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Veröffentlicht am 22.03.2026

Zu unklar

Gewalt am Denken
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"Wann beginnt Faschismus?" - eine spannende Frage, der sich der Journalist und Autor Mark Terkessidis hier annimmt und die mich sehr neugierig auf dieses Buch gemacht hat.

Das Buch beginnt mit einer Definition ...

"Wann beginnt Faschismus?" - eine spannende Frage, der sich der Journalist und Autor Mark Terkessidis hier annimmt und die mich sehr neugierig auf dieses Buch gemacht hat.

Das Buch beginnt mit einer Definition und Eingrenzung des historischen Faschismus, um sich danach verschiedenen aktuellen Phänomenen zu widmen. Da geht es um berechtigte oder unberechtigte Israelkritik, Antisemitismus, Querdenker und Kritik an den Corona-Maßnahmen, die Flüchtlingskrise 2015, Identitätspolitik, das Wiedererstarken der Rechten und vieles mehr. Insgesamt sehr interessante Themen.

Doch leider hat sich die Lektüre des Buches für mich so gestaltet, dass ich danach eher verwirrt als informiert war. Vielleicht sind es zu viele komplexe Phänomene, die hier - manchmal auf mich oberflächlich wirkend - eines nach dem anderen abgewandelt werden? Vielleicht geht der Zusammenhang zum Thema Faschismus verloren oder jedenfalls war für kein roter Faden ersichtlich?

Insgesamt ist es ein Buch mit sicherlich vielen interessanten Denkanstößen, dem es für mich aber insgesamt an Übersichtlichkeit und Verständlichkeit fehlt.

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Veröffentlicht am 19.03.2026

Wirkt auf mich unfertig

Der Glückskind-Effekt
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Ich bin eigentlich ein großer Fan der Bücher von Maja und Johannes Storch, weil ich die Fähigkeit der Autoren, komplexe psychologische Konzepte anhand liebenswerter Maskottchen-Figuren allgemeinverständlich ...

Ich bin eigentlich ein großer Fan der Bücher von Maja und Johannes Storch, weil ich die Fähigkeit der Autoren, komplexe psychologische Konzepte anhand liebenswerter Maskottchen-Figuren allgemeinverständlich und humorvoll zu vermitteln, sehr schätze. So ist mir auch das Zürcher Ressourcenmodell, das auch in diesem Buch wieder vorkommt, schon bekannt. Auch die Motto-Ziele kommen wieder vor, es geht also um die altbekannten Konzepte dieser Autoren, ergänzt um Betrachtungen zu Systemtheorie etc.

Erhofft habe ich mir ein weiteres liebevoll gestaltetes und leicht verständliches Werk, das ich als Psychologin meinen Klientinnen und Klienten empfehlen kann, um sich besser zu verstehen. Als solches wird auch dieses Buch wieder vermarktet und so habe ich mich sehr auf die Lektüre gefreut.

Doch leider wirkt auf mich das Buch unfertig, wie wenn man sich den letzten Überarbeitungs-, Straffungs- und Konkretisierungsschritt gespart hätte. Ja, es gibt wieder ein liebenswertes Maskottchen, diesmal ist es das Orx, das denkt, das ihm nichts gelingt und es immer nur Pech hat. Dabei gehen die Autoren darauf ein, dass es ihnen wichtig war, dem im esoterischen Bereich so populären "Wünsch dir was vom Universum"-Konzept etwas wissenschaftlich Fundiertes zum Thema innere Haltung und Mindset entgegenzustellen.

Das gelingt auch erst einmal durchaus gut: das Orx stellt sich vor, es gibt wieder ansprechende Zeichnungen und wissenschaftliche Theorien, die zuerst allgemein erklärt und dann für das Orx noch einmal verständlicher gemacht werden. Doch insgesamt wirkt das Buch auf mich nicht rund und ich habe den Eindruck, dass hier versucht wurde, zu viele zu komplexe Theorien miteinander zu integrieren, auf eine Art und Weise, bei der ich befürchten muss, dass die meisten meiner Klientinnen und Klienten - ohne Vorwissen zu Systemtheorien usw. - davon nicht abgeholt werden, es nicht verstehen werden und somit keine klare Botschaft zum Mitnehmen bleibt.

Wer sich, wie ich, mit den psychologischen und philosophischen Konzepten hinter diesem Buch schon tiefgründiger beschäftigt hat, wird natürlich verstehen, was gemeint ist - aber dafür braucht man dann wiederum nicht so ein Buch, das versucht, diese Theorien für Laien gut verständlich und praktisch anwendbar runterzubrechen.

