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Veröffentlicht am 13.02.2018

Fantasievoll, witzig, schreibgewandt, skurril, unterhaltsam, wissenschaftlich, aber ab der Mitte mit einigen Längen!

Die Analphabetin, die rechnen konnte
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Jonasson beginnt seine Geschichte im Apartheidsystem Südafrikas. Wir begleiten die junge Nombeko, die dank einer Hochbegabung ein Rechengenie ist und dank ihrer harten Lehre im Slum eine Kämpferin wurde ...

Jonasson beginnt seine Geschichte im Apartheidsystem Südafrikas. Wir begleiten die junge Nombeko, die dank einer Hochbegabung ein Rechengenie ist und dank ihrer harten Lehre im Slum eine Kämpferin wurde und so ohne Zugang zu Bildung trotzdem Lesen und Schreiben lernte, außerdem noch Chinesisch und Atomphysik. Nach einem Unfall arbeitet sie als Putzfrau beim Chef der südafrikanischen Atombehörde und eignet sich das nötige Fachwissen an. Schliesslich kommt sie illegal nach Schweden, im Gepäck eine von den Behörden unbekannte Atombombe. Doch Nombeko weiß sich zu helfen.

Ihr Ehrgeiz und ihr Kämpfergeist ist weiterhin ungebrochen und so lernt sie Holger 2 kennen, ihre Liebe des Lebens und gemeinsam erleben sie einige Abenteuer, die sie bis auf höchstes politisches Parkett bringt.
Inhaltlich zeigt Jonasson hier einerseits die Kritik an der Apartheid und andererseits zeigt er die Problematik der Gefahr durch Atomwaffen und deren politische Machthaber.
Mit seinen vielen skurrilen Figuren weiß er gut zu unterhalten. Nombeko ist zwar Putzfrau, hat aber politische Einflussnahme und ist den Mächtigen der Weltpolitik überlegen. Es wird hier sehr deutlich, wie sehr menschliche Marionetten im politischen Getriebe wirken können.
Ich habe mich wirklich gut unterhalten gefühlt. Das Buch war zwar völlig abstrus, aber auch sehr witzig und durch die tolle Mischung aus
Absurditäten und Weltgeschichte wirkte es auf mich wie eine Humoreske.
Es ist zwar eine völlig irreale Geschichte, aber dennoch zeigen die Themenrealen und aktuellen Bezug und man erlebt die Kritik am Wettrüsten, an der Apartheid und politischen Machenschaften im Allgemeinen hier sehr deutlich.

Der Autor kann toll schreiben, ohne Frage! Wie er fast
beiläufig politische Themen und die kritische Sicht auf die Apartheidspolitik verbindet, ist sensationell. Dabei legt er mit viel Witz eine Geschichte hin, die seinesgleichen sucht.

Mit den skurrilen Figuren, den unglaublichen Ideen und den unerwarteten Wendungen hat mich der Roman wirklich mitgerissen. Ab der Mitte des Buches hatte er jedoch einige Längen. Vielleicht haben auch die unerhört vielen absurden Situationen bei mir auch zu einer Art Reizüberflutung geführt. Es waren zum Teil die politischen Themen, die sich um Mossad-Geheimdienst und Apartheid drehen und dann noch die allgegenwärtige Atombombe im Gepäck. Da geht einem als Leser fast die Puste aus. Doch man sollte weiter lesen, das Unrealistische ausblenden und dann bringt ein spannendes Ende das Buch wieder ins rechte Lot.


Dieses Buch hat mit seiner unglaublich absurden Handlung und der humorvollen Erzählweise eine fesselnde Wirkung auf mich gehabt. Dabei war für mich der Erzählstil Neuland und hat mich überrascht. Die kritischen Untertöne finde ich gelungen.
Von der Latrine zur Weltpolitik könnte der Lehrsatz des Romans heißen!

Veröffentlicht am 13.02.2018

Ein fesselnder Plot, eine engagierte Detektivin und ein tragischer Fall sorgen für beste Krimiunterhaltung!

Das vermisste Mädchen
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ACHTUNG: Rezension enthält Spoiler



Helena ist bei diesem Fall sehr engagiert, nicht nur das Schicksal der kleinen Tshala liegt ihr am Herzen, ihren ersten Fall möchte sie auch erfolgreich zu Ende ...

