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Veröffentlicht am 21.04.2026

Rückkehr nach Glennkill

Widdersehen
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Die Schafe sind zurück in Irland auf ihrer Weide. Doch dort ist nichts mehr, wie es einmal war. Das Gras ist nicht so hoch wie erinnert, der Dolmen steht noch, doch erinnert sich nicht, und die wundervollen ...

Die Schafe sind zurück in Irland auf ihrer Weide. Doch dort ist nichts mehr, wie es einmal war. Das Gras ist nicht so hoch wie erinnert, der Dolmen steht noch, doch erinnert sich nicht, und die wundervollen Kräuter sind samt und sonders von drei Fremdschafen weggefressen worden! Und als würde das nicht reichen, verschwindet Schäferin Rebecca und hinterlässt einen blutigen Finger, der offenbar nicht von ihr stammt.

Für die Schafe um Miss Maple ist klar: Hier ist ihr Spürsinn und ihre Kenntnis gefragt. Also macht sich die gesamte Herde auf, ihre vermisste Schäferin zu finden ...

Für mich ist es noch nicht ganz so lange her, dass ich "Glennkill" und "Garou" gelesen habe, sechs oder sieben Jahre. Ich habe mich über beide sehr amüsiert aber auch ein wenig geärgert. Die Auflösung des ersten Bandes gefiel mir gar nicht, und die Sache mit Rebecca in Teil 2 fand ich ehrlich nur so na ja und nicht wirklich als Höhepunkt - den eigentlich die Schafe haben sollten und nicht die Schäferin. Soviel verrate ich über dieses Buch: Hier hat für mich alles gestimmt.

Swann geht mit der gewohnten leichten Naivität der Schafe an das ganze heran, dennoch fädelt sie zwischendurch auch Szenen aus der Sicht von Menschen ein, und hier wirkt es weder störend noch übermäßig nach Author's Voice. Es liest sich natürlich, vor allem auch, damit der Leser das ganze Bild erhält, und nicht nur das aus der Sicht der Schafe. Würden die wissen, was tatsächlich hinter der ganzen Sache steht, ich wage schwer zu bezweifeln, dass sie solange mitgezogen wären.

Schön war auch, die alten Bekannten wiederzusehen, Mopple, Miss Maple und die anderen. Sie sind schon ein herrlich schräger Haufen ... äh Herde. Und natürlich, was mich persönlich sehr gefreut hat, ist Mardouc noch mit dabei. Als "Schaf auf Probe" darf die kleine Ziege sich mit am Rätselraten beteiligen, mit einigen sehr interessanten Beiträgen übrigens. An Mardouc ist wahrlich ein Einbrecher verloren gegangen. Und die Sache mit dem "Schaf auf Probe" war einfach göttlich.

Wie gesagt, ich will nicht zuviel verraten, doch dieses Mal liegt Miss Maple tatsächlich richtig. Und sie bekommt zudem Konkurrenz. Falls Swann weiterschreibt bin ich gespannt, was aus dem kleinen "runden" Lamm wird, denn bis jetzt ist es ein Einstein unter den Schafen und liegt eigentlich immer richtig. Miss Maple sollte wirklich aufpassen, sonst ist sie bald ihren Rang als das "klügste Schaf" der Herde (oder ganz Irlands) los.

Was mich absolut begeisterte war die wiederaufgenommene Storyhandlung um Mopple und dem Metzger. Wir erinnern uns, letzterer jagte Mopple ja in "Glennkill" bis dieser ihn von den Klippen stieß. Jas, er sitzt noch immer im Rollstuhl, und es sind seine Schafe, die die Weide annektiert haben zu Beginn.

Überhaupt ist dieser Band wie eine Rückkehr zu Glennkill. Die Handlung ist humorig und ernst gleichermaßen, die Suche nach Rebecca war bei mir mit nicht wenigen Lachtränen verbunden. Was das verblüffendste war, war vermutlich die Suche der Schafe nach einem Aushilfshirten und auf wen ihre Wahl dann fiel. Swann kehrt wirklich zurück in die Stärken, die "Glennkill" damals so groß gemacht haben, wollen wir hoffen, dass dieser Roman nicht untergeht in dieser so schnelllebigen Zeit auch für den Buchmarkt. Mich wundert eher, warum Dumont "Widdersehen" nicht schon zur Buchmesse herausgebracht hat.

