Profilbild von kati-katharinenhof

kati-katharinenhof

Lesejury Star
offline

kati-katharinenhof ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit kati-katharinenhof über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 14.02.2026

Der Autor überschätzt sich leider selbst

Die Waffen-SS
0

Mit "Die Waffen-SS - Hitlers überschätzte Prätorianer" legt Klaus-Jürgen Bremm eine sachliche Ausarbeitun vor, die laut Klappentext als „Entzauberung eines Mythos“ verstanden werden will. Tatsächlich setzt ...

Mit "Die Waffen-SS - Hitlers überschätzte Prätorianer" legt Klaus-Jürgen Bremm eine sachliche Ausarbeitun vor, die laut Klappentext als „Entzauberung eines Mythos“ verstanden werden will. Tatsächlich setzt der Autor ein deutliches Zeichen gegen die Glorifizierung der Waffen-SS und bemüht sich, mit den überlieferten Heldennarrativen aufzuräumen. Seine Sprache ist über weite Strecken verbindlich, der Stil flüssig und gut lesbar. Besonders der Blick auf das Wirken ehemaliger Waffen-SS-Angehöriger im Nachkriegsdeutschland ist aufschlussreich und verdeutlicht, wie weitreichend Einflussnahmen auch nach 1945 noch möglich waren. Das beigefügte Bild- und Kartenmaterial unterstützt die Darstellung, bleibt qualitativ jedoch eher durchschnittlich.

Im weiteren Verlauf verliert Bremm jedoch zunehmend die notwendige Distanz. Seine Ausführungen werden spürbar wertender, teilweise provokativ im Ton. Seine zunehmende Schärfe gegenüber Personengruppen außerhalb der Waffen-SS wirkt stellenweise respektlos und unangemessen verallgemeinernd.

Problematisch ist zudem, dass Bremm der Leserschaft wenig Raum für eigene Urteilsbildung lässt. Seine Argumentation gerät mitunter unpräzise und verliert an sachlicher Ausgewogenheit. Für fachfremde Leserinnen und Leser fehlt es stellenweise an kontextueller Tiefe und differenzierter Einordnung; gleichzeitig setzt der Autor an anderen Stellen ein Vorwissen voraus, das nicht alle mitbringen dürften.

Nach dem Lesen des Buches bleibt der Eindruck eines ambitionierten Werkes mit berechtigtem Anliegen, das jedoch durch mangelnde Neutralität, argumentative Zuspitzungen und Schwächen in der Analyse deutlich an Überzeugungskraft einbüßt. Der Autor überschätzt sich leider selbst. Es gibt Sachbücher zu dieser Thematik, deutlich überzeugender und ausgewogener verfasst sind.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
Veröffentlicht am 01.02.2026

Mehr Drehbuch statt Roman

Berchtesgaden
2

Der Watzmann wird erneut zum Schicksalsberg und steht trutzig als steinerne Kulisse - wenn Felsen erzähöen könnten, ach, was hätte er alles zu berichten. Erst Recht, nachdem die Nazis kapituliert und sich ...

Der Watzmann wird erneut zum Schicksalsberg und steht trutzig als steinerne Kulisse - wenn Felsen erzähöen könnten, ach, was hätte er alles zu berichten. Erst Recht, nachdem die Nazis kapituliert und sich aus dem Staub gemacht haben. Doch wie geht eine Stadt und eine ganze Region damit um, dass das, was gestern nocht "richtig" war, heute falsch ist ? Sophie steht vor genau diesen Herausforderungen und muss lernen, dass der Blick nach vorne nicht immer einfach ist....


Es gibt Bücher, die auf den ersten Blick versprechen, ein echtes Lesehighlight zu werden. Und es gibt Romane, die schon nach wenigen Seiten langweilig sind und man sich innerlich fragt, ob man überhaupt noch am Ball bleiben soll. Genau das passiert bei "Berchtesgaden" von Carolin Otto – zumindest aus meiner Sicht.

Zunächst fällt der nüchterne, sachorientierte Ton auf: Der ganze Roman wirkt fast wie ein Drehbuch, das seine Bilder sprechen lässt, doch die Seiten tragen selten mehr als oberflächliche unfertige Handlungsstränge. Die angekündigte Tiefe bleibt aus; vieles wirkt routiniert heruntergeschrieben statt entsprechend erlebbar gemacht. Wer auf eine dicht gezeichnete Figurenentwicklung hofft, könnte enttäuscht werden, denn sämtliche Figuren bleiben blass, ihre Motivationen erscheinen oft nicht nachvollziehbar oder werden nur oberflächlich behandelt. Die Entwicklung der Charaktere ist über weite Strecken nicht erkennbar; Handlungsbögen werden zwar eröffnet, doch zu einem runden Abschluss kommt es leider nicht. Stattdessen enden viele Handlungsstränge in losen Fäden, die bis zur letzten Seite keinen befriedigenden Abschluss finden.

