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Veröffentlicht am 21.02.2026

Ein schön illustriertes Geschenk für Märchenfreunde

Die Puppe im Grase
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“Die Puppe im Grase - Norwegische Märchen” versammelt zwölf Märchen von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe. Illustriert wurden die Märchen von Kat Menschik (“Die Puppe im Grase” ist der 7. Band der ...

“Die Puppe im Grase - Norwegische Märchen” versammelt zwölf Märchen von Peter Christen Asbjørnsen und Jørgen Moe. Illustriert wurden die Märchen von Kat Menschik (“Die Puppe im Grase” ist der 7. Band der “Illustrierten Lieblingsbücher”). Die Märchen sind sehr abwechslungsreich. Den Auftakt macht dabei das legendarische Märchen “Der Gertrugsvogel”, in dem die Herkunft des Schwarzspechtes erzählt wird. Tierisch geht es auch in “Das Kätzchen auf Dovre” zu, das von einem folgenschweren Missverständnis handelt. In dem titelgebenden Märchen “Die Puppe im Grase”, in “Eine Freiersgeschichte” sowie in “Peter und Paul und Eben Aschenbrödel” wird das märchentypische Motiv der Brautsuche benutzt - in ersterem mit einer besonderen Braut, in mittlerem moralisierend und in letzterem mit interessanten Lösungen der Werbungsaufgaben. In “Der Bursch und der Teufel” tritt die Nemesis des Menschlichen auf, wobei versucht wird, dieser ein Schnippchen zu schlagen. Sentenzartig geht es in dem kurzen Text “Einem jeden gefallen seine Kinder am besten” zu, in dem ein Jäger auf eine Schnepfe trifft. Das umfangreichste Märchen ist “Die zwölf wilden Enten”, das Parallelen zu dem Grimmschen Märchen “Die sechs Schwäne” besitzt: Eine Trollfrau gewährt einer Königin den Wunsch, eine Tochter zu gebären, verwandelt aber im Gegenzug die zwölf Prinzen-Brüder in Enten. Das Märchen dreht sich um die Errettung der Prinzen durch ihre Schwester, wobei die Schwester mehrere Aufgaben meistern muss. “Däumerling” wiederum thematisiert einen possenreißenden Däumling. Humorvoll geht es in “Die Lügenpresse” zu, in der eine Prinzessin im Lügen übertrumpft werden soll. Im folgenden Märchen “Das Huhn, das nach dem Dovrefjeld wollte, damit die Welt vergehen sollte” begegnen wir einem Huhn auf Weltrettermission; das Märchen endet mit einer schönen Pointe. Den Abschluss bildet “Die Prinzessin auf dem gläsernen Berg”, in dem auf interessante Art die Lösung einer Aufgabe (Klärung, warum eine Wiese kahl gefressen wird) mit einer Brautwerbung verknüpft wird. Sehr haben mir auch die Illustrationen von Kat Menschik gefallen. Diese fangen wichtige Motive des jeweiligen Märchen (handelnde Figuren, auftretende Tiere oder markante Gegenstände) stimmungsvoll ein. In den schön schattierten Illustrationen vermengen sich dunkle und eisige Blautöne mit klarem Weiß; zudem finden sich dosiert hervorstechende Akzentuierungen in Rot. Insgesamt ist “Die Puppe im Grase” eine schöne Sammlung mit unbekannteren Märchen, die grandios illustriert sind - ein perfektes Geschenk für Märchenliebhaber*innen.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Ein spannender Reihenauftakt, der sich auch 23 Jahre nach Erstveröffentlichung sehr gut lesen lässt

Die Wellenläufer
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Inhalt: Jolly ist eine Wellenläuferin: Sie kann seit ihrer Geburt über das Wasser laufen - ein Umstand, der sie für den Piraten Bannon unentbehrlich macht. Denn: Bei jeder Schiffskaperung läuft Jolly voran ...

