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Veröffentlicht am 26.02.2026

Zwischen Coming of Age und Thriller

Kala
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Zwischen Coming of Age und Thriller

„Kala“ ist der Debütroman von Colin Walsh. Das merkt man diesem Werk keineswegs an. Ich empfand die Story von Anfang bis Ende als ausgefeilt und rund, dabei auch sprachlich ...

Zwischen Coming of Age und Thriller

„Kala“ ist der Debütroman von Colin Walsh. Das merkt man diesem Werk keineswegs an. Ich empfand die Story von Anfang bis Ende als ausgefeilt und rund, dabei auch sprachlich sehr schön präsentiert. Auf Deutsch erschien das Buch im Februar 2026 im Gutkind Verlag.

2003, Kinlough, Irland. Eine Clique von Fünfzehnjährigen genießt den Sommer. Die Jugendlichen machen allerlei Blödsinn, probieren sich aus, gehen an die Grenzen - Pubertät eben. Kala, Helen, Aoife, Mush, Joe und Aidan gehen zusammen scheinbar durch Dick und Dünn. Doch wenn man genau hinsieht, bemerkt man die Risse. Und dann verschwindet im November Kala von einem auf den anderen Tag spurlos. Die Zurückgebliebenen müssen mit diesem Verlust fertigwerden und sich fragen, ob sie eine Schuld an Kalas Verschwinden tragen.

2018 treffen sich Helen, Mush und Joe anlässlich der Hochzeit von Helens Vater wieder. Aiden ist inzwischen verstorben, Aoife weggezogen. Helen flüchtete nach Kalas Verschwinden nach Kanada, Joe wurde ein berühmter Musiker. Nur Mush blieb stets in Kinlough, wo er seiner Mutter im Café hilft. Als auf einer Baustelle ein Skelett gefunden wird, stellt sich schnell heraus, dass es sich um Kala handelt. Die sterblichen Überreste weisen Anzeichen von massiven Verletzungen auf. Was ist mit Kala vor fünfzehn Jahren geschehen? Vor allem die Journalistin Helen bohrt nach, nicht wissend, dass sie dadurch sich und ihre Freunde in höchste Gefahr bringt.

Der Roman beginnt ziemlich gemächlich. Aus verschiedenen Perspektiven lernen wir die Gruppe mitsamt ihrer Dynamik kennen. Heute, fünfzehn Jahre später, hängt die Vergangenheit immer noch wie ein Damoklesschwert über den jungen Menschen. Vieles wurde verdrängt, will nun aber an die Oberfläche. Mit jeder gelesenen Seite entwickelt die Handlung einen immer stärkeren Sog, werden die Figuren immer greifbarer. Nachdem Colin Walsh uns zunächst viele rätselhafte Andeutungen vorlegt, serviert er uns schließlich häppchenweise die Fakten, knüpft ein Netz von unerwarteten Verbindungen und Ereignissen.

Der Schreibstil ist fesselnd, atmosphärisch dicht und bildhaft. Mein Kopfkino hatte ordentlich zu tun. So liebe ich das! Was als Coming of Age-Roman beginnt, endet schließlich als spannender Thriller.

★★★★★

Veröffentlicht am 15.02.2026

Diese verflixten Dimensionslöcher

Qwert
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Diese verflixten Dimensionslöcher

Als der Gallertprinz Qwert Zuiopü durch ein Dimensionsloch in die Parallelwelt Orméa stürzt, findet er sich im Körper und der Ritterrüstung des legendären Prinz Kaltbluth ...

Diese verflixten Dimensionslöcher

Als der Gallertprinz Qwert Zuiopü durch ein Dimensionsloch in die Parallelwelt Orméa stürzt, findet er sich im Körper und der Ritterrüstung des legendären Prinz Kaltbluth wieder, der Qwert aus unzähligen Romanen bekannt ist. Seine erste Tat in der neuen Welt besteht darin, eine „schöne Jungfrau“ zu befreien. Dummerweise entpuppt diese sich dann aber als Janusmeduse Jamusa, die nichts weiter im Sinn hat als ganz Orméa mit ihrem bösen Blick zu versteinern. Nun hat Qwert alle Hände voll zu tun, genau dies zu verhindern, dabei aber auch Jamusa vor ihren Verfolgern zu beschützen, denn unglücklicherweise hat er sich in die Schöne verliebt.

