Puuh, wirklich viele Gutes kann ich nicht zu dem Buch sagen, trotzdem habe ich es tatsächlich durchgelesen. Das lag am Weltenbau, nicht an Handlung und Charakteren.
Das Positive vorweg: der Weltenbau ...
Puuh, wirklich viele Gutes kann ich nicht zu dem Buch sagen, trotzdem habe ich es tatsächlich durchgelesen. Das lag am Weltenbau, nicht an Handlung und Charakteren.
Das Positive vorweg: der Weltenbau ist wirklich toll! Die Verbindung von Technik und Magie als Grundlage unseres heutigen Internetnetzwerkes ist richtig gut gelungen. Mir hat es Spaß gemacht, in den Kapiteleinführungen die Auszüge aus wissenschaftlichen Abhandlungen der Welt zu lesen.
Das war es leider auch schon mit dem Positiven.
Der Autor hat sich mit Frafa einer weiblichen Dunkelelfin als Protagonistin angenommen, aber mangelhaft dargestellt. Sie ist 1000 Jahre alt, aber es dreht sich bei ihr zu oft um... Männer. Für ein so altes Wesen zentriert sie ihre Handlungen zu sehr um sie, selbst das Wiedersehen mit einer alten Bekannten ist getrübt von der Liebe zum gleichen Mann. Das muss erstmal in einem "Bitchfight" geklärt werden, bevor wir wieder zur eigentlichen Handlung zurück kehren. Das ist traurig.
Die Gnome sind ja auch ganz witzig, aber richtig hilfreich sind sie nicht. Sie nerven, sorgen überwiegend durch ihren Blödsinn nur dafür, dass irgendwas schief geht und damit die Handlung weitergeführt werden kann.
Die Elfen sind überheblich, nicht viel hilfreicher als die Gnome, da sie sehr verbohrt sind. Immerhin sind sie magisch begabter.
Und dann kam das Ende, das ist einfach nur Hingeklatsche wirkt. Auf den letzten Seiten wurde sich etwas völlig Unpassendes zur vorherigen Handlung aus den Fingern gesaugt. Anstatt also die letzen 100 Seiten vor sich hin zu plätschern (trotz Action, aber sinnvolle ist das nicht), hätte hier doch etwas mehr Mühe nicht geschadet.
Zuerst einmal, was mir gefallen hat:
Ich habe die Leseprobe verschlungen! Raeve ist gewitzt, intelligent und mutig und die ersten 80 Seiten haben sich wie im Flug gelesen. Die Welt ist umfassend und der ...
Zuerst einmal, was mir gefallen hat:
Ich habe die Leseprobe verschlungen! Raeve ist gewitzt, intelligent und mutig und die ersten 80 Seiten haben sich wie im Flug gelesen. Die Welt ist umfassend und der Erzählstil ausführlich: Schnelle Szenen sollte man nicht erwarten, dafür erlebt man jedes Detail und erfährt die Beweggründe hinter Raeves Handlungen. Sie ist auf diesen Seiten eine richtige badass Assassinin, die nicht sauber und lieblich mordet wie viele andere Frauen, sondern dreckig und blutig und mit Gefühlen, die alles andere als „weiblich“ sind: Sie ist grausam und will Leid sehen. Auch das wird detailreich beschrieben und ist in dieser Situation passend und nachvollziehbar.
Die erste Begegnung mit Kaan findet bald nach dem ersten Mord statt, die Spuren des Mordes noch teilweise ersichtlich. Doch sie lässt sich nicht aus der Ruhe bringen, ist abgebrüht und windet sich erfolgreich aus der Situation heraus. Er ist danach erstmal wieder weg – das fand ich sehr gut. Viel zu oft sind die Hauptprotagonisten in einem Romantasy-Roman nach dem ersten Auftreten einfach gekommen, um zu bleiben.
Leider wendet sich das Blatt mit Raeves Befreiung aus der Gefangenschaft (die ich noch toll fand, da sie nicht wie die Prinzessin auf der Erbse in einer gemütlichen Zelle auf ihren Prinzen wartete, sondern körperlich und seelisch leiden musste). Auftritt Kaan die Zweite, Retter von Jungfrauen in Nöten, der nicht nur Raeve aus der Gefangenschaft befreit, sondern von nun an auch alle ihre Kämpfe fechtet. Ab jetzt ist Raeve als badass Assassinin abgemeldet, sie ist nur noch schmückendes, schmachtendes Beiwerk, das von Kaan mitgenommen wird, weil er es eben kann und die nicht zu stark ist, damit der Held in seiner Rolle als Retter glänzen kann. Anstatt sich zu befreien, als sich die Gelegenheit ergibt, erdolcht sie ihn lieber nicht, sondern wird von seinem guten Aussehen und seinem riesigen… ja genau das… sofort bekehrt, sodass sie ihn am liebsten umgehend besteigen möchte.
Anstatt sich zu befreien, als sich die Gelegenheit ergibt, erdolcht sie ihn lieber nicht, sondern wird von seinem guten Aussehen und seinem riesigen… ja genau das… sofort bekehrt, sodass sie ihn am liebsten umgehend besteigen möchte. Dummerweise klappt das aber nicht, weil sie ja doch nur oberflächliches Getüdelü möchte, er aber mehr und aufgrund verletzten Egos seilt sie sich jetzt doch ab und flüchtet. Und weil nicht klar ist, wie sie zu diesem Kriegerstamm kommen soll, zu dem sie eben für die Handlung soll, bedient man sich einfach der Amnesie und sie wird von Kriegern besagten Stammes aus einem Fluss gefischt. Wer braucht schon Handlung?
Nach den ersten starken 150 Seiten verkommt dieser Roman zu verkitschter Romantasy im Stile eines Groschenromans. Die beiden Protagonist*innen schmachten sich nur noch gegenseitig an, nähern sich an, stoßen sich wieder ab, ein langweiliges Geplänkel auf 600 Seiten ohne nennenswerte Handlung. Und die sich wiederholenden Beschreibungen nerven nur noch: Ja, Kaan ist muskulös, er muskelt so vor sich hin, dass ich jetzt jeden einzelnen Muskelstrang kenne. Und sein Dingens, das ist auch riesig! Monströs! Ein Prügel bis zum Boden! Da wird gleich der Schlüppi nass! Und sie begehren sich ja soooooo sehr, aber… außer dass sie sich auf jeder zweiten Seite anknurren, passiert nichts. Da kommt man sich vor wie in einem Hundezwinger.
Die letzten wenigen Seiten nehmen handlungstechnisch endlich wieder etwas Fahrt auf, kommen aber nicht an den Anfang heran. Es werden nochmal schnell ein paar neue Handlungsstränge reingeworfen, damit man merkt, dass es doch ein Reihenauftakt sein soll.
Allerdings hätte man das besser auf den 820 Seiten davor eingebaut, anstatt diese interessante Welt zu vernachlässigen und den Fokus auf Muskeln und knurrende Menschen zu legen.
Von mir 1,5 Sterne für den tollen Anfang einer Geschichte, deren komplettes Potenzial meiner Meinung nach verschenkt wurde.