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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.02.2026

Interessante Geschichte, die sprachlich und inhaltlich im letzten Drittel leider schwächelt

Wo das Schweigen wohnt
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Was für eine Familiengeschichte.
Alma muss den Suizid ihrer Mutter Margret verarbeiten und bekommt zudem plötzlich einen Bruder vorgesetzt.

In Rückblenden wird das Leben vieler Protagonist*innen erzählt. ...

Was für eine Familiengeschichte.
Alma muss den Suizid ihrer Mutter Margret verarbeiten und bekommt zudem plötzlich einen Bruder vorgesetzt.

In Rückblenden wird das Leben vieler Protagonist*innen erzählt. Vielleicht ein wenig zu Vieler. Beginnend in den letzten Wirren des Zweiten Weltkriegs begleiten wir Margret auf ihrer Flucht aus Ostpreußen. Das Grauen, das auch nach Ende des Krieges nicht aufhört, ist kaum auszuhalten und doch musste ich immer weiterlesen. Margrets Abschnitt hat mich auch am meisten gefesselt.
Die Perspektiven ändern sich im Laufe des Buches. Alma kommt zu Wort, aber auch ihr Halbruder Bernd, ihre Tochter Bianca und weitere Personen. Und immer wieder kehren wir in die Gegenwart zurück, stoßen auf weitere Geheimnisse bzw. nähern uns ihrer Lüftung.

Mir waren es insgesamt zu viele Themen und zu viele Personen, dadurch fehlte es mir ab und an Tiefe und ich hätte mir mehr Geschichte zu wenigen Personen gewünscht.

So dramatisch der rote Faden im Laufe des Buches ist, so seicht verlor er sich am Ende. Das Happy End kam mir schnell und zu unglaubwürdig.
Es hatte für mich den Eindruck, als müssen das Buch in den letzten Seiten schnell zu Ende geschrieben werden.
Ein Mehrteiler hätte der Geschichte vielleicht gut getan.

Historisch ist das Buch sehr gut recherchiert. Ich habe oft pausiert, um mich mehr über Geschehnisse im Buch zu informieren. Das Buch liest sich insgesamt gut, lässt aber sprachlich im letzten Drittel nach.

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Veröffentlicht am 16.02.2026

Poetische Sprache, interessante Geschichte, trotzdem zäh

Was die Zeit nicht nimmt
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Der Klappentext hat mich extrem neugierig gemacht (siehe Slide 2) und das Buch passte zu meinem Vorhaben, in diesem Jahr mehr tschechische Autor*innen zu lesen, weil Tschechien das Gastland der diesjährigen ...

Der Klappentext hat mich extrem neugierig gemacht (siehe Slide 2) und das Buch passte zu meinem Vorhaben, in diesem Jahr mehr tschechische Autor*innen zu lesen, weil Tschechien das Gastland der diesjährigen Frankfurter Buchmesse ist, auch wenn ich dieses Mal nicht vor Ort sein werde.

Man könnte meinen, dass Marek Torčík über sich selbst schreibt, denn der Protagonist trägt seinen Namen, wenn der Name so auch nie ausgesprochen wird. Die Mutter nennt ihn Marenda. Aber auch wenn ganz sicher vieles von ihm selbst in das Buch geflossen ist, gibt es allein schon eine zeitliche Abgrenzung, denn die Erzählung spielt noch bevor Torčík geboren wurde.

Die Perspektive war für mich nicht ganz einfach. Keine Ich-Perspektive, keine dritte Person, sondern meist mit Du. Das hatte auf der einen Seite etwas von einem Mix aus Bericht und Tagebuch und auf der anderen Seite schaffte es eine Distanz. Genau diese Distanz machte es mir schwer in dieses Buch hinein zu kommen. Die Sprache ist poetisch und Prosatisch, manchmal aber zäh.

Dabei gibt es auch fesselnde Sequenzen, denn rein inhaltlich gefiel mir das Buch wirklich gut. Ein Junge, der in einer tristen Stadt aufwächst ohne große Perspektiven mit sehr konservativen Meinungen. Ihm als queeren Jungen fehlen die Identitätspunkte, die sich dann ganz zart mit Marián zumindest teilweise finden lassen.

Ich fand auch diesen Gegensatz dieser Trostlosigkeit aber andererseits auch der langsam aufkommenden Umbruchstimmung im Jahr 1989 spannend gegenübergestellt.

Über allem thront der Opa, der mich in meiner Meinung über ihn sehr zwei gespalten zurück lässt. Dazwischen die Mutter, die ich wirklich gut gezeichnet fand, ich hatte sie immer direkt bildlich vor meinen Augen, auch nicht unbedingt immer eine Sympathieträgerin, aber absolut stimmig in dieser Geschichte.

Und doch bin ich beim Lesen immer wieder abgeschweift. Meine Gedanken trugen mich oft woanders hin. Ich bin überzeugt, dass 'Was die Zeit nicht nimmt' ein wichtiges Buch der queeren Literatur aber gleichzeitig auch ein Zeitzeugnis der verwirrenden, aufregenden aber auch hoffnungslosen Zeiten der späten Achtziger Jahre ist.

Aber es ist ein Buch, dass Konzentration braucht und sich nicht mal nebenher lesen lässt. Vielleicht hätte ich den Buch mehr Aufmerksamkeit und vor allem mehr Zeit widmen sollen.

