Profilbild von milkysilvermoon

milkysilvermoon

Lesejury Star
offline

milkysilvermoon ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit milkysilvermoon über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 19.02.2026

Ignaz, ein Stachelungeheuer?

Willkommen im Zoo - Ein neues Zuhause für Ignaz Pfefferminz Igel
0

Ignaz Pfefferminz Igel ist ein höflicher, reinlicher und hilfsbereiter Kerl. Auf der Suche nach einem neuen Zuhause landet der Igel im Zoo und erwischt dort keinen guten Start. Wegen eines Missgeschicks ...

Ignaz Pfefferminz Igel ist ein höflicher, reinlicher und hilfsbereiter Kerl. Auf der Suche nach einem neuen Zuhause landet der Igel im Zoo und erwischt dort keinen guten Start. Wegen eines Missgeschicks hält ihn Direktor Alfred Ungestüm irrtümlicherweise für ein stacheliges Ungeheuer. Auch von den anderen Tieren erfährt der Igel zunächst nur Misstrauen und Ablehnung. Dann wird aber schnell klar: Ignaz ist alles andere als ein gefährlicher Einbrecher. Kann er auch den Direktor für sich gewinnen?

„Willkommen im Zoo – Ein neues Zuhause für Ignaz Pfefferminz Igel“ ist ein Vorlesebuch von Sophie Schoenwald, empfohlen für Kinder ab fünf Jahren.

Das neue Buch knüpft an die Zoo-Bilderbücher an, erzählt allerdings die Vorgeschichte. Dabei besteht die Geschichte aus zwölf Kapiteln, die jeweils eine kurze Episode schildern. So lässt sich das Vorlesen gut auf mehrere Tage aufteilen. Vorkenntnisse über die übrigen Zoo-Bände sind keineswegs nötig.

Der Text von Sophie Schoenwald ist an die Altersgruppen angepasst und gut verständlich. Manche Redewendung und Umschreibung wie „klar Schiff machen“ muss jüngeren Kindern gegebenenfalls erklärt werden, hilft jedoch beim Erweitern des Wortschatzes.

Ignaz ist ein liebenswerter und knuffiger Protagonist, mit dem man gerne mitfiebert. Der Igel taugt definitiv als Sympathieträger. Stück für Stück lernt man auch die übrigen Zoobewohner kennen.

Die warmherzige Geschichte zeigt auf, wie rasch falsche Vorurteile und Missverständnisse entstehen. Dabei wird deutlich, dass nur durch Offenheit und Zugewandtheit ein wirkliches Kennenlernen und Verständnis füreinander möglich ist. Zugleich macht die Geschichte klar, dass Hilfsbereitschaft für alle bereichernd ist, Freundschaften ermöglicht und Türen öffnen kann. Diese pädagogischen Botschaften finde ich begrüßenswert.

Die Kapitel sind abwechslungsreich und unterhaltsam. Zugleich schafft die Geschichte humorvolle Momente, ohne dass die Handlung zu albern daherkommt.

Die farbenfrohen, aber nicht zu grellen Illustrationen von Günther Jakobs zeugen von der Liebe fürs Detail. Sie passen sehr gut.

Mein Fazit:
Das neue Vorlesebuch ist eine gelungene Ergänzung der Zoo-Reihe. Auch mit „Willkommen im Zoo – Ein neues Zuhause für Ignaz Pfefferminz Igel“ weiß Sophie Schoenwald zu überzeugen. Absolut empfehlenswert!

Veröffentlicht am 18.02.2026

Immer an die Übungen denken

Die Routinen
0

Amik ist nur ihr Spitzname, benannt nach einem Olympia-Maskottchen. Ihre Individualität ist allerdings sowieso nicht wichtig. Als ehrgeizige und talentierte Kunstturnerin soll sie nur ihre sportlichen ...

Amik ist nur ihr Spitzname, benannt nach einem Olympia-Maskottchen. Ihre Individualität ist allerdings sowieso nicht wichtig. Als ehrgeizige und talentierte Kunstturnerin soll sie nur ihre sportlichen Erfolge im Blick behalten. Schon seit ihrer Kindheit dominiert das Wettkampfdenken alles. Den sportlichen Leistungen ist jeglicher Aspekt ihres Alters untergeordnet. Und die Medaillen geben den unerbittlichen Trainingsmethoden recht. Doch nun ist sie 32 Jahre alt, von den jüngeren Konkurrentinnen abgehängt und muss den dramatischen Unfall ihrer Zimmergefährtin Izzy mitansehen…

„Die Routinen“ ist der Debütroman von Son Lewandowski.