Alles in allem ein herrliches Desaster ganz nach Schafsnatur. Mit viel Humor und einer Einfachheit der Worte, die den Leser schnell in den Bann zieht. Ein wirklich gelungener dritter Teil der Reihe.

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Veröffentlicht am 30.03.2026

Klare Antworten

Das Lenormand-Kompendium
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Das Lenormand, auch als Zigeunerkarten bekannte, System zum Kartenlegen ist bereits uralt, vielleicht sogar älter als das Tarot selbst. In diesem Buch werden die Karten und Legesysteme erklärt, einzeln ...

Das Lenormand, auch als Zigeunerkarten bekannte, System zum Kartenlegen ist bereits uralt, vielleicht sogar älter als das Tarot selbst. In diesem Buch werden die Karten und Legesysteme erklärt, einzeln anwendbar oder in Verbindung mit Tarot oder Skat-Karten.

Ich lege seit mehr als 30 Jahren Karten. Es gehört für mich als Hexe einfach dazu. Wobei ich mir selbst selten bis gar nicht lege, sondern Freunden oder Bekannten, oder Bekannten von Bekannten. Das wird sich jetzt vielleicht ändern, denn dieses kleine Kompendium ist ideal auch für solche, die sich selbst die Karten legen wollen.

Im Unterschied zum Tarot besitzt das Lenormand nur 36 Karten, quasi die gleiche Anzahl, wie sie auch in üblichen Skat-Karten zu finden sind. Die Symbole sind kryptischer als die des Tarot, die Bedeutung vielschichtiger, wie ich in diesem Buch gelernt habe. Ich selbst besitze seit Jahren Lenormand-Karten, habe sie aber bisher niemals genutzt. Ich bin sicher, dies wird sich sehr bald ändern.

Das Buch ist so aufgebaut, dass die Bedeutung der Karten der Mittel-, aber auch der wichtigste Teil des ganzen ist. Zuerst lernt man ein wenig über die Geschichte und die Bedeutung des Decks. Was ich bereits in "Alchemie" gelesen hatte, wurde hier ein wenig vertieft. Offensichtlich benutzten Alchemisten das Deck in ihren Werken. Leider ging die Autorin ebenfalls nicht näher darauf ein, WIE genau die Karten benutzt wurden.

Das Buch schließt mit einigen Fallbeispielen ab, in der Watzdorf ihre Erlebnisse mit einigen Klienten schildert. Was ich hier vor allem interessant fand, war der Fall, in dem auch eine (Psycho)Therapeutin eingebunden wurde. Ich weiß, dass Therapeuten sehr aufgeschlossen sind, hatte aber nicht damit gerechnet, dass sie auch die Möglichkeit der Karten in Betracht ziehen in ihrer Behandlung. Insofern empfand ich diesen Fall als sehr informativ.

Doch wieder zurück zum Mittelteil. Watzdorf stellt jede einzelne der 36 Karten vor mit einer allgemeinen Bedetung, ehe sie ins Detail geht. Und im Gegensatz zu gängigen Interpretationen, die sich vor allem auf Liebe/Beziehung und Karriere/Geld konzentrieren, bringt die Autorin hier weitere Interpretationsmöglichkeiten, die auch auf Chakra- und Energiewerke eingehen, sich mit Kindern und Erziehung, Haustieren und sogar seelische und psychische Zustände eingehen. Eine solche Inklusivität habe ich zuvor noch nie gesehen und malte mir ein Lächeln auf die Lippen. Es stimmt, die meisten Klienten wollen vor allem etwas über Liebe oder Karriere hören, doch es gibt immer den einen Ausrutscher, der tiefer sehen will (so wie ich). Für solche Interessierten ist dieses Buch wie gemacht.

Überrascht war ich von der Klarheit der Bedeutungen. Im Unterschied zum gängigen Tarot, dessen Interpretation sehr viel mit dem Legenden zu tun hat, geben die Lenormandkarten klare und eindeutige Antworten. Kein Heruminterpretieren, sondern wirkliche Antworten. Etwas, was mir neu war und mir sehr gut gefallen hat an diesem Buch.

Alles in allem stellt das Kompendium ein Rundumpaket dar für mich. Klare Sprache, keine schwammigen Begriffe, die sich hier- oder dorthin interpretieren lassen, sondern offene Fragen beantworten. Frau Watzdorf hat noch ein zweites Lenormand-Werk geschrieben, dass vermutlich über kurz oder lang in meinem Bücherregal landen wird. Denn dieses Kompendium hat mich wirklich überzeugt. Ein hervorragendes Werk sowohl für Einsteiger wie auch für Fortgeschrittene in die Karten.

