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Veröffentlicht am 17.02.2026

Eine ruhige Wucht

Moosland
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„Moosland“ ist ein ruhiger und atmosphärischer Roman, der die Schönheit und Rauheit Islands perfekt einfängt. Die Protagonistin Elsa versucht, sich in diese Umgebung einzufügen, und kämpft gleichzeitig ...

„Moosland“ ist ein ruhiger und atmosphärischer Roman, der die Schönheit und Rauheit Islands perfekt einfängt. Die Protagonistin Elsa versucht, sich in diese Umgebung einzufügen, und kämpft gleichzeitig gegen die Dämonen ihrer Vergangenheit.

Im Sommer 1949 reist Elsa mit rund dreihundert deutschen Frauen nach Island, um auf Bauernhöfen zu arbeiten. Ihre Herausforderung ist nicht nur die Unkenntnis der Sprache, sondern auch die Trauer um ihre Freundin Sola. Auf dem abgelegenen Hof verändert Elsas Anwesenheit zunehmend die Dynamik der Familie, und das Schweigen über die verschwundene Tochter zieht sie immer stärker in den Bann.

Katrin Zipses Schreibstil würde ich eher als nüchtern bezeichnen: Die Sätze sind knapp und sachlich gehalten. Zu Beginn fand ich den prägnanten Stil toll, denn er passt hervorragend zur kargen Landschaft Islands und der eher schweigsamen Bauernfamilie. Mit der Zeit fiel mir allerdings auf, dass ich mir zwar die Umgebung und die Aufgaben auf dem Hof gut vorstellen kann, mir jedoch die Nähe zu den Charakteren fehlt. Das liegt zum einen daran, dass Elsa immer nur „das Mädchen“ oder „sie“ genannt wird. Umgekehrt bezeichnet Elsa die Bauersfrau und ihren Mann ebenfalls nur über ihre Rollen. Lediglich die drei Söhne werden regelmäßig per Namen unterschieden. Hierzu gibt es später im Buch noch eine clevere, gut gelungene Überraschung.

Im Laufe der Geschichte erfahren wir, warum Elsa schweigt und was mit Sola passiert ist. Die Ereignisse werden häppchenweise mitten in einer Handlung oder einem Gedankengang preisgegeben. Hier hätte ich mir eine andere, für mich übersichtlichere Struktur gewünscht, um nicht von einem Moment zum nächsten verwirrt zu sein. Gleichzeitig verstehe ich, dass diese Einschübe auch gut zu Elsas Zustand passen und den verstörenden Einfluss der Ereignisse betonen.

Die Einblicke in das isländische Leben mit all seinen Herausforderungen sowie die Geschehnisse in Deutschland bis 1949 waren ebenso interessant wie erschreckend. Man erfährt einiges über die Hoffnungen und Ärgernisse der Isländer und die Verzweiflung der Deutschen. All dies wird dezent erwähnt und hallt dennoch nach.

Insgesamt bietet „Moosland“ einen lehrreichen Ausflug nach Island – mit grandiosen Naturbeschreibungen, eindrucksvollen Einblicken in das Leben der Bauern und der Bedeutung von Gemeinschaft. Wer ruhige und atmosphärische Romane mag, wird hier bestimmt auf seine Kosten kommen.

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Veröffentlicht am 21.11.2025

Emotionale Familiengeschichte

Das Flüstern der Marsch
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„Das Flüstern der Marsch” ist ein ruhige und emotionale Familiengeschichte. Geschildert werden Geschehnisse von 1964 bis 2024. Wir verfolgen prägende Ereignisse von vier Frauen, wobei Annemie die älteste ...

„Das Flüstern der Marsch” ist ein ruhige und emotionale Familiengeschichte. Geschildert werden Geschehnisse von 1964 bis 2024. Wir verfolgen prägende Ereignisse von vier Frauen, wobei Annemie die älteste ist und mit ihrem Verschwinden beginnt auch der Roman. Annemies Enkelin Mona versucht, mehr über ihre Oma zu erfahren und stößt dabei auf viele Geheimnisse.

Der Roman zeigt eindringlich, wie gewisse Zeiten und Erwartungen die Frauen prägen. Es gibt nicht nur gesellschaftliche Einschränkungen, sondern auch mangelnde Unterstützung innerhalb der Familie. So kommt es im Laufe mehrerer Generationen zu immer mehr Geheimnissen und Lügen - überwiegend verursacht durch Schweigen. Selbstbestimmung ist ein großes Thema, das immer wieder auftaucht.

Die Erzählweise ist ruhig, poetisch und emotional. Die Beschreibungen der Natur geben dem Roman sowohl Leichtigkeit als auch Tiefe, da die Landschaft zum einen wunderschön ist und wunderbar bildhaft geschildert wird und zum anderen jedoch ebendiese Umgebung der Schauplatz einiger Tragödien ist.