Viele Szenen und Beschreibungen wirken wie die Ausfertigungen und Anweisungen in einem Drehbuch, jedoch fehlt es an emotionalen Momenten und Szenen, die nachhaltig im Gedächtnis bleiben. Die Spannung bleibt dadurch oft auf der Strecke, weil sich weder eine wirkliche Dramatik noch eine mitreißende Handlung durch das Buch zieht.

Historisch recherchierte Details sind erkennbar vorhanden und ich weiß sie sehr zu schätzen, doch der nüchterne, fast sachbuchartige Schreibstil lässt keine emotionale Nähe zu und bewirkt, dass die Lesenden eher stille Beobachtende aus der Ferne, statt Involvierte sind. Einw wirkliche Nähe zu den Figuren wird icht aufgebaut.

Berchtesgaden hält viele potenzielle Ansätze bereit – Ort, Zeit, historischer Kontext –, scheitert aber daran, daraus eine stimmige, mitreißende Leseerfahrung für die Lesenden zu sein. Das Buch verabreicht den Leser:innen viele Informationen, aber wenige Gefühle. Vieles bleibt unausgesprochen, nicht nachvollziehbar und am Ende bleiben zu viele Fragen offen.

Schade um die verschenkte Lesezeit

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema
Veröffentlicht am 12.10.2025

Mir fehl'n die Worte, ich hab die Worte nicht Dir zu sagen, was ich fühl (Tim Bendzko)

Wilder Honig
0

Hannahs Herz kann und will nicht loslassen, denn die Trauer um ihren Mann John sitzt tief. Auch wenn ihre Ehe in den letzten Jahren eher vom gemeinsamen Schweigen erfüllt war, empfindet sie eine Art Dankbarkeit, ...

Hannahs Herz kann und will nicht loslassen, denn die Trauer um ihren Mann John sitzt tief. Auch wenn ihre Ehe in den letzten Jahren eher vom gemeinsamen Schweigen erfüllt war, empfindet sie eine Art Dankbarkeit, dass es John in ihrem Leben gegeben hat. Sein Nachlass: elf Briefe, in denen er zu sagen versucht, was er Zeit Lebens nicht in Worte fassen konnte. Das Cottage und der alte Obstagarten sind eine Art Zuflucht, um Hannah wieder zurück in die Gegenwart zu holen. Doch wie gelingt der Neustart, wenn ausser ihr noch zwei verletzte und traruige Frauenherzen darauf warten, endlich eine Heimat zu finden...


"Wilder Honig" von Caryl Lewis erzählt in sehr leisen und getragenen Worten von Trauer, Vergebung und Neubeginn und ist kein Buch, das sich leicht lesen lässt. Vielmehr entsteht durch Johns Briefe das Gefühl, eine Art "Gebrauchsanweisung für Bienen, Garten- & Landschaftsbau" zu lsesen, denn statt zärtlicher Worte für seine Frau findet John nur Erklärungen für das Leben und Wirken der Bienen, Aufzucht, Hege und Pfelge und der Ernte des Honigs.

Ähnlich wie sich der Honig beim Schleudern zähflüssig seinen Weg aus den Waben in den Auffangtrichter der Honigschleuder bahnt, gestaltet sich auch der Lesefluss. Die Geschichte wirkt an vielen Stellen träge und fast schon langweilig, die Chaaktere halten die Lesenden immerzu auf Abstand. Aus Angst, erneut verletzt zu werden ? Aus Furcht, neue Narben auf der ohnehin schon geschundenen Seele verpflastern zu müssen ?

Die Grundidee des Buches handelt von der Zeit des Lassens: Zulassen, Daraufeinlassen und Loslassen und bietet jede Menge Möglichlkeiten, anhand der Lebensgechichten der drei Frauen nicht nur Wege in der gemeinsamen Trauer zueinander zu finden, sondern auch heilsam und vergebend zu sein. Jedoch versäumt Caryl Lewis , echte Emotionen einzuweben und ihr Buch sinnlich erlebbar zu machen.

Lediglich auf den letzten 90 Seiten kann sie die Erwartungen an das Buch erfüllen und das ist einfach für eine anspruchvolle Lektür zu wenig, um zu begeistern. Schade um die verschenkte Lesezeit :(

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.09.2025

Von allem zu viel und doch zu wenig

Versprich mir, dass du tanzt
0

Lilly hat mit Adam die große Liebe ihres Lebens gefunden, doch das Schicksal ist ein mieser Verräter und nimmt den beiden die Möglichkeit auf eine gemeinsame Zukunft. Lilly muss Adam versprechen, ihren ...

Lilly hat mit Adam die große Liebe ihres Lebens gefunden, doch das Schicksal ist ein mieser Verräter und nimmt den beiden die Möglichkeit auf eine gemeinsame Zukunft. Lilly muss Adam versprechen, ihren Jugendliebe aufzusuchen, um all die ungesagten Worte auszusprechen und ein großes Missverständnis auszuräumen. Als Lilly Josh gegenüber steht, ist da wieder dieses Prickeln im Bauch und die Vertrautheit, die sie schon aus Kindertagen kennt. Ist es wirklich möglich, die einzig wahre Liebe mehrmals zu empfinden ?



