Profilbild von SimoneF

SimoneF

Lesejury Star
online

SimoneF ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit SimoneF über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 17.02.2026

leise und vielschichtig

Moosland
0

Ende der 1940er Jahre herrscht auf Island ein Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitskräften, da viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Um Abhilfe zu schaffen, wirbt Island 1949 gezielt Landarbeiter ...

Ende der 1940er Jahre herrscht auf Island ein Mangel an landwirtschaftlichen Arbeitskräften, da viele Isländerinnen in die Städte abgewandert sind. Um Abhilfe zu schaffen, wirbt Island 1949 gezielt Landarbeiter und Landarbeiterinnen in Deutschland an. Elsa eine von dreihundert Frauen, die Island diesem Aufruf folgen, um der Not im Nachkriegsdeutschland zu entkommen. Das Leben auf Island ist hart, die Sprache fremd, und Elsa trägt die Erlebnisse des Krieges noch in sich. Doch auch der Hof, auf dem Elsa arbeitet findet, birgt ein Geheimnis, das als dunkler Schatten über der Familie hängt.

Ich habe durch dieses Buch erstmals von den Frauen gehört, die nach dem Krieg als Arbeitskräfte für einige Jahre nach Island gingen, und die Thematik hat mich sofort interessiert. Elsas Mut, sich ganz allein auf ein völlig fremdes Land einzulassen, ohne Sprachkenntnisse und die leiseste Ahnung, was sie erwartet, hat mich tief beeindruckt. Elsa ist schwer traumatisiert, auch in ihrer Muttersprache kann sie die Schrecken des Krieges nicht in Worte fassen. Die Erinnerungen überkommen sie immer wieder, bruchstückhaft, und als Leser:in kann man nur erahnen, was sie durchgemacht hat.

Auch die Familie auf dem Hof Vater, Mutter und die erwachsenen Söhne, ist wortkarg, und geschwiegen wird auch über die verschwundene Tochter.

Sprachlosigkeit ist das zentrale Thema dieses Buches, und gerade durch das Ungesagte, Fragmentarische, den Kontrast zwischen dem Innenleben und dem Außen, entstehen eine Spannung und ein Tiefe, die diese Geschichte so besonders machen. Obwohl es kaum Dialoge gibt, empfand ich die Erzählweise als erstaunlich lebendig und atmosphärisch. Ich konnte mir die Landschaft und das karge Leben auf dem Hof sehr gut bildlich vorstellen. Der Schreibstil ist klar, geradezu nüchtern, und der Roman besticht durch seine ruhige, leise Erzählweise.

Ein sehr berührendes Buch über Trauer, Verlust und einen tastenden Neuanfang. Sehr lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.02.2026

unterhaltsam und spannend, aber kein klassischer Psychothriller

Tödliches Angebot
0

Der Immobilienmarkt in gehobenen Wohngegenden ist hart umkämpft, und Margo und ihr Mann Ian hatten schon in mehreren Bieterverfahren das Nachsehen. Sie wohnen derzeit auf 60qm, für ein Baby reicht der ...

Der Immobilienmarkt in gehobenen Wohngegenden ist hart umkämpft, und Margo und ihr Mann Ian hatten schon in mehreren Bieterverfahren das Nachsehen. Sie wohnen derzeit auf 60qm, für ein Baby reicht der Platz nicht, die biologische Uhr tickt, und wenn nicht bald ein angemessenes Eigenheim auftaucht, kann Margo ihren Traum von der Familie begraben. Als Margos absolutes Traumhaus zum Verkauf steht, ist klar: Das wird ihr Haus werden. Koste es, was es wolle.

Vielleicht liegt es daran, dass wir selbst 12 Jahre Immobiliensuche hinter uns haben, aber ich habe Margo trotz allem irgendwie gemocht und mich dabei ertappt, dass ich bis zum Schluss mit ihr mitgefiebert habe. Paradox, wenn man Revue passieren lässt, wie sehr sie sich in ihren Traum hineinsteigert und peu à peu immer mehr Grenzen überschreitet. Sehr gut gefallen haben mir auch die Rückblicke in Margos Kindheit, die ihr Verhalten zwar nicht entschuldigen, aber mögliche Erklärungsansätze liefern, warum sie sich in eine Art Wahn bezüglich ihres Eigenheims hineinsteigert und zunehmend skrupelloser wird.

„Tödliches Angebot“ war für mich eher ein spannender und kurzweiliger Unterhaltungsroman mit Thrillerelementen als ein echter Psychothriller. Dazu gab es einfach zu wenig Suspense, und der Thrilleranteil kam auch erst sehr spät zum Tragen. Mich hat das jedoch überhaupt nicht gestört, ganz im Gegenteil. Das Hörbuch hat mich sehr gut unterhalten, und es gab einige überraschende Wendungen, die ich so nicht vorhergesehen habe. Allerdings habe ich glücklicherweise zuvor nicht die Kurzbeschreibung zum Buch gelesen, da dort leider schon zu viel verraten wird.