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Veröffentlicht am 04.03.2026

Tief unter den Pariser Straßen

Sophie Red Dot - Das Buch der magischen Kreaturen
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Sophie ist eigentlich ein ganz normales Mädchen, bis auf eins: Sie hat ein rotes Muttermahl über ihrer rechten Augenbraue. Das macht sie zu etwas besonderem. Doch nie hätte Sophie gedacht, dass sie so ...

Sophie ist eigentlich ein ganz normales Mädchen, bis auf eins: Sie hat ein rotes Muttermahl über ihrer rechten Augenbraue. Das macht sie zu etwas besonderem. Doch nie hätte Sophie gedacht, dass sie so besonders ist. Erst als die Stoffkatze Taro in ihr Leben tritt, da beginnt die Welt sich plötzlich anders zu drehen und Sophie, Taro, ihr Bruder Finn und ihre beiden Freunde Alex und Celine werden in ein magisches Abenteuer gezogen, von dem sie bisher glaubten, es gehöre in Bücher oder Videospiele ...

Eine neue Reihe hält mit diesem Buch Einzug in die Buchläden: Sophie Red Dot. Und wie spannend und cool diese Serie ist! Nicht nur für Kinder, auch für mich als reife Erwachsene. Ich habe mit gefiebert mit den Kids, als sie ihr erstes von hoffentlich vielen Abenteuern erlebten.

Dieses Buch ist eine Urban Fantasy, platziert in Paris der Gegenwart oder der jüngsten Vergangenheit (2025). Sophie lebt mit ihrem Bruder Finn und ihren doch ein wenig außergewöhnlichen Eltern in einem Haus in Paris. Sophie wünscht sich seit Jahren nichts mehr als eine Katze, doch ihre Mutter ist allergisch, so kann also kein Stubentiger Einzug halten.

Das ändert sich erst einmal nicht, als die beiden, Sophie und ihre Mutter, den Laden der magischen Tiere betreten, der von einer alten chinesischen Frau geführt wird. Hier findet Sophie Taro, eine schwarze Stoffkatze, und ist ganz verliebt in ihn . Als sie später am Abend auf dem Eiffelturm steht mit ihrer Familie und ein Meteoritenschauer über Paris niedergeht, wünscht Sophie sich, dass Taro lebendig wird - und ihr Wunsch wird erfüllt.

Was mich an diesem Roman faszinierte, war die komplexe Welt, in die die Autoren ihre Leser da werfen. Plötzlich ist alles möglich, selbst Sprünge durch die Zeit oder Teleportation. Und Sophie steht dem nicht allein gegenüber, sie hat ihre besten Freunde Alex und Celine mit dabei, und natürlich ihren großen Bruder Finn. Und das ist nur der Anfang. Taro kann sprechen, und er ist sehr vehement damit - es sei denn Sophies Eltern sind mit im Raum, dann miaut er plötzlich nur noch.

Als Leser landet man kopfüber mit Sophie, Taro und allen anderen in einer magischen Welt, die sich nicht schämen muss, ganz im Gegenteil. Sie ist groß, magisch und uralt. Den Autoren ist es hier gelungen, eine komplexe Welt innerhalb der Realität zu schaffen. Etwas was viele Erwachsenenautoren scheinbar nicht mehr hinkriegen. Und Sophie, überwältigt aber doch nicht bereit, auch nur einen Schritt zurückzuweichen, steht mittendrin und muss feststellen, dass sie in große Fußstapfen treten muss.

Es ist selten, dass mich ein Kinder- oder Jugendbuch dermaßen begeistert, aber hier kann ich kaum das Erscheinen des zweiten Bandes erwarten, so sehr hat mich das Buch mitgerissen mit seinen charmanten Charakteren, der spannenden Handlung und einer tiefen Geschichte, an deren Oberfläche gerade einmal gekratzt wurde.

Ein hervorragendes Buch voller Abenteuer und Magie mit außergewöhnlichen Figuren, die auf eine lange und tiefe Geschichte zurückblicken. Meines Erachtens sollte dieses Buch in keinem Jugendbuch-Regal fehlen, gerade in solchen, die Abenteuer und Fantasy mögen.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Aus der Geschichte Eretrias

Gefährten des Dunkels
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Runland ist ein junger Mann von 20 Jahren. Er lebt in Larkas, einer Stadt im Lamerth. Er möchte seinem Vater nacheifern und Waldläufer und vielleicht auch Stadtwächter werden wie dieser. Doch dann wird ...