Ich empfehle jenen, für die das Werk dieser Autoren neu ist, erst einmal zu einem anderen ihrer Bücher zu greifen, um einen guten Eindruck davon zu bekommen, was verständliche Wissenschaftsvermittlung leisten kann.

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Veröffentlicht am 17.03.2026

Sehr theoretische philosophische Abhandlung

Am Volk vorbei
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Die liberalen Demokratien vieler Länder sind in der Krise: populistische Parteien sind im Aufschwung und man hört immer wieder den Vorwurf, es werde "am Volk vorbei" regiert, was auch immer das heißen ...

Die liberalen Demokratien vieler Länder sind in der Krise: populistische Parteien sind im Aufschwung und man hört immer wieder den Vorwurf, es werde "am Volk vorbei" regiert, was auch immer das heißen soll. Von einem Buch mit diesem Titel, verfasst von einem Historiker, hätte ich mir auch eine soziologische oder politikwissenschaftliche Aufarbeitung dieses sehr aktuellen Phänomens erwartet.

Mit dieser Erwartung ist man aber bei diesem Werk falsch: es handelt sich stattdessen um eine sehr philosophische, theoretische, ideengeschichtliche Abhandlung dazu, was mit verschiedenen Begriffen, zum Beispiel Demokratie, Macht, Herrschaft oder Staat gemeint sein könnte. Die Sprache ist sehr anspruchsvoll und erfordert konzentriertes Lesen und am besten ideengeschichtliche Vorkenntnisse in vielen Bereichen, z.B. "Macht ist ein produktives soziales Geschehen, in dem sich Fügsamkeit mit Erwartungen verbindet. Es gibt also ein Interesse am Gehorsam, das gar nicht von Überzeugungen, sondern von pragmatischen Erwägungen motiviert wird."

Insgesamt handelt es sich um ein interessantes Werk mit vielen diskussionswürdigen Ideen, das sich nach meiner Einschätzung aber jedenfalls mehr an ein akademisches Fachpublikum mit großem Interesse an Philosophie und Theoriegeschichte richtet als an interessierte Laien.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Sehr schräge Innenschau einer sonderbaren Frau

Der lebende Beweis
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Dieses Buch lässt mich ratlos zurück. Vielleicht hat es eine Botschaft, aber wenn, dann verstehe ich sie nicht. Eine sonderbare Frau ist mit ihrem Mann, ihren beiden Kindern und ihrer Mutter aus der Großstadt ...

Dieses Buch lässt mich ratlos zurück. Vielleicht hat es eine Botschaft, aber wenn, dann verstehe ich sie nicht. Eine sonderbare Frau ist mit ihrem Mann, ihren beiden Kindern und ihrer Mutter aus der Großstadt aufs Land gezogen, in ein kleines Dorf im ehemaligen Ostdeutschland. So richtig wollte sie dort nicht hin und eigentlich wollte sie auch nicht mehr mit ihrem Mann zusammen sein, aber sie hat es halt gemacht, und dann haben sie Kinder bekommen:

"Eigentlich waren wir gerade dabei uns zu trennen, entwickelten in dieser Phase der Abkopplung aber ein seltsames Interesse an Häusern auf dem Land und stöberten abends im Bett durch die Angebote."

"Spüren sie nicht, dass ich ihnen die Mutter, Partnerin, Tochter nur vorspiele? Ist ihnen egal, dass ich nicht anwesend bin?"

"Liebe Kinder .... Jeder verwildert allein. Seid mir nicht böse. Ich kann euch nicht helfen. Ich treibe selbst ziellos durch den Kosmos. Eure Mutter."

Einen Liebhaber gibt es außerdem in der Nähe. Das ganze Buch ist allein aus der Sicht der Frau geschrieben, andere Sichten lernen wir nicht kennen. Die Frau bleibt dem Dorf und seinen Bewohnern fremd und fühlt sich fremd. Sie macht sonderbare Experimente, zum Beispiel legt sie eine Schere an einen öffentlichen Ort und beobachtet heimlich, ob jemand sie nimmt und was weiter damit geschieht. Dazu recherchiert sie zur Vergangenheit des Dorfes, etwa zu früheren Hexenverfolgungen. Ganz am Anfang findet sie auch ein Gehirn in einer Pfütze auf dem Kirchhügel und nimmt es mit, um es zu konservieren. Dazwischen gibt es banale Alltagsbegebenheiten wie Entlausungsversuche der Kinder in der Schule, die erst am mangelnden Bargeld dafür und dann an den Öffnungszeiten der Apotheke scheitern.