Erzählt wird die Geschichte in fünf Teilen vorwiegend, aber nicht nur in der Ich-Perspektive aus der Sicht von Amik. Dabei wechseln sich ein Gegenwarts- und ein Vergangenheitsstrang ab. Zudem sind in das Erzählmosaik mehrere Kapitel eingeflochten, die sich mit historischen Turnpersönlichkeiten beschäftigen. Auf diese Weise umspannt die Handlung die Jahre 1968 bis 2023 und spielt an verschiedenen Orten wie beispielsweise Berlin und Antalya.

Die fiktive Protagonistin mit dem Spitznamen Amik erscheint austauschbar, nur eine von vielen und daher ohne hervorstechenden Charakterzüge. Ihre Gedanken und Gefühle sind sowohl repräsentativ als auch sehr gut nachzuvollziehen.

Nadia Comăneci, Věra Čáslavská, Olga Korbut, Dominique Moceanu und Simone Biles: All‘ diesen jungen Turnerinnen gelangen in ihrem Sport erstaunliche Kunststücke. Jede von ihnen lieferte eine neue Bestmarke im Kunstturnen und wurde zum Vorbild für nachfolgende Generationen. Ihre realen Autobiografien, die die Autorin sorgfältig recherchiert hat, werden gekonnt mit der fiktiven Geschichte um Amik verknüpft.

Der Roman verdeutlicht nicht nur, zu welchen sportlichen Leistungen die realen Sportlerinnen fähig waren,sondern er deckt vor allem auch ein bedenkliches System im Profisport auf: permanenter Trainingsdrill ohne Rücksicht auf Verluste, beinahe unmenschlicher Leistungsdruck, Ausbeutung noch heranwachsender und abhängiger Schülerinnen, (politische) Instrumentalisierung und Sexismus. Mehr noch: Die Geschichte zeigt umfassenden Missbrauch und Gewalt im professionellen, internationalen Leistungssport auf. So ist der Roman gleichermaßen eine Anklage des Systems als auch ein Plädoyer für mehr Feminismus im Sport.

Auf nur wenig mehr als 260 Seiten hat mich die Geschichte gleichermaßen schockiert und berührt. Obwohl ich durchaus bereits Einblicke bezüglich der Schattenseiten des Leistungssports hatte, habe ich die Lektüre als augenöffnend und aufrüttelnd empfunden.

Auch in sprachlicher Hinsicht ist der Roman überragend. Der Text ist wortgewandt, atmosphärisch und eindringlich. Unterlegt mit einer poetischen Note, findet die Autorin immer wieder ungewöhnliche Sprachspiele und -bilder.

Der Titel „Die Routinen“ ist aufgrund der doppelten Bedeutung sehr passend. Er ist einerseits angelehnt an das englische Wort für Turnübungen und verweist andererseits auf die ständig zu wiederholenden Bewegungsabläufe. Auch das Covermotiv mit der unkenntlichen Turnerin auf dem Schwebebalken ist eine vorzügliche Wahl.

Mein Fazit:
Mit ihrem beeindruckenden Debüt hat mich Son Lewandowski begeistert. „Die Routinen“ ist ein inhaltlich wie sprachlich äußerst gelungener Roman mit Nachhall. Ein Highlight im Lesejahr 2026!

Veröffentlicht am 05.01.2026

Von Freiheit und Fremdheit

Trag das Feuer weiter
0

Frankreich im Jahr 2023: Mia Daoud, eine bekannte Schriftstellerin, hat nach einer Covid-Infektion mit „Brain Fog“ zu kämpfen. Sie kann sich nicht mehr richtig konzentrieren und hat keinen Zugriff auf ...

Frankreich im Jahr 2023: Mia Daoud, eine bekannte Schriftstellerin, hat nach einer Covid-Infektion mit „Brain Fog“ zu kämpfen. Sie kann sich nicht mehr richtig konzentrieren und hat keinen Zugriff auf ihre Erinnerungen. Nach dem entsprechenden Tipp eines Arztes reist sie nach Marokko. Dort ist sie aufgewachsen. Doch als junge Frau hat sie ihre frühere Heimat verlassen. Als sie nun auf der Farm ihrer Großeltern in Meknès ankommt, fühlt sie sich allerdings fremd…

„Trag das Feuer weiter“ ist der dritte Teil der „Das Land der Anderen“-Trilogie von Leïla Slimani.

