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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 15.02.2026

Lesenswert, wenn auch nicht so gut wie der erste Teil

Nur nachts ist es hell
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„Nur nachts ist es hell“ ist die Fortsetzung des Romans von Judith W. Taschler „Über Carl reden wir morgen“.
Dieser zweite Teil wird aus der Sicht von Elisabeth, der einzigen Brugger Tochter, erzählt. ...

„Nur nachts ist es hell“ ist die Fortsetzung des Romans von Judith W. Taschler „Über Carl reden wir morgen“.
Dieser zweite Teil wird aus der Sicht von Elisabeth, der einzigen Brugger Tochter, erzählt. Sie schreibt ihre und die Geschichte ihrer Familie für ihre Großnichte auf. Nach Ende des Ersten Weltkrieges heiratet Elisabeth den Freund ihres gefallenen Bruders und beginnt Medizin zu studieren. Später arbeitet sie mit ihrem Mann Georg in der gemeinsamen Arztpraxis. Elisabeth spannt noch einmal den Bogen von der Zeit vor dem Ersten Weltkrieg bis in die 1950er Jahre. Eine herausfordernde Zeit, welche die Familie Brugger durch Zusammenhalt, Durchhaltevermögen und Hoffnung meistert.


„Über Carl reden wir morgen“ hat mich sehr begeistert, daher stand die Fortsetzung schon lange auf meiner Leseliste. Carl, der die Identität seines Zwillingsbruders Eugen angenommen hat, um so der weiteren Strafverfolgung aufgrund seiner Desertation zu entkommen, übernimmt die Mühle. Der wahre Eugen kehrt zurück in die USA. Elisabeth schreibt über ihr Leben, aber auch über das ihrer Brüder. Es ist ein spannendes Familienportrait in Zeiten, die einem großem Wandel unterliegen. Nicht alle Träume und Hoffnungen erfüllen sich.
Dieser Roman zeigt, dass das Leben gelebt werden will, trotz Weltkrisen und Unsicherheiten. Und das es wichtig ist, die kleinen und schönen Momente zu sehen und sich diese zu bewahren.
Auch wenn die Fortsetzung teils etwas zu langatmig ist, hat sie mich in ihren Bann gezogen. Ich empfehle beide Romane zu lesen, weil ansonsten zu viele Informationen fehlen.

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Veröffentlicht am 19.10.2025

Gut erzählt

Die Diplomatin
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Diplomatie ist in erster Linie geprägt von Geduld und Ruhe. Eigenschaften, die Friederike, genannt Fred, immer ausgezeichnet haben. Ihre Karriere im diplomatischen Dienst ist bisher ohne Zwischenfälle ...

Diplomatie ist in erster Linie geprägt von Geduld und Ruhe. Eigenschaften, die Friederike, genannt Fred, immer ausgezeichnet haben. Ihre Karriere im diplomatischen Dienst ist bisher ohne Zwischenfälle verlaufen. Nun ist sie deutsche Botschafterin in Montevideo, eine beschauliche Stelle. Bis eine deutsche Touristin verschwindet. Zum ersten Mal in ihrer Karriere scheitert Fred an einer Aufgabe. Als Konsequenz wird sie als Konsulin nach Istanbul versetzt. Dort lernt sie nicht nur ihre persönlichen Grenzen, sondern auch die Grenzen der Diplomatie kennen. Es kommt der Punkt, an dem Fred ihre Geduld verliert und eine Entscheidung trifft, die sie mehr als nur ihre Stellung kosten könnte.

Der Roman erzählt in einem nüchternen, sachlichen Stil vom Leben einer Diplomatin. Fred ist eine Frau mittleren Alters, die schon einiges erlebt hat. Sie war einige Jahre in der Botschaft in Bagdad tätig, bevor sie in das ruhige Montevideo versetzt wurde. Echte Freunde oder eine Beziehung gibt es in ihrem Leben nicht. Auch der Kontakt zu ihrer Mutter in Hamburg ist selten.
Zu diesem Leben passt der Erzählstil perfekt. Es ist kein Platz für schmückendes Beiwerk. Mehr Emotionalität bekommt die Geschichte durch die Ereignisse in Istanbul. Man spürt Freds Veränderung, die langsam vonstatten geht. Dennoch bleibt die Geschichte sehr fokussiert. Zudem gibt das Buch Einblicke in den Alltag von Diplomaten, die sich mit banalen Dingen auseinandersetzen müssen, aber auch um das bestmögliche Ergebnis ringen, wenn es z.B. um Menschenleben geht.
Der Roman ist schnörkellos, der Humor trocken, aber die Geschichte ist voller Intensität.

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Veröffentlicht am 19.06.2025

Wunderbar erzählt

Ginsterhöhe
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Nach vier Jahren Krieg kehrt Albert Anfang 1919 in sein Heimatdorf Wollseifen in der Eifel zurück. Eine Granate zerfetzte ihm sein Gesicht und kostete seinem besten Freund das Leben. Alberts Frau Bertha ...

