dieser mir richtig gut gefiel, wollte ich unbedingt wissen, wie es weitergeht.

Blue ist am Boden zerstört. Nicht nur, dass sie West auf den Leim gegangen ist und er sie danach fortschickte, das Ganze wurde auch noch ohne ihr Wissen gefilmt und dann veröffentlicht. So führt sie plötzlich die Rosa Liste der leicht zu habenden Mädchen der Schule an, steht ein Vergehen vor dem Rauswurf aus der Schule und auch ihre jüngere Schwester Scar hat darunter zu leiden. West wiederum ist nahezu unbeschadet davongekommen. Für Blue ist der berüchtigte Quarterback der Cypress Prepp gestorben und lediglich ihre Wut auf ihn hält sie aufrecht. Doch West lässt sie nicht in Ruhe und versucht hartnäckig sich mit ihr zu versöhnen. Kann es sein, dass tatsächlich nicht er hinter der Veröffentlichung des Videos steckt, wie er so vehement behauptet?

Auch dieses Buch ist wieder abwechselnd aus den Perspektiven von Blue und West in der ersten Person verfasst. Obwohl der Schreibstil durchaus wieder flüssig und gut lesbar war, schlichen sich hier, im Gegensatz zum Vorgänger, doch hin und wieder Längen ein. Das lag meiner Meinung nach vor allem daran, dass sich fast alles um das Drama zwischen Blue und West drehte, während die anderen interessanten Figuren noch kleinere Nebenrollen spielten, als im ersten Teil.

Konnte ich mich noch im ersten Teil immer richtig gut in Blue hineinversetzen, war das diesmal leider häufiger nicht so ganz der Fall. Ich verstand zwar, dass sie aufgrund der Situation hin- und hergerissen ist, empfand aber etliche ihrer Reaktionen entweder als zu nachgiebig oder gleich wieder überzogen. Gut gefiel mir zwar die Entwicklung von West. Allerdings nervte mich auch hier, dass um sein Geheimnis aus der Vergangenheit lange Zeit nur herumgeredet wurde. Dieses wurde später dann zwar aufgelöst, alles in allem hätte dem Spannungsbogen im Buch aber auch hier eine Straffung gutgetan.

Die Posts der nach wie vor anonym bleibenden Klatsch-Influencerin QweenPandora hatten für mich diesmal auch einiges an Biss verloren. Hier war es übrigens immer noch so, wie im ersten Teil, dass mir gar nicht gefiel, dass diese als Bilder ins eBook eingefügt sind. Das Vergrößern – ohne war die Schrift für mich überhaupt nicht lesbar – empfand ich auf meinem etwas mehr als 4 Jahre alten eBook-Reader als sehr umständlich. Hier hätte mir normale Schrift, mit entsprechender Kennzeichnung vorher, deutlich besser gefallen.

Insgesamt habe ich zwar auch diesen 2. Teil wieder gern gelesen. Der böse Cliffhanger am Ende und die vielen noch immer unbeantworteten Fragen sorgen auch dafür, dass ich nun gespannt auf Teil 3 warte (der soll am 28.03.2025 erscheinen) und unbedingt wissen möchte, wie die Geschichte weitergeht. Im Vergleich zum ersten Teil, bei dem ich das Lesen jedes Mal nur unwillig unterbrach, fand ich den zweiten Teil jedoch schwächer und legte ihn etliche Male - von der Handlung genervt - für eine Pause aus der Hand. Ich denke auch, dass man vieles nicht richtig deuten kann, wenn man den ersten Teil der Reihe nicht gelesen hat.

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Veröffentlicht am 30.09.2024

Ich empfand etliche Längen, erst am Ende wurde es sehr spannend

The Monet Family – Shine Bright Like a Treasure
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Obwohl der Zielgruppe längst entwachsen, greife ich immer mal wieder gern zu Büchern, die eigentlich für Jugendliche geschrieben wurden. Dieses Buch hier, als Auftakt einer Trilogie entdeckte ich bei NetGalley. ...

Obwohl der Zielgruppe längst entwachsen, greife ich immer mal wieder gern zu Büchern, die eigentlich für Jugendliche geschrieben wurden. Dieses Buch hier, als Auftakt einer Trilogie entdeckte ich bei NetGalley. Mir gefiel das Cover und der Klappentext reizte mich ebenfalls. So fragte ich ein Rezensionsexemplar an und freute mich, es kurze Zeit später auf meinen Kindle laden zu können.

