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Veröffentlicht am 02.04.2026

Über Wut, Kontrolle und das Scheitern an sich selbst

Gelbe Monster
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Warum sollte man "Gelbe Monster" lesen? Weil es eine neue Perspektive auf das Thema der weiblichen Gewalt eröffnet, psychologisch sehr, sehr fein und mit vielen Nuancen geschrieben ist, weil es nachdenklich ...

Warum sollte man "Gelbe Monster" lesen? Weil es eine neue Perspektive auf das Thema der weiblichen Gewalt eröffnet, psychologisch sehr, sehr fein und mit vielen Nuancen geschrieben ist, weil es nachdenklich stimmt. Das angekündigte "Female Rage" und recht modern gehaltene Cover könnten vielleicht falsche Erwartungen erzeugen, der Roman lebt von seinen vielen Facetten und seinem Mut zu Widersprüchlichkeiten und Mehrdeutigkeiten.
Die Mathematikstudentin Charlie möchte nur eins - das gute Leben mit Valentin, endlich eine bessere Version von sich selber sein, geliebt sein. Ich fand es unglaublich faszinierend, wie Clara Leinemann Charlie beschreibt - ihre fragilen, unsicheren Anteile, ihr verschobener Blick auf sich und andere, ihr Bemühen um Kontrolle und dann doch immer wieder völligen Verlust der Emotionskontrolle. „Ja, wenn du dich immer so aufführst wie ein kleiner Junge, führt das halt dazu, dass ich auch mal nicht nett zu dir bin. Ich wäre gern mit einem Erwachsenen zusammen.“ - so rechtfertigt Charlie ihre zunehmenden Gewaltausbrüche.
Sehr gekonnt wird die Geschichte verschiedener Frauen, die alle zusammen mit Charlie an einer Gruppe für Antiaggressionstraining teilnehmen (müssen), eingeflochten mit der ganzen Vielfalt weiblicher Gewalt, oft gewachsen auf dem Boden patriachialer Strukturen.
Mich hat das Buch sehr beeindruckt. Die Sprache ist klar und man fliegt beim Lesen durch die Seiten – und doch bleibt man immer wieder innerlich stehen. Was mich am meisten überrascht hat: wie sehr man mit Charlie mitfühlt, obwohl – oder gerade weil – man ihr Verhalten nicht gutheißen kann. Dieser Blick auf die Formen weiblicher Gewalt, gewachsen auf dem Boden alltäglicher Verletzungen und Machtverhältnisse, hat mich noch lange nach der letzten Seite beschäftigt. Es fordert dem Lesenden gleichzeitig ab, sich auf Mehrdeutigkeiten und Graustufen einzulassen.

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Veröffentlicht am 07.03.2026

Ein surrealer Traum

Ich, die ich Männer nicht kannte
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Das Buch ist schwer zu beschreiben. Es liest sich ein bisschen wie ein Traum, hat dabei etwas Beklemmendes und Unwirkliches. Jemand hat mal beschrieben, der Roman sei wie ein Rorschachtest: Was ein Leser ...

Das Buch ist schwer zu beschreiben. Es liest sich ein bisschen wie ein Traum, hat dabei etwas Beklemmendes und Unwirkliches. Jemand hat mal beschrieben, der Roman sei wie ein Rorschachtest: Was ein Leser in dem Roman für sich herausliest, sagt viel über den Leser selbst.
Jacqueline Hartmann schafft eine surreale Welt. Zunächst begleitet man eine Gruppe von Frauen, eingesperrt unter der Erde, ohne dass man als Leser die Hintergründe näher versteht. Nach einer Havarie können die Frauen aus ihrem Gefängnis unter der Erde fliehen und irren fortan durch die Landschaft – was sich durchaus auch auf das Leben übertragen lässt.
Es geht um innere Themen, die uns antreiben: das Streben nach Wissen und Begreifen, nach miteinander verbunden sein. Aber auch die Feststellung, dass letztendlich jeder auf seine Weise allein im Leben ist.
Ich habe den Roman sehr gerne gelesen. Viele Bilder sind in meinem Kopf hängen geblieben und haben ein Gefühl hinterlassen, das sich schwer beschreiben lässt. Vielleicht geht es um eine grundlegende Sinnlosigkeit und zugleich darum, was wir als Menschen daraus machen. Wer sehr empfindsam auf Logiklücken reagiert, dem würde ich von dem Buch eher abraten. Wer jedoch ein philosophisches und besonderes Buch sucht, hat mit „Ich, die ich Männer nicht kannte" eine kleine Perle gefunden.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

Familiengeschichte mit einem ganz eigenen, wunderbarem Charme

Wenn du es heimlich machen willst, musst du die Schafe töten
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Dieses Buch ist etwas Besonderes und ich habe es ausgesprochen gerne gelesen. Im Grunde ist es eine Familiengeschichte. Als Leser begleitet man die Familie über mehrere Generationen - angefangen während ...