Der Roman gliedert sich in zwei Teile, die von einem Pro- und einem Epilog eingerahmt und durch ein „Intermezzo“ getrennt werden. Die Handlung umspannt mehrere Jahrzehnte, beginnend 1980, und spielt in Frankreich und Marokko.

Erzählt wird aus wechselnder Perspektive aus der Sicht verschiedener Personen. Die Sprache ist eindrücklich, atmosphärisch und pointiert, dabei zugleich wunderbar unprätentiös und dennoch mit einer leicht poetischen Note.

Bei der Geschichte handelt es sich um den Abschluss einer französisch-marokkanischen Familiensaga, inspiriert von den Biografien der Großmutter und Mutter der Autorin. Der neue Roman schließt an „Das Land der Anderen“ und „Schaut, wie wir tanzen“ an. Es empfiehlt sich, die Trilogie in der korrekten Reihenfolge zu folgen. Dank eines Personenverzeichnisses mit Zusammenfassungen lässt sich der dritte Teil jedoch auch ohne Vorkenntnisse verstehen.

Diesmal begleiten wir mit Mia, Mathildes Enkeltochter, hauptsächlich die dritte Generation der Familie. Mir hat es gefallen, dass eine queere Protagonistin im Vordergrund steht. Ihre Gedanken und Gefühle konnte ich gut nachvollziehen. Sie und die übrigen Hauptfiguren wirken authentisch und werden mit psychologischer Tiefe dargestellt.

Auf der inhaltlichen Ebene dreht es sich vor allem um das Heranwachsen, die Suche nach Freiheit und der eigenen Identität. Welchen Einfluss haben unsere Erinnerungen und unsere familiären Wurzeln auf unser Sein? Welche Rolle spielt unsere Geschichte? Auch diesen Fragen geht der Roman nach.

Auf den rund 450 Seiten bietet der Roman nicht nur eine glaubwürdige Handlung, sondern liefert auch Hintergrundwissen zu den politischen und gesellschaftlichen Verhältnissen in den vergangenen Jahrzehnten in Marokko. Darüber hinaus überzeugt die Geschichte immer wieder mit bewegenden Momenten.

Die deutsche Ausgabe bleibt optisch wieder nah am französischen Original. Das Foto des Covermotivs wurde übernommen. Zudem wurde der Titel fast wortgetreu übersetzt („J‘emporterai le feu“).

Mein Fazit:
Mit „Trag das Feuer weiter“ gelingt Leïla Slimani ein würdiger und überzeugender Abschluss ihrer Familientrilogie. Eine Lektüre, die Unterhaltung und Anspruch auf gekonnte Weise verbindet.

Veröffentlicht am 11.12.2025

Als Nico eine schlechte Idee hatte

Perla und der Pirat 2
0

Mama steckt im Stau fest und schafft es nicht, ihren Sohn Nico Rico pünktlich von der Schule abzuholen. Als die Lehrerin einen Moment nicht aufpasst, schleicht sich der Junge davon - und verläuft sich ...

Mama steckt im Stau fest und schafft es nicht, ihren Sohn Nico Rico pünktlich von der Schule abzuholen. Als die Lehrerin einen Moment nicht aufpasst, schleicht sich der Junge davon - und verläuft sich auf dem Weg nach Hause. Eine große Suchaktion beginnt. Kann Hündin Perla ihr junges Herrchen ausfindig machen?

„Perla und der Pirat“ ist ein Bilderbuch von Isabel Allende und der zweite Band um Hündin Perla, geeignet für Kinder ab vier Jahren.

Das neue Abenteuer erstreckt sich über 29 Seiten. Die Geschichte wird erneut aus der Ich-Perspektive aus der Sicht von Perla erzählt.

Die bunten, aber nicht zu grellen Illustrationen von Sandy Rodriguez sind auch diesmal ein absolutes Highlight. Die Zeichnungen sind wieder niedlich geworden und verfügen über liebevolle Details wie den kleinen Zauberer, der sich auf einigen Seiten versteckt. Gut gefallen hat mir zudem, dass das Thema Diversität auch bei der Gestaltung berücksichtigt wurde.