Ich habe mich mit Walter Moers neuestem Werk mal wieder köstlich amüsiert. Abenteuer für Abenteuer muss Qwert als Prinz Kaltbluth in einer ihm unbekannten Welt bestehen, was zu manch kurioser Szene führt, denn eigentlich hat er mit dem Rittertum so gar nichts am Hut. Zum Glück steht ihm sein treuer Knappe Oyo zur Seite, der notfalls aus dem einschlägigen Handbuch für Ritter zitiert und Qwert mit den Regeln vertraut macht. Ich fand es herrlich, wie Qwert dabei immer weiter über sich hinauswächst und tapfer seinen Weg geht. Die Figuren sind mir ganz schnell ans Herz gewachsen, sie sind einfach putzig - selbst die „Bösen“.

Die Einfälle des Autors sind schon ziemlich genial und vor allem auch unvorhersehbar. Immer wieder zeigt sich, dass die Dinge gar nicht so sind, wie sie auf den ersten oder auch zweiten Blick scheinen. Walter Moers hat immer noch eine überraschende Wendung im Ärmel. Es gibt unzählige Anspielungen auf Historisches, Gegenwärtiges und Mythologisches. Ich wette, ich habe nicht einmal die Hälfte davon entdeckt. Aber das macht nichts. Das Lesevergnügen war auch so enorm und zudem rechtfertigt es ein nochmaliges Lesen dieses abstrusen unterhaltsamen Abenteuer-Liebes-Romans.

★★★★★

Veröffentlicht am 07.02.2026

Neue Reihe mit einigen alten Bekannten

Ungelöst – Die erste Zeugin
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Neue Reihe mit einigen alten Bekannten

„Ungelöst. Die erste Zeugin“ knüpft an ein früheres Werk von Arno Strobel an, „Das Wesen“. Einige der damaligen Protagonisten spielen auch im aktuellen Buch wieder ...

Neue Reihe mit einigen alten Bekannten

„Ungelöst. Die erste Zeugin“ knüpft an ein früheres Werk von Arno Strobel an, „Das Wesen“. Einige der damaligen Protagonisten spielen auch im aktuellen Buch wieder eine große Rolle, die ermittelnden Polizisten sind aber neu. Man muss auch überhaupt keine Vorkenntnisse mitbringen. Was man über die einzelnen Charaktere von damals wissen muss, wird hier gesagt.

Nachdem Bernd Menkhoff den Psychiater Dr. Joachim Lichner ins Gefängnis gebracht hat, ist er nun wieder entlassen worden und prompt verschwinden erneut kleine Mädchen. Natürlich fällt der Verdacht sofort wieder auf Lichner. Luisa Menkhoff, die Tochter des inzwischen verstorbenen Bernd Menkhoff, bietet der Polizei ihre Hilfe an. Durch ihr eidetisches Gedächtnis hat sie unendlich viele interessante Erinnerungen, die zur Aufklärung der Fälle führen könnten. Doch bald geschieht etwas, was darauf hinweist, dass Lichner doch nicht der Täter sein kann …

Von der ersten bis zur letzten Seite hat mich dieses Buch gepackt. Ich wollte es kaum aus der Hand legen, denn die Spannung empfand ich als kontinuierlich hoch. Durch sympathische Protagonist*innen, aber auch durch schwer durchschaubare, war ich durchgehend von der Handlung gefesselt und habe mit den Ermittlern um die Entführungsopfer gebangt und gerätselt, wie alles tatsächlich zusammenhängt. Hierbei warten eine Menge überraschende Wendungen auf die Lesenden. Kaum meint man zu wissen, wer was und warum, dreht sich die Geschichte wieder komplett in eine andere Richtung. Für mich war hier kaum etwas vorhersehbar. Die einzelnen Fakten erkannte ich meistens erst, wenn der Autor mir den entscheidenden Hinweis gab.

„Ungelöst. Die erste Zeugin“ ist der Auftaktband einer neuen Reihe um Cold Cases. Ich bin schon sehr gespannt, wann und womit es weitergeht.

Fazit:
Sehr spannende Unterhaltung für alle Thrillerfans, die nicht unbedingt tiefschürfende Kost brauchen, sondern einfach mal vom Alltag abschalten wollen.

★★★★★

Veröffentlicht am 04.02.2026

Hat mich absolut gefesselt

Die Insel meiner Schwester
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Hat mich absolut gefesselt

Im Alter von vierzehn Jahren erfährt Mirjam, dass sie eine fast gleichaltrige Halbschwester hat. Die beiden lernen sich heimlich kennen und werden beste Freundinnen, bis sie ...

