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Veröffentlicht am 16.02.2026

Kammerspiel über Familienplanung und Lebensentwürfe

Es ist hell und draußen dreht sich die Welt
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2 Paare, die sich im finanziellen Status und dem Stand ihrer Familienplanung sehr unterscheiden, fahren gemeinsam in den Urlaub nach Frankreich. Idylle kommt in der traumhaften Urlaubskulisse gar nicht ...

2 Paare, die sich im finanziellen Status und dem Stand ihrer Familienplanung sehr unterscheiden, fahren gemeinsam in den Urlaub nach Frankreich. Idylle kommt in der traumhaften Urlaubskulisse gar nicht erst auf: Alle versuchen krampfhaft, Normalität und Augenhöhe zu spielen, aber Dita Zipfel lässt die Leser:innen von Anfang an hinter die Fassade schauen und macht Unsicherheiten und Machtgefälle sichtbar. Gekonnt zeigt sie den Widerspruch zwischen dem, was die 4 tun, und dem, was sie denken. Die tiefen Einblicke in das innere Leben der Charaktere, besonders das der beiden Frauen, fand ich sehr spannend. Die kinderlose Linn und die jüngere Eva, die bereits zweifache Mutter ist, sind sehr unterschiedliche Frauen. Gekonnt zeichnet die Autorin dieses Kennenlernen wie ein intimes Kammerspiel: Sie nähern sich an und entfernen sich dann wieder, nur um wieder einen Schritt aufeinander zuzugehen. Die zwischenmenschlichen Konflikte beschreibt sie mit klarer, ausdrucksstarker Sprache.

Während die Geschichte hyperrealistisch anfängt, wird sie mit dem Verlauf der Handlung immer abstrakter, bis sie in einem offenen Ende mündet. Das hat mich leider unbefriedigt zurückgelassen. Ansonsten hat mich das Buch aber gut unterhalten.

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Veröffentlicht am 14.12.2025

Guter Einstieg in ein hochaktuelles Thema

Durchblick Künstliche Intelligenz
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Was ist Intelligenz? Kann ein Computer Schachgroßmeister sein? Warum behilft sich die KI mit Mogeln? "Künstliche Intelligenz" von Brian Clegg bietet einen Einblick in das komplexe Feld der KI. Es beschäftigt ...

Was ist Intelligenz? Kann ein Computer Schachgroßmeister sein? Warum behilft sich die KI mit Mogeln? "Künstliche Intelligenz" von Brian Clegg bietet einen Einblick in das komplexe Feld der KI. Es beschäftigt sich nicht nur mit der Technik und Forschung, sondern auch mit verschiedenen Anwendungsfällen sowie moralischen und ethischen Fragen.

Neben klassischem Fließtext gibt es auch Übersichtsseiten, die einzelne Themen wie KI-Robotik und KI-Software übersichtlich aufschlüsseln. Die Texte sind generell kurz gehalten, sodass das Buch auf seinen 155 Seiten viele verschiedene Themen anschneidet und einführt, aber nicht tiefgehend behandeln kann. Das war teilweise schade, manchmal hatte ich mir mehr Substanz gewünscht. Das Buch ist hauptsächlich in verschiedene Fragen gegliedert, die der Autor auf jeweils einer Doppelseite beantwortet. Daher gibt es einen wichtigen ersten Überblick und verschiedene Denkanstöße, nicht mehr und nicht weniger. Die farbenfrohe Gestaltung und die vielen Illustrationen machen das Buch zugänglich und leicht zu konsumieren

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Veröffentlicht am 01.12.2025

Aufwachsen im Bürgerkrieg

Der brennende Garten
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Der erste Satz in "Der brennende Garten" knallt direkt rein und setzt die Stimmung für diese dramatische Geschichte: "Ich habe vor Kurzem einen Brief an einen Terroristen geschickt, den ich von früher ...

Der erste Satz in "Der brennende Garten" knallt direkt rein und setzt die Stimmung für diese dramatische Geschichte: "Ich habe vor Kurzem einen Brief an einen Terroristen geschickt, den ich von früher kannte." Damit eröffnet die Protagonistin und Ich-Erzählerin Sashi einen vielschichtigen Roman, der schnell verdeutlicht, dass Bezeichnungen wie "Terroristen" immer von der Perspektive abhängen und nie alle Seiten eines Menschen abdecken. Wer die Geschichte schreibt, welche Erlebnisse dabei bewahrt und welche verdrängt oder verdreht werden, zieht die Autorin V. V. Ganeshananthan als Motiv durch den ganzen Roman.

Die Rahmenhandlung spielt in New York, der größte Teil des Romans aber in Sri Lanka, vor allem auf der nördlichen Halbinsel Jaffna und in der Hauptstadt Colombo, die im Südwesten der Insel liegt. Statt den bekannten romantischen Urlaubsbildern von Palmen-gesäumten Sandstränden und goldglänzenden Tempeln lernen wir hier den rauen, gefährlichen Alltag kennen. Aus den Spannungen der singhalesischen Mehrheit und der tamilischen Minderheit entwickelt sich ein schrecklicher Bürgerkrieg, in den später auch Indien eingreift. Eine unübersichtliche Lage, in der alle Seiten grausame Menschenrechtsverbrechen begehen und viele Zivilisten von Gewalt betroffen sind. Ich muss gestehen, dass ich bisher extrem wenig über die Geschichte Sri Lankas wusste und in dem Buch viel darüber gelernt habe. Trotzdem liest sich der Roman nicht wie ein trockenes Geschichtsbuch, sondern wie ein lebendiges, menschliches Zeugnis von unmenschlichen Geschehnissen.