Auch aus pädagogischer Sicht hat mich das Bilderbuch überzeugt. In der Geschichte, die spannend und unterhaltsam umgesetzt ist, geht es um Mut, um Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft und Toleranz. Zudem sendet das Buch die Botschaft aus, dass es keine gute Idee ist, sich heimlich ohne Erwachsene wegzuschleichen. Und: Die Handlung regt unter anderem dazu an, über Gefühle und Vorbehalte zu sprechen. Ein weiterer Pluspunkt ist, dass die Geschichte Jungen und Mädchen mit ganz unterschiedlichen Interessen anzusprechen vermag.

In diesem Band spielen neben Protagonistin Perla wieder die vier menschlichen Mitglieder der Familie Rico eine wichtige Rolle. Mit dem „Piraten“ wird außerdem eine neue Figur eingeführt. Leider erfahren wir nicht, wie der jugendliche Rockmusiker in Wirklichkeit heißt.

Der Text von Isabel Allende, übersetzt von Svenja Becker, ist für die Altersgruppe schon fast zu simpel formuliert. In sprachlicher Hinsicht ist er nur wenig originell, jedoch leicht verständlich. Positiv anzumerken ist auch, dass der Text ohne zusätzliche Erklärungen auskommt.

Der deutsche Titel, der wortgetreu von dem englischsprachigen Original („Perla and the Pirate“) übernommen wurde, macht neugierig. Auch das Cover ist erneut hübsch und passend geworden.

Mein Fazit:
Auch mit der Fortsetzung des ersten Perla-Bilderbuchs hat uns Isabel Allende eine schöne Geschichte geschenkt. Das neue Abenteuer in „Perla und der Pirat“ ist ebenfalls empfehlenswert.

Veröffentlicht am 10.12.2025

Wie frau ihre Finanzen gut managen kann

Finanzipier dich!
0

Fonds, Zinseszins, Depot: Die Finanzwelt ist für viele ein unbekanntes, zu komplexes Terrain. Die meisten wissen, dass sie privat für die Rente vorsorgen müssen. Bloß wie? Wo anfangen? Und was beachten? ...

Fonds, Zinseszins, Depot: Die Finanzwelt ist für viele ein unbekanntes, zu komplexes Terrain. Die meisten wissen, dass sie privat für die Rente vorsorgen müssen. Bloß wie? Wo anfangen? Und was beachten? Vor solchen Fragen stehen besonders Frauen.

„Finanzipier dich!“ ist ein Sachbuch von Franziska Stieber.

Das Buch besteht aus neun Kapiteln. Es endet mit einem kurzen Fazit. Im Anhang befindet sich ein Register, um bestimmte Termini noch einmal nachschlagen zu können.

Der Schwerpunkt des Buches liegt darauf, wie Frauen für ihr Alter privat versorgen und sich ein finanzielles Polster für ihren Ruhestand aufbauen können. Dabei werden verschiedene Strategien erklärt.

Zunächst erläutert das Buch die Notwendigkeit privater Vorsorge und hilft dabei, das richtige Mindset dafür zu entwickeln. Danach geht es darum, wie Sparziele gesetzt und ein Investitionsplan erstellt werden können. Unter anderem liefert das Buch eine Schritt-für-Schritt-Anleitung zum Umgang mit ETFs, wie ich sie in anderen Büchern zum Thema bisher vermisst hatte.

Auch die Grundlagen der gesetzlichen Rente und des Aktienmarktes werden auf den insgesamt knapp 250 Seiten zusammengefasst. Darüber hinaus enthält das Buch unter anderem Tipps für den Vermögensaufbau für die eigenen Kinder, für die finanzielle Absicherung im Fall von Scheidung oder Trennung und für andere Lebensphasen, was das Werk recht umfangreich und umfassend macht. Auch persönliche Erfahrungen lässt die Autorin einfließen.

Zwar beinhaltet das Buch die nötige Finanzsprache. Für die jeweiligen Fachbegriffe hat es allerdings anschauliche Beispiele und Definitionen parat. Positiv aufgefallen ist mir auch, dass die Autorin gendert.

Der Titel mit dem kreativen Wortspiel ist äußerst passend. Das Cover mit dem Foto von Franziska Stieber stellt zwar keinen Bezug zum Thema Finanzen her, gefällt mir aber trotzdem sehr gut.

Mein Fazit:
„Finanzipier dich!“ von Franziska Stieber ist ein leicht verständliches Einstiegsbuch zur privaten Altersvorsorge, insbesondere, aber nicht nur für Frauen.