Runland ist ein junger Mann von 20 Jahren. Er lebt in Larkas, einer Stadt im Lamerth. Er möchte seinem Vater nacheifern und Waldläufer und vielleicht auch Stadtwächter werden wie dieser. Doch dann wird Larkas aus dem Blauen heraus angegriffen, Runlands Vater stirbt in den Armen seines Sohnes. Und der muss erkennen, dass sein bester Freund Mal der Verräter ist, der den feindlichen Truppen die Tore geöffnet hat.

Gemeinsam mit der Halbzwergin Neria macht Runland sich auf, den König zu informieren und seinen Namen wieder reinzuwaschen. Denn Mal beschuldigt ihn, der Verräter am Tor gewesen zu sein ...

Vor zwei Jahren meldete ich mich bei Lovelybooks auf eine Leserunde - und gewann das entsprechende Buch. Das war mein erster Kontakt zu Mario Hackel. Seitdem habe ich so gut wie alles von ihm gelesen, was noch nicht gelesen ist, wartet noch darauf, gelesen zu werden.

Was das heißt? Nun, eines ganz sicher, ich mag den Schreibstil. Und ich mag darüber hinaus, was ich da immer zu lesen bekomme: solide Fantasy mit reichlich Action, tiefgreifenden Charakteren und spannenden Plots. Und darüber hinaus einem Worldbuilding, das seinesgleichen zumindest im deutschsprachigem Raum sucht. Ja, richtig. Eine so komplexe Welt wie in Hackels Werken ist mir hierzulande noch nicht begegnet, nur aus Ami-Landen bekannt. Seine Welt wächst mit jedem Buch, das sich lese. Nicht nur geografisch, sondern auch an Geschichte. Dem Leser wird nicht einfach nur gesagt, dass die Welt soundso alt ist, die Geschichten stammen aus unterschiedlichen Zeitaltern. Wenn es etwas gibt, was ich wirklich an diesem Autor zu kritisieren habe, dann dass, das er offensichtlich an drei bis vier Zyklen zur gleichen Zeit arbeitet - und dafür hat er ebenfalls meinen Respekt.

Runland ist nun sein neuer Zyklus und spielt vor den Ereignissen in Palineas (wer sich noch erinneert, ich besprach dessen ersten beide Bände 2025). Die Welt ist noch nicht von Elfen beherrscht, sondern der Lamerth ist ein eigenes Königreich, in dem sich so ziemlich alle Völker tummeln, es aber eine Hochburg der Menschen zu sein scheint.

Larkas selbst bleibt in den Beschreibungen etwas blass, aber der Leser verbringt auch nicht zuviel Zeit dort. Dafür wird die Bergwarth sehr ausführlich geschildert, spielt doch ein guter Teil der Handlung am Hof des Königs.

Runland, oder Stapfer, wie er sich später nennt nach dem Spitznamen, den sein Vater ihm gegeben hat, ist zu Beginn ein normaler ... Na ja, etwas zwischen einem Jungen und einem Mann. Er ist reif, ja, aber er ist auch recht naiv zu Beginn. Doch diese Naivität verfliegt sehr schnell. Runland wächst erstaunlich viel in diesem Roman, von einem naiven Jungen zu einem Anführer, der schwere Entscheidungen zu treffen hat, von denen er immer mehr lernt, auch die Schicksale von anderen abhängen.

Ihm zur Seite stehen die Halbzwergin Neria und der Halbelf Falvoril. Ja, eben jener, der zeitlich später, in der Palineas-Trilogie, eine tragende Rolle zu spielen hat. Hier erlebt man ihn als einen jungen und spitzzüngigen Halbelf, der noch nicht so recht seinen Platz in der Welt gefunden hat. Die Wortduelle, die er sich mit Neria liefert, sind wirklich zum Schmunzeln, und Runland muss wirklich eine Engelsgeduld für beide haben. Neria bleibt leider über den Verlauf des Romans sehr blass. Man erfährt ein wenig über sie und ihre Herkunft, aber wirklich zu wachsen scheint sie nicht. Sie sehnt sich nach einem Ort, den sie Zuhause nennen kann, und sie fühlt echte Freundschaft zu Runland - vielleicht sogar ein bisschen mehr. Es ist schade, dass ihr Charakter so blass bleibt und ich hoffe, das wird sich ändern.

