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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 01.03.2026

Kreativ konstruierter Krimi

Giftiger Grund
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Die hauptsächliche Szenerie spielt an einer stillgelegten, am nahen Wald abseits gelegenen Tankstelle. Dieser detailliert beschriebene Ort wird von drei, einander fremden Hauptfiguren nachts aus verschiedenen ...

Die hauptsächliche Szenerie spielt an einer stillgelegten, am nahen Wald abseits gelegenen Tankstelle. Dieser detailliert beschriebene Ort wird von drei, einander fremden Hauptfiguren nachts aus verschiedenen Gründen aufgesucht. Während Charu als junge, finanzschwache Lost Places Influencerin mit ihrer Glitzerkatze als Markenzeichen diese ramponierte Location im Zeitraffer aufnimmt, entwendet ein 10-jähriges, seltsam gekleidetes Mädchen in frühen Morgenstunden ihr kostbares Logosymbol. Nach einfühlsamer Kontaktaufnahme zwischen ihnen über eine Nachricht auf leerer Getränkeverpackung und ihren Apps auf Internetplattformen betritt Joran, frisch entlassen aus der JVA, diesen nächtlichen Schauplatz auf der Suche nach seiner damals dort versteckten Beute, findet jedoch nur seinen toten Freund im Kanalschacht. Deren verschiedene, schwierige Lebensverhältnisse werden realistisch nachvollziehbar beschrieben, auch ihren Wandel von anfänglichem gegenseitigem Misstrauen und Ablehnung zu schicksalhaftem, überlebenswichtigem Miteinander auf Vertrauensbasis. Der kreative Einsatz von technischen Medien wie z.B. Airtags oder abhörsicheres Kryptohandy beflügeln hier noch das Ambiente um soziale Medien. Die Arbeit von Jugendämtern wird angerissen. Die sympathischen Hauptfiguren erfahren ein Happy End mit einem überraschenden Schluckauf mit drei Toten.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 24.02.2026

Besondere Mutter-Tochter-Beziehungen und mehr!

Das gute Leben
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Das Cover zeigt eine Weinranke in Blautönen mittig mit dem Buchtitel farblich gut miteinander korrespondierend – künstlerisch sehr ansprechend entworfen. In diesem historischen Familienroman über vier ...

Das Cover zeigt eine Weinranke in Blautönen mittig mit dem Buchtitel farblich gut miteinander korrespondierend – künstlerisch sehr ansprechend entworfen. In diesem historischen Familienroman über vier Frauengenerationen erzählt Enkelin Christina anhand nicht chronologisch aufgeführter Erinnerungen hauptsächlich die Lebensgeschichte ihrer Großmutter Anni. Ihre Fluchtmöglichkeit aus dem ärmlichen, schmutzigen Rumänien, weg von Ceausescu und dem Sozialismus, verdankt sie ihrem Bruder Rudi. Bei ihm lebt sie unter beengten Wohnverhältnissen mit ihrer in Westdeutschland geborenen Tochter Helene, jedoch geplagt von Einsamkeit, Heimweh und Armut. Während der Sommeraufenthalte in Temeswar, Rumänien bei der allein lebenden Urgroßmutter und auch in Deutschland tauchen männliche Beteiligte nur als unwichtige Randfiguren auf. Die Ich-Erzählerin Christina, Helenes Tochter, wächst bei der Großmutter Anni auf, deren Arbeitswelt sich grössenteils in der Packabteilung vom Quelle-Versand abspielt. Nach 35-jähriger Firmenzugehörigkeit muss sie trotz großem Pflichtbewusstsein und Zähigkeit in vorzeitigen Ruhestand. Angerissen wird die wichtige Rolle von Grete Schickedanz im Quelle-Versandhandel der Wirtschaftswunderjahre in Deutschland, setzt sie doch auch z. B. diese fortschrittliche Altersruhegeldregelung durch. Der harte Weg zu dem ersehnten guten Leben führt hier aus dem Rumänien der 60-er Jahre über Wien nach Nürnberg, auch den Wunsch nach Zugehörigkeit und Sicherheit einbeziehend, sprachlich reizvoll in leisen Tönen umgesetzt.
Vier Frauen verschiedener Charaktere in unterschiedlichen politischen Lebenswelten und deren Hoffnungen auf das gute Leben, umgesetzt in einem sprachlich gelungenen Familienroman.

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Veröffentlicht am 24.02.2026

Auf der Suche nach Heimat

Halber Stein
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Nach der Erstveröffentlichung im Jahr 2012 erscheint dieser damalige Debutroman erneut zum 14.02.26, betitelt nach dem in Michelsberg gelegenen Naturfelsen – hier gedacht als gewichtiger Ort für bedeutsame ...

Nach der Erstveröffentlichung im Jahr 2012 erscheint dieser damalige Debutroman erneut zum 14.02.26, betitelt nach dem in Michelsberg gelegenen Naturfelsen – hier gedacht als gewichtiger Ort für bedeutsame Lebenserkenntnisse der Hauptakteurin. Wie in vorigen Romanen spielt die Szenerie im ländlichen, jetzt rumänischen Siebenbürgen. Dort verbrachte die Autorin ihre Kindheit ähnlich der Hauptfigur Friedesine, Ich-Erzählerin, zusammen mit dem rumänischen Nachbarsjungen Julian. Erzählt wird von deren zeitlosen, prägenden Freundschaft, von historischen und politischen Eckdaten, von langsam schwindenden Traditionen der ehemals deutschen Siedler, gekoppelt ans Begräbnis der Großmutter. Durch eigene Migrationserfahrungen und ihrer Suche nach Zugehörigkeit offenbart die Erzählerin Sine eine immer noch bestehende innere Zerrissenheit nach Auswanderung vor 20 Jahren. Die landschaftliche Schönheit und auch touristische Highlights der Umgebung verschmelzen mit Kindheitserinnerungen und der Gegenwart Sines. In poetischem, ruhigem Schreibstil entwirft die Autorin eine bildhafte, einfühlsame Familiengeschichte voller Brauchtum und Überlebensstrategie in dörflichem Miteinander.
Ist Heimat ein Ort der Sehnsüchte, Träume und Erinnerungen?