Wir lernen Sashi als Jugendliche kurz vor Ausbruch des Bürgerkrieges kennen und begleiten sie auf fast 450 Seiten beim Erwachsenwerden in widrigen Umständen. Sie und ihre Familie machen viel durch. Plastische, interessante Charaktere, die in Ausnahmesituationen überleben müssen, prägen dieses Buch und machen es zu einer mitreißenden Lektüre. Besonders interessant ist, wie unterschiedlich die einzelnen Familienmitglieder mit dem Krieg umgehen, wo ihre Loyalitäten liegen und wie sich Zweifel auf das Zusammenleben auswirken.

Einziger Wermutstropfen: Ich hätte mir entweder einen Familienstammbaum im Anhang gewünscht oder ein Glossar mit den tamilischen (?) Begriffen und Kosenamen. Für Brüder, Eltern etc. nutzen die Charaktere hier teilweise Begriffe neben ihren Namen und wenn mehrere Brüder etc. vorkommen, ist es manchmal verwirrend, der Handlung zu folgen. Abgesehen davon ist es eine bewegende, hervorragend erzählte Geschichte, die es sich zu lesen lohnt.

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Veröffentlicht am 29.10.2024

Aktivistinnen aus Gegenwart und Vergangenheit

Tage mit Milena
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In Katrin Bursegs neuem Roman "Tage mit Milena" treffen zwei beeindruckende Frauen aufeinander und verändern unerwartet das Leben der anderen.

Da ist Annika, die gerade in die Wechseljahre kommt und ein ...

In Katrin Bursegs neuem Roman "Tage mit Milena" treffen zwei beeindruckende Frauen aufeinander und verändern unerwartet das Leben der anderen.

Da ist Annika, die gerade in die Wechseljahre kommt und ein gutbürgerliches Leben mit ihrem Mann in Lübeck führt. Sie hat eine Vergangenheit in der Hamburger Hausbesetzerszene in den 1980er Jahren, die sie scheinbar hinter sich gelassen hat. In der Altstadt betreibt sie das Schreibwarengeschäft ihres verstorbenen Schwiegervaters. Dort taucht zu Beginn des Romans die 17-jährige Luzie auf und kauft Sekundenkleber, mit dem sie sich später zum Klimaprotest auf die Straße vor dem Geschäft klebt. Als Mitglied der Letzten Generation setzt sie sich aus Überzeugung für eine klimagerechte Zukunft ein.

Aus dieser Zufallsbegegnung entsteht eine Bekanntschaft, die die beiden Frauen erst nach Hamburg und dann nach Venedig bringt. Diese Reise, die v.a. bei Annika auch innerlich stattfindet, bewegt viel. Die Autorin hat einen sehr bildlichen Schreibstil, der mitreißt und sich angenehm und leicht lesen lässt, sodass man richtig in die Geschichte hineingezogen wird. Außerdem hat mir gut gefallen, dass sie sich intensiv mit Klimaprotesten beschäftigt und so einen sehr aktuellen Bezug reinbringt.

Einige der Handlungswendepunkte wirkten auf mich leider etwas erzwungen. Sie kamen nicht richtig aus der Motivation der Charaktere heraus, sondern etwas zu impulsiv. Abgesehen davon ist der Roman gut strukturiert und zeichnet sich durch spannende Themen und interessante Charaktere aus.

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Veröffentlicht am 18.06.2024

Aktueller Blick auf eine klassische Geschichte

James
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Auch wenn ich Huckleberry Finn nie gelesen habe, kennt man trotzdem die groben Grundzüge dieser Geschichte, in der auch der Sklave Jim vorkommt. Das reicht, um "James" von Percival Everett noch mehr wertschätzen ...

Auch wenn ich Huckleberry Finn nie gelesen habe, kennt man trotzdem die groben Grundzüge dieser Geschichte, in der auch der Sklave Jim vorkommt. Das reicht, um "James" von Percival Everett noch mehr wertschätzen zu können, als es dieses beeindruckende Buch für sich alleinstehend bereits verdient.
Der Roman erzählt die Geschichte des Sklaven James und bietet damit eine moderne Charakterzeichnung und eine völlig neue Perspektive auf eine klassische Romanfigur. Seine Lebensumstände, das Lebens mit seiner Familie in Sklaverei und seine Flucht entlang des Mississippi, bei der er auch Huck trifft, beschreibt der Autor mit einer Tiefe und Klarheit, die oft beklemmend wirkt. Auch die immer wieder eingestreuten humorvollen Momente lenken nicht von der Dramatik und Aktualität der Geschichte ab. Wie lebensgefährlich und menschenverachtend Rassismus ist, bringt das Buch auf den Punkt. Nicht immer die einfachste Lektüre, aber eine die besonders heute enorm wichtig ist!

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