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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.09.2025

Ein cozy Roman mit Ghibli-Flair

Der Laden in der Mondlichtgasse
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Das Buch „Der Laden in der Mondlichtgasse“ von Hiyoko Kurisu, erschienen im Droemer Verlag, erzählt die Geschichte einer magischen Konditorei, die ihre Türen für verzweifelte Menschen öffnet und ihnen ...

Das Buch „Der Laden in der Mondlichtgasse“ von Hiyoko Kurisu, erschienen im Droemer Verlag, erzählt die Geschichte einer magischen Konditorei, die ihre Türen für verzweifelte Menschen öffnet und ihnen eine Lösung für ihre Probleme in Form verzauberter Süßigkeiten anbietet.

Irgendwo in einer Zwischenwelt betreibt der Halbmensch/Halbfuchs Kogetsu eine Confiserie, in der er traditionelle japanische Süßigkeiten anbietet. Für jedes menschliche Problem scheint es das passende Konfekt zu geben. Wer in Not ist, dem erscheint der Weg in die Mondlichtgasse, wo zwischen Neumond und Vollmond die Türen der Confiserie geöffnet werden. So treten Kapitel für Kapitel verschiedene Menschen ein, lassen sich von den Leckereien verführen und finden dadurch Wege, ihre individuellen Belastungen zu lösen.

Wer Ghibli-Filme liebt, wird auch dieses Buch lieben. Das Setting ist verträumt und schafft es, die Leser:innen in eine magische Welt zu entführen. Die Schicksale der Menschen sind nachvollziehbar dargestellt und immer wieder gibt es kleine „Aha“-Momente. Der Autor versteht es, eine gemütliche Atmosphäre zu erschaffen und gleichzeitig die Sorgen und Wünsche der Figuren ernst zu nehmen. Dabei bleibt das Buch stets leicht und angenehm zu lesen, ohne die cozy Grundstimmung zu verlassen. Besonders gut gefallen hat mir auch das Ende, in dem man die Geschichte von Kogetsu selbst erfährt und auch, warum er diese Konditorei überhaupt führt. Seine eigenen Hintergründe runden die Erzählung ab und verleihen ihr eine tiefere Bedeutung. „Der Laden in der Mondlichtgasse“ ist ein Buch, das ich mir sehr gut als Anime vorstellen könnte.

Ein kleiner Kritikpunkt sind einige wiederkehrende Phrasen. So wird der Weg in die Mondlichtgasse immer wieder auf die gleiche Weise beschrieben. Es wäre noch schöner und magischer gewesen, wenn es neben dem Weg über einen Schrein auch andere Zugänge gegeben hätte.

Insgesamt hat mir das Buch wirklich gut gefallen. Es ist die perfekte Lektüre für zwischendurch. Perfekt zum Abschalten, Wohlfühlen und Träumen. Leicht, ohne langweilig zu sein und mit einer stimmungsvollen Mischung aus alltäglichen Problemen und verzauberter Welt. Eine klare Leseempfehlung!

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Veröffentlicht am 25.08.2025

Wenn Mutterschaft und Trauma kollidieren

Madwoman
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Ein Roman, der so realitätsnah, eindringlich und laut ist, dass man die Wut in jeder Zeile spürt.
Eine Wut, die verlangt, dass man ihr in die Augen blickt und Platz macht für die Wahrheit, die sich tagtäglich ...

Ein Roman, der so realitätsnah, eindringlich und laut ist, dass man die Wut in jeder Zeile spürt.
Eine Wut, die verlangt, dass man ihr in die Augen blickt und Platz macht für die Wahrheit, die sich tagtäglich um uns herum abspielt.

„Mad Woman“ von Chelsea Bieker, erschienen im Pola-Verlag, lässt kaum Raum zum Durchatmen. So muss sich auch Clove während ihrer gesamten Kindheit gefühlt haben, aufwachsend mit ihrer Mutter und dem gewalttätigen Vater unter einem Dach. Die beiden Frauen leben in ständiger Angst vor diesem Mann, der die Familie kontrolliert, einschüchtert und seinen ganzen Hass an seiner Ehefrau auslässt. Die Ereignisse überschlagen sich und irgendwann bleibt Clove nur noch ein Ausweg: die Flucht.