Die fast 15-jährige Hailie Monet lebte bis vor Kurzem in England zusammen mit ihrer Mutter und Großmutter. Sie hatte ein relativ bescheidenes, aber überaus liebevolles Zuhause. Plötzlich ändert ein tragischer Autounfall alles. Die beiden wichtigsten Menschen ihres Lebens starben. Dann erfährt sie, dass sie fünf ältere Halbbrüder in Amerika hat. Vincent, der Älteste von ihnen, ist ihr neuer gesetzlicher Vormund ist und sie zieht zu ihnen.

In Pennsylvania hat sie dann nicht nur ihre Brüder, sondern ein komplett neues Leben in purem Luxus. Gefühlstechnisch ist sie jedoch einsam, wie nie zuvor. Sie fühlt sich als Fremdkörper. Die Brüder sind ihr gegenüber eher unnahbar, stellen für sie strenge Regeln auf und überwachen jeden ihrer Schritte. Angeblich zu ihrer eigenen Sicherheit. Doch warum? Was gibt es für dunkle Geheimnisse, die vor ihr verborgen werden?

Der Einstieg in dieses Buch, das in der ersten Person aus der Perspektive von Hailie und in einfacher, bildhafter Sprache geschrieben ist, fiel mir sehr leicht. Dass sie so plötzlich mutterseelenallein auf der Welt ist, berührte mich und ich hoffte, dass sie bei ihren Brüdern ein gutes Zuhause findet. Auch nach ihrer Ankunft in Amerika war ich gespannt, wie sich das junge Mädchen einleben würde. Allerdings dauerte es dann nicht lange, bis die Handlung mich leicht zu nerven begann. Ich hatte das Gefühl, dass lange Zeit irgendwie alles gleich ablief, nur in anderen Situationen. Hailie verstößt (teils bewusst) gegen die ihr aufgestellten Regeln und ihr großer Bruder rügt sie dafür, aber ansonsten passiert nichts.

Es wurden dabei zwar etliche Themen angesprochen, die Teenager tatsächlich bewegen oder die sie bewegen sollten, aber der immer gleiche Ablauf bei der Behandlung jedes dieser Themen, sorgte dafür, dass ich etliche Längen empfand. Außerdem hatte ich nicht nur das Gefühl, dass die Brüder ihr gegenüber unnahbar waren, sondern auch, dass Hailie selbst, außer zu jammern, nichts tat, um die Beziehung zu ihnen zu verbessern. Hin und wieder wurde zwar geschrieben, dass sie ihre Mutter vermisst und Angst hatte, weggeschickt zu werden und zu Pflegefamilien zu kommen, aber wirklich fühlen konnte ich das nicht.

Ich fragte mich beim Lesen lange Zeit immer wieder, warum sie selbst nicht nach diesem oder jenem fragt, um ihre Brüder besser kennenzulernen und hätte mir gewünscht, dass auch mir als Leserin etwas mehr über die Familiengeschichte bekannt wird. Selbst jetzt, nachdem ich das Buch ausgelesen habe, weiß ich noch nicht, warum sie ihren Vater nicht kannte und woher ihre Brüder - oder zumindest die beiden Älteren – überhaupt von ihr wussten. Eine ganze Zeit lang las ich selbst immer nur weiter, in der Hoffnung darüber irgendetwas zu erfahren, aber das passierte nicht. Dafür gab es einige Szenen, in denen die noch minderjährigen Brüder mit, meiner Meinung nach, unangemessener Gewalt reagierten und dies von den erwachsenen Brüdern toleriert und gebilligt wurde.

Trotzdem wurde die Geschichte im letzten Drittel noch richtig spannend, als auch für mich fühlbare Gefahrensituationen auftraten, die höchstwahrscheinlich mit den (mir ebenfalls noch immer unbekannten) Geschäften der Familie Monet zusammenhängen und der Cliffhanger am Ende sorgte auch dafür, dass ich wirklich gern wissen möchte, wie es mit Hailie und ihren Brüdern weitergeht und warum es einige Leute zu geben scheint, die ihnen richtig schaden wollen und selbst vor Mord nicht zurückschrecken. Insgesamt kann ich mir durchaus vorstellen, dass das Buch bei der Zielgruppe ankommt. Diese wird wahrscheinlich auch weniger hinterfragen, als ich in meinem „hohen“ Alter.

