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Veröffentlicht am 15.02.2026

Helden der Lüfte zwischen Herzklopfen und Hollywood

Windwalkers (2). Helden der Lüfte
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Zwischen flirrenden Wüstenwinden, Filmkulissen und jeder Menge Federn entfaltet sich ein Abenteuer, das beim Lesen sofort dieses Kribbeln auslöst – dieses „nur noch ein Kapitel“-Gefühl, das dann plötzlich ...

Zwischen flirrenden Wüstenwinden, Filmkulissen und jeder Menge Federn entfaltet sich ein Abenteuer, das beim Lesen sofort dieses Kribbeln auslöst – dieses „nur noch ein Kapitel“-Gefühl, das dann plötzlich drei Stunden dauert. Sierra als Wolfs-, Blauhäher- und überhaupt Mut-Wandlerin macht einfach Spaß, weil sie nicht perfekt ist, sondern stolpert, zweifelt und trotzdem losfliegt. Genau da saßen wir nebeneinander, Buch zwischen uns, und plötzlich kam dieses leise „Oh nein, bitte nicht…“ von rechts. Kurzer Blick, gleiches Herzklopfen. Buddyread-Magie.

Besonders stark: die Mischung aus Freundschaft, Freiheit und einem Hauch Rebellion gegen ziemlich fiese Ungerechtigkeiten. Während Hollywood geschniegelt glänzt, kämpfen die jungen Wandler für Wasser, Tiere und das Richtige. Klingt groß? Fühlt sich trotzdem nah an. Zwischendurch wurde diskutiert, ob man wirklich heimlich Tiere befreien darf oder ob das komplett eskaliert. Spoiler: Die Diskussion war fast so spannend wie die Story.

Die Flugszenen haben echtes Kopfkino geliefert. Mehr als einmal wanderte der Finger über die Seite, um zu zeigen, wie steil Sierra gerade durch die Luft zieht. Kurzes Grinsen, dann wieder weiterlesen. Und Ricardo… sagen wir so: Sympathiepunkte wurden hier definitiv gesammelt. Ein paar kleine Vorhersehbarkeiten bremsen minimal, aber das Herz der Geschichte schlägt laut genug, um das locker wegzufedern.

Unterm Strich bleibt ein warmes Gefühl, ein bisschen Fernweh nach Himmel und das sichere Wissen, dass gemeinsame Lesezeit sowieso das größte Abenteuer ist. Buch zugeklappt, Blick rüber, gleichzeitig: „Wann lesen wir weiter?“ Genau dafür sind solche Geschichten gemacht.

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Veröffentlicht am 15.02.2026

Sanfte Gedanken über den letzten Weg

Kein Grab wie jedes andere
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Zwischen leisen Gedanken an Vergänglichkeit und dem Wunsch nach Selbstbestimmung entfaltet dieses Buch eine besondere Ruhe. Seite für Seite entsteht das Gefühl, dass Abschied nicht nur Schmerz bedeutet, ...

Zwischen leisen Gedanken an Vergänglichkeit und dem Wunsch nach Selbstbestimmung entfaltet dieses Buch eine besondere Ruhe. Seite für Seite entsteht das Gefühl, dass Abschied nicht nur Schmerz bedeutet, sondern auch Fürsorge, Klarheit und einen letzten liebevollen Blick auf das eigene Leben sein kann. Die einfühlsame Sprache nimmt behutsam an die Hand, ohne zu beschweren, und öffnet Räume für Themen, die sonst gern verdrängt werden.

Besonders berührt hat mich der achtsame Blick auf nachhaltige Bestattungsformen und die vielen Möglichkeiten, den letzten Weg individuell zu gestalten. Alles wirkt gut recherchiert, verständlich erklärt und gleichzeitig warmherzig erzählt. Auch das Kapitel zum digitalen Nachlass fühlt sich überraschend tröstlich an, weil es Ordnung in ein Thema bringt, das oft Unsicherheit auslöst.

Trotz der Schwere des Themas bleibt ein Gefühl von Frieden zurück. Dieses Buch schenkt Mut, sich rechtzeitig mit den eigenen Wünschen auseinanderzusetzen, und nimmt Angehörigen später eine große Last von den Schultern. Ein stiller, wertvoller Begleiter für alle, die Abschied neu denken möchten.

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Veröffentlicht am 14.02.2026

Tomaten, Träume und ein bisschen Erde unter den Nägeln

Alles im Gewächshaus
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Zwischen feuchter Erde, beschlagenen Scheiben und diesem leisen Versprechen von Selbstversorgung liegt plötzlich ein Buch auf dem Tisch, das mehr kann als nur Tipps runterbeten. Alles im Gewächshaus fühlt ...

Zwischen feuchter Erde, beschlagenen Scheiben und diesem leisen Versprechen von Selbstversorgung liegt plötzlich ein Buch auf dem Tisch, das mehr kann als nur Tipps runterbeten. Alles im Gewächshaus fühlt sich an wie ein ruhiger Spaziergang durch Reihen voller Tomatenpflanzen, während irgendwo im Hinterkopf schon der Plan entsteht, das eigene Chaos im Garten endlich in etwas Essbares zu verwandeln. Und genau da packt einen dieses Ding.