Sie baut sich ein neues Leben auf, versucht, dem Trauma und dem Schmerz zu entkommen, doch eines Tages holt sie die Vergangenheit in Form eines Briefes wieder ein.

Die schrecklichen Passagen sind stellenweise kaum auszuhalten, so intensiv und kraftvoll sind sie geschrieben. Seite für Seite hofft man, dass Clove und ihre Mutter sich aus dieser Realität befreien können.
Der Roman gewährt schonungslos ehrliche Einblicke in eine Welt, die sich (leider) so oder so ähnlich in vielen Wohnzimmern abspielen könnte. Die wechselnden Zeitebenen zwischen Vergangenheit und Gegenwart machen die Geschichte dynamisch und verdeutlichen, wie furchtbar belastend Cloves Flashbacks sein müssen.

Für mich hat dieses Buch auf allen Ebenen großes Lob verdient.
Chelsea Biekers Sprachstil ist schonungslos, mutig und zutiefst mitreißend. Sie fängt den tiefsitzenden Schmerz von Trauma und seine vielen Gesichter ein und transportiert ihn unmittelbar zu den Leser:innen. Besonders eindrucksvoll beschreibt sie die Realität einer Mutter, die mit aller Kraft das Beste für sich und ihre Kinder will und dabei einen schweren, Kampf mit ihrer Vergangenheit austrägt.

Die Figur Jane war mir persönlich an manchen Stellen etwas zu überspitzt dargestellt und in ihren Handlungen nicht immer ganz nachvollziehbar. Auch das Ende kam mir ein wenig zu abrupt. Hier hätte ich mir ein langsameres Tempo und mehr Raum zur Entfaltung gewünscht.

Insgesamt aber ist „Mad Woman“ ein herausragender Roman, der tief unter die Haut geht. Ein Buch, das großes Lob verdient und in keinem Bücherregal fehlen sollte.

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Veröffentlicht am 08.03.2026

Heimat im Herzen, Krieg im Rücken

Zugwind
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„Zugwind“ ist ein Roman von Iryna Fingerova, erschienen im Rowohlt Verlag, der aufzeigt was es bedeutet aufgrund eines Krieges die eigene Heimat verlassen zu müssen. Ein Buch über den tiefen Schmerz, die ...

„Zugwind“ ist ein Roman von Iryna Fingerova, erschienen im Rowohlt Verlag, der aufzeigt was es bedeutet aufgrund eines Krieges die eigene Heimat verlassen zu müssen. Ein Buch über den tiefen Schmerz, die lähmende Angst, aber auch über das Aufkeimen von Hoffnung.
Inhaltlich begleitet man die ukrainische Hausärztin Mira bei ihrer täglichen Arbeit und ihrem Alltag mit ihrer Familie, während in ihrem Heimatland Krieg herrscht. Dabei gibt das Buch viele Einblicke in Miras Gedanken, die von ihren Gefühlen erschlagen wird. Zwischen Trauer, Angst, Wut & Verzweiflung versucht Mira ihr Leben weiterzuführen, für ihre Familie (besonders die Tochter) da zu sein und nicht aufzugeben.
Das Buch kennzeichnet sich durch einen intensiven, rohen Schreibstil. Wie ein literarisches Ventil für all den Schmerz, der verarbeitet werden muss. Was ich hier besonders authentisch fand, war die Darstellung der vielen verschiedenen Geschichten von Geflüchteten (meistens Patient:innen von Mira), die aufzeigen wie schwer es ist in einem fremden Land anzukommen, wenn das Herz sich nach der Heimat sehnt.
„Zugwind“ ist dabei kein Buch was man mal ebenso „weglesen“ kann. Der Schreibstil hat mich stellenweise definitiv gefordert. Aber vielleicht ist auch genau das, ein wichtiger Aspekt des Buches. Es muss nicht „gemütlich“ und leicht lesbar sein. Es muss echt sein. Dabei zeigt der Roman immer wieder auf wie kompliziert, wirr und oft auch ermüdend es für die Protagonistin ist, am Leben und der Hoffnung festzuhalten, wenn jeden Tag neue schreckliche Meldungen aus der Ukraine kommen.
Ein wirklich starker Roman, den ich sehr empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 19.02.2026

