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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.02.2026

Was wäre, wenn?

Im Leben nebenan
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Der Roman „Im Leben nebenan“ von Anne Sauer ist ein sehr eindringliches Buch, das noch lange nachhallt. Es hat mich sehr bewegt. Vor allem, weil es eine Frage ins Zentrum stellt, die wohl jeder kennt: ...

Der Roman „Im Leben nebenan“ von Anne Sauer ist ein sehr eindringliches Buch, das noch lange nachhallt. Es hat mich sehr bewegt. Vor allem, weil es eine Frage ins Zentrum stellt, die wohl jeder kennt: Was wäre, wenn? Was wäre, wenn man an einem bestimmten Punkt im Leben anders abgebogen wäre? Wenn man sich anders entschieden hätte?

Im Mittelpunkt steht Antonia, deren Leben sich in zwei parallelen Versionen entfaltet. Im Leben nebenan erzählt von diesen beiden Möglichkeiten mit großer emotionaler Feinfühligkeit, insbesondere im Hinblick auf die Themen Kinderwunsch und Mutterschaft. Beide Lebenswege sind geprägt von Sehnsucht, Überforderung und Zweifeln. Als Leserin hat ich schnell die leise Ahnung, dass auch die jeweils andere Version kein vollkommenes Glück versprechen würde.

Die Stimmung des Romans ist durchgehend schwer und bedrückend. Leichtigkeit oder Unbeschwertheit sind seltene Gäste im Buch, auch wenn die Autorin zwischendurch bemüht war, die Stimmung etwas aufzulockern. Verunsicherung, innere Zerrissenheit und das Gefühl des Verlorenseins dominieren ganz klar. Gerade das macht das Buch so intensiv und stellenweise irgendwie auch anstrengend.

Besonders gelungen finde ich, wie nachvollziehbar die beiden Leben geschildert sind. Ich konnte Antonias Emotionen sehr deutlich spüren. Beide Lebensentwürfe wirkten authentisch und realistisch. Es gibt keine idealisierte Version, kein klares „richtig“ oder „falsch“. Der Roman zeigt, dass jede Entscheidung ihren Preis hat und ihre eigene Form von Erfüllung oder Verlust.

Während des Lesens habe ich immer wieder auf eine Art „Auflösung“ gewartet, auf eine entscheidende Antwort oder gar eine Erlösung. Doch vielleicht liegt genau darin die Botschaft des Buches: Dass es diese eine, endgültige und richtige Antwort nicht gibt. Dass das Leben selten eindeutig ist. Dass Glück und Zweifel nebeneinander existieren, egal welchen Weg man wählt.

„Im Leben nebenan“ ist kein leichtes Buch, aber ein ehrliches. Es regt zum Nachdenken über die eigenen Entscheidungen an und über die Frage, welche „Nebenleben“ wir vielleicht in Gedanken mit uns tragen.

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Veröffentlicht am 13.02.2026

erschreckend realistisch

Gym
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Der Roman Gym von Verena Keßer hat meine Erwartungen erfüllt und mich trotzdem überrascht. Das Buch ist eine satirische Abrechnung mit Fitnesskult und Selbstoptimierung und entwickelt sich zu beklemmenden ...

Der Roman Gym von Verena Keßer hat meine Erwartungen erfüllt und mich trotzdem überrascht. Das Buch ist eine satirische Abrechnung mit Fitnesskult und Selbstoptimierung und entwickelt sich zu beklemmenden Erzählung über Körperwahn und Selbstinszenierung.

Im Zentrum steht eine Protagonistin, die bis zuletzt namenslos bleibt. Diese Entscheidung erzeugt große Nähe und gleichzeitig große Distanz. Sympathisch ist sie zu keiner Zeit. Ihre Gedanken kreisen ständig um Disziplin, Kontrolle, Kalorien, Eiweiße und darum, wie sie auf andere wirkt. Gerade diese schonungslose Innensicht macht den Roman so eindringlich. Ich war regelrecht gefangen in ihrem Kopf und konnte ihre Rationalisierungen, ihre Selbsttäuschungen und ihre zunehmende Radikalisierung hautnah miterleben. Verena Keßler nimmt dabei Stereotype und Klischees der Fitnessbranche gekonnt auf die Schippe: das übersteigerte Mindset-Gerede, toxische Positivität, Proteinriegel-Ästhetik und Social-Media-Selbstvermarktung. Vieles ist überspitzt und mit feinem, teils bitterem Humor gezeichnet. Ich habe allerdings keine Sekunde den Ernst der Lage vergessen. Hinter der Ironie lauert nämlich eine tief sitzende Verunsicherung und eine Gesellschaft, die Selbstoptimierung nicht nur fördert, sondern verlangt.