Inhalt: Jolly ist eine Wellenläuferin: Sie kann seit ihrer Geburt über das Wasser laufen - ein Umstand, der sie für den Piraten Bannon unentbehrlich macht. Denn: Bei jeder Schiffskaperung läuft Jolly voran und setzt die gegnerischen Kanonen schachmatt. Doch die letzte Kaperung entpuppte sich als Falle; allein Jolly kann knapp entkommen - und erwacht auf einer nahezu unbewohnten Insel. Dort trifft sie auf Munk, der ebenfalls auf den Wellen laufen kann… Anderswo, inmitten des Atlantiks, dreht sich ein gewaltiger Mahlstrom, der die Grenze zwischen den Welten durchlässig macht - und dieser hat es auf Jolly und Munk abgesehen…

Persönliche Meinung: “Die Wellenläufer” ist ein phantastischer Jugendroman von Kai Meyer. Es handelt sich um den ersten Band der “Wellenläufer”-Trilogie. Erzählt wird die Handlung aus den Perspektiven der jugendlichen Protagonisten Jolly und Munk, die als die letzten beiden Wellenläufer gelten. Bereits zu Beginn der Handlung müssen beide tragische Schicksalsschläge erleiden, wodurch eine schöne Portion Dramatik in die Handlung kommt. Das Setting der Handlung ist die Karibik zur Hochzeit der Piraterie um ca. 1700. Dementsprechend setzen wir mit den Figuren mehrfach die Segel, treffen auf Freibeuter und Piratenkönige, machen eine Kneipenschlägerei mit und betreten New Providence. Wie im Inhaltsteaser schon angedeutet, handelt es sich dabei um eine phantastische Version der Karibik: Neben Wellenläufern und hybriden Wesen aus Mensch und Tier gibt es weitere düstere Gestalten, die der (im ersten Band noch vage bleibende) Mahlstrom aussendet. Sehr hat mir dabei gefallen, wie in “Die Wellenläufer” mit Motiven der Seefahrtsliteratur gespielt wird: So begegnen die Protagonisten “Klabautern”, Mischwesen aus Kobolden und Haien, und auch die “Geisterschiffe” sind hier wörtlich zu nehmen. Die Handlung folgt der Struktur eines Abenteuerromans: Mehrere Gefahren und Missionen müssen bewältigt werden, bis die Protagonisten zu ihrem (vorläufigen) Ziel gelangen. Zusätzlich findet sich eine kleine Liebesgeschichte innerhalb der Handlung. Der Schreibstil von Kai Meyer ist gewohnt bildreich, anschaulich und flüssig zu lesen. Insgesamt ist “Die Wellenläufer” ein spannender Reihenauftakt, der sich auch 23 Jahre nach seiner Erstveröffentlichung sehr gut lesen lässt.

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Veröffentlicht am 06.02.2026

Ein spannungsgeladener, brandaktueller Thriller

Dorn. Ruf der Toten
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Inhalt: Das nahezu verlassene Hotel Dornwald bröckelt buchstäblich unter dem Kriminalpsychologen (a. D.) Simon Dorn weg. Ein Umstand, den er kaum ändern kann, denn Geld ist wenig vorhanden. Da ereilt Dorn ...

Inhalt: Das nahezu verlassene Hotel Dornwald bröckelt buchstäblich unter dem Kriminalpsychologen (a. D.) Simon Dorn weg. Ein Umstand, den er kaum ändern kann, denn Geld ist wenig vorhanden. Da ereilt Dorn ein Angebot: Susanne Roth, eine bekannte TV-Psychologin, möchte seine professionelle Hilfe. Dorn will zuerst ablehnen, doch das Hotel hat das Geld zu nötig, sodass er ersten Gesprächen zustimmt. Bei diesen ist Roth zunächst sehr forsch, stellt persönliche Fragen, die Dorn nicht beantworten will, ehe der Kontakt plötzlich abreißt. Kurze Zeit später wird Roths Leiche entdeckt - wobei der Tatort Dorn an einen ungeklärten Fall erinnert, an dem er vor Jahren arbeitete…