Im Wirbel des Lebens

Salto
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Im Roman „Salto“ von Kurt Prödel, erschienen bei park x ullstein, fängt der Autor die aufregende Zeit nach dem Abitur ein und zeigt auf wie schwere Krankheiten oft mit großen Plänen kollidieren.

Jetzt ...

Im Roman „Salto“ von Kurt Prödel, erschienen bei park x ullstein, fängt der Autor die aufregende Zeit nach dem Abitur ein und zeigt auf wie schwere Krankheiten oft mit großen Plänen kollidieren.

Jetzt beginnt es endlich. Das Leben. Das „richtige“ Leben. Das ist es was Marko denkt, denn so oft wie man diesen Satz nach dem Ende der Schulzeit hört, muss ja was dran sein oder? Also stolpert er in dieses neue, richtige Leben mit Studienplatz im Ausland und Nebenjob bei Mcces und wird bevor er richtig durchstarten kann vom Schicksal umgehauen. Auch Claire, Markos Exfreundin, will endlich in den Genuss vom bedeutungsvollen „Danach“ kommen, doch auch sie wird schnell von ihrer eigenen Psyche ausgebremst.
Kurt Prödels Schreibstil ist eindrucksvoll und durch eine Tiefe gekennzeichnet, die ständig zwischen den Zeilen lauert. Er schafft es die beängstigende Realität von Marko und Claire so intensiv darzustellen, dass ich richtig mitfühlen konnte. Gerade die Abschnitte, in denen Claires Schübe thematisiert wurden, waren wirklich heftig zu lesen. Auch inhaltlich konnte das Buch noch überzeugen, wenn es auch ein paar Stellen gab die mir etwas zu überspitzt und konstruiert waren. Außerdem hätte ich mir noch mehr Aufklärung und medizinisches Wissen über Claires Diagnose gewünscht.
Kurt Prödels Coming-of-Age-Roman bleibt definitiv im Kopf hängen. Es ist eine Geschichte über zerbrochene Pläne, vorsichtige Neuanfänge und dem großen, richtigen Leben, welches sich davor, danach und dazwischen abspielt.

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Veröffentlicht am 31.01.2026

Kreativer Aufbau

Der Hausmann
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Mir hat dieses Buch richtig gut gefallen. Besonders der kreative Aufbau und Mix aus Graphic Novel und „normalem“ Buch. Ich finde es ebenfalls klasse, wie viele wichtige Themen hier angesprochen werden. ...

Mir hat dieses Buch richtig gut gefallen. Besonders der kreative Aufbau und Mix aus Graphic Novel und „normalem“ Buch. Ich finde es ebenfalls klasse, wie viele wichtige Themen hier angesprochen werden. So thematisiert diese Geschichte Klassismus, Migration, Identät, Geschlechterrollen und so viel mehr.
Lustig fand ich auch, wie hier das Start-Up Unternehmen dargestellt wurde. Natürlich sind viele Punkte sehr überspitzt, was mich aber nicht gestört hat, weil ich es als Satire wahrgenommen habe.
Ein kleiner Kritikpunkt wäre, dass das Buch mir persönlich an der ein oder anderen Stelle zu sehr nach „Berlin“ schreit. So hatte ich manchmal das Gefühl, das Buch wollte an 1-2 Stellen auf Krampf edgy und modern sein. Das ist aber nur ein kleiner Kritikpunkt, denn insgesamt hat mir „Der Hausmann“ wirklich gut gefallen.

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