ACHTUNG: Rezension enthält Spoiler



Helena ist bei diesem Fall sehr engagiert, nicht nur das Schicksal der kleinen Tshala liegt ihr am Herzen, ihren ersten Fall möchte sie auch erfolgreich zu Ende bringen. Dabei muss sie ihre finanziellen Forderungen wohl sehr zurückschrauben, die afrikanische Flüchtlingsfamilie hat kein Geld.
Helenas Mann rät ihr von diesem Fall ab, doch damit stösst er bei ihr auf Granit. Sie stürzt sich in die Ermittlungen, macht Boxtraining und kommt selbst in Gefahr.
Diese Art von Ermittlerinnen machen Krimis so fesselnd und lassen den Leser das Buch in einem Rutsch durchlesen.

Bettina Lausen hat hier eine aktionsreiche Figur geschaffen und den Plot in einen brisanten Kontext gestellt.
Ihr Schreibstil ist flüssig und führt durch wechselnde Perspektiven für Spannungsaufbau. Man ist schnell in der Handlung gefangen und erlebt mit der Detektivin ihren ersten Fall hautnah mit und hofft auf einen guten Ausgang der Geschichte. Die Verzweiflung und Angst der Familie um das verschwundene Kind sind spürbar. Schnell laufen die Ermittlungen in die rechtsradikale Szene, die es wohl auch im Sauerland gibt.
Das Verschwinden von Kindern geht mir immer sehr nah.
Der eigentliche Fall ist jedoch ein ganz anderer. Vordergründig geht es um das Verschwinden, dahinter verbirgt sich jedoch ein Schicksal, wie es vielen afrikanischen Mädchen droht, die entsetzliche Absicht der Genitalverstümmelung durch ihre engsten Angehörigen.

Dieser Krimi enthüllt eine tragische Tradition, die mich sehr entsetzt. Besonders wenn man bedenkt, dass jährlich laut World Health Organization in Deutschland circa 5000 Mädchen diesem Ritual ausgesetzt werden. Ein Verbrechen, das hierzulande strafbar ist, aber selten von den Betroffenen angezeigt wird. Sie müssten ihre eigenen Eltern belasten.
Mit der Aufnahme von fremden Kulturen kommen auch für uns fremde Tradtionen ins Land, die nicht nur abartig erscheinen, sondern auch mit allen Mitteln des Gesetzes bekämpft werden müssen.

Dieser Krimi hat mich tief bewegt und mit Helena ist genau die richtige Ermittlerheldin gefunden worden. Ein fesselndes Debüt mit einem brisanten Thema.

Veröffentlicht am 13.02.2018

Sizilianische Atmosphäre mit interessanten Einblicken in den Thunfischfang und einem spannenden Fall von Mord und Kunstraub!

Sizilianische Rache
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"Sizilianische Rache" ist bereits der zweite Band der Reihe um den Ermittler Luca Santangelo. Auch wenn ich den ersten Teil nicht kenne, war ich sofort mitten im Geschehen und hatte keine Verständnisprobleme. ...

"Sizilianische Rache" ist bereits der zweite Band der Reihe um den Ermittler Luca Santangelo. Auch wenn ich den ersten Teil nicht kenne, war ich sofort mitten im Geschehen und hatte keine Verständnisprobleme. Es gibt allerdings einige Handlungsstränge, die verschiedene Familien beschreiben und auch weit in die Vergangenheit ins Jahr 1914 hineinreichen. Hier muss man die Personen für sich etwas ordnen und bekommt im Verlauf der Lektüre einen umfassenden Überblick.

Luca Santangelo ist eigentlich Journalist, doch jetzt geht es um seinen Sohn und er versucht, entlastende Beweise in diesem Mordfall zu suchen. Luca wirkt recht sympathisch, hat eine intelligente und einnehmende Lebensgefährtin, Ada, und ist froh, wenn ihn seine Ex-Frau, eine ziemlich schwierige Person, in Ruhe lässt. Es beginnt eine aufregende Suche nach dem richtigen Mörder. Luca kennt keine Berührungsängste und fühlt den Leuten auf den Zahn, ungeachtet ihrer Stellung oder ihres Gebahrens.