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Veröffentlicht am 08.01.2026

Drei Frauen und ihre Erkenntnis, sich von Männern zu emanzipieren

Drei Wünsche
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Drei Frauen, die sich in Laufe des Buches über einen Meditationskurs Kennenlernen und näher kommen. Drei Frauen, die eines eint, die Suche nach dem richtigen Weg, nach dem eigenen Ich, das irgendein ihnen ...

Drei Frauen, die sich in Laufe des Buches über einen Meditationskurs Kennenlernen und näher kommen. Drei Frauen, die eines eint, die Suche nach dem richtigen Weg, nach dem eigenen Ich, das irgendein ihnen schlummert.

Die Wege könnten unterschiedlicher nicht sein, wenn es auch doch Parallelen gibt. Die Leben aller drei Frauen sind geprägt von Männern und es bedarf einiger Dramen, um sich daraus zu lösen. Laura Karasek schreibt angenehm flüssig, dass ich. Ur so durch die Seiten flog. Dennoch kann ich nicht so Recht sagen, was ich von dem Buch halten soll. Vor allem eine Frauenfigur war für mich schwer zu ertragen. Natürlich war mir klar, dass die Figuren überzeichnet sind und dass sie teilweise auch fern meiner Lebensrealität sind. Normalerweise muss ich mich mit den Protagonist*innen nicht identifizieren können, aber es fällt mir leichter Abläufe zu verstehen. Das fiel mir hier teilweise schwer.

Ich würde das Buch dennoch weiter empfehlen, weil ich gern andere Meinungen dazu hören möchte.

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Veröffentlicht am 05.01.2026

Kammerspiel, das ich nicht komplett gecatcht hat

Die Ferien
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Urlaub mit den eigenen Eltern und/oder Schwiegereltern kann sehr entspannend und spaßig sein, wenn man zumindest ansatzweise ähnlich tickt. Wenn Kids dabei sind kann es sogar entlastend sein.

In 'Die ...

Urlaub mit den eigenen Eltern und/oder Schwiegereltern kann sehr entspannend und spaßig sein, wenn man zumindest ansatzweise ähnlich tickt. Wenn Kids dabei sind kann es sogar entlastend sein.

In 'Die Ferien' haben sich das Paar Keru und Nate für einen gemeinsamen Urlaub mit ihren Eltern bzw. Schwiegereltern entschieden. Die beiden sind sogenannte Dinkys, Double income no kids. Dies ist eine bewusste Entscheidung, die der älteren Generation nicht so ganz passt. Um Konfrontationen aus dem Weg zu gehen, wird der gemeinsame Urlaub jedoch aufgeteilt. Erst Kerus, dann Nates Eltern. Das ganze wirkt jeweils wie ein Kammerspiel und ich kann mir die Geschichte tatsächlich richtig gut als Theaterstück vorstellen.

Die Geschichte besteht aus sehr viel Kommunikation und durch die Gespräche erfahren wir sehr viel über beide Familien. Vor allem erfahren wir viel über Erwartungen und Vorurteile. Es ist ein Kultur- und Generationen-Clash im Stillen. Keine großen Dramen, dafür argumentreiche Diskussionen. Beim Lesen kann man sich wunderbar fremdschämen und aufregen. Vor allem der unterschwellige Alltags-Rassismus war für mich oft schwer zu ertragen. Klingt unterhaltsam, ist es auch teilweise, mir war es aber oft zu zäh und das Lesevergnügen stellte sich nicht so ganz ein. Vielleicht war es nicht meine Zeit für ein humoristisches Gesellschaftsportrait.

Kleines Fazit für mich: Ich muss den Film 'Idiocrazy' schauen.

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Veröffentlicht am 28.12.2025

Wenn Frauen keine Kinder wollen

Medulla
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Dieses Buch ist ein Trip. Ein Trip in eine andere Gedankenwelt. Eine Welt, die ich in Teilen verstehen und nachvollziehen kann, die ich aber nicht lebe.
Als Mutter mehrerer Kinder, als Frau, die sechs ...

Dieses Buch ist ein Trip. Ein Trip in eine andere Gedankenwelt. Eine Welt, die ich in Teilen verstehen und nachvollziehen kann, die ich aber nicht lebe.
Als Mutter mehrerer Kinder, als Frau, die sechs Mal schwanger war, kann ich dennoch oder vielleicht auch gerade deshalb verstehen, dass Frauen sich gegen Kinder entscheiden.

Verena Güntner schafft ein Gesellschaftsportrait, dass gleichermaßen so real sein wie es dystopisch sein kann. Drei Paare in oberflächlich funktionierenden Beziehungen. Alle sehen sich mit dem Thema Kinder haben oder nicht konfrontiert. Ohne zu sehr zu Spoilern fand ich es vor allem spannend, wie hier mit Klischees gebrochen und das klassische Rollenbild umgekehrt wird.

Als ich das Buch beendet habe, war ich erst fest der Meinung, dass mir das Buch nicht gefallen hat. Die negative Grundstimmung zog mich herunter, die Charaktere widerten mich an, blieben mir fremd.
Je länger ich jedoch über das Buch nachdenke, ob nicht genau darin das Geniale steckt. Eine Geschichte, die keine Erwartungen erfüllt, die Tiefe in dei Wunde sticht, die Frauen seit Jahrhunderten fühlen.

Daher spreche ich eine Empfehlung auf und kann nur raten, Lest das Buch in einem Buch-Club. In einer Leserunde. Diskutiert. Und wenn ihr es bereits gelesen habt, lasst mich an euren Gedanken teilhaben.

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