Ich habe sehr früh erkannt, wohin die Reise geht. Man erkennt die Warnzeichen, die sich auftun und kann doch nichts dagegen tun. Diese Ohnmacht überträgt sich beim Lesen unmittelbar. Gegen Ende nimmt die Geschichte sogar Züge eines Psychothrillers an. Die Atmosphäre wird zunehmend düster, die Grenze zwischen Selbstkontrolle und Selbstzerstörung verschwimmt endgültig.

Angesichts der Themen (Essstörungen, Körperhass, psychische Abwärtsspiralen, Fitnesswahn und Ernährung) hätte ich eine Triggerwarnung nicht unangebracht gefunden. Der Roman konfrontiert sehr direkt und kann durchaus belastend sein. Gerade das macht ihn jedoch auch relevant und wichtig. Gym ist kurzweilig und unterhaltsam geschrieben, mit einem guten Gespür für Tempo. Gleichzeitig ist das Buch erschreckend realistisch. Es hält unserer Gegenwart einen Spiegel vor die Nase.

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Veröffentlicht am 09.02.2026

eine witzige, leichte und romantische Rom-Com für zwischendurch

The Unhoneymooners – Sie können sich nicht ausstehen und fliegen gemeinsam in die Flitterwochen
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The Unhoneymooners ist ein Buch von vielen, das viel zu lange auf meinem SuB gelegen hat, bis mein Freund es schließlich als „next read“ bestimmt hat. Schon optisch konnte mich das Buch überzeugen: Der ...

The Unhoneymooners ist ein Buch von vielen, das viel zu lange auf meinem SuB gelegen hat, bis mein Freund es schließlich als „next read“ bestimmt hat. Schon optisch konnte mich das Buch überzeugen: Der wunderschöne Farbschnitt passt perfekt zur restlichen Covergestaltung und versprüht sofort pures Urlaubsfeeling. Besonders gut gefallen hat mir, dass das Autoren Duo nicht lange um den heißen Brei herumredet, sondern direkt ins Geschehen einsteigt. Der lockere, humorvolle Schreibstil sorgt dafür, dass man schnell in die Geschichte findet. Auch die Charaktere sind liebevoll ausgearbeitet. Olive habe ich sofort ins Herz geschlossen. Ethan mochte ich ebenfalls gerne, allerdings konnte ich seine Entwicklung im letzten Drittel des Buches nicht ganz nachvollziehen. Einige seiner Aussagen und Handlungen wirkten auf mich unlogisch und haben für mich nicht zur vorherigen Charakterzeichnung gepasst. Das Erzähltempo der Geschichte von Olive und Ethan empfand ich insgesamt als sehr angenehm, ebenso den humorvollen, leichten Ton der Autorinnen. Nicht zu vergessen das Setting. auf der wunderschönen Insel Maui. Etwas störend fand ich jedoch die teilweise sehr langen Kapitel, die meinen Lesefluss hin und wieder gebremst haben.

Nichtsdestotrotz ist The Unhoneymooners eine witzige, leichte und romantische Rom-Com, die sich wunderbar für zwischendurch eignet und definitiv eine Leseempfehlung wert ist.

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Veröffentlicht am 06.01.2026

Verfolgst du mich etwa?

Mile High
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Hui, dieses Buch lag wirklich lange auf meinem SuB! Ich hatte es schon kurz nach der Veröffentlichung gekauft, aber erst jetzt gelesen. Der Hype rund um Mile High hat mich neugierig gemacht und ich muss ...

