Der Preis der Schönheit
RougeIch bin 35 und hasse es älter zu werden. Ich versuche meine Jugendlichkeit so gut es geht zu erhalten. Ich benutze teure Drogerieprodukte und lasse, wenn es der Geldbeutel zulässt, ein paar mal im Jahr ...
Ich bin 35 und hasse es älter zu werden. Ich versuche meine Jugendlichkeit so gut es geht zu erhalten. Ich benutze teure Drogerieprodukte und lasse, wenn es der Geldbeutel zulässt, ein paar mal im Jahr Behandlungen bei meiner Hautärztin durchführen. Trotzdem bin ich nie zufrieden, trotzdem ist mein Profilbild bearbeitet. Wir leben in einer Welt, in der der Schönheitsdruck so enorm ist, dass man kaum mithalten kann.
Ihr seht schon, dieser Roman ist genau mein Thema. Denn hier geht es genau darum. Schönheit, Gesichtspflege, für immer jung sein. Doch was ist der Preis dafür?
Auch wenn Mirabelle und ihre Mutter Noelle stets ein gespanntes Verhältnis zueinander hatten, eine Gemeinsamkeit gab es immer: Schönheitspflege. Während Mirabelle wie eine Süchtige Videos von einem Beautyguru konsumiert, setzt ihre Mutter auf eine radikalere Methode. Eine, die sie letztlich das Leben kostete? Als Mirabelle zur Beerdigung anreist, begibt sie sich selbst auf den gefährlichen Pfad zur Perfektion.
„Bunny“ hatte mich ja gar nicht überzeugt und auch 𝐑𝐨𝐮𝐠𝐞 erinnert stellenweise etwas an den Vorgänger. Da gibt es Abschnitte, die sich einfach wie schräge Traumsequenzen lesen. Dieses mal hat es mich aber nicht so abgeschreckt, wohl weil mich das Thema einfach so interessiert hat.
Ich bin gerade dabei meine Pflegeroutine umzustellen und habe mir gedanklich immer wieder Notizen gemacht, wenn Belle ihre aufgezählt hat. Dabei stellt der Roman den Beautywahn durchaus kritisch dar, vor allem in Form einer Sekte, der sich Noelle verschrieben hatte.
Immer wenn es um diese Sekte, einer Art Spa, geht, driftet der Roman in diese erwähnten traumartigen Sequenzen ab. Ich denke da kann man viel hineininterpretieren und ich selber bin auch noch nicht ganz schlau daraus geworden.
Diese Sekte gibt es im Roman wirklich, sie ist nicht nur ein Hirngespinst. Ich konnte am Ende aber nicht sagen, ob das Geschehen Produkt eines Drogenrausches oder doch ein Fantasyelement in einem Roman war, den ich eigentlich nicht diesem Genre zuordnen würde.
Aber in „Rouge“ geht es nicht nur um Beautywahn, sondern auch um die mitunter schwierige Beziehung von Mutter und Tochter. Diese große Liebe und manchmal auch dieser Hass. Diese ganz besondere Verbindung. Daher hat mich auch das Ende tief bewegt.
Was ist die Moral von der Geschichte? Man kann es sich ja schon denken. Ich kann jetzt aber nicht sagen, dass ich geheilt bin von meinem Streben nach der besten Version von mir selbst. Ich würde aber auch nicht zum Äußersten gehen, wie die Figuren in diesem Buch.
Eine Art Running Gag war das wiederholte Auftauchen von Tom Cruise. Diese Gestalt nennt sich selbst allerdings Seth, was bestimmt auf die ägyptische Gottheit bezogen ist. Ich musste da immer schmunzeln, denn wir wissen ja...Tom Cruise...Sekte…
Auch wenn mir auch dieser Roman von Mona Awad stellenweise wieder zu abgedreht war, mochte ich ihn sehr viel lieber als „Bunny“. Es ist einer der wenigen Romane, wo mir am Ende die Tränen gekommen sind und das ist mir immer ein großes Plus wert.