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Dramatische Sommerferien - anschaulich und detailliert festgehalten.

Schwarzer September
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Das Cover zeigt die Hauptperson am sommerlichen Strand der Toskana dreifach in verschiedener Position liegend, wirkt aber visuell nicht sehr ansprechend. Dagegen passt der Buchtitel in zweifacher Hinsicht ...

Das Cover zeigt die Hauptperson am sommerlichen Strand der Toskana dreifach in verschiedener Position liegend, wirkt aber visuell nicht sehr ansprechend. Dagegen passt der Buchtitel in zweifacher Hinsicht gut: erstens die Familienverhältnisse betreffend, zweitens den Anschlag der Terrorgruppe »Schwarzer September« während den Olympischen Spielen in München im Sommer 1972 betonend. Der Ich-Erzähler Gigio Bellandi, zweisprachig aufgewachsen, konzentriert sich detailliert auf einen finsteren Familien-Sommeraufenthalt in Fiumetto an der ligurischen Küste. Er beschreibt sich als einen zwölfjährigen Dorfjungen, vergraben in Sportalben, Fan von Juve, Bitossi und Ferrari und von allen anderen Sportarten, außer Haus unsichtbar und unfähig, seine Gefühle mit anderen zu teilen. Die Haut-Problematik von Rutilismus, wie bei seiner rothaarigen, irischen Mutter und Schwester vorhanden, wird eingehend beschrieben. Ebenso wird die Rolle des Vaters, Rechtsanwalt und Hobbysegler, zwischen seiner Berufstätigkeit und Familienfreizeit erwähnt.
Im zweiten Teil taucht dann in Gigios Sommerferien die veränderte, belesene, 13-jährige Astel Rimondi auf, vertieft mit ihr nicht nur ihre Englischkenntnisse anhand von Songtexten damaliger Popsänger am Strand und in ihrem luxuriösen Zuhause. Die zarten Bande dieser zwei Pubertierenden, durch die Ermordung von Astels Vater abrupt gestoppt, werden aus Gigios Sicht einfühlsam beschrieben. Die Sommerferien 1972 enden dramatisch und schlagartig nicht nur für alle Familienmitglieder, sondern auch für alle Olympioniken.
Der Schreibstil wendet sich an den Lesenden wie in einem Monolog. Gigio spricht besonders im Epilog inmitten des Olivenhains die Vorstellungskräfte des Lesenden an. Minutiös sind namhafte Sportler der damaligen Sportszene recherchiert worden, zu ausführlich ausgeführt vielleicht für sportlich Desinteressierte. Das italienische Ambiente einer bis dahin behüteten Kindheit wird angenehm eingefangen.

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Veröffentlicht am 17.02.2026

Eine tragische Familiengeschichte mit historischen Wurzeln im Banat

Das schönste aller Leben
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Über das besondere Leben dreier Frauen einer Familie aus Glogowitz im heutigen Rumänien wird reflektiert, angehäuft mit tief sitzenden, kaum zu überwindenden Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen der jüngsten ...

Über das besondere Leben dreier Frauen einer Familie aus Glogowitz im heutigen Rumänien wird reflektiert, angehäuft mit tief sitzenden, kaum zu überwindenden Selbstvorwürfen und Schuldgefühlen der jüngsten Mutter namens Viola. Unverschuldet durch eine Unachtsamkeit verbrüht sie ihre zweijährige Tochter und scheint daran zu zerbrechen, hat sie doch deren Schönheit besonders im Gesicht und damit automatisch Glück in deren Leben zerstört. Das hier vorgestellte Bild von Frauen, deren Währung Schönheit ist, wird hier am Beispiel von Viola im 1960 - er Deutschland und Theresia im Banat im 18. Jahrhundert vorgestellt. Diese weit zurückliegende Geschichte von Keuschheitskommissionen, von der habsburgischen Kaiserin Maria Theresia eingesetzt, geht hier gegen unzüchtige Weibspersonen vor und bestraft sie mit Deportation in Arbeitscamps im Banat. Thematisiert werden Mutterschaft, Flucht bzw. Auswanderung und Neuanfänge nach politischen Ereignissen. Der klare Schreibstil betont besonders Violas emotionale Anpassungsschwierigkeiten in Deutschland, begleitet von Isolation, Scham, Ängsten und Erfolgsdruck gegenüber gesellschaftlichen und familiären Erwartungen, gekoppelt mit Fremdheitsgefühlen bis ins Erwachsenenalter hinein. Die tiefen Schuldgefühle gegenüber ihrer mit sichtbaren Narben versehenen Tochter Sophie werden sprachlich beklemmend betont. Viola will für ihr Kind das schönste aller Leben sichern.
Ein Familienroman über Donauschwaben der 1960-er Jahre mit überzeugendem Tiefgang.

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