Das Hörbuch wurde von Rebecca Veil eingesprochen, und ich habe ihrer angenehmen Stimme sehr gerne gelauscht. Auch das Sprechtempo war perfekt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.02.2026

Ein kluger Roman mit universeller Aussage

Einstein im Bade
0

Als Naturwissenschaftlerin hat die Ausgangslage dieses Buch sofort mein Interesse geweckt: Die historische Bad-Nauheim-Debatte zwischen Albert Einstein und Philipp Lenard vom 23. September 1920 im Rahmen ...

Als Naturwissenschaftlerin hat die Ausgangslage dieses Buch sofort mein Interesse geweckt: Die historische Bad-Nauheim-Debatte zwischen Albert Einstein und Philipp Lenard vom 23. September 1920 im Rahmen der Versammlung der Deutschen Naturforscher bietet die Grundlage für eine fiktive Geschichte, erzählt aus der Sicht des Chefs des „Rastenden Kranichs“, eines bereits in die Jahre gekommenen Hotels, in dem neben den beiden Kontrahenten noch weitere Wissenschaftler untergekommen sind. Der „Rastende Kranich“ kann mit den modernen Hotels am Ort technisch nicht mithalten und sieht sich vor allem der Ruhe und dem Stil der alten Zeit verpflichtet, so dass Direktor Kleeberger mit sinkenden Buchungszahlen zu kämpfen hat. Da er sich dadurch Reklame für sein Haus verspricht, nimmt er sich vor, zwischen Einstein und Lenard zu vermitteln und diese dazu zu bringen, ihren seit längerem öffentlich ausgetragenen Streit beizulegen. Eher zweifelhafte Hilfe bekommt er hierbei vom langjährigen Stammgast Madame Hunderbrock, die ebenso exzentrisch wie scharfzüngig ist und für herrliche Momente sorgt.

Den Bemühungen Kleebergs zu folgen, hat mir beim Lesen großen Spaß gemacht: Kleeberger klammert sich an den alten Zeiten, in denen sein Hotel zu den ersten am Platz gehörte, fest, und übersieht die Zeichen des Niedergangs. Er verschließt die Augen vor der Beschwerden der Gäste über Küche und Zimmer, die er als Schrullen abtut. Das wirkt gleichzeitig rührend, traurig und unfreiwillig komisch. Geradezu Slapstick-Charakter haben die denkwürdigen Szenen im Badehaus 3, die ich mir ganz wunderbar bildlich vorstellen konnte. Wenn Kleeberger sich als Laie herausnimmt, mit den Nobelpreisträgern Einstein und Lenard über Physik zu debattierten, ertappte ich mich teilweise dabei, etwas Fremdscham für ihn zu empfinden. Aber möglicherweise war damals Physik noch etwas, was als allgemein greifbar und verständlich empfunden wurde. Heute würde sich wohl kein Laie mehr anmaßen, mit einem Nobelpreisträger in Physik fachlich diskutieren zu können.

Während der Dispute zwischen Lenard und Einstein wird klar, wie sehr in der wissenschaftlichen Grundsatzdiskussion zwischen klassischer Physik und Relativitätstheorie auch politische und rassenideologische Aspekte eine Rolle spielen. Die Wissenschaftswelt ist gespalten, ergreift Partei für die eine oder andere Seite. Philipp Lenard, Johannes Stark und ihre Anhänger treten vehement für eine „Deutsche Physik“ ein und wehrten sich entschieden gegen „jüdische“ Einflüsse. Kleeberger gerät zwischen die Fronten und in ihm reift eine wichtige Erkenntnis, die auch ein Appell an jeden Einzelnen verstanden werden kann. Damit ist „Einstein im Bade“ nicht nur ein sehr gelungener Roman, der mit feinem Humor Historisches und Fiktion vermischt, sondern besitzt auch eine sehr ernste, nachdenkliche Komponente, die leider aktueller denn je ist.

Ganz klare Leseempfehlung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.02.2026

Ein gelungener Reihenabschluss!

Schule der Meisterdiebe 5: Die letzte Prüfung
0

Da wir seit Erscheinen der Reihe riesengroße Fans der „Schule der Meisterdiebe“ sind, haben mein Sohn (12) und ich den fünften und letzten Band mit viel Vorfreude erwartet.

Gabriel Avery und seine fünf ...

Da wir seit Erscheinen der Reihe riesengroße Fans der „Schule der Meisterdiebe“ sind, haben mein Sohn (12) und ich den fünften und letzten Band mit viel Vorfreude erwartet.