Hat mich absolut gefesselt

Im Alter von vierzehn Jahren erfährt Mirjam, dass sie eine fast gleichaltrige Halbschwester hat. Die beiden lernen sich heimlich kennen und werden beste Freundinnen, bis sie sich wieder aus den Augen verlieren. Als Nia dann nach längerer Zeit sich wieder meldet und Mirjam zu ihrem vierzigsten Geburtstag auf die Familieninsel einlädt, hat diese schon ein ungutes Gefühl …

Sara Bergmark Elfgren packt hier schwierige Themen an, meistert die Gratwanderung zwischen bedrückenden Situationen und leichter Erzählung einfach klasse. Mirjams Lebensgefährte hat sich nach zehn Jahren gerade von ihr getrennt; sie ist am Boden zerstört. Doch noch mehr Sorgen macht sie sich um ihre Schwester Nia, die seit Jahren in einer toxischen Beziehung feststeckt und es einfach nicht schafft, sich von ihrem Mann zu lösen.

Behutsam erzählt die Autorin die Geschichte der beiden Frauen aus der Ich-Perspektive von Mirjam. Dadurch bekommt man alle Gedanken und Gefühle aus erster Hand mit und kann leicht nachvollziehen, warum sie so handelt, wie sie handelt. Aber auch an Nia fühlte ich mich ganz nah dran und konnte sehr gut verstehen, wie sie an diesen Mann geraten ist und warum sie ihn nicht einfach verlassen kann, obwohl vielleicht sogar ihr Leben in Gefahr ist. Dies wird sehr schön durch Rückblenden/Erinnerungsfragmente gelöst.

Die Atmosphäre ist dabei von Anfang an untergründig spannend. Man hat den Eindruck, dass jeden Augenblick etwas passieren muss, doch hier spannt Sara B. Elfgren uns etwas auf die Folter. Der große Knall kommt erst später, dann aber mit aller Wucht! Ich war total erstaunt über die Wendungen, die die Handlung nimmt. Dieser Roman weist mehr Spannung auf als so mancher Thriller.

★★★★★

Veröffentlicht am 29.01.2026

Fesselnde Story

Die Farm der Mädchen
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Fesselnde Story

Vor einem Jahr verlor die Polizistin Hannah Wester ihren Mann. Nach einer beruflichen Auszeit ist sie nun wieder am Start und bekommt es gleich mit einem für sie äußerst harten Fall zu ...

Fesselnde Story

Vor einem Jahr verlor die Polizistin Hannah Wester ihren Mann. Nach einer beruflichen Auszeit ist sie nun wieder am Start und bekommt es gleich mit einem für sie äußerst harten Fall zu tun, dem Fund eines toten Babys. Von dessen Mutter fehlt zunächst jede Spur. In schwierigen Ermittlungen kommt die Polizei einer Organisation auf die Spur, die junge Frauen zur Leihmutterschaft zwingt und ihnen dann die Kinder wegnimmt. Während Hannah sich in den Fall kniet, kämpft sie gleichzeitig auch gegen private Probleme an, denn nicht nur ihr Mann wurde ihr genommen, sondern vor vielen Jahren auch ihre Tochter. Dass ihr dementer Vater sich ihr gegenüber ziemlich boshaft verhält, sorgt auch nicht gerade für ihr Wohlbefinden.

Nachdem ich von Hans Rosenfeldt schon einige super Bücher gelesen habe, konnte mich auch „Die Farm der Mädchen“ begeistern. Obwohl man ja schon ziemlich früh hinter die Kulissen blicken darf und weiß, wie die Zusammenhänge sind, bleibt die Handlung spannend und fesselnd. Zwar wissen die Lesenden, wer die Guten und wer die Bösen sind, aber die Frage ist durchgehend, wessen Pläne aufgehen und wessen vereitelt werden. Dabei geht es oft um Leben und Tod.

Mir gefiel die Ausarbeitung der verschiedenen Charaktere sehr gut. Auf der einen Seite die jungen schwangeren Frauen, deren Leben skrupellos zerstört wurde. Auf der anderen Seite reiche Menschen, die meinen, mit Geld alles kaufen zu können. Dann natürlich die Mitglieder der Organisation, denen ein Menschenleben gar nichts bedeutet - solange es nicht das eigene ist. Und schließlich die Polizist*innen, die zwischen Vergangenheit und Zukunft gefangen sind und dabei auch nur allzu menschlich wirken.

Ich habe mir dieses Hörbuch von Vera Teltz vorlesen lassen. Die gekürzte Ausgabe umfasst 10 Stunden, 42 Minuten. Die Sprecherin macht dabei ihre Sache ganz hervorragend. Es ist ein Vergnügen, ihrer angenehmen und vielfältigen Stimme zu lauschen, mit der sie die Atmosphäre passend darstellt.

★★★★★