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Veröffentlicht am 15.07.2018

Spannende Krise eines unsympathischen Pharmakonzerns

Riskante Manöver
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Ein unsympathischer Pharmakonzern, ein für Kinder tödliches Medikament und zwei verschwundene Mitarbeiter: Die Krisen-PR-Spezialisten Mats Holm und Laura May werden von Wenner Pharma für einen schwierigen ...

Ein unsympathischer Pharmakonzern, ein für Kinder tödliches Medikament und zwei verschwundene Mitarbeiter: Die Krisen-PR-Spezialisten Mats Holm und Laura May werden von Wenner Pharma für einen schwierigen Fall engagiert. Die beiden sollen den Konzern durch die Krise führen. Dabei werden sie nicht nur mit einer wütenden Öffentlichkeit und einer gewissenhaften Presse konfrontiert, sondern geraten auch mit einigen arroganten, besserwisserischen Mitgliedern des Unternehmensvorstands aneinander.

Birand Bingül erzählt die Geschichte realistisch und rasant. Einzig einige Entwicklungen im Bereich Mord und Folter fand ich überzogen und unnötig für die Geschichte. Der Rest liest sich jedoch sehr spannend. Gerade der Kontrast zwischen der kühlen, berechnenden Welt des Pharmakonzerns und der chaotischen, erschütternden Krankheitssituation der kleinen Sophie charakterisiert die beiden Seiten hervorragend. Mats und Laura müssen hier einen gewaltigen Spagat hinlegen, um ihren Auftrag erledigen zu können.

Neben dem komplexen Fall erzählt der Krimi auch die persönliche Geschichte von Mats und seiner verstorbenen Frau Helena, die Lauras Schwester war. Zwischen den Erwachsenen und Mats‘ 19-jähriger Tochter Liv gibt es eine Menge Konflikte. Wodurch diese ausgelöst wurden, erfährt der Leser erst nach und nach in kurzen Erinnerungen. Alle Protagonisten sind mit großer Liebe zum Detail gezeichnet, so dass man schnell mit ihnen mitfiebert. All diese Elemente fügt Bingül zu einem gelungenen und fesselnden Debütkrimi zusammen.

Veröffentlicht am 16.02.2026

Wortgewaltig

Shuggie Bain
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Am meisten hat mich die Ausdruckskraft des Autors begeistert: Selbst in Szenen, in denen eigentlich nicht viel passiert, schafft es Douglas Stuart mit seinem wortgewaltigen Stil, die Atmosphäre greifbar ...

Am meisten hat mich die Ausdruckskraft des Autors begeistert: Selbst in Szenen, in denen eigentlich nicht viel passiert, schafft es Douglas Stuart mit seinem wortgewaltigen Stil, die Atmosphäre greifbar zu machen und die Leser:innen komplett in diese häufig trostlosen Situationen zu versetzen. Dadurch kommen die Emotionen der Charaktere und Geschichte besonders gut rüber.

Dazu kommt , dass er den jungen Protagonisten Shuggie Bain und seine Mutter Agnes als komplexe Charaktere zeichnet. Selbst Agnes, die wirklich keine gute Mutter ist, wird nicht einfach als die Böse dargestellt, sondern als eine vielschichtige Frau, deren Beziehung zu ihrem Sohn aus verschiedenen Gründen schwierig ist.

Am Anfang fand ich den Slang, in dem viele Dialoge geschrieben wurden, etwas gewöhnungsbedürftig, aber die Übersetzerin Sophie Seitz hat es gut gelöst, sodass alles verständlich ist.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Kammerspiel über Familienplanung und Lebensentwürfe

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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2 Paare, die sich im finanziellen Status und dem Stand ihrer Familienplanung sehr unterscheiden, fahren gemeinsam in den Urlaub nach Frankreich. Idylle kommt in der traumhaften Urlaubskulisse gar nicht ...

2 Paare, die sich im finanziellen Status und dem Stand ihrer Familienplanung sehr unterscheiden, fahren gemeinsam in den Urlaub nach Frankreich. Idylle kommt in der traumhaften Urlaubskulisse gar nicht erst auf: Alle versuchen krampfhaft, Normalität und Augenhöhe zu spielen, aber Dita Zipfel lässt die Leser:innen von Anfang an hinter die Fassade schauen und macht Unsicherheiten und Machtgefälle sichtbar. Gekonnt zeigt sie den Widerspruch zwischen dem, was die 4 tun, und dem, was sie denken. Die tiefen Einblicke in das innere Leben der Charaktere, besonders das der beiden Frauen, fand ich sehr spannend. Die kinderlose Linn und die jüngere Eva, die bereits zweifache Mutter ist, sind sehr unterschiedliche Frauen. Gekonnt zeichnet die Autorin dieses Kennenlernen wie ein intimes Kammerspiel: Sie nähern sich an und entfernen sich dann wieder, nur um wieder einen Schritt aufeinander zuzugehen. Die zwischenmenschlichen Konflikte beschreibt sie mit klarer, ausdrucksstarker Sprache.