Persönliche Meinung: “Dorn - Ruf der Toten: Zimmer 203” ist ein Thriller von Jan Beck. Es handelt sich um den zweiten Reihentitel um die beiden unkonventionellen Ermittler Simon Dorn und Lea Wagner. Der Fall ist in sich abgeschlossen, sodass man den zweiten auch ohne Kenntnis des ersten Bandes lesen kann. Ein chronologisches Lesen ist aber sinnvoll, um ein besseres Verständnis für die beiden besonderen Hauptfiguren zu bekommen. Erzählt wird der Thriller aus mehreren Perspektiven: So finden sich neben Dorn und Wagner u.a. diejenigen von Michael Bergmann, einem Entführungsopfer, sowie Tamara Weigert, einer Journalistin, die an einem brisanten Artikel schreibt. Durch die unterschiedlichen Erzählstränge ist der Thriller einerseits sehr abwechslungsreich, andererseits erhält der Fall einen vergleichsweise großen Facettenreichtum. Zur Handung selbst möchte ich aufgrund von Spoilergefahr nicht zu viel verraten. Nur: Sie ist sehr spannend aufgebaut, fesselnd erzählt und wendungsreich. Zudem schlägt sie einen Haken zu einem aktuell höchstrelevanten Thema, das hier interessant verarbeitet wird. Originell ist auch der Modus Operandi des Täters: Er kidnappt seine Opfer, lässt diese nach und nach verdursten und nimmt Schritt für Schritt ihre Identität an. Dabei verhört er sie und stellt intimste Fragen. Diese Verhöre schildert Jan Beck unheimlich dicht, sodass man bei der Lektüre ein latentes Unbehagen fühlt, obwohl man sicher im Sessel sitzt. Nicht alles wird am Ende aufgelöst, allerdings fand ich das nicht weiter schlimm. Denn: Die Täterfrage wird zu einem sinnvollen Ende geführt und die Beantwortung der offen gebliebenen Fragen wird in einem Cliffhanger für den Folgeband angeteasert (wodurch die Vorfreude immens ist). Der Schreibstil von Jan Beck ist sehr anschaulich und flüssig zu lesen, sodass man nur so durch den Thriller fliegt. Insgesamt ist “Dorn - Ruf der Toten” ein spannungsgeladener, brandaktueller Thriller, der neugierig auf die Fortsetzung macht.

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Veröffentlicht am 01.02.2026

Ein philosophisches Umherflattern, das Grundfragen des Lebens berührt

Briefe an einen jungen Dichter / Briefe an eine junge Frau
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“Briefe an einen jungen Dichter” / “Briefe an ein junge Frau” versammelt 19 Briefe, die Rainer Maria Rilke an den österreichischen Schriftsteller und Journalisten Franz Xaver Kappus bzw. an die deutsche ...

“Briefe an einen jungen Dichter” / “Briefe an ein junge Frau” versammelt 19 Briefe, die Rainer Maria Rilke an den österreichischen Schriftsteller und Journalisten Franz Xaver Kappus bzw. an die deutsche Schriftstellerin Lisa Heise schrieb. Die zehn Briefe an den “jungen Dichter” umfassen den Zeitraum von 1903 bis 1908, die zehn an die “junge Frau” denjenigen von 1919 bis 1924. Geschrieben wurden die Briefe u.a. in Pisa, Rom, Soglio (Graubünden) und Furuborg, wobei der jeweilige Ort (insbesondere Rom) auch immer Einfluss auf die Stimmung der Briefe hat. Rilke erscheint in den Briefen als empfind- und einfühlsamer Gesprächspartner: Er schreibt nicht von oben herab, zeigt keine “Starallüren” und vermeidet harsche Bewertungen der (insbesondere von Kappus) zugesandten dichterischen Texte, sondern gibt Schreib- und Lebensratschläge auf Augenhöhe. Diese nehmen bei Kappus eher universelle Züge ein, bei Heise fokussieren sie eher konkrete Probleme der jungen Frau. So schlägt er Kappus in seinen Briefen vor, sich beim Schreiben auf das Verarbeiten von Alltäglichem zu fokussieren, rät, die Tiefen des eigenen Ichs abzuklopfen, und schätzt die Rolle der Ironie beim Schreiben ein. Zudem plädiert er für ein gefühlvolles Lesen und definiert die Geduld als Quintessenz des Künstlerdaseins. Die Belastungen seines - wie man heute sagen würde - “Brotjobs” als Offizier müsse Kappus relativ sehen, denn jeder “Brotjob” bringe Einschränkungen beim Schreiben mit sich. Oft werden in den Briefen aber auch philosophische Lebensfragen berührt. Sowohl der “Dichter” als die “Dame” thematisieren die Einsamkeit und die Unsicherheit, unter denen sie leiden, was Rilke aufgreift und ummünzt: Das Ertragen von Einsamkeit sei Stärke des Charakters; Unsicherheit gehöre zur menschlichen Existenz. Auch sei nicht immer der leichteste Weg der am besten zu gehende. Mehrmals spricht Rilke auch romantische Beziehungen zwischen Mann und Frau an, wobei er sehr moderne Ansichten vertritt. Durch die sich verändernde Stellung der Frau in der Gesellschaft werde sich auch die Liebe insgesamt zu einer “menschlicheren”, weil rücksichtsvollen entwickeln. Abgerundet wird die Ausgabe des Diogenes Verlags durch ein Nachwort des Lyrikers Yevgeniy Breyger, der essayistisch seine persönliche Sicht auf Rilke darlegt. Insgesamt sind die “Briefe an einen jungen Dichter” bzw. die “Briefe an eine junge Frau” ein einfühlsames, philosophisches Umherflattern, bei dem mit Weitsicht Themen berührt werden, die auch heute noch eine Relevanz besitzen.

