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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.02.2026

Drei Reisen

Die Liebe kommt immer zu spät
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Karl-Markus Gauß ist gerade in Bezug auf Reiseberichten ein großer Essayist, da er es vermag, weit auszuholen und den Leser doch an den Text zu binden.
Die erste Reise führt in 2022 nach Slowenien. Aber ...

Karl-Markus Gauß ist gerade in Bezug auf Reiseberichten ein großer Essayist, da er es vermag, weit auszuholen und den Leser doch an den Text zu binden.
Die erste Reise führt in 2022 nach Slowenien. Aber eigentlich berichtet er hier viel von Persönlichkeiten der Vergangenheit, vor allen von denen mit einem feministischen Ansatz. Das war interessant, mir vollkommen unbekannt.
Mehr drin im Buch war ich der zweiten Reise nach Bosnien. Dieser Text ist durchdrungen vom Werk und Wesen des Schriftstellers Dzevad Karahasan, der als Stimme Bosniens galt und der 2023 starb. Ich habe sein Tagebuch der Übersiedlung besonders bewundert. Gauß war mit Karahasan gut befreundet und konnte viel berichten. Daher war diese mittlere Reise für mich der Höhepunkt, wobei Gauß einige gute Beschreibungen der Umgebung hinzufügt. Gauß schreibt insgesamt so detailliert und genau, das es wirklich beeindruckend ist. Nur den letzten Teil des Buches empfand ich als etwas zu ausschweifend, aber das mindert nicht den guten Gesamteindruck.

Veröffentlicht am 18.02.2026

3 Episoden

What about the bodies
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Das Buch nimmt seine Dramatik daraus, dass aus 3 Ebenen heraus erzählt wird. Carla, Reed, Liz. Sie haben gemeinsam, das sie jeweils ein konkretes, gefährliches Problem haben und das sie in Pennsylvania ...

Das Buch nimmt seine Dramatik daraus, dass aus 3 Ebenen heraus erzählt wird. Carla, Reed, Liz. Sie haben gemeinsam, das sie jeweils ein konkretes, gefährliches Problem haben und das sie in Pennsylvania leben.
Mir haben die Handlungsteile unterschiedlich gut gefallen. Am Besten fand ich den um Carla und ihren Sohn Billy, der in seiner Angst eine an einer Überdosis gestorbene Kommillitonin im Garten vergraben hat. Jetzt versuchen Mutter und Sohn die Leiche loszuwerden.

Reed ist ein junger Mann, der Autismus hat und dessen Mutter gerade gestorben ist. Wegen seinem Zustand lässt er sich schwer kontrollieren. Dieser Handlungsstrang steigert sich immer mehr und es gibt ein paar Passagen, die wirklich hängen bleiben.

Auch die Musikerin Liz hat Probleme, da sie verschuldet ist.

Die Episoden sind locker miteinander verbunden.
Ein gut zu lesendes Buch, das für mich mehr Drama als Kriminalroman ist.

Veröffentlicht am 17.02.2026

Adrian Reiter

Im ersten Licht
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Dieser Roman zeigt das vergangene Jahrhundert anhand eines Mannes, der 1901 geboren wurde. Adrian Reiter, ein Mann, der nicht agiert, sondern beobachtet. Mehrere Begegnungen prägen sein Leben. Es sind ...


Dieser Roman zeigt das vergangene Jahrhundert anhand eines Mannes, der 1901 geboren wurde. Adrian Reiter, ein Mann, der nicht agiert, sondern beobachtet. Mehrere Begegnungen prägen sein Leben. Es sind Menschen, die vom Krieg zerrüttet und beschädigt sind. Das gilt für den ersten wie für den zweiten Weltkrieg.

Das Buch ist teilweise bedrückend und ich habe lange gebraucht hineinzukommen. Dabei erzählt Norbert Gstrein von Anfang an präzise und mit Intensität.
Aber der Protagonist ist so zurückhaltend und passiv. Erst im dritten und letzten Teil des Buches habe ich das Gefühl endlich angekommen zu sein, als Adrian beginnt sich zu öffnen.

Das Buch ist nicht einfach, aber von Bedeutung, da es zeigt, wie Krieg das Leben der Menschen nachhaltig beeinflusst.

Veröffentlicht am 12.02.2026

Ruth und Lea

Gelb, auch ein schöner Gedanke
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Einen Auszug aus diesem Buch hat Nefeli Kavouras schon beim Bachmannpreis-Wettbewerb gelesen. Jetzt ist der Text ein wenig erweitert, doch inhaltlich und vom Stil ist er gleich geblieben.
Es geht um eine ...

Einen Auszug aus diesem Buch hat Nefeli Kavouras schon beim Bachmannpreis-Wettbewerb gelesen. Jetzt ist der Text ein wenig erweitert, doch inhaltlich und vom Stil ist er gleich geblieben.
Es geht um eine Mutter-Tochterbeziehung und vom Sterben des Vaters.
Ruth pflegt ihren todkranken Mann Georg, die jugendliche Tochter Lea muss mit der Situation zu Recht kommen, aber der lange Sterbeprozess beeinflusst das normale Leben. Doch Mitte des Buches gibt es einen erstaunlichen Wandel.

Die Erzählperspektiven wechseln zwischen Ruth und Lea ab. Das funktioniert gut. Nur auf einer Seite komt auch Georg zu Wort.

Die Autorin hat einen Ton gefunden und ein lesenswertes Buch geschaffen.

Veröffentlicht am 09.02.2026

Ankommen in Maine

Hazel sagt Nein
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Eine Familie zieht von New York nach Maine. Da gibt es einen Vorfall, der alles ändert. Die 18jährige Schülerin Hazel wird von ihrem Direktor angemacht. Sie sagt nein und entzieht sich. Doch das spricht ...

Eine Familie zieht von New York nach Maine. Da gibt es einen Vorfall, der alles ändert. Die 18jährige Schülerin Hazel wird von ihrem Direktor angemacht. Sie sagt nein und entzieht sich. Doch das spricht sich rum und spaltet die Gesellschaft. Viele glauben Hazel nicht und ein Shitstorm steigert sich bis zu antisemitischen Ausmaßen.
Der Roman zeigt sehr gut, wie die Entwicklung ihren Lauf nimmt und was das bei allen Familienmitgliedern auslöst. Doch Hazel geht schließlich selbst an die Öffentlichkeit und behauptet sich.
Ironischerweise kommt Hazels Vater selbst in eine MeToo-mäßige Klemme, als er als Professor vor seiner Klasse über Bill Cosby spricht.

Mich erinnert der Stoff des Buches latent an den Film After the Hunt.
Hazel sagt nein geht dann aber doch seinen eigenen Weg.
Das Buch ist zwar nicht so komplex wie eins von Elizabeth Strout, aber ein richtiger Maine-Roman ist es dann doch noch geworden.