Gabriel Avery und seine fünf Freunde müssen sich nun in einem finalen Showdown den Anführern der berüchtigten Verbrecherbande „Die Namenlosen“ stellen, die gleichzeitig die Eltern von Gabriel Avery sind. Zudem wartet mit dem Lehrer für das neue Schulfach „Logistik“ eine große Überraschung auf die Freunde, und der alljährliche Einbruch stellt Gabriel, Penelope, Villette, die Okoro-Zwillinge und Amira vor eine beinahe unlösbare Aufgabe.

Wie immer bietet auch dieser Band eine gelungene Mischung aus Spannung, Action, Internats-Setting und Humor, für den vor allem die Brüder Ade und Ede Okoro mit ihren Kabbeleien und flotten Sprüchen sorgen. Man spürt, dass die Protagonist:innen langsam erwachsen werden, da die zu bewältigenden Herausforderungen immer anspruchsvoller und gefährlicher werden. So ist die Konfrontation mit Adria Vivas und Luciano Lopez, den Anführern der „Namenlosen“, für die Bande durchaus lebensgefährlich und es wird hart gekämpft. Auch der Tod spielt in diesem Band eine Rolle. Aus diesem Grund würde ich auch die Altersempfehlung von 10 Jahren keinesfalls unterschreiten.

Wie schon in den vorigen Bänden ist Gabriel Avery der Anführer der Bande und durch seine überlegte, verantwortungsbewusste Art und seine hohen moralischen Werte die ideale Führungspersönlichkeit. J.J. Arcanjo vermittelt im fünften Band die Botschaft, dass Selbstvertrauen der Schlüssel zu Erfolg ist, Menschen bei aufrichtiger Reue eine zweite Chance verdienen und Familie nicht durch biologische Abstammung, sondern durch Liebe, Fürsorge und Geborgenheit definiert wird.

Band 5 bildet für uns einen rundum gelungenen Abschluss einer herausragenden Kinderbuchreihe, und wir sind ein bisschen traurig, dass wir von Gabriel und Crookhaven Abschied nehmen müssen. Ein bisschen Hoffnung macht uns J.J. Arcanjo allerdings, wenn er in seiner Danksagung schreibt, dass er eines Tages in die Welt von Crookhaven zurückkehren wird. Vielleicht gibt ja doch noch ein Wiedersehen mit der Bande? Wir wären auf jeden Fall dabei!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.02.2026

berührende coming-of-Age-Geschichte

Sommer auf Perigo Island
0

Der zwölfjährige Pierce wohnt zusammen mit seiner Mutter auf Perigo Island, einer (fiktiven) Insel vor der Küste Neufundlands, deren Bewohner nahezu ausschließlich vom Fischfang leben. Auch der Vater von ...

Der zwölfjährige Pierce wohnt zusammen mit seiner Mutter auf Perigo Island, einer (fiktiven) Insel vor der Küste Neufundlands, deren Bewohner nahezu ausschließlich vom Fischfang leben. Auch der Vater von Pierce war Fischer, bis er vor drei Jahren nicht mehr vom Meer zurückkehrte. Pierce leidet noch immer unter dem Verlust des Vaters. Die einige Jahre ältere Anna stand Pierce damals zur Seite, als er Hilfe am dringendsten brauchte, und Pierce ist ihr dadurch tief verbunden, auch wenn sie sich nur selten sehen. Im Sommer 1991 verschwindet Anna eines Tages spurlos, und bei Pierce reißen alte Wunden auf. Zusammen mit seinen Freunden Bennie und Thomas sowie Emily, Bennies Cousine aus New York, macht sich Pierce auf die Suche nach Anna. Was hat der eigenbrötlerische und etwas unheimlich wirkende Solomon Vickers mit Annas Verschwinden zu tun? Und welche Rolle spielen der jugendliche Schläger Ross und seine Bande?

Perry Chafe gelingt es, eine berührende Coming-of-Age-Geschichte vor beeindruckender Naturkulisse mit Spannung zu verbinden. Auch Umweltprobleme wie die Überfischung der Meere und die Schäden durch Schleppnetzfischerei werden angesprochen. Auf berührende, leise und einfühlsame Weise erzählt das Buch von tiefer Freundschaft, erster Liebe, Vorurteilen und zweiten Chancen. Es zeigt eindrücklich, dass vorschnelle Urteile selten richtig liegen und tiefes Verständnis und Nähe manchmal dort zu finden sind, wo man es am wenigsten erwartet. Wahre Freundschaft braucht nicht viele Worte, sondern Beistand zur richtigen Zeit. Das Buch macht Mut, auch nach Trauer und Verlusten langsam wieder nach vorne zu blicken.

Nachdem mich letztes Jahr „Das Geschenk des Meeres“ aus dem mare Verlag sehr berührt hat, ist auch „Sommer auf Perigo Island“ wieder ein Highlight für mich gewesen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere