Schatten, Schuppen und soziale Gräben
Royal Houses – Haus der DrachenMit "Royal Houses – Haus der Drachen" entwirft K.A. Linde ein Szenario, das klassische Fantasy-Elemente mit einer ordentlichen Portion Gesellschaftskritik würzt. Im Zentrum steht Kerrigan, eine junge Frau, ...
Mit "Royal Houses – Haus der Drachen" entwirft K.A. Linde ein Szenario, das klassische Fantasy-Elemente mit einer ordentlichen Portion Gesellschaftskritik würzt. Im Zentrum steht Kerrigan, eine junge Frau, die aufgrund ihrer gemischten Herkunft – halb Mensch, halb Fae – am Rande einer Elite-Gesellschaft steht, die sie zwar ausbildet, aber niemals vollends akzeptieren will.
Der Schreibstil ist dabei bemerkenswert atmosphärisch. Linde versteht es, die Kontraste zwischen der glitzernden Welt des Adels und den rauen, dreckigen Ecken der „Wastes“ lebendig einzufangen. Die Sprache ist modern und flüssig, was einen schnellen Lesefluss ermöglicht, auch wenn die Autorin das Publikum zu Beginn mit einer massiven Flut an Informationen über Häuser, Hierarchien und Magieregeln konfrontiert. Man wird förmlich ins kalte Wasser der Welt „Alandria“ geworfen, was einerseits spannend ist, andererseits aber eine gewisse Geduld erfordert, bis sich die Puzzleteile zusammenfügen.
Die Geschichte selbst lebt von der Reibung zwischen den Charakteren. Das Drachenturnier dient als glühende Kulisse, doch die wahre Spannung entsteht durch die Dynamik zwischen Kerrigan und dem düsteren Prinzen Fordham. Während Kerrigan als kämpferische Identifikationsfigur überzeugt, bleibt Fordham lange ein Mysterium mit Ecken und Kanten. Ein kleiner Wermutstropfen: Wer auf epische Drachenschlachten am laufenden Band hofft, könnte enttäuscht werden, da die geflügelten Wesen eher als begehrte Statussymbole im Hintergrund fungieren. Dennoch überzeugt der Auftakt durch seine emotionale Tiefe und die drängende Frage nach Selbstbestimmung in einem System aus Unterdrückung. Ein vielversprechender Start, der Lust auf mehr Antworten macht.