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Brombeere

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 08.03.2026

ruhig und berührend

Moosland
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Worum geht es?
Elsa kommt nach dem zweiten Weltkrieg mit anderen deutschen Frauen nach Island, da es der Insel an Frauen fehlt. Ohne Sprachkenntnisse muss sie sich in dieser neuen Umgebung einleben.

Worum ...

Worum geht es?
Elsa kommt nach dem zweiten Weltkrieg mit anderen deutschen Frauen nach Island, da es der Insel an Frauen fehlt. Ohne Sprachkenntnisse muss sie sich in dieser neuen Umgebung einleben.

Worum geht es wirklich?
Freiheit, Vergangenheit und vorsichtige Bande.

Lesenswert?
Ja, habe ich sehr gerne gelesen. Die Handlung beginnt mit Elsas Ankommen auf Island, in einem kleinen Boot und fremden Menschen anvertraut. Sie soll sich als Magd / Haus- und Hofhilfe bei einer Familie nützlich machen.
Elsa ist eher zurückhaltend, scheu und von der eignen Vergangenheit traumatisiert. Sie spricht die Sprache nicht und zeigt auch nicht wirklich Interesse daran, auch wenn sich die Familie mit Handzeichen oder langsamen Erklärungen bemüht.
Allgemein ist der Umgang und die Situation auf dem Hof eher rau, doch meist wohlwollend.
Vor allem die Söhne und der Knecht versuchen Elsa zum reden zu motivieren, während die Mutter eher pragmatisch vorgeht und Elsa Dinge zeigt.
Mir hat Elsas Art sehr gefallen und die Art, wie man beim lesen zuerst genau so ratlos ist wie sie und dann immer mehr Worte versteht und auch sehr geschickt an die Schreibweise herangeführt wird. Diesen Aspekt fand ich wunderbar gelöst.
Elsa ist eine Beobachterin mit herzlichen Werten. Schritt für Schritt, wenn auch langsamer als manch andere Frau in der gleichen Situation, kommt sie in ihrem neuen Leben an.
Doch es gibt auch dunkle Momente, wenn alles über sie hereinbricht und sie sich ahnungslos und zurückgelassen fühlt.
Die zwischenmenschlichen Beziehungen sind sehr fein gewoben, werden schön aufgebaut.
Eigentlich passiert in diesem Buch handlungstechnisch nicht sehr viel und trotzdem geht im Inneren der Protagonistin viel vor sich.
Zu Beginn habe ich mich mit der Lektüre noch etwas schwer getan, aber dann war sie berührend und interessant zugleich und auch der geschichtliche Hintergrund hat mich interessiert.
Ich kann dieses Buch empfehlen, wenn man Rauheit mag, man sich für Sprache interessiert und vielleicht nebenbei auch über Dinge nachdenken möchte.

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Veröffentlicht am 27.02.2026

aufwühlend

Das gute Benehmen
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Worum geht es?
In den 1920ern versucht Aroon, eine Tochter aus gutem Hause, ihren Platz in der Welt zu finden. Doch sie ist zu laut, zu dick, zu viel und wird oft im Unklaren gelassen. Trotzdem sucht sie ...

Worum geht es?
In den 1920ern versucht Aroon, eine Tochter aus gutem Hause, ihren Platz in der Welt zu finden. Doch sie ist zu laut, zu dick, zu viel und wird oft im Unklaren gelassen. Trotzdem sucht sie sich ihren Weg.

Worum geht es wirklich?
Familiengeschichte, Unaussprechliches und den eigenen Platz.

Lesenswert?
Ja. Die ersten Seiten und Kapitel sind mir eher schwer gefallen, aber als ich einmal in der Geschichte drin war, konnte ich mich kaum davon losreißen und wollte unbedingt wissen, wie es weiter geht.
Molly Keane wurde 1904 geboren und starb in den 1990er Jahren. Sie begann früh unter Pseudonym zu schreiben, verfasste dann Jahrzehnte nichts mehr und kam 1981 mit dem vorliegenden Buch zurück.
Sprachlich (Übersetzung Bettina Abarbanell) ist die Lektüre nicht immer einfach, aber dran bleiben lohnt sich.
Aroon konnte ich als Protagonistin manchmal nur schwer ertragen, weil ich sie schütteln und rütteln wollte. Einerseits glaubt sie, dass sie stets zu viel von allem ist und zeitgleich möchte man sie anschubsen und sagen „GUCK HIN! SIEHST DU DAS NICHT?“. Da ist zum Beispiel der Vater, der ständig von Affäre zu Affäre treibt und Aroon zwar wohlwollend behandelt, sie aber auch nicht schützt. Da ist die stets abwesende und abweisende Mutter, die Aroon niedermacht und klein hält. Und da sind der Bruder und sein Freund, die Aroon ausnutzen während sie eigentlich aneinander interessiert sind.
Dinge werden nicht angesprochen, da das gute Benehmen über allem schwebt. Diese Heimlichkeit besteht auch gegenüber der lesenden Person, denn die Affären etc. sind nur durch den Subtext erkennbar und werden als solches eher nicht benannt.
Die unglaubliche Naivität, in der Aroon aufwächst, macht so wütend. Nicht auf Aroon, sondern auf die Zeit und die Situation und dass man dieser Protagonistin nicht einfach Platz und Ehrlichkeit entgegenbringen kann.
Ich würde dieses Buch definitiv empfehlen und hoffe, dass viele Leser*innen trotz Startschwierigkeiten dran bleiben!