Ann Baiano merkt man ihre Vorliebe zu Sizilien direkt beim Lesen an. Sie lässt uns teilhaben an der sommerlichen Atmosphäre dieser schönen Landschaft, aber auch an der besonderen Lebensart der Sizilianer. Man fährt Motorroller, trinkt Espresso und Marsala, isst Antipasti und entgeht der mittäglichen Hitze bei einer Siesta. Wir erleben in beschreibenden Rückblenden wie hier an der Küste schon seit Generationen der Thunfischfang durchgeführt wurde und erfahren wie dieser früher die größte Einkommensquelle darstellte.

Ann Baiano schreibt wunderbar flüssig und entspannend, ohne dass die Krimispannung leidet. Außerdem ist die Geschichte Siziliens und insbesondere der Thunfischfang absolut bildhaft dargestellt. Sie zeigt sehr anschaulich die alte Tradition des Thunfischfangs, Mattanza genannt und führt den Leser außerdem ein in eine sagenhafte Welt alter phönizischer Gottheiten und abergläubischer Sagen.

Das ist nicht immer einfach zu verstehen, gerade die personellen und inhaltlichen Verknüpfungen zwischen früher und heute muss man erst mal begreifen. Sehr besonders sind ihre gut gezeichneten Charakterbeschreibungen, die sie mit Eigenarten, speziellen Wünschen und Lebensvorstellungen ausstattet und die regelrecht zu leben scheinen. Diese Wünsche bringen Menschen mitunter dazu, kriminelle Taten zu begehen, wie Luca Santangelo schliesslich feststellt.


Mich hat dieser vielschichtige Kriminalroman mit seiner spannenden Handlung und mit den sizilianischen Flair mitgenommen und mit der Mattanza, der alten Form des Thunfischfangs, gut unterhalten.

Veröffentlicht am 13.02.2018

Komplexe Handlung und eine gut durchdachte Story

Im Wald (Ein Bodenstein-Kirchhoff-Krimi 8)
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Der Krimi ist fesselnd und mitnehmend geschrieben, die Autorin versteht ihr Fach wirklich bestens. Was mich gestört hat, sind die vielen involvierten Personen des Dorfes, die durch die Zeitspanne von 40 ...

Der Krimi ist fesselnd und mitnehmend geschrieben, die Autorin versteht ihr Fach wirklich bestens. Was mich gestört hat, sind die vielen involvierten Personen des Dorfes, die durch die Zeitspanne von 40 Jahren auch noch verschiedenste verwandschaftliche Beziehungen eingegangen sind. Hier noch klar durchblicken zu können, erfordert höchste Aufmerksamkeit und Konzentration. Es gibt auch ein Personenregister, das man zu Rate ziehen kann. Dennoch hat mich diese Menge an möglichen Tätern und Motiven durchaus angestrengt.

Dabei ist die Handlung äußerst interessant, weil die die aktuellen Fälle in Bodensteins Vergangenheit führen. Mit seinen Kindheitsfreunden verbindet ihn ein grausames Ereignis, über das im Dorf nie groß und offen geredet wurde. Wie hängt das Verschwinden des kleinen Arturs mit den neuen Fällen zusammen. Auch die Polizei rätselt lange daran herum, zu verworren sind die Personenkonstellationen und zu verschlossen die Bewohner. Es gibt einige Geheimnisse, die die Dörfler mit sich herum tragen und erst allmählich lichtet sich das Dunkel.

Natürlich sind wieder die alten bekannten Kollegen mit dabei. Pia und ihr Exmann, der Gerichtspathologe Henning Kirchhoff, Nicola Engel und Cem Altunay sind wieder mit von der Partie und ihre Charaktere gut erkennbar gezeichnet. Doch auch der neuer Kollege Tariq Omari bringt Abwechslung in die Truppe. Er ist ein hochintelligenter Syrer mit einem photografischen Gedächtnis und hat die Dialoge erfrischend bereichert.

Nele Neuhaus hat ein Händchen dafür, ihre Leser auf die falsche Fährte zu führen. Dank einiger Spurensuche im dunklen Wald und unerwarteten Handlungen und Ereignissen bleibt die Spannung relativ konstant auf einem hohen Level. Auch bleiben das Motiv und der Täter bis zum Ende offen und so kann man gar nicht anders als das Buch durchlesen. Die bildhafte Sprache und die vielseitigen Stimmungsbilder und Personenbefragungen innerhalb der Figuren führen den Leser unterhaltsam durch den Krimi. Doch wie gesagt, man muss schon ein aufmerksamer Leser sein, um das Ganze zu durchschauen.



"Im Wald" sorgt mit seiner komplexen Handlung und einer gut durchdachten Story für fesselnde Lesestunden. Auch das Ermittlerteam hat mich gut unterhalten, besonders der Neue, Tariq Omari, hat sich gut eingeführt.


Veröffentlicht am 13.02.2018

Aufwühlend und ergreifend, sprachlich anspruchsvoll, nimmt das Thema Schuld und Vergebung des Holocaust auf!

Bis ans Ende der Geschichte
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Sage ist eine junge Frau mit seelischen Problemen, der Tod ihrer Mutter lässt sie nicht los. Sie gibt sich daran die Schuld. Auch ihr privates Glück lässt sie nicht zu, sie hat eine Affäre mit einem verheirateten ...

Sage ist eine junge Frau mit seelischen Problemen, der Tod ihrer Mutter lässt sie nicht los. Sie gibt sich daran die Schuld. Auch ihr privates Glück lässt sie nicht zu, sie hat eine Affäre mit einem verheirateten Mann, den sie nicht zu lieben scheint.

Josef ist als Deutscher schon lange in den USA und ein anerkanntes Mitglied der Gesellschaft seines Wohnortes. Er ist ehrenamtlich tätig und gilt als hilfbereit und gutherzig. In der Trauergruppe trifft er auf Sage und sie öffnet ihm ihr verschlossenes Wesen. Später erfährt man, dass Josef Nazi war und als SS-Offizier Aufseher im Konzentrationslager gearbeitet hat. Sages Großmutter Minka ist Holocaust-Überlebende und war in diesem KZ.
Da Josef mit seiner Schuld nicht leben kann, bittet er Sage um Hilfe beim Sterben.

Von Minka erfährt man von ihrer unbeschwerten Kindheit in einem polnischen Dorf, sie will Schriftstellerin werden. Doch dann bricht der zweite Weltkrieg aus und als Juden wird die Familie gezwungen, ins Ghetto zu ziehen.

Leo ist Bundesagent eines Büros für Menschenrechte. Er verfolgt Kriegsverbrecher aus der NS Zeit und sorgt für ihre Abschiebung und Verurteilung.


Die Thematiken dieses Buches sind keine leichte Kost. Es gibt bewegende Schicksale, die erschüttern und aufwühlen. Dabei ist die Recherche der Autorin wirklich authentisch und die Geschichte liefert viele Denkanstösse.

Jodi Picoult hat einen großartigen, einnehmenden Schreibstil, ihre Figuren sind lebendig und vielseitig und als Leser wird man emotional an der Handlung gefesselt. Dabei werden die Themen des Holocaust mit den Folgen wie Schuld, Trauer und Verbrechen sehr sensibel aufgegriffen. Hier wird keine bloße Verurteilung der Personen vorgenommen, sondern aus verschiedenen Perspektiven gezeigt, wie Juden und auch Nazis die Zeit erlebten. Picoult zeigt damit, wie schwierig der Umgang mit dem Thema sich auch heute darstellt.

Meine einzige Kritik besteht darin, dass dieser Roman mit seinen Nebencharakteren überfrachtet ist, die jeweils die Protagonistenrolle einnehmen. Die Einbindung dieser Figuren in die Handlung wirkt durch die vielen Erzählstränge ein wenig konstruiert und ermüdend. Außerdem fehlt dem Ganzen ein Ablauf, der die Emotionen beschreibt, hier geht es eher um Gewissenskonflikte und die Darstellung von Gräueltaten. ie Charaktere hineinzuversetzen bzw. sie zu verstehen.

"Bis ans Ende der Geschichte" ist ein wirklich bewegendes Buch, das viele Denkanstöße liefert und die Beschäftigung mit den schwierigen Themen Schuld, Vergebung, Gnade und Rache anregt.