Profilbild von Jessaja

Jessaja

Lesejury Star
offline

Jessaja ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Jessaja über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 10.04.2026

Ein Buch zum Schmecken, Riechen, Sehen und Fühlen

Mirabellentage
0

Mirabellentage

Anna hat ihr ganzes Leben im kleinen Blumfeld verbracht, erst bei ihren Eltern, dann in der Dorfgaststätte und dann viele Jahre als Haushälterin des nur wenig älteren Dorfpfarrers Josef. ...

Mirabellentage

Anna hat ihr ganzes Leben im kleinen Blumfeld verbracht, erst bei ihren Eltern, dann in der Dorfgaststätte und dann viele Jahre als Haushälterin des nur wenig älteren Dorfpfarrers Josef. Nun ist Josef tot und Anna steht nicht nur vor der Herausforderung, Josefs letzten Wunsch zu erfüllen, sondern auch sich neu aufzustellen.
Geschrieben wurde das Buch von Martina Bogdahn, einer in München lebenden Fotografin. Von ihr habe ich den Debütroman „Mühlensommer“ bereits gelesen.
Das Buch ist bei Kiepenheuer & Witsch erschienen. Es umfasst 338 Seiten. Nummerierte Kapitel hat es keine, aber es ist unterteilt in Sinnabschnitte, so dass man gut sinnvoll unterbrechen kann.
Ich muss ehrlich sagen, meine Erwartungen an dieses Buch waren hoch, vielleicht zu hoch, weil ich den „Mühlensommer“ so geliebt habe. An ihren Debütroman reichen die Mirabellentage nicht ganz ran. Mir waren die eingeschobenen Rückblicke zu viel und sie haben auch nicht immer meinen Humor getroffen. Die Handlung in der Gegenwart war mir viel zu viel im Hintergrund. Aber eines kann Martina Bogdahn und das hat sie hier auch wieder bewiesen: keine anderen Bücher kann man so sehr schmecken, riechen, sehen und fühlen und auch diese Charaktere sind wieder so schön gestaltet, dass man sie und eigentlich das ganze Dorf, das mit seiner sehr eigenen Dynamik so wunderbar beschrieben wurde, tief ins Herz schließen muss.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.03.2026

Wann bist du „richtig“?

Pina fällt aus
0

Pina fällt aus

Leo ist anders und seine alleinerziehende Mutter Pina hat ihr komplettes Leben um ihn herum gebaut. Nun fällt Pina bis auf weiteres aus. Wer schaut dann nach Leo? Eigentlich gibt es ausser ...

Pina fällt aus

Leo ist anders und seine alleinerziehende Mutter Pina hat ihr komplettes Leben um ihn herum gebaut. Nun fällt Pina bis auf weiteres aus. Wer schaut dann nach Leo? Eigentlich gibt es ausser einer bunt zusammen gewürfelten Hausgemeinschaft, die sich garnicht sonderlich gut kennt erstmal niemand. Aber auch die Bewohner sind eigentlich nicht „standart“. Aber was bedeutet das eigentlich? Wie erwartet die Gesellschaft denn, dass man zu sein hat? Und wer erfüllt das überhaupt?
Geschrieben wurde das Buch von Vera Zischke, einer für eine Zeitung schreibenden Journalistin. „Pina fällt aus“ ist ihr zweiter Roman. Ihr Debüt „Ava liebt noch“ habe ich (noch) nicht gelesen, steht aber jetzt auch auf meiner Wunschliste.
Erschienen ist das Buch bei List, der zu den Ullstein Buchverlagen gehört. Der Roman umfasst 302 Seiten und ist eingeteilt in 26 angenehm lange Kapitel.
Mir hat die Art mit der Vera Zischke ihre Geschichte erzählt sehr gefallen. Ich habe auch keine Warmlaufzeit gebraucht und war gleich mitten in der Geschichte. Die Charaktere sind so schön angelegt und ausgestaltet, dass sie wirklich ins Herz gehen. Es ist eine sehr ruhige und langsame Erzählweise. Eigentlich passiert garnicht viel und doch passiert alles. Die Autorin scheint garnicht wütend und äussert dennoch so viel Kritik an unserer Gesellschaft und deren Umgang mit allen die nicht der Norm entsprechen.
Man braucht glaube ich ein bisschen Affinität für das Thema.Für jeden ist der Roman bestimmt nichts. Mir hat er sehr gut gefallen und ich kann ihn bedenkenlos weiter empfehlen an alle, die sich beim Lesen nicht nur unterhalten lassen wollen, sondern bereit sind nachzudenken.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.02.2026

Wann war ein Leben ein Gutes?

Das gute Leben
0


Das gute Leben

Anni ist tot. Die Anni, die als junge Frau schwanger von Rumänien nach Deutschland ging, als Alleinerziehende beim Quelle Versand so viele Jahre gearbeitet hat, sich ein Haus erarbeitet ...