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Veröffentlicht am 09.02.2026

gut für einen Einstieg

Gemüsepower
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Worum geht es?
Lucia Schauerhammer hat während der Corona-Pandemie mit einem Garden Market begonnen (also einer Fläche mit Direktvermarktung an den Endkunden) um sich und andere zu versorgen. Doch während ...

Worum geht es?
Lucia Schauerhammer hat während der Corona-Pandemie mit einem Garden Market begonnen (also einer Fläche mit Direktvermarktung an den Endkunden) um sich und andere zu versorgen. Doch während sie auf mittlerweile 4500qm gärtnert, lässt sich das Prinzip mit ihrer Anleitung auch super auf kleine Gemüsegärten anwenden.

Worum geht es wirklich?
Einklang, Vielfalt und leckere Dinge.

Lesenswert?
Ja, ein gutes Buch für den Einstieg oder wenn man seinen Garten ergiebiger gestalten möchte. Das Format des Buches ist angenehm, da es offen auf den Tisch gelegt werden kann während man die einzelnen Punkte durchliest.
Ebenso überzeugt mich die Mischung aus Informationen, Zeichnungen, Bildern und graphischen Elementen, die das ganze strukturieren. Für das Buch als Gesamtkonzept hätte ich mir jedoch mehr Ordnung gewünscht. So gibt es zum Beispiel für Februar/März und April/Mai jeweils zehn Aufgaben in einer Liste. Im Sommer und Herbst existiert diese Art der Auflistung dann nicht. Trotzdem sind alle Themen, die mir spontan für ein Buch für den Einstieg in den Sinn kommen, vorhanden.
Erntekalender und Mischkulturtabelle bilden eine schöne Option um die Innenseiten der Broschur zu füllen.
Die Rezepte, die die Autorin beisteuert, lockern das ganze schön auf.
Sprachlich und von der Menge der Informationen (pro Seite und pro Thema) ein angenehmes Buch.
Sehr schön ist zudem, dass Lucia zwar den Vorteil von machen Dingen hervorhebt (wie zum Beispiel Anzuchtlampen), es jedoch nicht als notwenig bezeichnet und somit keinen Kaufdruck auslöst.
Mir gefällt die Einstellung, die die Autorin in ihrem Buch vermittelt. Sie wirkt umsichtig und durchdacht, Fläche optimal aber nicht ausbeutend zu gestalten und legt Wert auf Nachhaltigkeit.
Ich würde das Buch empfehlen, wenn man sich an einen eigenen Gemüsegarten heranwagen möchte und mit socialmedia-tauglichen Bildern keine Berührungsängste hat.
Das Buch macht definitiv Lust auf Garten und Anbau und darauf viele Dinge auszuprobieren und davon zu lernen!

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Veröffentlicht am 08.02.2026

Was für ein Fest!

Das Kew Gardens Kochbuch
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Was erwartet einen?
Informationen zu den Küchengärten in Kew, der Arbeit dort und ganz viele thematisch sortierte vegetarische (oder vegane) Rezepte von bekannten Spitzenköchinnen.

Was habe ich bisher ...

Was erwartet einen?
Informationen zu den Küchengärten in Kew, der Arbeit dort und ganz viele thematisch sortierte vegetarische (oder vegane) Rezepte von bekannten Spitzenköchinnen.

Was habe ich bisher getestet?
Mehrere Hauptgerichte, die aber eher einfacher und deren Zutatenlisten kurz und überschaubar waren.