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Veröffentlicht am 23.01.2026

Ein typischer "Moers"

Qwert
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Inhalt: Der Gallertprinz Qwert Zuiopü stürzt zum wiederholten Male durch ein Dimensionsloch - und ist plötzlich in Orméa. Dort hält ihn jeder für Prinz Kaltbluth, eine bekannte zamonische Romanfigur, weshalb ...

Inhalt: Der Gallertprinz Qwert Zuiopü stürzt zum wiederholten Male durch ein Dimensionsloch - und ist plötzlich in Orméa. Dort hält ihn jeder für Prinz Kaltbluth, eine bekannte zamonische Romanfigur, weshalb man Ritterliches von ihm verlangt. So muss er eine Jungfrau in Nöten retten, bei Buhurten antreten und allerlei Monster besiegen. Und das, obwohl er eigentlich keine Ahnung vom Rittersein hat. Wie gut, dass es seinen Knappen Oyo Pagenherz, das “Handbuch des Edelmännischen Ritterstandes” und die seltsame Stimme in seinem Kopf gibt, die ihm immer wieder in brenzligen Situationen beispringt…

Persönliche Meinung: “Qwert” ist ein phantastischer Roman von Walter Moers und zugleich der 12. Roman des Zamonien-Zyklus. Die Handlung des Romans ist in sich abgeschlossen, sodass man nicht zwangsläufig andere Romane aus dem Zamonien-Universum kennen muss; da aber immer mal wieder Querverweise auf andere Romane erfolgen und auch einzelne Figuren aus vorherigen Bänden auftauchen, ist es sinnvoll, sich zumindest ein bisschen im Zamonien-Universum auszukennen. Auch der titelgebende Protagonist ist kein Unbekannter: Er trat bereits in “Die 13 ½ Leben des Käpt'n Blaubär” auf - in einer sehr kleinen Nebenrolle (die Qwert-Szene aus dem “Käpt'n Blaubär” findet sich dankenswerterweise zum schnellen Nachlesen am Ende von “Qwert”). Qwert findet sich nun in einer ritterlichen Welt wieder; die Handlung gliedert sich daher in mehrere Aventiuren, ritterliche Bewährungsproben, wie der Held sie auch in der höfischen Literatur des Mittelalters bestehen muss. Diese sind in “Qwert” - in Bezug auf Handlungsorte und Figuren - sehr abwechslungsreich, kreativ und humorvoll gestaltet: So trifft Qwert, um nur kleine Appetithäppchen zu geben, auf den Medusenwächter (ein dreiköpfiges Wesen mit Vogel-, Gottesanbeterinnen- und Fledermauskopf) oder auf den Gläsernen Ritter (ein hautloser Ritter, dessen Körper in einer Glasrüstung eingefasst ist) und begibt sich zu sprechenden Orten wie den endlosen Abgrund oder die blutrote Wüste. Innerhalb der Handlung wird zudem mit dem Erzählen von Geschichten gespielt: einerseits gibt es sog. “Unwahrzus” (“unwahrscheinliche Zufälle”, wie das plötzliche Erscheinen von Figuren), andererseits die seltsame Stimme in Qwerts Kopf. Was in anderen Romanen als “billige” Deus ex machina gewertet werden könnte, funktioniert in “Qwert”, weil es stimmig in die Handlung eingebettet und später aufgelöst wird. Die Handlung lässt sich grob in zwei Teile unterteilen: Während die erste Hälfte durch ihren Ideenreichtum und abwechslungsreiche Abenteuer begeistert, zieht die zweite Hälfte den Handlungsfaden straffer, wobei es - bis zur Auflösung - einige schöne Überraschungen (inklusive alter Bekannter) gibt. Der Erzählstil von Walter Moers ist gewohnt detailliert, bildreich und farbenfroh, sodass man “Qwert” ausgesprochen flüssig lesen kann. Natürlich ist auch “Qwert” in der Tradition der anderen Zamonien-Romane wieder reichlich illustriert. Insgesamt ist “Qwert” ein fantasievolles, spannendes Leseabenteuer, das mit einzelnen erzählerischen Kniffen und witzig gezeichneten Figuren auftrumpft - ein typischer “Moers”.

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