Bombastische Fantasy
The strength of the few„Kette deinen Zorn in der Dunkelheit an, und er wird nur wachsen. Aber manchmal sind Ketten der einzige Weg.“
Mit „The strength of the Few“ holt uns James Islington genau da ab, wo er uns im ersten Teil ...
„Kette deinen Zorn in der Dunkelheit an, und er wird nur wachsen. Aber manchmal sind Ketten der einzige Weg.“
Mit „The strength of the Few“ holt uns James Islington genau da ab, wo er uns im ersten Teil seiner Hierarchy- Reihe zurückgelassen hat. Strauchelnd, voller Trauer und den Cliffhanger-Moment noch in den Gliedern - und er fordert den Leser mit neuen Überraschungen, mit neuen Komplexitäten und neuen Welten heraus. Wisst ihr was? Das hat mir nicht das geringste ausgemacht! Seine Bücher starre ich sehr gerne sprachlos an, während mein Hirn versucht die Tetrissteine in die richtigen Lücken zu bugsieren.
Ich hatte „Will of the many“ zuvor nicht noch einmal gelesen, sondern ein Bonuskapitel, in dem Vis, der Protagonist und Ich-Erzähler, monologartig die Ereignisse von Band eins noch einmal rekapituliert. Mir hat das als Einstieg vollkommen ausgereicht und mir auch die nötige emotionale Grundrichtung eingeflüstert. Ihr könnt das Bonuskapiteln im Netz finden.
Ich musste mich zunächst zurechtfinden und klammerte mich an die schon bekannte Welt (Res) und an die Truppe, die zu Freunden geworden war. Neben dieser römisch inspirierten Welt hatte Islington noch zwei andere in Petto - Obiteum, eine entfernt an das alte Ägypten erinnernde Welt und Luceum, wo Druiden und Clankämpfe an der Tagesordnung sind. Wir erkunden alle drei. Ich persönlich fühlte mich auch in allen dreien zuhause nach einer gewissen Schnupperzeit. Islington hat bewusst auf die drei Welten zurückgegriffen: Res kannten wir schon auf dem letzten Buch, Luceum ist dem Fantasyleser bekannt mit seinen Driuden, Speeren und dem englisch-irischen Setting - so blieb für ihn eigentlich nur noch Obiteum, das er erklären musste und dass er auch als ein bisschen surreale Spielwiese gebrauchen konnte. Dadurch, dass alle paar Kapitel die Welten wechselten, wurde es für mich auch nie langweilig. Im Gegenteil, ich wollte unbedingt wissen, wie es in Luceum weitergeht, wenn ich die ersten Zeilen von Res gelesen hatte und umkehrt. Das brachte ein ständig wachsendes Gefühl der Dringlichkeit mit sich, das mich förmlich ans Buch klettete. Gleichzeitig gestaltete Islington seine Welten und Magiesystem, das auf dem Willen basiert, aus - und zwar so verteilt, dass trotz dessen dass es komplexer wurde und neue Komponenten hinzukamen, ich immer am Ball blieb - und Tetris spielte.
Aber warum? Normalerweise verzweifle ich doch beim Tetris und scheide schon bei den ersten Leveln aus! Die Figuren nahmen mich an die Hand: Vis, der voller Gram und Zorn trotzdem seine Freunde im Blick hatte, Aequa, voller Lebensfreude, Eidhin, immer ein Grinsen auf dem Gesicht - ganz zu schweigen von den neuen Freunden in anderen Welten! Es galt so viele actiongeladene Situationen zu meistern und so viele Intrigen zu unterwandern, dass man gar nicht dazu kam, irgendwo in dem Buch nach Längen zu suchen. Genau diese Balance zwischen World- und Characterbuilding ist James Islingtons große Stärke, mit der er reihenweise Tetriswürfel pulverisiert!
Er verknüpft eine spannende, komplexe Handlung mit tollen Charakteren und essentiellen Fragen, wie weit man bereit ist zu gehen.
Zum Schluss entlässt er uns mit einem großen Cliffhänger - ich hungere förmlich nach dem dritten Teil.