Dieses Buch ist etwas Besonderes und ich habe es ausgesprochen gerne gelesen. Im Grunde ist es eine Familiengeschichte. Als Leser begleitet man die Familie über mehrere Generationen - angefangen während des Krieges in einem norddeutschen Dorf nahe der Küste bis hin zu späteren Generationen im Süden. Man erlebt sie in ihren Verstrickungen, (un)erfüllten Träumen, Gewohnheiten und ganz individuellen Besonderheiten. Während andere Familiengeschichten opulent und ausschmückend erzählt werden, bleibt dieser Roman fragmentarisch. Aber gerade das hat für mich einen großen Reiz ausgemacht und mich zum Teil mit wenigen Worten sehr berührt. Besonders geliebt habe ich die Passagen, wenn magische Elemente mit eingeflochten und so der Familienaberglaube fein mit eingesponnen wurde. Ein absolut lesenswertes Buch mit einem ganz eigenen, wunderbarem Charme.

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Veröffentlicht am 17.12.2025

Glimmer statt Trigger – Ein erfrischend positiver Blick

Glimmer
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Den Begriff „Trigger" kennt man – er ist beinahe schon inflationär in aller Munde. Von „Glimmer" hatte ich hingegen bisher nichts gehört. Genau damit beschäftigt sich Bernhard Tewes in seinem Buch über ...

Den Begriff „Trigger" kennt man – er ist beinahe schon inflationär in aller Munde. Von „Glimmer" hatte ich hingegen bisher nichts gehört. Genau damit beschäftigt sich Bernhard Tewes in seinem Buch über die neue Psychologie der positiven Trigger.
Das Cover ist mintgrün, lebendig und einladend, ohne überladen zu wirken. Nach einer kurzen Einleitung, in der der Autor beschreibt, wie er zu seinem Beruf als Hypnotherapeut gefunden hat, gliedert sich das Buch in drei wesentliche Teile: Der erste Teil widmet sich dem Selbst (z.B. „Wann warst du das letzte Mal im Einklang mit dir selbst?"), gefolgt von Beziehungen und Interaktionen, und schließt mit Momenten der Präsenz im Alltag ab – etwa im Rahmen von Musik oder Tanz.
Was ich wirklich toll fand, ist wie lebendig der Autor die Beispiele einfügt und damit die Inhalte sehr praktisch erfahrbar und auf das eigene Leben übertragbar macht. Viele Formulierungen konnte ich für mich übernehmen. Spannend fand ich zu lesen, wie Trigger bzw. Glimmer das Nervensystem beeinflussen, aber auch die Unterscheidung zwischen sogenannten „Fake-Glimmern" (extrinsische Glücksgefühle) gegenüber echten Glimmern.
Immer wieder gibt es zwischendrin kleine Aufgaben und Übungen. Ich habe es eher als Denkanstoß empfunden, ohne mich übermäßig unter Druck gesetzt zu fühlen. Viele Absätze habe ich mir markiert – spannend waren z.B. der Wert von Ritualen im Alltag oder der Begriff der „Low-Stake-Kreativität". Insgesamt geht von dem Buch etwas sehr Positives aus, und ich habe es wirklich gerne gelesen, obwohl Sachbücher normalerweise nicht zu meinen Favoriten zählen.
Was mich etwas gestört hat, war die wiederholte Werbung für seine eigene App bzw. seine Hypnotherapiepraxis. Interessierte Leser hätten diese Informationen vermutlich mit geringem Aufwand im Internet selbst herausgefunden. Mich hat es vom eigentlichen Inhalt eher abgelenkt und irritiert – ich hätte die Informationen nicht gebraucht.
Für mich war es dennoch eine Bereicherung – ich habe viel mitnehmen können und es mit beschwingtem Herzen am Ende zugeklappt.

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Veröffentlicht am 26.11.2025

Witzig und direkt aus dem Leben gegriffen

Gregs Tagebuch 20 - Bock auf Party?
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Tatsächlich kannten wir die Reihe "Gregs Tagebuch" bereits durch unsere große Tochter (12), die die Reihe verschlungen hat. Für unseren Sohn war Teil 20 das erste Buch aus der Reihe, und es funktionierte ...


Tatsächlich kannten wir die Reihe "Gregs Tagebuch" bereits durch unsere große Tochter (12), die die Reihe verschlungen hat. Für unseren Sohn war Teil 20 das erste Buch aus der Reihe, und es funktionierte wunderbar – man kann das Buch problemlos lesen, auch ohne die vorherigen Teile zu kennen. Diesmal dreht sich thematisch alles um Gregs Geburtstagsparty. Die Dialoge und Gedanken sind direkt aus dem Leben gegriffen und schwanken zwischen skurril und witzig.

Auch wenn unser Sohn bisher Comics sehr gerne gelesen hat, waren Bücher mit "richtig viel Text" bisher nicht seins. Umso überraschter waren wir, als er sich mit dem Buch aufs Sofa zurückzog und wirklich lange und sehr vertieft darin verschwand. Hin und wieder haben wir ein leichtes Kichern gehört oder uns wurden besonders lustige Stellen vorgelesen.

Die Mischung aus Text und Comicelementen ist sehr abwechslungsreich und einladend. Der Stil ist witzig und trifft die Alltagskomik der Altersgruppe sehr gut. Viele Momente und Floskeln aus dem eigenen Leben konnten wir wiederentdecken.

Alles in allem ist es ein sehr unterhaltsames Buch und eignet sich perfekt für Leseanfänger, die im Übergang stehen zwischen sehr leichter Erstleselektüre und umfangreicherer Textmenge. Aber auch ältere Kinder werden an dem Humor ihre Freude haben.

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