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Veröffentlicht am 27.04.2024

Es dauerte ziemlich lange, bis die Geschichte Fahrt aufnahm, insgesamt gefiel sie mir dennoch

Just Another Missing Person – Findest du sie, wirst du alles verlieren
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Kürzlich entdeckte ich diesen Thriller bei NetGalley. Da mich der Klappentext reizte, fragte ich ein Rezensionsexemplar an und freute mich, es kurze Zeit später auf meinen Kindle laden zu können.

Als ...

Kürzlich entdeckte ich diesen Thriller bei NetGalley. Da mich der Klappentext reizte, fragte ich ein Rezensionsexemplar an und freute mich, es kurze Zeit später auf meinen Kindle laden zu können.

Als die junge Frau Olivia wird vermisst wird DCI Julia Day mit der Leitung der Ermittlungen betraut. Der Fall erinnert Julia sehr stark, an einen Vermisstenfall vor einem Jahr. Dennoch ist er ganz anders als all ihre Fälle zuvor, denn ein Maskierter lauerte ihr in ihrem Auto auf. Er verlangte von ihr, falsche Beweise zu platzieren, um den Verdacht auf einen ganz bestimmten jungen Mann zu lenken und ihn des Mordes anzuklagen. Sollte sie das nicht tun, wollte der Erpresser dafür sorgen, dass ein von ihr vertuschter Vorfall ans Licht kommt, der ihre Tochter ins Gefängnis bringen und Julia die Karriere kosten würde…

Nun habe ich das Buch ausgelesen und bleibe etwas zwiegespalten und nachdenklich zurück. Ich brauchte relativ lange, um in die Geschichte so richtig hineinzufinden. Sie wird aus den Perspektiven von drei verschiedenen Protagonisten erzählt. Für Julia wird die dritte Person verwendet, während Emma (die Mutter des Verdächtigen) und Lewis (als Vater einer vermissten jungen Frau) in der ersten Person zu Wort kommen. Obwohl ich die Geschichte durchaus recht flott lesen konnte, empfand ich den Schreibstil anfangs irgendwie kalt und unpersönlich. Die Autorin verwendet relativ kurze Sätze, knallte mir damit die Fakten um die Ohren und ich hatte einige Mühe, mit den Charakteren warm zu werden.

In der ersten Hälfte nervten mich vor allem die Erzählungen über Julia, weil ich oft das Gefühl hatte, dass ihr persönliches Dilemma immer wieder nur mit anderen Worten erzählt wird und nichts vorangeht. Auch den Vorfall, der Julia erpressbar machte, fand ich erst mal doof. Für mich persönlich war der ein klarer Fall von Notwehr und ich konnte ihr Verhalten von damals erst einmal überhaupt nicht verstehen. Das ließ mir dann auch in einer Lesepause, in der ich sogar über einen Abbruch des Buches nachdachte, keine Ruhe und ich recherchierte ein bisschen im Internet. Zu meinem Erstaunen musste ich dabei feststellen, dass die Notwehr nach englischem Recht dann doch nicht so eindeutig ist und die Befürchtungen Julias für ihre Tochter nicht aus der Luft gegriffen waren. Unter diesem Aspekt konnte ich ihr Handeln als Mutter dann doch sehr gut nachvollziehen und ich las weiter.

Emma war mir persönlich lange Zeit am nächsten und ich war, während sie zweifelte, echt froh, dass ich nicht in ihrer Haut stecke. Zur Identität des maskierten Erpressers hatte ich tatsächlich gleich den richtigen Riecher. Mit Lewis führte mich die Autorin allerdings lange Zeit ganz schön an der Nase herum. Dennoch kam bei mir erst in dem Moment wirklich Hochspannung auf, als ich begriff, um wen es sich bei ihm tatsächlich handelt. Ab diesem Zeitpunkt war es dann auch so, dass sich die Ereignisse nahezu überschlugen, die Geschichte mehrere unerwartete Wendungen nahm, ich das Buch nicht mehr aus der Hand legen konnte und früher gelesene Passagen, die ich als etwas langatmig oder verwirrend empfand, plötzlich einen Sinn ergaben. Auch das Ende hat mich noch mal überrascht, aber auch sehr nachdenklich gemacht.

Insgesamt hat mir die Geschichte, vor allem wegen des letzten wirklich spannenden Drittels, dann doch ganz gut gefallen und ich bin froh, dass ich mich bis dahin durchgekämpft und nicht abgebrochen habe.

