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Veröffentlicht am 24.02.2026

zu klischeehaft und holzschnittartig

Grüne Welle
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Die Ausgangslage von „Grüne Welle“ hat mich sofort neugierig gemacht – vielleicht, weil ich mich selbst recht häufig verfahre und ich dadurch schon an den abstrusesten Orten gelandet bin. Wie wäre es, ...

Die Ausgangslage von „Grüne Welle“ hat mich sofort neugierig gemacht – vielleicht, weil ich mich selbst recht häufig verfahre und ich dadurch schon an den abstrusesten Orten gelandet bin. Wie wäre es, einfach weiterzufahren, aus dem eigenen Leben spontan auszubrechen, ob für ein paar Tage oder für immer? Nach einem Kinoabend mit ihrer besten Freundin verfährt sich die namenlose Protagonistin an einer Umleitung und entfernt sich immer weiter von zu Hause und ihrem Ehemann. Je weiter sie fährt, desto geringer wird ihr Drang umzukehren oder ihrem Mann Bescheid zu geben, und desto mehr denkt sie über ihr Leben nach. Wie hat sie dieses entwickelt, was ist aus ihren Träumen geworden? Wer ist sie und wie will sie gesehen werden?

Frau, Freundin und Mann bleiben namenlos, auch die Landschaft, durch die die Frau fährt, ist ohne Kontur, beliebig. So könnte jede und jeder überall gemeint sein und die Geschichte stellvertretend für viele Frauen an allen Orten stehen. Leider funktionieren die Figuren in diesem Roman für mich nicht. Zu klischeehaft werden die empfindsamen und verpeilten Künstlerinnen und der gewalttätige, Kunst nur nach dem materiellen Wert beurteilende, schon äußerlich abstoßende Ehemann gezeichnet, der natürlich Anwalt ist. Die Freundin der Frau, die sich als eine urbane Künstlerin sieht, blickt abfällig auf das Leben in einer Kleinstadt und ihre Bewohner. Die Karriere der Frau, einst ein aufstrebendes, vielversprechendes künstlerisches Talent, geriet vor Jahren ins Stocken, latent ist auch daran der Mann Schuld. Das ist mir zu einfach und zu holzschnittartig, es fehlt jegliche Ambivalenz. Dies hat zur Folge, dass mir alle drei fremd bleiben und immer unsympathischer werden, bis mir am Ende nahezu gleichgültig ist, was mit ihnen passiert. Die Gedanken und Emotionen der Frau, die über ihr Leben reflektiert, empfand ich auch nicht als besonders überraschend oder tiefgründig. So bleibt für mich am Ende vor allem Ernüchterung, da das Thema so viel Potential geboten hätte, das in meinen Augen leider nicht genutzt wurde.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Hatte aufgrund des Klappentextes etwas völlig anderes erwartet

Schwarzer September
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Der Ich-Erzähler Gigio erzählt rückblickend über den Sommer 1972, den er als Zwölfjähriger wie immer mit seiner Familie in Fiumetto verbringt. Frühzeitig erwähnt er mehrfach ein einschneidendes Ereignis, ...

Der Ich-Erzähler Gigio erzählt rückblickend über den Sommer 1972, den er als Zwölfjähriger wie immer mit seiner Familie in Fiumetto verbringt. Frühzeitig erwähnt er mehrfach ein einschneidendes Ereignis, das sein Leben für immer verändert hat, ohne jedoch zunächst genauer darauf einzugehen, worum es sich dabei handelt. Stattdessen arbeitet er detailgenau seine Stimmung, seine Verfassung und Interessen in diesem Sommer heraus, um ein möglichst genaues Bild seines damaligen Ichs zu zeichnen.

Gigio ist erstmals verliebt in Astel, ein dreizehnjähriges Mädchen mit äthiopischer Mutter, die seit Jahren Strandnachbarn seiner Familie sind. Neben dieser ersten Liebe werden diverse Sportereignisse wie die Tour de France und andere Radrennen, die Wettkämpfe der olympischen Spiele und Segelausflüge von Gigio und seinem Vater ausführlich beschrieben. So vergehen über zwei Drittel des Buches, bis es zu dem besagten Ereignis kommt, dessen Folgen dann, verglichen mit der Ausführlichkeit zuvor, recht schnell abgehandelt werden. Anhand des Klappentextes hatte ich erwartet, dass diese deutlich mehr Raum bekommen. Die ersten 70% des Romans empfand ich als äußerst zäh und ermüdend, da ich mich weder fürs Segeln noch für Sportergebnisse aus den 1970ern interessiere und sich Gigios Beschreibungen doch sehr in die Länge zogen. Als sich Gigios Leben dann schlagartig veränderte, hätte ich hingegen gerne deutlich mehr Details erfahren. Zudem konnte ich die Haltung, die Gigio anschließend zu bestimmten Personen aus seinem Umfeld einnahm, nicht wirklich nachvollziehen, insbesondere, was Schuldfragen und Verantwortung angeht. Hier scheint mir der Blickwinkel doch stark einseitig und patriarchal geprägt.