Besonders interessant, fand ich den Aspekt bzw. Denkansatz, Familienmitglieder nicht nur in ihrer Rolle als Mutter oder Opa zu betrachten. Vielmehr geht es darum, auch die Individuen dahinter und deren Geschichte und Bedürfnisse zu erkennen und zu respektieren.

Für meinen Geschmack war die Geschichte manchmal etwas zu ruhig und ich konnte es kaum erwarten, die Zusammenhänge zu erkennen. Das Zusammenführen der verschiedenen Erzählstränge ist dann sehr gelungen.

Wer Familiengeschichten liebt und sich insbesondere für Frauenbilder in verschiedenen Generationen interessiert, dürfte „Das Flüstern der Marsch” sehr mögen. Von mir gibt es noch einen extra Pluspunkt für die traumhafte Marschlandschaft.

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Veröffentlicht am 21.11.2025

Solider Thriller mit Überraschungen

Knochenkälte
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Endlich wieder unterwegs mit David Hunter! Jahrelang musste ich auf die Fortsetzung warten und dementsprechend groß war die Vorfreude auf „Knochenkälte” – aber wurden all meine Erwartungen erfüllt?  

Der ...

Endlich wieder unterwegs mit David Hunter! Jahrelang musste ich auf die Fortsetzung warten und dementsprechend groß war die Vorfreude auf „Knochenkälte” – aber wurden all meine Erwartungen erfüllt?  

Der forensische Anthropologe David Hunter ist aufgrund eines Wintersturms in einem abgeschiedenen Ort eingeschneit. Mit dem Fund eines Skeletts beginnt für ihn eine gefährliche Suche nach der Wahrheit – sehr zum Missfallen der verschlossenen Einwohner.  
 
An Becketts Thrillern liebe ich immer die nervenaufreibende Grundstimmung: Wann wird das Skelett entdeckt, wer sind die Verdächtigen und wird Hunter in Gefahr geraten? Und ganz wichtig: Welcher Plottwist wird mich diesmal aus den Socken hauen?  
 
Ja, meine Erwartungen waren hoch und – und wurden leider nicht ganz erfüllt. Die Atmosphäre im Dorf ist von Anfang an spannend, düster und geheimnisvoll. Wie gewohnt, sorgt Becketts Stil dafür, dass man direkt in die Atmosphäre des Romans abtauchen kann und die Szenen beinah wie in einem Film vor einem ablaufen.

Für meinen Geschmack dauert es jedoch einen Tick zu lange, bis Hunter endlich auf das Skelett stößt. Generell hatte ich das Gefühl, die Action verlor sich manchmal in detaillierten Naturbeschreibungen. Als Kontrast dazu habe ich auf einen grandiosen Plottwist nach dem anderen gehofft. Doch auch hier blieb leider der große Wow-Moment aus. Vielleicht lag es am begrenzten Setting oder daran, dass die Bösewichte für mich zu früh erkennbar waren. 

Insgesamt ist „Knochenkälte” ein guter Thriller mit einigen Überraschungen. Als siebter Teil der Hunter-Reihe lässt er sich auch gut ohne Vorwissen lesen.  

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Veröffentlicht am 21.11.2025

Gewöhnungsbedürftige Dystopie

Die Spur der Vertrauten
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„Die Spur der Vertrauten" ist ein vielschichtiges Jugendbuch – so komplex und tiefgründig, dass ich es eher als Dystopie für (junge) Erwachsene empfehlen würde. Doch worum geht’s eigentlich?

Claire und ...

„Die Spur der Vertrauten" ist ein vielschichtiges Jugendbuch – so komplex und tiefgründig, dass ich es eher als Dystopie für (junge) Erwachsene empfehlen würde. Doch worum geht’s eigentlich?

Claire und Goliath leben in einer dystopischen Welt, in der es keine Individualität gibt. Stattdessen besitzt jeder Mensch einen sogenannten Instinkt, der ihn dazu bringt, stets dem Allgemeinwohl zu dienen. Als Claire und Goliath auf ungeklärte Vermisstenfälle stoßen, beginnen sie, tiefer im Verborgenen der Gesellschaft zu graben als jemals jemand zuvor – und entdecken dabei lebensgefährliche Geheimnisse.

Der Stil von Christelle Dabos ist eher ungewöhnlich für ein Jugendbuch – wobei mir das bei „Die Spiegelreisende“ (kleine Korrektur des Titels) damals gar nicht so aufgefallen ist. Ich hattehier allerdings nur selten einen flüssigen Lesefluss, da der Satzbau manchmal ungewöhnlich, beinahe elliptisch wirkt. Zudem treten viele Charaktere auf und es gibt zahlreiche Details zur Gesellschaft und zum Instinkt.