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Für mich ist dieses Buch kein würdiger Abschluss der vorher so spannenden Reihe

Oxen. Interregnum
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Es ist tatsächlich schon wieder mehr als 2 Jahre her, dass ich mit dem 6. Teil der Reihe um den ehemaligen dänischen Elitesoldaten Niels Oxen in die Reihe einstieg. Seitdem habe ich mir die Vorgänger alle ...

Es ist tatsächlich schon wieder mehr als 2 Jahre her, dass ich mit dem 6. Teil der Reihe um den ehemaligen dänischen Elitesoldaten Niels Oxen in die Reihe einstieg. Seitdem habe ich mir die Vorgänger alle gekauft, jedoch noch nicht komplett gelesen. Dennoch konnte ich nicht widerstehen, anzufragen als vor einigen Wochen bei NetGalley dieser neuste 7. Teil in deutscher Übersetzung als Rezensionsexemplar angeboten wurde und ich freute mich sehr, dass ich das Ebook kurze Zeit später auch schon bestätigt bekam.

Axel Mossman, ist für kurze Zeit als kommissarischer Leiter des PET zurückgekehrt und bestellt seine engsten Mitarbeiter – Margarethe Franck und den Soldaten Niels Oxen – zu einer geheimen Besprechung in seinen Keller. Er hegt den Verdacht, dass der zerschlagen geglaubte Danehof wiederaufgebaut wird und bittet die beiden um Hilfe, um diese gefährliche und mächtige Geheimorganisation endgültig zu bekämpfen.

Kurze Zeit später wird einer der vermeintlichen neuen Anführer in Schweden tot aufgefunden. Obwohl alles erst einmal nach einem Unfall aussieht, finden Margarethe und Oxen Hinweise darauf, dass es sich um einen gut vertuschten Mord handelt. Allerdings können sie der Person, die sie verdächtigen, diesen Mord in Auftrag gegeben zu haben, lange Zeit absolut nichts nachweisen. Erst als sie eine Verbindung zum ebenfalls als Selbstmord getarnten Mord an einem chinesischen Studenten herstellen können, erkennen sie ein Muster. Doch reicht das aus, um den Danehof endgültig zu vernichten?

Während ich den sechsten Teil damals nach einer kurzen Einlesephase kaum noch aus den Händen legen konnte, empfand ich diesmal etliche Längen und quälte mich auch ein wenig. Es war zwar nicht so, dass der Lesestoff für mich so uninteressant wurde, dass ich das Buch hätte abbrechen wollen, aber eben auch nicht so, dass ich – wie es beim Vorgänger und den anderen inzwischen gelesenen Teilen der Reihe war – Lesepausen nur ungern einlegte und während dieser dem Zeitpunkt entgegenfieberte, an dem ich wieder zum Buch zurückkehren konnte.

Obwohl mir der Schreibstil noch immer gefiel und mehrere Handlungsstränge, die parallel zueinander liefen, durchaus für Abwechslung sorgten, plätscherte es mir diesmal zu lange vor sich hin und das minderte bei mir die Spannung. Während ich die anderen Bücher der Reihe jeweils in zwei Tagen auslas und es mich nebenbei überhaupt nicht zu anderen Büchern zog, brauchte ich für dieses Buch hier insgesamt fast 3 Wochen und zog mir zwischendurch auch noch einige Graphic Novels mit rein.

Dass ich trotzdem immer wieder zu dem Buch zurückkehrte lag vor allem daran, dass ich das Ermittlertrio, ihre bekannten Helfer und auch Oxens Sohn Magnus in den Vorgängerbüchern, die ich bereits gelesen habe, liebgewonnen hatte, sie nach wie vor meine Sympathien haben und mir auch die neu dazugekommene Polizistin sehr sympathisch ist. Deshalb würde ich, auch wenn dieser Teil für mich der bislang schlechteste Teil der Reihe war, wieder zu einer weiteren Fortsetzung greifen.

Allerdings bin ich mir nach dem, was ich im Netz gelesen habe, nicht sicher, ob es eine Solche überhaupt geben wird. Denn da wurde geschrieben, dass es der letzte Teil der Oxen Reihe wäre und das wiederum fände ich sehr schade, weil ich das Gefühl habe, dass die Geschichte eben noch nicht auserzählt ist. Gerade in Bezug auf Oxen und Margarethe gibt es Einiges, was bislang ungesagt blieb und wenn das hier wirklich der letzte Teil sein sollte, empfinde ich ihn nicht als würdigen Abschluss der vorher so spannenden Reihe.