Hui, dieses Buch lag wirklich lange auf meinem SuB! Ich hatte es schon kurz nach der Veröffentlichung gekauft, aber erst jetzt gelesen. Der Hype rund um Mile High hat mich neugierig gemacht und ich muss sagen: Es hat sich definitiv gelohnt! Es war mein erstes New-Adult-Buch seit längerer Zeit und ich mochte es wirklich, wirklich gerne.

Mile High ist Band 1 der Windy City-Reihe und liefert einen starken Auftakt. Es handelt sich um eine Sports Romance mit einer Forbidden Love-/Enemies-to-Lovers-Geschichte. Die Vornamen der Protagonisten Stevie und Zanders haben mich zu Beginn etwas verwirrt, da die Autorin aus genderspezifischen Namen Unisex-Namen gemacht hat. Man gewöhnt sich jedoch sehr schnell daran.

Der Schreibstil ist flüssig und angenehm, die Sprache eher leicht, sodass ich regelrecht durch die insgesamt 624 Seiten geflogen bin. Besonders gefallen hat mir, dass die beiden Protagonisten sehr erwachsen mit den Hürden ihrer Kennenlernphase und Beziehung umgegangen sind und sich jederzeit wertgeschätzt haben, auch wenn es am Ende leider etwas nachgelassen hat. Klasse finde ich außerdem, dass Themen wie Tiernotrettung und Body Positivity einen Platz in der Geschichte gefunden haben.

Ich vergebe vier Sterne und muss zugeben, dass mich New-Adult-Bücher mittlerweile nicht mehr so leicht überzeugen können wie früher. Band 2 steht schon bereit und ich freue mich sehr darauf, die Geschichte von Indy und Ryan zu entdecken.

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Veröffentlicht am 04.08.2025

Ein brilliantes Buch!

Bestie
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Joana June hat mit Bestie ein literarisch beeindruckendes Werk geschaffen, das sprachlich auf höchstem Niveau erzählt ist und tief unter die Haut geht. Man erkennt deutlich, dass Joana fundierte Kenntnisse ...

Joana June hat mit Bestie ein literarisch beeindruckendes Werk geschaffen, das sprachlich auf höchstem Niveau erzählt ist und tief unter die Haut geht. Man erkennt deutlich, dass Joana fundierte Kenntnisse im professionellen Schreiben hat.

Die Beziehung zwischen Anouk und Lilly ist das Zentrum des Romans. Ihre Freundschaft ist geprägt von Spannungen und unausgesprochenen Gefühlen. Dass ihre Kommunikation trotz aller Offenbarungen oft nur an der Oberfläche bleibt, war frustrierend, wirkte aber gleichzeitig authentisch. Die beiden tragen schwer an ihrer Vergangenheit, was die langsame Annäherung zwischen ihnen glaubwürdig macht, auch wenn es nicht immer befriedigend ist. Mir hat das (vollkommene) Gefühl der Heilung gefehlt. Gerade weil ich als Leserin so viel über ihre inneren Kämpfe erfahren habe, bleibt am Ende „nur“ das Gefühl zurück, nicht alles verstanden oder gesehen zu haben.

Ansonsten haben mir die Wegbegleiter von Lilly und Anouk gefallen, die dabei geholfen haben, einfach sie selbst zu sein, ohne Filter und Fassaden. Ich denke dabei vor allen an Soho, Jamal und Kate. Grendel, der als symbolträchtige Figur fungierte, war zwar gut ausgearbeitet, wirkte für meinen Geschmack im letzten Drittel jedoch etwas überflüssig.

Was das Buch ebenfalls auszeichnet, ist der Blick auf das Leben mit Instagram. Joana June gelingt es ausgesprochen gut, die Ambivalenz sozialer Medien einzufangen. Ich habe selten ein Buch gelesen, das dieses Thema so präzise auf den Punkt bringt.

Das Ende des Romans hat mich mit keinem klaren Gefühl zurückgelassen. Und das ist wahrscheinlich gewollt. Ein Happy End hätte nach all dem Schmerz nicht gepasst. Und dennoch bleibt ein Gefühl der Unzufriedenheit. Gleichzeitig eröffnet es Raum für Hoffnung, Veränderung und Interpretation. Trotz aller Kritik ist Bestie für mich ein stilistisch brillantes Buch (:

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