Tom Brown schreibt nicht wie ein Professor mit erhobenem Zeigefinger, sondern eher wie der Nachbar, der zufällig immer die dicksten Gurken erntet und dabei entspannt Kaffee trinkt. Schritt für Schritt wird klar, was im Gewächshaus wirklich zählt, Timing, Geduld und dieses kleine bisschen Liebe, das man Pflanzen heimlich mitgibt, wenn keiner hinschaut. Klingt kitschig, funktioniert aber.

Besonders stark sind die praktischen Details. Jahresplaner, Schädlingsschutz, Überwinterung, alles drin, ohne trocken zu werden. Selbst kleine Balkone bekommen plötzlich Größenwahn, weil man merkt, wie viel doch möglich ist. Nebenbei wächst diese leise Lust, sofort Erde unter den Fingernägeln zu haben.

Ganz perfekt ist es nicht. Manche Abschnitte könnten noch tiefer gehen, gerade wenn man schon etwas Erfahrung hat. Aber ganz ehrlich: Die Mischung aus Motivation, Wissen und Machbarkeit trifft ziemlich genau den Punkt, an dem Träume zu Tomatensalat werden.

Unterm Strich ein verdammt sympathisches Gartenbuch, das nicht nur erklärt, wie etwas wächst, sondern auch, warum man selbst dabei plötzlich entspannter wird.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

Gefangen im schönsten Albtraum der Zukunft

Otherland. Band 2
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Zwischen digitalem Wunderland und blankem Albtraum wird hier keine Gefangenen gemacht, weder für die Figuren noch für die Leser. Band zwei von Otherland zieht die Schraube spürbar an, wirft einen tiefer ...

Zwischen digitalem Wunderland und blankem Albtraum wird hier keine Gefangenen gemacht, weder für die Figuren noch für die Leser. Band zwei von Otherland zieht die Schraube spürbar an, wirft einen tiefer in diese schillernde, gefährliche Cyberwelt und sorgt dafür, dass der Kaffee neben dem Buch ständig kalt wird, weil Weglegen einfach keine Option ist.

Besonders stark: das Gefühl, wirklich mittendrin zu stecken. Diese Mischung aus Hightech, Fantasie und unterschwelliger Bedrohung hat etwas herrlich Sogartiges. Man merkt, dass Tad Williams ein verdammt gutes Gespür für Atmosphäre hat. Gleichzeitig fordert die Geschichte Aufmerksamkeit, hier wird nichts auf dem Silbertablett serviert. Kurz abschweifen, und zack, schon hat die Handlung drei neue Türen geöffnet, hinter denen garantiert nichts Harmloses wartet.

Die Figuren kämpfen, stolpern, hoffen und verzweifeln sich durch eine Welt, die gleichzeitig wunderschön und gnadenlos ist. Genau das macht den Reiz aus. Perfekt glatt wäre langweilig gewesen. Stattdessen fühlt sich alles lebendig, riskant und manchmal auch angenehm chaotisch an, wie ein Traum, bei dem man nicht sicher ist, ob man aufwachen will.

Ein kleines bisschen Geduld braucht man, keine Frage. Die epische Breite nimmt sich Raum. Doch wer sich darauf einlässt, bekommt großes Kopfkino, spannende Ideen und dieses wohlige Gefühl, Teil von etwas richtig Großem zu sein. Am Ende bleibt vor allem eins hängen: sofort weiterlesen wollen. Und das ist bekanntlich das schönste Kompliment, das man einem zweiten Band machen kann.

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Veröffentlicht am 11.02.2026

Überleben, das unter die Haut geht

Überleben
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Manchmal liegt ein Buch vor einem, das nicht laut sein muss, um alles zu sagen. Überleben von Alma Hirschel gehört genau in diese Kategorie – leise, roh, fast tastend erzählt, und gerade deshalb so erschütternd ...

Manchmal liegt ein Buch vor einem, das nicht laut sein muss, um alles zu sagen. Überleben von Alma Hirschel gehört genau in diese Kategorie – leise, roh, fast tastend erzählt, und gerade deshalb so erschütternd nah. Keine große literarische Pose, kein geschliffenes Erinnerungsnarrativ, sondern Worte, die wirken, als müssten sie sich ihren Weg erst durch Schmerz und Erinnerung freikämpfen. Beim Lesen sitzt man nicht bequem daneben, sondern steht mittendrin in Wien 1938, in den Lagern, im Todesmarsch, in dieser unfassbaren Mischung aus Angst, Hoffnung und purem Weitergehen.

Besonders berührend ist die Perspektive der Mutter. Viel wurde über Ruth Klügers Blick geschrieben, doch hier öffnet sich ein neuer Raum – ein anderer Ton, weniger analytisch, dafür unmittelbarer, fast wie ein innerer Monolog, der Jahrzehnte zu spät auf Papier gefunden hat. Genau das macht den Text so wertvoll. Dokument und Literatur zugleich, unfertig wirkend und doch voller Wahrheit. Mehrmals kurz innegehalten, nicht weil es schwer verständlich wäre, sondern weil es emotional nachhallt.

Trotz der Schwere steckt darin auch etwas zutiefst Menschliches: der Wille zu überleben, das Festhalten an Beziehung, ein leiser Trotz gegen das Vergessen. Kein Buch, das man „gern“ liest – aber eines, das man gelesen haben sollte. Und eines, das noch lange still im Kopf weiterarbeitet, während der Kaffee längst kalt geworden ist.

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