Das gute Leben

Anni ist tot. Die Anni, die als junge Frau schwanger von Rumänien nach Deutschland ging, als Alleinerziehende beim Quelle Versand so viele Jahre gearbeitet hat, sich ein Haus erarbeitet hat. Das ist doch was. Oder was genau macht ein gutes Leben aus?
Geschrieben wurde das Buch von Nadine Schneider. Sie hat bereits die Bücher „Drei Kilometer“ und „Wohin immer ich gehe“ geschrieben. Dies ist allerdings das erste Buch, das ich von ihr gelesen habe.
Erschienen ist das Buch im Fischer Verlag. Es umfasst 303 Seiten und ist eingeteilt in 62 angenehm kurze Kapitel. Abwechselnd wird Annis Geschichte und in der Gegenwart die ihrer Enkelin Christina erzählt.
Insgesamt wird von vier Generationen starker Frauen berichtet: Annis Mutter in Rumänien, Anni, deren Tochter Helene und Christina. Die Männer spielen eine sehr untergeordnete Rolle. Teilweise haben mich die abrupten Wechsel irritiert. Ich war mir nicht immer sicher, ob wir jetzt in Rumänien oder in Nürnberg sind und bei welcher der Frauen. Die ruhige Art mit der Nadine Schneider ihre Geschichte erzählt hat mich sehr fasziniert. Mir erschien vieles sehr gut recherchiert und/oder aus der eigenen Geschichte. Ich konnte den Zeitgeist sehr gut nachempfinden und gerade das für Anni so wichtige Quelle Unternehmen wurde perfekt beschrieben. Ich habe ein paar Mal beim Lesen gestoppt um parallel im Internet über die Familie Schickedanz, das Quelle Gebäude oder das Logo, das ich nicht mehr auf dem Schirm hatte, zu recherchieren. Gegen Ende war mir aber das Tempo doch etwas arg langsam, da hätte ich mir ein bisschen mehr Handlung gewünscht.
Das Buch macht mich nachdenklich. Es widmet sich ganz eindrücklich dem großen Thema, wann ein Leben ein Gutes war.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.02.2026

Sehr ehrlich

Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen
0


Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen

Nach dem Tod ihres Mannes, probiert Christien das gemeinsame Haus auf- und auszuräumen. Dabei setzt sie sich mit ihren Gefühlen auseinander und reflektiert über ihr ...


Ein Versuch, meine Liebe zu ordnen

Nach dem Tod ihres Mannes, probiert Christien das gemeinsame Haus auf- und auszuräumen. Dabei setzt sie sich mit ihren Gefühlen auseinander und reflektiert über ihr Leben. Wie kann man eine Liebe mit ihren Höhen und Tiefen, Erlebnissen und Verletzungen einordnen, um das eigene Leben weiterleben zu können?
Geschrieben wurde das Buch von Christien Brinkgreve, einer niederländischen Professorin für Soziologie. Das Buch ist autobiografisch. Es wurde in den Niederlanden unter dem Titel „Beladen huis“ zum Bestseller.
Erschienen ist es bei Hanser. Es umfasst 190 Seiten, ist also ein schmales Büchlein und ist eingeteilt in 42 kurze Kapitel. Der Preis erscheint mir relativ hoch.
Mir gefällt die Art, wie die Autorin schreibt sehr. Christien Brinkgreve ist zweifelsohne eine extrem kluge Frau, schafft es aber, sehr unanstrengend und nachvollziehbar zu schreiben. Viele ihrer Gedanken konnte ich gut mitgehen. Ich bewundere ihre Ehrlichkeit.
Ganz bestimmt haben ihre Reflexionen ihr sehr geholfen, ihr Leben neu zu ordnen. Leider blieben die Charaktere nicht nur zum größten Teil namenlos, sondern auch so blass. Auch die Handlung verlief für mich in Schleifen und hat sich zum Schluss dann doch erschöpft.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 02.02.2026

Vielfältig und unmittelbar

Berchtesgaden
0

Berchtesgaden

Kurz nach dem Krieg treffen in Berchtesgaden, bis vor kurzem Residenz der Führers, alle zusammen: amerikanische Besatzer, deutsche Soldaten, vorher verfolgte Juden und die Berchtesgadener ...

Berchtesgaden

Kurz nach dem Krieg treffen in Berchtesgaden, bis vor kurzem Residenz der Führers, alle zusammen: amerikanische Besatzer, deutsche Soldaten, vorher verfolgte Juden und die Berchtesgadener Bevölkerung. Alle haben einen Krieg erlebt, alle sortieren sich neu. Wer trägt welche Schuld? Wer ist unwissend? Und wie lebt man eigentlich weiter, wenn plötzlich alles anders ist?
Geschrieben wurde das Buch von Carolin Otto, einer Drehbuchautorin und Regisseurin.
„Berchtesgaden“ ist ihr Debütroman.
Das Buch ist bei Lübbe erschienen. Es umfasst 543 Seiten und ist eingeteilt in 54 angenehm kurze Kapitel.
Ich mag Bücher, bei deren Lektüre ich etwas lernen kann sehr. Bei diesem Buch musste ich mich erst orientieren. Es wird sehr dicht loserzählt. Viele Charaktere werden schnell eingeführt und viele geschichtliche Details dicht geschildert. Im Laufe der Lektüre tat ich mir damit deutlich leichter. Es ist kein Buch, das Charaktere „zum Verlieben“ schafft, dazu ist die übrige Schilderung viel zu dicht. Ich habe das Buch dennoch voller Begeisterung gelesen. Carmen Otto schafft es, die Atmosphäre und den Zeitgeist, der in dieser Zeit so dicht nach dem Krieg in diesem sehr besonderen Setting sehr spürbar zu erzählen. Es ist ein Buch für jedes Alter und auch kein klassischer Frauenroman.
Fazit: Wer nicht davor zurück schreckt, sich in ein Buch erst mal „reinzuarbeiten“, wird sich über diesen Roman sehr freuen. Ich habe bisher noch kein Buch gelesen, das diese Zeit so vielfältig und unmittelbar beschrieben hat.


  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Thema