Während die Geschichte hyperrealistisch anfängt, wird sie mit dem Verlauf der Handlung immer abstrakter, bis sie in einem offenen Ende mündet. Das hat mich leider unbefriedigt zurückgelassen. Ansonsten hat mich das Buch aber gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 14.12.2025

Guter Einstieg in ein hochaktuelles Thema

Durchblick Künstliche Intelligenz
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Was ist Intelligenz? Kann ein Computer Schachgroßmeister sein? Warum behilft sich die KI mit Mogeln? "Künstliche Intelligenz" von Brian Clegg bietet einen Einblick in das komplexe Feld der KI. Es beschäftigt ...

Was ist Intelligenz? Kann ein Computer Schachgroßmeister sein? Warum behilft sich die KI mit Mogeln? "Künstliche Intelligenz" von Brian Clegg bietet einen Einblick in das komplexe Feld der KI. Es beschäftigt sich nicht nur mit der Technik und Forschung, sondern auch mit verschiedenen Anwendungsfällen sowie moralischen und ethischen Fragen.

Neben klassischem Fließtext gibt es auch Übersichtsseiten, die einzelne Themen wie KI-Robotik und KI-Software übersichtlich aufschlüsseln. Die Texte sind generell kurz gehalten, sodass das Buch auf seinen 155 Seiten viele verschiedene Themen anschneidet und einführt, aber nicht tiefgehend behandeln kann. Das war teilweise schade, manchmal hatte ich mir mehr Substanz gewünscht. Das Buch ist hauptsächlich in verschiedene Fragen gegliedert, die der Autor auf jeweils einer Doppelseite beantwortet. Daher gibt es einen wichtigen ersten Überblick und verschiedene Denkanstöße, nicht mehr und nicht weniger. Die farbenfrohe Gestaltung und die vielen Illustrationen machen das Buch zugänglich und leicht zu konsumieren

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Veröffentlicht am 01.12.2025

Aufwachsen im Bürgerkrieg

Der brennende Garten
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Der erste Satz in "Der brennende Garten" knallt direkt rein und setzt die Stimmung für diese dramatische Geschichte: "Ich habe vor Kurzem einen Brief an einen Terroristen geschickt, den ich von früher ...

Der erste Satz in "Der brennende Garten" knallt direkt rein und setzt die Stimmung für diese dramatische Geschichte: "Ich habe vor Kurzem einen Brief an einen Terroristen geschickt, den ich von früher kannte." Damit eröffnet die Protagonistin und Ich-Erzählerin Sashi einen vielschichtigen Roman, der schnell verdeutlicht, dass Bezeichnungen wie "Terroristen" immer von der Perspektive abhängen und nie alle Seiten eines Menschen abdecken. Wer die Geschichte schreibt, welche Erlebnisse dabei bewahrt und welche verdrängt oder verdreht werden, zieht die Autorin V. V. Ganeshananthan als Motiv durch den ganzen Roman.

Die Rahmenhandlung spielt in New York, der größte Teil des Romans aber in Sri Lanka, vor allem auf der nördlichen Halbinsel Jaffna und in der Hauptstadt Colombo, die im Südwesten der Insel liegt. Statt den bekannten romantischen Urlaubsbildern von Palmen-gesäumten Sandstränden und goldglänzenden Tempeln lernen wir hier den rauen, gefährlichen Alltag kennen. Aus den Spannungen der singhalesischen Mehrheit und der tamilischen Minderheit entwickelt sich ein schrecklicher Bürgerkrieg, in den später auch Indien eingreift. Eine unübersichtliche Lage, in der alle Seiten grausame Menschenrechtsverbrechen begehen und viele Zivilisten von Gewalt betroffen sind. Ich muss gestehen, dass ich bisher extrem wenig über die Geschichte Sri Lankas wusste und in dem Buch viel darüber gelernt habe. Trotzdem liest sich der Roman nicht wie ein trockenes Geschichtsbuch, sondern wie ein lebendiges, menschliches Zeugnis von unmenschlichen Geschehnissen.

Wir lernen Sashi als Jugendliche kurz vor Ausbruch des Bürgerkrieges kennen und begleiten sie auf fast 450 Seiten beim Erwachsenwerden in widrigen Umständen. Sie und ihre Familie machen viel durch. Plastische, interessante Charaktere, die in Ausnahmesituationen überleben müssen, prägen dieses Buch und machen es zu einer mitreißenden Lektüre. Besonders interessant ist, wie unterschiedlich die einzelnen Familienmitglieder mit dem Krieg umgehen, wo ihre Loyalitäten liegen und wie sich Zweifel auf das Zusammenleben auswirken.

Einziger Wermutstropfen: Ich hätte mir entweder einen Familienstammbaum im Anhang gewünscht oder ein Glossar mit den tamilischen (?) Begriffen und Kosenamen. Für Brüder, Eltern etc. nutzen die Charaktere hier teilweise Begriffe neben ihren Namen und wenn mehrere Brüder etc. vorkommen, ist es manchmal verwirrend, der Handlung zu folgen. Abgesehen davon ist es eine bewegende, hervorragend erzählte Geschichte, die es sich zu lesen lohnt.

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