Ein Nicht-Ratgeber, der Augen öffnet, Denkanstöße liefert und wie eine Befreiung wirken kann!
Du musst gar nichtsMüssen oder nicht(s) müssen, das ist die hypothetische Frage!
Auf diesen Ratgeber, der partout keiner sein will, war ich sehr gespannt, machte er doch durch Aussagen wie „ich muss keine Challenge mitmachen“, ...
Müssen oder nicht(s) müssen, das ist die hypothetische Frage!
Auf diesen Ratgeber, der partout keiner sein will, war ich sehr gespannt, machte er doch durch Aussagen wie „ich muss keine Challenge mitmachen“, „ich schulde niemandem eine Erklärung“ und „ich darf widersprüchlich sein“ neugierig auf eine zum gängigen Gesellschaftsbild angenehm konträre Sichtweise.
Insbesondere interessierte mich an diesem Buch, wie der Autor es schafft, „die Glaubenssätze der Selbstoptimierungskultur ohne Zynismus und ohne erhobenen Zeigefinger zu zerlegen“ und deutlich zu machen, dass man nicht jedem Trend folgen muss und womöglich gerade dadurch bei sich selbst landet respektive bleibt.
Die Reflektionen zu den Ansprüchen unserer Zeit, zu dem Muss, online und am besten ständig präsent zu sein sowie an (un)sozialen Medien teilzuhaben, die Überlegungen des Autors zu den Ansprüchen, stets achtsam zu sein und sich beständig optimieren zu wollen, besser gesagt, zu müssen, all diese Gedanken waren und sind es, die mich das Buch mit Enthusiasmus haben lesen lassen.
Möchte ich mich diesem – wie der Autor den Druck nennt – „Lärm“ aussetzen? Bin ich nicht gut so wie ich bin? Muss ich jedem Trend folgen? Muss ich bei allem dabei sein? NEIN, das muss ich nicht! Ich muss gar nichts! Auch diese Rezension muss ich nicht schreiben, aber ich möchte es.
Das recht dünne Buch mit dem Untertitel „Für alle, die nicht mehr mitmachen wollen“ präsentiert in etwas mehr als 50 sehr kurzen, nur maximal eine Buchseite füllenden Kapiteln des Autors Gedanken zu diesem und jenem „Muss“, dem wir uns ausgesetzt sehen.
Bezugnehmend auf meine Anmerkung oben fühlt es sich für mich zwar nicht so an, als „zerlege“ der Autor die Glaubenssätze der Selbstoptimierung, er macht aber sehr wohl deutlich, worin genau die Zwänge bestehen, wie sehr wir diese schon lange, teils schleichend und unbewusst, verinnerlicht haben und wie befreiend es sein kann, sich davon zu lösen.
In klarem, prägnantem Schreibstil und in kurzen Sätzen bringt der Autor seine Ansichten auf den Punkt, sodass die Nicht-Ratschläge auf mich manchmal etwas zu komprimiert und nüchtern wirken. Gleichwohl ist es genau diese Konzentration auf das Wesentliche, die Denkanstöße gibt und eigene Gedanken ins Rollen bringt.
„Du musst gar nichts“ ist kein Ratgeber und will es auch gar nicht sein. Für mich ist es eher ein kleines, feines Nachschlagewerk, das mir in mancherlei Hinsicht die Augen geöffnet hat und das ich sicher immer mal wieder zur Hand nehmen werde, um das Gelesene erneut Revue passieren zu lassen. Mir ist bewusst, dass ich das nicht muss, aber ich weiß auch, dass ich es kann und möchte. Und ich bin dem Autor dankbar dafür, dass er dieses Buch geschrieben hat, wissend, dass ich nicht dankbar sein muss.