Leider würde ich mit dem Protagonisten nicht wirklich warm, und auch die Geschichte konnte mich weder inhaltlich noch in ihrer Konstruktion überzeugen. Vielleicht finden etwas ältere Leser, die die damalige Zeit selbst miterlebt haben, eher einen Zugang.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Bleibt leider hinter den Erwartungen zurück

Fünf Fremde
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Im August 1995 verschwinden eines Nachts zwei 13-jährige Kinder aus einem Schullandheim auf der kleinen Insel Neuwerk. Eines von beiden, Isa, taucht einige Tage später wieder auf, doch von Janosch fehlt ...

Im August 1995 verschwinden eines Nachts zwei 13-jährige Kinder aus einem Schullandheim auf der kleinen Insel Neuwerk. Eines von beiden, Isa, taucht einige Tage später wieder auf, doch von Janosch fehlt jede Spur. 30 Jahre später, im Oktober 2025, befinden sich auf der Fähre nach Neuwerk fünf Passagiere, die nichts voneinander wissen, deren Wege sich aber schon bald kreuzen werden. Vier von ihnen waren in der verhängnisvollen Nacht auf der Insel, und die Geschehnisse damals haben sie nie losgelassen. Als ein heftiger Orkan aufzieht, sitzen alle auf der Insel fest und müssen sich der Vergangenheit stellen.

Für mich war es das erste Buch von Romy Fölck. Da ihre Elbmarsch-Reihe so hoch gelobt wird, war ich sehr neugierig auf „Fünf Fremde“.

Das Buch beginnt spannend und der Schreibstil spricht mich an: Erzählt wird auf zwei Zeitebenen, 1995 und 2025, und auch die Erzählperspektiven wechseln zwischen den Protagonist:innen hin und her. Als Leser:in erfährt man so Stück für Stück mehr über die Figuren und die Situation 1995. Dies, zusammen mit überraschenden Wendungen, sorgte dafür, dass ich das Buch nicht aus der Hand legen konnte. Ich wollte unbedingt wissen, wie alles zusammenhängt und was letztendlich damals wirklich geschehen ist.

So sehr mich die ersten zwei Drittel gefesselt haben, so ernüchtert war ich aber letztendlich vom Rest. Die Dialoge werden zunehmend hölzern und unnatürlich, und das Ende erscheint mir sehr unglaubwürdig und konstruiert. Rückblickend sind für mich wesentliche Teile der Handlung nicht schlüssig. Sie dienen zwar dem Spannungsaufbau, ergeben aber kein konsistentes Gesamtbild. Mir scheint es, als hätte man um der Dramaturgie Willen einige Aktionen eingebaut, die im Nachhinein ziemlich sinnfrei sind. Hinzu kommen haarsträubend viele inhaltliche und logische Fehler. Das sind teils ärgerliche, aber für die Geschichte unwesentliche Dinge wie die Aussage, dass die Sonne von Monden umkreist würde, aber auch grobe Schnitzer, die zentrale Punkte der Handlung betreffen. Diese kann ich hier nicht näher aufzählen ohne zu spoilern. Insgesamt habe ich mehr als 15 Logikfehler gezählt. Auch das Loocked-Room-Setting, das auf der kleinen Insel durch den Orkan erzeugt werden soll, wirkt wie eine bloße Behauptung, da trotz heftigsten Sturms alle Protagonist:innen ständig draußen unterwegs sind, einschließlich einer alten, dementen Person.

Aufgrund der Vielzahl an Fehlern und Ungereimtheiten, der durchschnittlichen Sprache und den Mängeln in der Plotkonstruktion hat mich dieses Buch leider total enttäuscht und ich kann lediglich 2 Sterne vergeben.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Eine Bestandsaufnahme

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
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In „Ein Versuch meine Liebe zu ordnen“ reflektiert Christien Brinkgreve, emeritierte Professorin für Soziologie, nach dem Tod ihres Mannes über ihr Leben und ihre Ehe. Hierbei nennt sie ihren Ehemann ...

In „Ein Versuch meine Liebe zu ordnen“ reflektiert Christien Brinkgreve, emeritierte Professorin für Soziologie, nach dem Tod ihres Mannes über ihr Leben und ihre Ehe. Hierbei nennt sie ihren Ehemann stets nur A., was verwundert, da er als Journalist und Schauspieler in der Öffentlichkeit stand und Name, Bild und Vita binnen Sekunden von Google gefunden werden. Warum also diese vermeintliche Anonymität, die beim Lesen eher störend ist?

