leider nicht überzeugend
BanditensommerMein Sohn (11) und ich haben kürzlich von Mirjam Raymond „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin“ gelesen und waren nun neugierig auf „Banditensommer“.
Die beiden Brüder Kroko (12) und Luis (7) ...
Mein Sohn (11) und ich haben kürzlich von Mirjam Raymond „Von Null auf Held oder Wer ist eigentlich Amin“ gelesen und waren nun neugierig auf „Banditensommer“.
Die beiden Brüder Kroko (12) und Luis (7) sind mit ihrem Vater Bernhard nach der Trennung der Eltern im Sommerurlaub in Kroatien. Als die Jungs sich eines Abends aus der Ferienwohnung schleichen, um ihren Vater zu suchen, landen sie durch unglückliche Umstände auf einem Boot von Hundefängern, die Jagd auf Straßenhunde machen. Angeblich wollen sie die Touristen vor streunenden Hunden beschützen, doch die Banditen verfolgen in Wahrheit einen ganz anderen Plan, und die beiden Jungs schweben schon bald in großer Gefahr.
Bereits von Beginn an ist die Atmosphäre rau und düster und leider auch durch Klischees geprägt. Der Vater wirkt ruppig und impulsiv, der Umgang mit seinen Söhnen ist wenig liebevoll. Auf ihrer Suche erfahren sowohl der Vater als auch die Kinder wenig Hilfsbereitschaft in der Bevölkerung, die kroatische Polizei ist desinteressiert und unkooperativ, kriminelle Machenschaften ziehen sich in höchste Kreise. Der Ton ist hart, gespickt mit vielen Kraftausdrücken auf Seiten der Gauner. Mein Sohn, der eigentlich jedes Buch zu Ende gelesen haben will, wollte hier bereits nach wenigen Kapiteln abbrechen, so dass ich es allein beendet habe. Leider konnten Stil und Story auch mich nicht überzeugen. Krokos Wandlung vom Kind mit einer behandlungsbedürftigen Angststörung vor Tieren mutiert binnen kürzester Zeit zum Straßenhundeflüsterer. Sein kleiner Bruder Luis ist nervtötend und sorgt mit seiner Art immer wieder für heikle Situationen. Sämtliche Erwachsene bleiben blass, eindimensional und unsympathisch.
Was mich ebenfalls störte, ist die Darstellung von Straßenhunden als eigentlich harmlose Tiere. Das habe ich in südlichen Ländern selbst bereits anders erlebt, und Kinder sollten sich aus gutem Grund von diesen fernhalten, da sie nicht nur unberechenbar reagieren, sondern auch schwere Krankheiten übertragen können.
Krokos Rolle wird gegen Ende immer abstruser, wenn er Hunde durch seine Gedanken oder eine Art „Seelenverwandtschaft“ führt. Als wäre die Geschichte nicht schon verworren genug, flicht die Autorin mit dem illegalen Arbeitsmigranten Fadi auch noch eine weitere Sozialproblematik mit ein und überlädt damit die Handlung.
Leider konnte „Banditensommer“ weder meinen Sohn noch mich überzeugen und wir vergeben lediglich zwei Sterne.