Nach vier Jahren Krieg kehrt Albert Anfang 1919 in sein Heimatdorf Wollseifen in der Eifel zurück. Eine Granate zerfetzte ihm sein Gesicht und kostete seinem besten Freund das Leben. Alberts Frau Bertha tut sich schwer mit dem entstellten Aussehen ihres Mannes. Doch das Leben auf dem Bauernhof geht weiter und Albert findet wieder seinen Platz in der Familie und auch in der Gemeinde. Nur Meller, ein neu Zugezogener im Dorf, macht gerne derbe Scherze auf Alberts Kosten. Meller ist eine zwielichtige Gestalt, von der niemand genau weiß, was ihn nach Wollseifen geführt hat. 
Bis zur Machtübernahme Hitlers geht alles im Dorf den gewohnten Gang. Dann entsteht unweit von Wollseifen eine Ausbildungsstätte für Elitesoldaten inklusive Flugplatz. Meller, Parteimitglied  der ersten Stunde, hat sich dafür stark gemacht. Diese Ausbildungsstätte wird Wollseifen zum Verhängnis werden.



Das Dorf Wollseifen existierte tatsächlich und wurde nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges geräumt. Der Roman „Ginsterhöhe“ erzählt von den Jahren zwischen den Weltkriegen bis zum Ende des Dorflebens. Im Mittelpunkt der fiktiven Geschichte steht die Familie von Albert Lintermann, der nach seiner Rückkehr aus dem Krieg den Bauernhof übernimmt. Es sind die kleinen Glücksmomente und die alltäglichen Sorgen, die das Leben der Bewohner bestimmen. Durchbrochen wird die Erzählung von den Aufzeichnungen des Dorfschullehrers, der die Weltpolitik verfolgt und seine Schlüsse daraus zieht. Dadurch entsteht ein Kontrast zum normalen Leben der Bewohner. Wollseifen ist ein kleines, unbedeutendes Dorf, das dennoch Opfer der großen Politik wird. Für mich ist es ein Stück Zeitgeschehen, das in diesem Roman ganz wunderbar nachempfunden ist.

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Veröffentlicht am 09.04.2025

Eine mutmachende Geschichte

Die Unmöglichkeit des Lebens
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Grace ist pensionierte Mathematik Lehrerin. Ihr Mann ist verstorben, ihr Sohn kam schon im Kindesalter bei einem Unfall ums Leben und Grace führt das unaufgeregte Leben einer allein lebenden Rentnerin. ...

Grace ist pensionierte Mathematik Lehrerin. Ihr Mann ist verstorben, ihr Sohn kam schon im Kindesalter bei einem Unfall ums Leben und Grace führt das unaufgeregte Leben einer allein lebenden Rentnerin. Das ändert sich schlagartig, als sie ein Haus auf Ibiza erbt. Die Neugierde, was es damit auf sich hat, weckt wieder ihre Lebensgeister. Kurzentschlossen fliegt Grace auf die spanische Insel. Damit beginnt eine Reise, die ihrem Leben eine ganz neue Wendung gibt.

Grace erzählt in Briefform von ihren Erlebnissen. Beginnend bei ihrem tristen Leben in England, der überraschenden Erbschaft und was sie dann alles auf Ibiza erlebt. Und das ist einiges.
Wie auch schon in seinen anderen Roman macht der Autor Matt Haig Mut, dass es nie zu spät ist sein Leben zu ändern und das manchmal nur eines kleinen Schubser bedarf, damit Menschen ihr Potenzial erkennen. Grace, die jahrelang von Trauer und Schuldgefühlen geplagt war, beginnt die Dinge aus einer anderen Perspektive zu sehen. Sie ist in der Lage die Vergangenheit abzuschließen und sich selbst neu zu erfinden.

Der Roman erzählt von Schicksalsschlägen und davon, dass das Leben dennoch lebenswert ist und immer Neues bereithält, wenn wir es denn zulassen.
Für alle Leser:innen, die ein positives Buch lesen möchten, das Hoffnung schenkt.

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Veröffentlicht am 27.11.2023

Freundschaft über alle Gräben hinweg

Über alle Gräben hinweg
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Schon die Väter von Alard von Sedlitz und Liam Broedie waren seit ihrem Studium in Heidelberg beste Freunde. Auch der 1. Weltkrieg konnte ihrer Freundschaft nichts anhaben. Liam und Alard erleben ihre ...

Schon die Väter von Alard von Sedlitz und Liam Broedie waren seit ihrem Studium in Heidelberg beste Freunde. Auch der 1. Weltkrieg konnte ihrer Freundschaft nichts anhaben. Liam und Alard erleben ihre Studienzeit in Cambridge. Der Schotte und der Ostpreuße, so unterschiedlich, aber ihre Freundschaft und die Verbundenheit ihrer Familien sind unumstößlich. Als sich der 2. Weltkrieg erahnen lässt, versuchen beide ihren Teil dazu beizutragen, den Krieg zu verhindern.

Der Roman erzählt die Geschichte zweier Familien beginnend um 1900 bis zum Beginn des 2. Weltkrieges. Es geht um Freundschaft, die den geopolitischen Interessen trotz. Leider bleiben die Figuren zu blass. Vor allem dreht es sich gerade zu Beginn mehr um Alards Mutter, als um die Freundschaft der beiden Männer. Diese wird erst wesentlich später Thema.

Und zum Ende hin, als es interessant zu werden scheint, hatte ich das Gefühl, dass der Roman schnell sein Ende finden muss. Manche Erzählstränge und Figuren werden nur angerissen, und verlaufen im Nichts. Beispielsweise Alards Tante, die meiner Meinung nach keine Relevanz für die Geschichte hat.
Es ist eine nette, gut erzählte Geschichte, mit einigen Schwächen, die mich leider nur wenig überzeugen konnte.

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