Ich liebe die Romane von Dani Atkins, denn sie sind voller Gefühl, großen Emotionen und der Gewissheit, dass zwei Menschen, die zusammengehören, auch wirklich zueinander finden. Die Erwartungen an "Versprich mir, dass du tanzt" sind dementsprechend hoch, denn der Klappentext macht deutlich, dass Atkins eine emotionale Achterbahn der Gefühle für ihre Fans in Gang setzt.

Doch schon nach wenigen Seiten macht sich Enttäuschung breit und ich kann kaum glauben, was ich lese. Statt großem Kino und einer tiefgründigen Story muss ich lesen, wie sich Lilly immer wieder zwischen zwei Männern entscheiden muss. Nicht offensichtlich,, doch unterschwellig ist zu spüren, dass sie gefühlsmäßig weder von dem einen noch von dem anderen Mann in ihrem Leben wirklich loskommt.

Manchmal wirkt ihre Beziehung zu Adam wie zweite Wahl, obwohl Atkins alles dafür tut, die Ehe der beiden als harmonisch darzustellen. Zwei Herzen im Gleichklang - nur bedingt und da fängt das Drama an. Lügen, Gefühlschaos, innere Zerrissenheit, Missverständnisse und Vergebung verstricken sich zu einer fast schon undurchschaubaren Handlung, in der an und für sich nur eines zählt: nämlich, welche der Figuren im Buch das größere Leid ertragen kann/will/muss.

Atkins ist weit davon entfernt, an die Qualität ihrer Vorgängerromane anzuknüpfen und verwirrt ihre Leser;innen mit der Handlung des vorliegenden Romans. Manche Probleme lösen sich mit einem Fingerschnippen auf und plötzlich hängt der Himmel voller Geigen, um dann auf den letzten Metern wieder mit Schmerz, Traue, Verlust und einer vollkommen unsinnigen Aufforderung die rosaroten Stimmung zu verhageln. Alles in allem viel zu viel Drama, viel zu viel Herumgedruckse und doch zu wenig Gefühl und Romantik.

Atkins hat bereits mehrfach bewiesen, dass sie Bücher schreiben kann, die unter die Haut gehen. Es bleibt zu hoffen, dass ein nachfolgender Roman wieder an die gewohnte Qualität anknüpft. Schade um die verschenkte Lesezeit

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.09.2025

Verzaubert mich leider nicht

Der Laden in der Mondlichtgasse
0

In der Mondlichtgasse lugt die Magie aus allen Ecken und Ritzen, doch erst in der Confiserie von Kogetsu treffen Mensch und Zauber aufeinander. Wer seine Süßigkeiten kauft und auf seinen Rat hört, der ...

In der Mondlichtgasse lugt die Magie aus allen Ecken und Ritzen, doch erst in der Confiserie von Kogetsu treffen Mensch und Zauber aufeinander. Wer seine Süßigkeiten kauft und auf seinen Rat hört, der wird bald schon merken, wie sich sein Leben verändert. Die Lasten, die seine Kund:innen auf Herz und Seele tragen, verwandeln sich, Probleme lösen sich auf und der Fuchsgeist hat wieder einmal dazu beigetragen, nicht nur die Welt, sondern auch die Menschen ein wenig besser zu machen. Denn Kongetsu möchte einfach nur verstehen, wie die Menschen ticken...



Sich gleichzeitig in ein Buch ver- und direkt wieder entlieben klingt paradox, ist aber dennoch möglich. Der Bewies liegt mit "Der Laden in der Mondlichtgasse" auf der Hand und zeigt, dass Magie und Ernüchterung nur ein Mü voneinander entfernt sind.

Während die optische Aufmachung des Buches die Wahl des Titels und der kurze Blick auf den Inhalt durch den Klappentext wirklich zauberhafte Momente versprechen, werden die Leser:innen schon im ersten Kapitel direkt entzaubert.

Die Geschichten sind an und für sich "Lehrsätze", die ihre Moral und Botschaften am Ende einer jeden Erzählung ungefragt verteilen. Sämtliche Figuren wirken wie hölzerne Statisten in ihrer eigenen Geschichte, sind vollkommen eindimensional gestaltet und versprühen weder Charme noch Witz. Auch sind die Inhalte nicht unbedingt zeitgemäß zu nennen, denn einige Ansichten wirken überholt und entsprechen definitiv nicht mehr unserem Zeitgeist.

Die Episoden werden alle in einem sehr unaufgeregten Ton erzählt, sodass sich schon nach wenigen Seiten Monotonie einstellt, die sich in Langeweile verwandelt. Die Seiten lesen sich dadurch nur noch zähflüssig, der magische Glanz des Mondlichts löst sich immer mehr auf und verschwindet zwischen den Seiten. Sehr schade, denn die Grundidee des Buches gefällt, die trostspendenden Geschichten verlieren jedoch durch die nicht geglückte Umsetzung ihre Wirkung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere