Fesselnd, heftig und mit vielen Wendungen
Das Haus am Ende der WeltEin Reitunfall reißt Mai aus ihrem Alltag heraus und lässt in ihr Fragen nach der eigenen Vergangenheit aufkommen. In Finnland macht sie sich auf die Suche nach ihrer Herkunft, nach Geborgenheit, Angenommensein ...
Ein Reitunfall reißt Mai aus ihrem Alltag heraus und lässt in ihr Fragen nach der eigenen Vergangenheit aufkommen. In Finnland macht sie sich auf die Suche nach ihrer Herkunft, nach Geborgenheit, Angenommensein und sich selbst. Ihr Vater Henning reist hinterher und versucht wieder an sie heranzukommen. Aber Mai rebelliert, ist innerlich zerrissen. Und doch scheint alles in ihr nach Hilfe zu schreien, eine Lösung und inneren Frieden zu finden.
Die Handlung ist vielschichtig und vor allem zu Beginn gilt es die zunächst scheinbar vielen Figuren für sich zu sortieren. Einige finnische Vokabeln habe ich während des Lesens nachgeschlagen, was mir zum Verständnis sehr geholfen hat. Da hätte ich mich über einen kleinen Glossar im Anhang gefreut. Aber die Geschichte fesselt, will gelesen werden und zieht in ihren Bann.
Der Roman handelt größtenteils in der Gegenwart und wird im Wechsel aus den beiden Sichten der Hauptprotagonisten erzählt. Immer wieder gibt es Rückblicke, die dankenswerterweise in einer anderen Schriftart geschrieben sind. Dadurch ist es leichter einzuordnen. Katrin Faludi schafft es perfekt, dass diese Rückblicke und die Gegenwart einander ergänzen und unterstützen. Auch der Schreibstil ist packend und als Leser will man einfach zügig weiterlesen, um zu erfahren, wie die Situation so verfahren werden konnte. Was ist im Leben dieser Menschen so schiefgelaufen? Wo sind die Verbindungen? Immer wieder gibt es unverhergesehene Wendungen und an manchen Stellen hat es mich innerlich zerrissen, was einige Menschen ertragen müssen.
In all dem gibt es aber auch die Frage nach der eigenen Schuld und der Möglichkeit der Vergebung.
Meine heimliche Lieblingsperson ist Janne, eine Pastorin, die immer wieder mal kurz in Erscheinung tritt und mir unglaublich gut gefällt. Über sie und ihre Geschichte würde ich gerne noch mehr lesen.
Auch ihren Humor bringt Katrin Faludi in einzelnen Formulierungen ein, z.B. in der Beschreibung der Kardashian-Villa, dem Hühnerstall oder der „optischen Messerstecherei“, wenn Blicke töten könnten.
„Das Haus am Ende der Welt“ ist ein komplexer und fesselnder Roman, der heftige Themen anpackt und auch nach dem Lesen noch nachhallt.