Christien Brinkgreve schildert reflektiert und mit schonungsloser Ehrlichkeit gegenüber sich selbst, wie sehr sie in ihrer Ehe mit dem Spagat zwischen Berufstätigkeit und Familie, dem Leben einer selbstbestimmten Frau und den Ansprüchen ihres Mannes an eine Ehefrau und Mutter zu kämpfen hatte. Ich fand es ernüchternd, dass sich eine hochgebildete Frau, die sich in intellektuellen Kreisen bewegt und sich beruflich mit den Beziehungen zwischen Männern und Frauen und der Überwindung tradierter Rollenbilder auseinandersetzt, immer wieder ihrem offenbar äußerst dominanten Ehemann unterordnet. Vielleicht liegt es daran, dass ich deutlich jünger bin, aber mir kam das Buch wie aus einer völlig anderen Welt vor. Möglicherweise gelingt es Leser:innen, die selbst in den 1940 oder 1950er Jahren geboren wurden, eher, einen Zugang zu finden.

Obwohl das Buch mit 192 Seiten recht kurz ist, empfand ich die Lektüre als zäh. Die Autorin schildert viele Details aus ihrem Leben und ihrer Ehe, die für mich weder von Interesse waren noch mir irgendeinen Erkenntnisgewinn brachten. Gegen den Ehemann empfand ich bereits von Beginn an eine tiefe Abneigung. Der Schreibstil wirkt, nicht zuletzt durch das Fehlen von Namen, emotionslos und spröde, und ich muss leider sagen, dass mich dieses Buch überhaupt nicht erreichen konnte.

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Veröffentlicht am 10.02.2026

leider nicht überzeugend

Banditensommer
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Mein Sohn (11) und ich haben kürzlich von Mirjam Raymond „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin“ gelesen und waren nun neugierig auf „Banditensommer“.

Die beiden Brüder Kroko (12) und Luis (7) ...

Mein Sohn (11) und ich haben kürzlich von Mirjam Raymond „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin“ gelesen und waren nun neugierig auf „Banditensommer“.

Die beiden Brüder Kroko (12) und Luis (7) sind mit ihrem Vater Bernhard nach der Trennung der Eltern im Sommerurlaub in Kroatien. Als die Jungs sich eines Abends aus der Ferienwohnung schleichen, um ihren Vater zu suchen, landen sie durch unglückliche Umstände auf einem Boot von Hundefängern, die Jagd auf Straßenhunde machen. Angeblich wollen sie die Touristen vor streunenden Hunden beschützen, doch die Banditen verfolgen in Wahrheit einen ganz anderen Plan, und die beiden Jungs schweben schon bald in großer Gefahr.

Bereits von Beginn an ist die Atmosphäre rau und düster und leider auch durch Klischees geprägt. Der Vater wirkt ruppig und impulsiv, der Umgang mit seinen Söhnen ist wenig liebevoll. Auf ihrer Suche erfahren sowohl der Vater als auch die Kinder wenig Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung, die kroatische Polizei ist desinteressiert und unkooperativ, kriminelle Machenschaften ziehen sich in höchste Kreise. Der Ton ist hart, gespickt mit vielen Kraftausdrücken auf Seiten der Gauner. Mein Sohn, der eigentlich jedes Buch zu Ende gelesen haben will, wollte hier bereits nach wenigen Kapiteln abbrechen, so dass ich es allein beendet habe. Leider konnten Stil und Story auch mich nicht überzeugen. Krokos Wandlung vom Kind mit einer behandlungsbedürftigen Angststörung vor Tieren mutiert binnen kürzester Zeit zum Straßenhundeflüsterer. Sein kleiner Bruder Luis ist nervtötend und sorgt mit seiner Art immer wieder für heikle Situationen. Sämtliche Erwachsene bleiben blass, eindimensional und unsympathisch.

Was mich ebenfalls störte, ist die Darstellung von Straßenhunden als eigentlich harmlose Tiere. Das habe ich in südlichen Ländern selbst bereits anders erlebt, und Kinder sollten sich aus gutem Grund von diesen fernhalten, da sie nicht nur unberechenbar reagieren, sondern auch schwere Krankheiten übertragen können.

Krokos Rolle wird gegen Ende immer abstruser, wenn er Hunde durch seine Gedanken oder eine Art „Seelenverwandtschaft“ führt. Als wäre die Geschichte nicht schon verworren genug, flicht die Autorin mit dem illegalen Arbeitsmigranten Fadi auch noch eine weitere Sozialproblematik mit ein und überlädt damit die Handlung.

Leider konnte „Banditensommer“ weder meinen Sohn noch mich überzeugen und wir vergeben lediglich zwei Sterne.

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