Ein Zimmer - viele Geheimnisse
And they were roommatesZuallererst sticht natürlich das wunderschöne Cover ins Auge. Die Farben sind perfekt an den Ort des Geschehens angepasst - die St. Valentines Academy.
Wir begleiten ab der ersten Seite den Protagonisten ...
Zuallererst sticht natürlich das wunderschöne Cover ins Auge. Die Farben sind perfekt an den Ort des Geschehens angepasst - die St. Valentines Academy.
Wir begleiten ab der ersten Seite den Protagonisten Charlie, wie er all die Facetten, Regeln und vorallem Geheimnisse der Academy nach und nach kennenlernt. Doch nicht nur die alten Mauern tragen Geheimnisse in sich, sondern auch Charlie hat bei seiner Anreise ein großes mit im Gepäck - er ist transsexuell. Er möchte um jeden Preis verhindern, dass es jemand erfährt und möchte deswegen der einzigen Person die er an der St. Valentines Academy aus seiner Vergangenheit kennt, aus dem Weg gehen. Doch das Schicksal hat andere Pläne und steckt Charlie mit Jasper Grimes direkt in ein gemeinsames Zimmer.
Ich fand das Buch wirklich großartig und berührend. Wir befinden uns mit der St. Valentines in einem Academy Setting an einem reinen Jungen Elite Internat mit vielen strengen und veralteten Regeln wie Schuluniformen, Geschlechtertrennung, Ausgangssperre und öffentlicher Notenaushang. In diesem Zusammenhang wird sehr gut dargestellt mit welchen Ängsten und vorallem Unsicherheiten Transpersonen im Alltag kämpfen - gleichzeitig zeigt es aber auch auf wieviel Druck im Allgemeinen durch verinnerlichte toxische Männlichkeit auf Jungs lastet einem bestimmten Rollenbild bzw. bestimmten Attributen wie Stärke/Erfolg/Sportlichkeit etc. gerecht werden zu wollen.
Der Prota Charlie ist wirklich so ein mausiger Charakter, man möchte ihn ganz oft einfach in den Arm nehmen, um ihm aufzuzeigen wie mutig und bewundernswert es ist, dass er seinen Weg geht und was er alles schon erreicht hat. Er wächst im Verlauf des Buches wirklich über sich hinaus und überwindet seine Unsicherheiten sogar soweit, dass er einige Freundschaften schließt und sich letztendlich mehrfach outet.
Mit Jasper dem weiteren Prota bin ich anfangs leider gar nicht warm geworden, da er wirklich das komplette Gegenteil von Charlie ist. Introvertiert trifft auf extrovertiert, Unsicherheit trifft auf extremes Selbstbewusstsein um nur mal einige Beispiel zu nennen. Diese Dynamik hat allerdings dazu geführt, dass ich ständig weiterlesen wollte, weil ich natürlich wissen wollte, wie sich alles weiter zwischen den beiden entwickelt.
In der zweiten Buchhälfte durfte man dann zum Glück doch noch einen Blick auf Jaspers Innenleben bekommen, was ihn mir dann letztendlich etwas sympathischer gemacht hat, da man seine sensible und verletzliche Seite kennenlernt.
Auch die Nebencharaktere Xavier und Luis sind so toll ausgearbeitet - man kann richtig mitverfolgen wie sich langsam zarte Freundschaften entwickeln indem große Geheimnisse offenbart werden wie zum Beispiel die eigene Queerness oder auch Loyalität/ Hilfsbereitschaft, dass Charlie in Sport besser wird bzw. an der Schule bleiben kann.
Den Nebenplot mit dem Nachhilfeprogramm Strip, unter dessen Deckmantel Liebesbriefe/ Gedichte mit der benachbarten Mädchen Akademie ausgetauscht werden hat nochmal frischen Wind reingebracht und an Dead Poets Society erinnert. Ich fand es toll, dass eine Gruppe komplett unterschiedlicher Jungs an diesem Projekt gearbeitet hat, dass von Zusammenhalt, Kreativität und Vertrauen gekennzeichnet ist.
Insgesamt ist das Buch in einem humorvollen und locker leichtem Stil geschrieben, sodass man super schnell in die Geschichte reinfindet und nur so durch die Seiten fliegt.
Von mir gibt es eine klare Leseempfehlung, da ich es vorallem auch gerade bei Kinder- und Jugendbüchern sehr wichtig finde, dass es eine diverse, queere und inklusive Repräsentation gibt, damit alle Kinder sich in Zukunft beim Lesen, in den Charakteren wiederkennen können.
Für mehr Vielfalt in den Bücherregalen und Herzen - das ist hier definitiv gelungen ❤️