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Veröffentlicht am 26.01.2026

Mir fehlte in der Bildgeschichte die emotionale Nähe zu einzelnen jüdischen Familien an Bord

Die Irrfahrt der St. Louis
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Graphic Novels reizen mich immer wieder und ich bin auch der Meinung, dass von den Verbrechen der Nazis im vorigen Jahrhundert, besonders an der jüdischen Bevölkerung, immer wieder erzählt werden muss ...

Graphic Novels reizen mich immer wieder und ich bin auch der Meinung, dass von den Verbrechen der Nazis im vorigen Jahrhundert, besonders an der jüdischen Bevölkerung, immer wieder erzählt werden muss und, dass dieser Teil der deutschen Geschichte auch in den jüngeren Generationen nicht in Vergessenheit geraten darf. Als ich diese Graphic Novel bei NetGalley entdeckte, wollte ich sie gern lesen und anschauen. Daher freute ich mich sehr, als ich sie kurz nach meiner Anfrage als PDF auf meinen Rechner laden konnte.

Allerdings bin ich jetzt, nachdem ich damit fertig bin, ziemlich enttäuscht. In einer Graphic Novel erwarte ich davor und danach keine ellenlangen Texte am Stück, die mir die Geschichte erklären müssen, sondern, dass sich bei mir die Emotionen durch das Zusammenspiel der Texte und Bilder aufbauen und das war hier leider selten und irgendwie einseitig der Fall. Es wurden vor der Abfahrt der St. Louis zwar einige der jüdischen Familien namentlich in Bildern vorgestellt, bei denen in den von mir als wirklich gut empfundenen Zeichnungen durchaus zu sehen war, dass etwas passiert war, was diese Menschen verletzte oder, dass sie traurig sind. Aber welches Unrecht ihnen persönlich dabei gerade widerfuhr oder den Grund ihrer Traurigkeit, konnte ich allein aus diesen Bildern ohne Text nicht wirklich fühlen, so, dass sich bei mir auch keine emotionale Nähe zu diesen Protagonisten aufbaute.

Mir persönlich gingen zwar einige der Zeichnungen ohne Text – besonders die ganz am Anfang - trotzdem unter die Haut, allerdings eher, weil ich in den letzten fast 50 Jahren – also seit ich des Lesens mächtig bin - sehr viel über Einzelschicksale von Verfolgten des Nationalsozialismus gelesen oder auch in Filmen gesehen habe. Das haben jedoch viele junge Menschen meistens noch nicht und die Jugendlichen in meiner Familie oder meinem Freundeskreis lesen in Comics oder Graphic Novels – so wie ich es hier übrigens auch tat – erst einmal nur die Texte, die bei den Bildern stehen, überblättern lange Texte davor und hören am Ende der Zeichnungen mit den Texten auf. Lange Texte wie sie hier davor und danach stehen, lesen sie nur, wenn sie die, ich nenne es mal Bildgeschichte, richtig abgeholt hat und sie dann unbedingt noch mehr erfahren möchten.

Letzteres war selbst bei mir hier leider nicht der Fall und ich glaube auch nicht, dass es meinen 16-jährigen Enkeln anders ginge. Ich empfand das, was den Menschen auf diesem Schiff durch die permanente Zurückweisung angetan wurde, zwar durchaus als schlimm und der Kapitän hatte für sein einfach nur menschliches Verhalten auch all meine Sympathien, aber dadurch, dass mir keiner der jüdischen Passagiere emotional so richtig nahegebracht wurde, war das für mich alles irgendwie trotzdem zu weit weg. Wäre das hier kein Rezensionsexemplar gewesen, hätte ich im Nachgang wahrscheinlich nicht mal die langen und durchaus wichtigen Texte vor und nach der Bildgeschichte gelesen.

Obwohl ich die Thematik an sich wirklich wichtig finde, fürchte ich, dass diese Umsetzung hier am Ziel vorbeigeht und Jugendliche oder Erwachsene in Sachen Antisemitismus nicht wirklich zum Nach- oder gar Umdenken bringt. Da haben mich andere Graphic Novels über Menschenrechtsverbrechen aus dieser schlimmen Zeit schon deutlich mehr mitgerissen.

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