Im Roman werden Themen wie Individualität, Vorurteile, Verlust und Einsamkeit mitunter eher indirekt behandelt. Durch diese Themen und die dystopische Gesellschaft entsteht eine düstere Grundstimmung, die vor allem durch Goliath meiner Meinung nach perfekt verkörpert wird. Die Protagonisten Claire und Goliath fand ich sehr cool: Sie sind alles andere als perfekt, beide tragen ihr Päckchen, und dennoch finden sie zueinander und ermutigen sich gegenseitig.

Die Grundidee mit dem Instinkt, dem man widerstandslos ausgeliefert ist, fand ich grandios – endlich mal wieder was ganz Originelles. Im Laufe der Geschichte tauchen immer mehr Andeutungen und Geheimnisse auf, die man sich gern merken möchte, weil sie wichtig für den Verlauf scheinen. Doch dann kommt die Enttäuschung: Am Ende werden viele dieser Andeutungen oder Handlungsstränge gar nicht mehr aufgegriffen oder aufgelöst.

So wirkt das Ende überwältigend: Es passiert sehr viel auf einmal – und doch weiß man kaum, warum. Die über 600 Seiten finden ihren Showdown auf vielleicht fünf Seiten, und man bleibt mit unglaublich vielen Fragen zurück. Schade, denn ich hatte mir wirklich mehr erhofft!

„Die Spur der Vertrauten“ ist ein interessantes und vielschichtiges Buch. Wenn man sich darauf einlässt und nicht alles hinterfragt, bietet es unterhaltsame Lesestunden und zugleich tiefgründige Themen zum Nachdenken.

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Veröffentlicht am 28.02.2026

Komplex und gewaltig

Alma
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„Alma“ ist ein Roman, der aufgrund seines Klappentexts bei mir leider falsche Erwartungen geweckt hat. Statt eines Schattens des Krieges stehen der Krieg und seine Auswirkungen klar im Mittelpunkt. Ich ...

„Alma“ ist ein Roman, der aufgrund seines Klappentexts bei mir leider falsche Erwartungen geweckt hat. Statt eines Schattens des Krieges stehen der Krieg und seine Auswirkungen klar im Mittelpunkt. Ich hatte einen Roman über die Schönheiten Triests erwartet und bekam stattdessen ausführliche Schilderungen der geschichtlichen Entwicklung der Stadt und ihrer Umgebung.

Zu Beginn lernen wir Alma und ihre familiäre Situation kennen. Die Mutter wirkt unglücklich und scheint sich selbst und ihre Tochter zu vernachlässigen – bis der Vater plötzlich wieder auftaucht, den Familienalltag durcheinanderbringt und nach wenigen Tagen erneut verschwindet. Lange bleibt unklar, was er dann eigentlich treibt und womit er sein Geld verdient. Eine entscheidende Wendung erfährt Almas Leben, als Vili, ein Junge mit geheimnisvoller Vergangenheit, vom Vater kurzerhand zum neuen Familienmitglied erklärt wird. Zwischen Alma und Vili entsteht eine ungewöhnliche, vielschichtige Beziehung, die sich über Jahrzehnte hinweg entwickelt.

Der Roman ist sehr detailreich und intensiv recherchiert, insbesondere in geografischer und historischer Hinsicht. Einige real wirkende Fotografien verleihen der Erzählung zusätzliche Authentizität. Während ich zu Beginn noch bemüht war, Ort und Zeit einzuordnen, verlor ich im Verlauf zunehmend den Überblick, da konkrete Angaben oft fehlen. Geografische und geschichtliche Vorkenntnisse sind daher enorm hilfreich, um der Handlung besser folgen zu können.

Auch der Schreibstil fordert Aufmerksamkeit: Die Sätze sind häufig komplex und dicht, sodass sich das Buch weniger für zwischendurch eignet. Gleichzeitig finden sich viele poetische und nachdenkliche Passagen, die mich berührt und zum Nachdenken angeregt haben. Besonders interessant sind die Momente, in denen deutlich wird, wie stark Familie, Herkunft und vielleicht sogar Gene unser Verhalten prägen.

Wer sich für die Geschichte Triests und die Auswirkungen des Krieges in dieser Region interessiert, erhält mit „Alma“ umfangreiche Einblicke. Und wer die Macht der Sprache liebt, wird mit diesem Schreibstil ebenfalls vieles für sich entdecken. Für einen genaueren Eindruck empfehle ich einen Blick auf den italienischen Original-Klappentext, der deutlich konkreter ist als die deutsche Übersetzung.

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