Was gefällt mir gut / hat mich positiv überrascht?
Das Buch ist thematisch nach zB Kräutern&Gewürzen und Getreide&Hülsenfrüchte gegliedert. Jedes dieser Themen ist farblich unterschiedlich dargestellt und beinhaltet ca. 10 Rezepte aus verschiedenen Bereichen: Es können Salate oder Hauptgerichte oder Backwerk oder auch Grundlagenherstellung wie Kimchi sein. Die Aufmachung ist sehr durchdacht und mit Sorgfalt gewählt. Auch die Informationsseiten zu den Themen und den Gärten an sich sind sehr spannend und informativ. Ergänzt wird das ganze durch eindrucksvolle Bilder. Die Rezepte selbst sind je eine Seite lang, beinhalten oft auch noch eine Information von dem Koch oder der Köchin. Man bekommt einen schönen Eindruck, welche Rezepte einen dann auch bei Einzelkochbüchern der entsprechenden Person erwarten würden. Die Rezepte sind übersichtlich gestaltet, die Zutatenliste erklärt manche Dinge auch näher, zB wo man sie erwerben könnte oder um was es sich handelt. Die Angabe zur Personenanzahl war bei den getesteten Rezepten korrekt und gut gewählt.
Wenn ein Rezept vegan ist, dann steht dies auch direkt gut ersichtlich über den Zutaten.

Was hat mir gefehlt?
Es gibt zwar Bilder zu den Rezepten, jedoch nicht bei jedem und manchmal kommt erst das Bild und dann das Rezept, manchmal anders herum. Irgendwie hätte ich mir hier zu jedem Rezept auch ein Bild gewünscht um eine Idee zu haben, wie das Ergebnis aussehen soll/wird.
Manche Rezepte sind hinsichtlich Zutaten sehr einfach und leicht einzukaufen, andere sind so speziell, dass ich sie glaube ich niemals machen werde.

Fazit:
Ein schönes Kochbuch mit interessantem Thema und vielen verschiedenen Köch
innen. Kann ich mir sehr gut als Geschenk vorstellen, wenn man mehr als nur Rezepte haben möchte und sich auch an schönen Bildern erfreut.
Ich denke, dass ich aus diesem Buch immer mal wieder etwas kochen werde.

Veröffentlicht am 08.02.2026

spannende Mischung

The Spirit Bares Its Teeth
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Worum geht es?
Silas, ein trans Jugendlicher, größtenteils ungeoutet, wird in eine Art Erziehungsheim für ungehorsame Mädchen gesteckt. Er ist lila-äugig, hat damit besondere Fähigkeiten, die als Mädchen ...

Worum geht es?
Silas, ein trans Jugendlicher, größtenteils ungeoutet, wird in eine Art Erziehungsheim für ungehorsame Mädchen gesteckt. Er ist lila-äugig, hat damit besondere Fähigkeiten, die als Mädchen aber gesellschaftlich zu nichts wert sind. Doch Silas ist neugierig und unnachgiebig und kommt dem Schrecken des Heimes auf die Spur.

Worum geht es wirklich?
Ungerechtigkeit, Loyalität und Freundschaft

Lesenswert?
Ja, habe ich sehr gerne gelesen und konnte ich auch kaum noch bei Seite legen als ich einmal mit der Lektüre begonnen hatte.
Die Welt, in der die Geschichte spielt, ist eine durchweg ungerechte. Für die gleiche Eigenschaft (violette Augen) werden Männer gefeiert und Frauen nur als Gebärmaschinen für weitere Kinder mit dieser Augenfarbe gesehen. Silas scheint der Weg als folgsame Ehefrau vorbestimmt zu sein, dabei will er viel mehr. Er ist interessiert an Chirurgie, eigentlich ein Junge/Mann und hat einen unstillbaren Wissensdurst. Sein Verhalten wird als Absonderlichkeit betrachtet und so kommt er in ein Heim.
Dabei lässt sich gar nicht in Worte fassen, wie grausam es dort zu geht und dass es im folgenden um Verletzungen, Qual und Erziehung gehen wird.
Die Idee hierzu ist durchaus an historische Begebenheiten angelehnt, was das ganze nur noch grausamer macht.
Durch Silas Interesse an Chirurgie und durch die Erziehungsmethoden gibt es ein paar eher eklige Szenen, wobei ich es nie als Ausschlachtung von Ekel wahrgenommen habe. Man sollte aber trotzdem etwas vorsichtig sein bei der Lektüre.
Silas selbst fand ich unglaublich toll, weil er so ein sympathischer und umsichtiger Mensch ist und dabei zeitgleich so mutig. Auch die anderen Figuren waren gut erdacht.
Sprachlich (Übersetzung Katrin Aust) wirklich sehr gelungen und sensibel, ich habe die Lektüre genossen.
Ein weiteres Highlight ist die Gestaltung des Buches, da es einige schwarze Seiten gibt mit einer anderen Art des Erzählers. Fügt sich in den Gesamtkontext wunderbar ein.
Das Buch würde ich sowohl für Jugendliche als auch für Erwachsene empfehlen, sofern man mit dem genannten Ekel umgehen kann. Dann ist es aber ein absolut lohnenswertes Buch!

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