Neben Falvoril gibt es natürlich auch noch einen anderen Bekannten aus Palineas: Alprey hat ebenfalls einige Auftritte, bleibt aber wieder überwiegend nebulös, wie man ihn kennt.

Die Handlung ist eine klassische Abenteuerreise mit anschließender Queste. Hackel bleibt sich selbst true und hat alles spannend mit kleinen Seitenabenteuern gestaltet, womit er seine Leser wach und bei Stange hält.

Ich freue mich auf weitere Bände, denn dieser erste Teil hat mir sehr viel Spaß und Vergnügen bereitet - ich konnte das Buch kaum aus der Hand legen, um ehrlich zu sein. Es ist ein tieferer Einblick in Hackels Fantasy-Welt, noch dazu einer, der seine Leser in die Geschichte Eristrias entführt und zeigt, wie bestimmte Orte früher einmal ausgesehen haben. Ein solides und spannendes Buch, auch für Leser geeignet, die sich noch nicht in Eristria auskennen.

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Veröffentlicht am 28.01.2026

Die Macht der Feder

TINTE und SCHWERT, Sonderedition
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Wir schreiben das Jahr 1618. Der Prager Fenstersturz ist noch in aller Munde, der Beginn des 30jährigen Krieges. Jacob wächst als Leibeigener auf dem Hof seines ebenso leibeigenen Vaters auf. Doch Jacob ...

Wir schreiben das Jahr 1618. Der Prager Fenstersturz ist noch in aller Munde, der Beginn des 30jährigen Krieges. Jacob wächst als Leibeigener auf dem Hof seines ebenso leibeigenen Vaters auf. Doch Jacob ist anders als seine älteren Brüder, die vor nicht allzu langer Zeit bei einer Epidemie gestorben sind. Jacob ist gebildet und hat den Wunsch, Dorfpfarrer zu werden. Der hiesige Priester unterstützt ihn in diesem Wunsch, arrangiert sogar, dass Jacob geprüft wird. Und er besteht und freut sich bereits auf die Ausbildung - so sein Vater endlich zustimmt.

Und dann wird die Familie auf dem Weg, Waren an eines der nahegelegenen Klöster zu liefern, überfallen und Jacob gefangen genommen und gezwungen, Schanzendienst im weit entfernten Böhmen zu leisten. Den Tod seiner Familie vor Augen schwört der Priesteranwärter Rache und liest Zeichen, die seinen Rachedurst zu unterstützen scheinen.

Dies ist der Beginn einer Trilogie, die während der Zeit des 30jährigen Krieges spielt. Da die Handlung am Ende nicht abgeschlossen ist, würde ich davon ausgehen, dass die gleichen Protagonisten auch in den restlichen beiden Bänden die sind, die die Handlung vorantreiben.

Soeder weiß, wie er diese Welt der frühen Neuzeit zum Leben erwecken kann. Als Leser fühlte man sich wie in einem Sog, der eine Zeitreise ermöglicht. Und er bringt mehr als nur den Krieg in seinen Roman ein. Es geht ebenso um die Hexenverfolgung (dazu an späterer Stelle mehr), um Strategien und auch um währe Figuren, die an der Seite der Protagonstien auftreten.

Seht gut geschildert fand ich die Art, wie zu dieser Zeit mit Schusswaffen umgegangen wurde, sowohl Handfeuerwaffen wie auch die großen Kanonen. Es ist kein einfaches: Bumm, du bist tot!, sondern es braucht Präzession und Geschick, und sehr viel Zeit, denn diese Waffen hatten im Übermaß nur einen Schuss und mussten dann nachgeladen werden.

Überhaupt sind Soeders Darstellungen von Schlachten und Kriegen sehr dicht und beinahe klaustrophobisch zu nennen. Man liest nicht nur, man ist mit dabei und riecht das Schwarzpulver und das Blut, spürt das Adrenalin, aber auch die Angst, die Unsicherheit. Man hört den Lärm, wenn eine der großen Kanonen losgehen, und sieht dabei zu, wenn diese gekühlt werden, ehe man den nächsten Schuss anbringen kann. Männer und Pferde schreien und sterben, den Schmerz der eigenen Wunden. Wirklich sehr überzeugend und nahe an der damaligen Realität geschildert!