Möglicherweise verbirgt sich in diesem Buch irgendeine interessante tiefergehende Symbolik, die ich allein ohne Diskussion mit anderen Lesenden aber nicht entschlüsseln könnte. Zurück bleibt für mich das Psychogramm einer zutiefst verstörten (psychotischen?), selbstbezogenen Frau, die keine Verantwortung für ihre Entscheidungen übernimmt, ruhelos durch ihr Leben irrt und die ich nicht wirklich verstehen kann.

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Mutterschaft und Mutter-Tochter-Beziehungen im Spiegel des Zeitgeistes

Brüchiges Plastik
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Dieses Buch beginnt stark, mit einem eindringlichen Gedicht zum Thema Mutterschaft, in dem sehr viel Wahrheit steckt: "Mutterschaft macht müde, Mutterschaft macht zornig, weich, angreifbar, unzuverlässig, ...

Dieses Buch beginnt stark, mit einem eindringlichen Gedicht zum Thema Mutterschaft, in dem sehr viel Wahrheit steckt: "Mutterschaft macht müde, Mutterschaft macht zornig, weich, angreifbar, unzuverlässig, unpünktlich, ungehalten, Mutterschaft macht wütend. Und niemand will eine wütende Mutter sehen." (S. 10)

Doch leider handelt es sich dabei nur um ein Manuskript, das bei dem Verlag, den zwei der Hauptcharaktere betreiben, eingereicht, und von diesem abgelehnt wird. Worum geht es in diesem Buch sonst? Um Eve, die mit Hendrik ein Baby bekommt, Tochter Mia, und gerne eine gleichberechtigtere Aufteilung der Care-Arbeit hätte: doch das klappt nicht, Hendrik ist zu beschäftigt mit den Aufgaben im Verlag, den er gemeinsam mit seiner Kollegin Anthea leitet. Anthea ist kinderlos, Eltern gegenüber nicht sehr aufgeschlossen, und außerdem bisexuell.

Letzteres wird, den Zeitgeist bedienend, auch sonst ein großes Thema in diesem Buch sein: denn Eve bekommt zur Unterstützung Au-Pair-Mädchen Juna aus einem spanisch-sprachigen Land, aber perfekt Deutsch sprechend und auch sonst nicht sehr authentisch wirkend, zur Seite gestellt, und wird mit dieser eine lesbische Affäre beginnen.

Ansonsten gibt es noch die Perspektiven der erwachsenen Mia, die eine Fehlgeburt verarbeiten muss und sich mit dieser Erfahrung von ihrem Partner Tom unverstanden und allein gelassen fühlt. Und die von Gabriele, Eves Mutter, die eine sehr traditionelle Beziehung mit ihrem verstorbenen Mann führte und von ihren beiden Töchtern schon abgelehnt wurde, als diese noch recht kleine Kinder waren. Ja, selbst, als sie mit ihnen schwanger war, hat sie schon wahrgenommen, um was für andersartige Wesen im Vergleich zu ihr es sich bei diesen handeln würde, und danach wurde es nicht besser: "Sowohl Eve als auch Clara wurden in Windeseile zu Töchtern, die ihre Mutter als unnötige Last wahrnahmen, sich von ihr zu lösen versuchten wie Tiere, die sich gegen das Zähmen wehrten." (S. 100)

Ich könnte noch einiges aus dem Inhalt erzählen, aber darum geht es hier nicht. Und ich hätte dieses Buch so gerne gemocht, aber ich finde die Figuren einfach nur klischeehaft, den Zeitgeist bedienend bis unglaubwürdig. Ich war genervt davon, dass auch in diesem Buch wieder an vielen Stellen unbedingt lesbische Liebesbeziehungen und dementsprechende erotische Szenen eingebaut werden mussten ("Eve, die dem Bedürfnis widersteht, mit ihrem Mund Junas Nacken zu berühren, stattdessen ein Messer aus der Schublade holt, sich auf die Unterlippe beißt wie ein Kind, das sich schamhaft ertappt fühlt, viel zu fest", S. 159).

Insgesamt konnte ich auch keinen wirklichen Spannungsbogen finden, der mich gefesselt hätte. Die Kapitel sind aus verschiedenen Frauenperspektiven erzählt, aber auch das hat das Buch für mich nicht retten können.

Ich gebe dem Buch 2,5 Sterne, die ich mit viel Nachsicht für die gute Absicht, Mutter-Tochter-Beziehungen und die Problematik moderner Mutterschaft darzustellen, und insbesondere für das einprägsame Gedicht am Anfang, auf 3 aufrunde.

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