Die Protagonisten starten als komplexe Charaktere. Jacob, ein wenig naiv und weltfremd, doch sich so sehr bemühend und doch wissend, dass er auf dem Hof doch nur wieder scheitern wird. Anna, die ihrer Mutter über die Schulter sieht und lernt, und doch schon selbst Salben und Tinkturen anfertigen kann und die meisten Heilkräuter selbst im Schlaf hinunterbeten könnte. Ernst, der sich noch immer in seiner ersten Schlacht sieht und doch mittlerweile weiser und älter ist und stolz darauf, was er in all den Jahren geleistet hat.

Und dann ist da noch Heinrich. Von Anfang an sticht er hervor aus den Figuren. Warum? Nun, würde man Heinrich in die heutige Zeit versetzen, er wäre vermutlich bald so bekannt wie Gacy, The Son of Sam oder ähnliche Serienkiller. Heinrich ist ein Psychopath wie er im Buche steht und der einzige Charakter im Buch, der nicht wirklich wachsen will. Während die anderen sich verändern durch Schicksalsschläge und ihren eigenen Entscheidungen, aber auch durch die Umwelt, bleibt er stagnant auf seiner Stufe stehen. Umgeben von seinen eigenen Leuten, die sein Vater ihm aus der heimischen Grafschaft mitgegeben hat, hat Heinrich auch nicht wirklich Grund zu wachsen oder sich zu verändern. Er spielt die Menschen um sich, versucht ständig seinen Vorteil zu erringen. Als Leser ist man zugleich angewidert und fasziniert von diesem Mann.

Der 30jährige Krieg war eigentlich nicht ein Krieg, sondern viele kleinere Kriege, die gerade den deutschsprachigen Raum Europas so sehr verwüsteten, dass große Teile des heutigen Deutschlands an dessen Ende schlicht leer waren. Es war eine unruhige Zeit, und eine gefährliche Zeit gerade für Bauern und Bürger - vor allem für Frauen, die nicht nur mit Maßenvergewaltigungen, sondern auch mit der Anklage der Hexerei zu rechnen hatten. Dies macht Soeder immer wieder deutlich im Verlauf des Romans, und als Leser ist man schockiert, wenn Anna davon berichtet, warum ihr winziges Haus nicht überfüllt ist mit Soldaten. Man kann auch ihren Hass auf den Pfarrer mehr als nur verstehen. Und der, nun, ich denke, er hat den Hexenhammer einmal zuviel gelesen. Heute ist klar, dass dessen Autor, Heinrich Kramer, höchstwahrscheinlich geistesgestört war und schlicht Angst vor Frauen hatte. Damals aber wurde dessen Wort für wahre Münze genommen. Und das kostete vielen tausend, vor allem Frauen, aber auch Männern, das Leben. Was mich während des Lesens etwas verwirrte war allerdings die Tatsache, dass die Protestanten NICHT auf den Hexenwahn aufspringen, meines Wissens war das in der Realität genau anders herum und es waren die Katholiken, die sich immer weiter distanzierten, während die Protestanten gegen sogenannte Hexen wüteten. Aber das mag sich im Verlauf der Bände noch ändern. Wir werden sehen.

Ein Wort noch über die Fechtkunst, die im Roman erwähnt ist und die Jacob von einem Meister beigebracht wird. Wie ich bereits erwähnte in einer früheren Rezension war ich früher einmal Mitglied in einem Fechtverein und kenne mich dementsprechend in der Materie aus: Die, leider sehr wenigen, Lektionen, die Jacob hier erhält, sind sehr gut geschildert und geben das Fechten tatsächlich wieder. In der Danksagung wird erwähnt, dass tatsächlich ein Fechter über die entsprechenden Stellen gesehen hat und ich muss Soeder dafür wirklich loben. Bisher hatte ich noch nie den Fall, dass ein Autor sich tatsächlich die Mühe machte, solche "Kleinigkeiten" spezifisch zu recherchieren, bzw. einen Kenner der Materie darüber sehen zu lassen. Wirklich ein großes Lob, und diese schlichte kleine Tatsache macht den Roman um so viel glaubhafter.

Alles in allem kann ich sagen, dass ich dem Erscheinen des zweiten Bandes entgegenfiebere. Der Roman ist sehr gut und verdient an anderer Stelle von mir fünf Sterne, und ich gebe diese nicht sehr oft. Wer sich für diese Zeit interessiert oder einfach nur einen guten historischen Roman lesen möchte, der wird hier sehr gut bedient.

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